Trinken

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Eine Frau trinkt Wasser

Trinken (wahrscheinlich von germanisch drenk, einen Zug tun, und indogermanisch dhreg, ziehen)[1] bezeichnet den Vorgang, bei dem der Körper durch den Mund Flüssigkeiten aktiv aufnimmt. Derselbe Vorgang bei Tieren wird vorwiegend bei größeren Tieren teilweise als Saufen, teilweise ebenfalls als Trinken bezeichnet. Mit dem Trinken wird der Durst gestillt oder für eine leichtere Aufnahme des Essens[2] gesorgt. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für wesentliche Körperfunktionen unverzichtbar. Üblicherweise trinkt man entweder aus Behältern (z. B. Glas, Flasche oder Tasse), aus der hohlen Hand, aus natürlichen Gewässern, aus der Wasserleitung oder beim Stillen aus der Mutterbrust. Föten trinken das Fruchtwasser, in dem sie schwimmen.[3]

Physiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flüssigkeit erreicht beim Trinken über den Mund und die Speiseröhre den Magen, von dort weitergeleitet in den Darmtrakt. Im Darm wird die Flüssigkeit absorbiert. Überschüssige Flüssigkeit gelangt über die Nieren in die Harnblase und wird vorwiegend als Urin ausgeschieden, teilweise auch durch Schwitzen. Der Vorgang des Schluckens wird Schluckakt genannt.

Ein gesunder Körper signalisiert einen Flüssigkeitsmangel durch Durst. Durst (und darüber indirekt auch die Flüssigkeitszufuhr) wird vom Hypothalamus gesteuert und ist sowohl vom Elektrolythaushalt als auch von der Blutmenge abhängig.

Der durchschnittliche Tagesbedarf an Flüssigkeit bei einem Erwachsenen beträgt zwei Liter. Ein Teil davon wird durch feste Nahrung eingenommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, jeden Tag etwa 1,5 Liter Flüssigkeit zu trinken.[4] Der Gesamtbedarf hängt von externen Faktoren ab (Wetter, körperliche Beanspruchung, Ernährungsgewohnheiten u. a.). Auch innere Faktoren, wie z. B. Fieber oder Durchfall, können den Flüssigkeitsbedarf erhöhen.[5] Insbesondere viele ältere Menschen trinken nicht genug.

In der populären Ratgeberliteratur und von Wasseranbietern wird häufig behauptet, dass Erwachsene sich nicht nur auf ihren Durst verlassen, sondern auf jeden Fall zwei Liter Wasser pro Tag trinken sollen.[6] Diese „Zwei-Liter-Regel“ ist umstritten.[7] Heinz Valtin, Nierenspezialist und Professor für Physiologie und Neurobiologie am Dartmouth College, hat bereits 2002 darauf hingewiesen, dass es für einen gesundheitlichen Nutzen der Befolgung dieses Ratschlages keinerlei wissenschaftlichen Nachweis gebe.[8]

Gängige Getränke sind Wasser, Milch, Säfte, Limonaden, Kaffee, Tee, Wein, Bier und Spirituosen.

Gesundheitliche Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein dauerhafter Mangel an Flüssigkeit führt zu Dehydratation, Austrocknung und schließlich zum Verdursten; Auch zu viel Flüssigkeit kann auf den Organismus schädlich wirken. Bei mehr als sechs Litern Flüssigkeitszufuhr wird das Blut zu stark verdünnt, die Zellen platzen und die Gehirnmasse schwillt drastisch an. Eine mögliche Folge ist der Tod (Hyperhydration).[9][10][11]

Polydipsie bezeichnet einen gesteigerten Durst, der meist von erhöhter Nierenfunktion verursacht wird. Durch zu viel Flüssigkeitszufuhr und die folgenden Ausscheidungen kommt es zu einem Verlust von Salzen und Mineralstoffen aus dem Körper. Mögliche Ursachen sind Diabetes mellitus und Diabetes insipidus, das Cushing-Syndrom und Nierenerkrankungen.

Durch verunreinigte Flüssigkeiten bzw. deren Behältnisse können − wie auch beim EssenBakterien, Viren, Sporen, Allergene, Chemikalien und Radioaktivität übertragen werden. Durch das Trinken von Salzwasser wird dem Körper Flüssigkeit entzogen; es führt langfristig zum Tod.

Ein mangelhaftes oder fehlendes Durstgefühl heißt in der Medizin Adipsie.

Vom Ertrinken spricht man, wenn ein Mensch oder Tier aufgrund eines Unfalls oder durch Absicht für einen längeren Zeitraum unter Wasser gerät, dabei größere Mengen Wasser „einatmet“ und durch Sauerstoffmangel verstirbt.

Als Trinken wird umgangssprachlich auch regelmäßiger, suchtgeleiteter Alkoholkonsum (Alkoholismus) bezeichnet. Die Betroffenen werden Trinker genannt.

Kulturelle Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heilige Kommunion mit Eucharistiefeier
Hauptartikel: Trinkkultur

Es existiert eine reiche Anzahl von Gefäßen, die eine besondere kultische oder feierliche Funktion erfüllen, zum Beispiel Prunkbecher. Die christliche Eucharistiefeier ist ein liturgisches Fest, bei dem dem Abendmahl Jesu mit Brot und Wein gedacht wird. Der Wein verkörpert dabei das Blut Jesu, dass dieser für die Gläubigen vergossen hat. Er wird dafür in einen speziellen Kelch gefüllt.

In der griechischen Mythologie führte das Trinken aus dem Fluss Lethe zum Vergessen. Wer das Wasser des Flusses Mnemosyne trank erinnerte sich hingegen an alles. Im Jahr 399 v. Chr. wurde Sokrates durch das Trinken aus dem Schierlingsbecher hingerichtet. Als Vampirismus bezeichnet man die Lust am Bluttrinken, wie es im Vampirmythos und in der Erotik vorkommt.

Insbesondere der Konsum alkoholhaltiger Getränke hat im Laufe der Jahrhunderte facettenreiche Traditionen und Riten hervorgebracht. Hierbei stehen die Geselligkeit und das Rauscherlebnis im Vordergrund (Rauschtrinken). Bei manchen gesellschaftlichen Anlässen wie beispielsweise Hochzeiten, wird ein Trinkspruch ausgebracht, der mit dem gemeinsamen Trinken bestätigt wird.

Tiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei größeren Tieren, besonders größeren Nutztieren wie z.B. Pferden nennt man den Vorgang auch Saufen, während bei kleineren Tieren und Haustieren eher von Trinken gesprochen wird. Ebenso wie Menschen sind die meisten Tiere zwingend auf die aktive Flüssigkeitsaufnahme angewiesen. Eine Ausnahme bilden Salzwasserfische, die stattdessen Osmose verwenden. Manche Wüstentiere trinken nicht und nehmen die benötigten Flüssigkeiten über safthaltige Pflanzen auf. Kamele können längere Zeit ohne Wasseraufnahme auskommen.[12]

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere erhöhte Aufnahme alkoholischer Getränke bzw. die Alkoholkrankheit wird umgangssprachlich „Trinken“ oder „Saufen“ genannt. Wenn von jemandem allgemein und ohne Bezug auf einen Einzelanlass gesagt wird "er trinkt", ist damit gemeint, dass er Alkoholiker ist. Ein einmaliger Alkoholmissbrauch wird auch "über den Durst trinken" genannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trinken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/ New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 790.
  2. Dazu die Küchemmeysterey, ein Kochbuch des 15. Jahrhunderts: „Alle feste Speis ist schädlich, auch trocken Brot zu essen ist schädlich. Man muß immer dazu trinken.“ Zitiert aus Harry Kühnel: Die Sachkultur bürgerlicher und patrizischer Nürnberger Haushalte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit (Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn). Mit einem Register von Ralf Nelles, Jan Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 379954156X, S. 14–31; hier: S. 29 f.
  3. Friedrich Ahlfeld: Lehrbuch der Geburtshilfe. Friedrich Wilhelm Grunow, Leipzig 1894, S. 30 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Hinweis der DGE
  5. Fieber steigert den Flüssigkeitsbedarf eines Kindes. Abgerufen am 11. Oktober 2017. Durchfall (Diarrhö): Therapie. Abgerufen am 11. Oktober 2017.
  6. Zwei Liter und mehr pro Tag. Abgerufen am 28. September 2017.
  7. Forscher widerlegen 2-Liter-Regel: So viel Wasser müssen Sie wirklich trinken. In: 2017-02-27. Abgerufen am 28. September 2017.
  8. "Drink at Least 8 Glasses of Water a Day" - Really? Abgerufen am 28. September 2017.
  9. Viel trinken müssen - eine Mär?, faz.net (23. Juli 2011)
  10. Zuviel Trinken kann auch schaden, welt.de (20. August 2008)
  11. Die Zeit, Ausgabe 01, 2001
  12. Zoolog. Institut, Uni Stuttgart