Waldensberg

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Waldensberg
Koordinaten: 50° 18′ 15″ N, 9° 13′ 30″ O
Höhe: 377 m ü. NHN
Fläche: 10,25 km²
Einwohner: 436 (31. Dez. 2011)
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1971
Postleitzahl: 63607
Vorwahl: 06053

Die ehemalige Gemeinde Waldensberg ist heute ein Stadtteil der deutschen Stadt Wächtersbach im Main-Kinzig-Kreis im Südosten Hessens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche in Waldensberg

Gründung des Dorfes durch die Waldenser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde Waldensberg 1699 von 28 Familien mit 144 Personen aus Frankreich geflohener Waldenser, die dem Grafen Ferdinand Maximilian von Ysenburg-Wächtersbach den Treueid schworen. 1701 wird der erste Friedhof in Waldensberg erwähnt. Viele Waldensberger sicherten ihren Lebensunterhalt durch Strumpfwirkerei. 1739 konnte die Kirche eingeweiht werden. 1756 wurden die evangelischen Kirchengemeinden Waldensberg und Breitenborn ein Kirchspiel. 1813–1820 wurde die Amtssprache und der Schulunterricht von der französischen auf die deutsche Sprache umgestellt.

Die Waldensberger Waldenser stammen aus dem Chisone Tal, den Ortschaften Mentoulles, Fenestrelle und Usseaux. Sie wurden 1698 mit 69 Familien bestehend aus 348 Einwohnern auf Grund ihres Glaubens vertrieben. Die Flucht führte über Genf und Basel nach Waldensberg. 41 Familien zogen über Waldensberg weiter und gründeten Nordhausen, heute ein Stadtteil von Nordheim bei Heilbronn.

Heute ist direkt an der Waldensberger Kirche ein Denkmal zu sehen, was die Vertreibung der Waldenser zeigt. Es wurde 2007 beim „Dämmershoppen“ der GNZ (Gelnhäuser Neuen Zeitung) gewonnen und von Pia Bopp (einer in Waldensberg lebenden Mediengestalterin) entworfen.

Zerstörung des Dorfes am 2. April 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. April 1945, als das Ende des Zweiten Weltkrieges längst absehbar war, lieferten sich um Waldensberg amerikanische Einheiten und Einheiten der Waffen-SS, der 6. SS-Gebirgs-Division „Nord“, unter SS-Gruppenführer Karl Brenner schwere Kämpfe, bei denen zwei Drittel des Dorfes zerstört wurden. Am 1. April (Erster Osterfeiertag) hatte die SS-Division den Raum Altenstadt erreicht. Dort wurde sie in schweren Kämpfen in den Erbstädter Wald abgedrängt. Am 2./3. April wurden die Reste der Division nach heftigen Kämpfen im Büdinger Wald südwestlich von Wittgenborn in einer Zangenbewegung von amerikanischen Infanterie- und Panzereinheiten zerschlagen. Die Kämpfe fanden in den Dörfern Leisenwald und Waldensberg, sowie auf dem Weiherhof statt, die stundenlang unter Artillerie-Feuer lagen. Bei den Kämpfen fielen über 400 US-Soldaten, 140 SS-Leute und mehr als ein Dutzend Dorfbewohner.[1][2]

Die wiedererbaute Kirche konnte zum 250. Jubiläum der Gemeinde 1949 eingeweiht werden.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1971 wurde Waldensberg in die Stadt Wächtersbach eingegliedert.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eiche am Großen Weiher mit einem Brusthöhenumfang von 7,50 m (2014).[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Keller: Das Ende, das der Anfang war. Anmerkungen zur öffentlichen und privaten Erinnerung an das Kriegsende wie an SS-Staat, 2. Weltkrieg und den Wandel in der Wetterauer Gesellschaft zwischen 1939 und 1949 in: Andreas Wiedemann: Zwischen Kriegsende und Währungsreform Politik und Alltag in den Landkreisen Friedberg und Büdingen 1945–1949, Verlag der Bindernagelschen Buchhandlung, Friedberg 1994 als Sonderausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter 43/1994 Teil II, Seite XXII f., ISBN 3-87076-079-6.
  2. Heinrich Kreß OSTERN 1945 – Waldensberg sank in Schutt und Asche Zwischen Vogelsberg und Spessart, Heimat-Jahrbuch des Kreises Gelnhausen 1964. Der Landrat des Landkreises Gelnhausen, Gelnhausen 1963, S. 33–38.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 362.
  4. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017