Weleda (Unternehmen)

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Weleda AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0004960180
Gründung 1921[1]
Sitz Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft), Schweiz
Leitung Aldo Ammendola (CRDO),
Michael Brenner (CFO),
Alois Mayer (COO),
Nataliya Yarmolenko (CCO),
Paul Mackay
(VR-Präsident)
Mitarbeiterzahl 2'554 (12/2019)
Umsatz 429 Mio. EUR (2019)[2]
Branche Naturkosmetik, Komplementärmedizin
Website www.weleda.com

Die Weleda AG ist eine international tätige Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Arlesheim, Schweiz, die Naturkosmetik und anthroposophische Arzneimittel produziert. Sie hat eine anthroposophisch inspirierte Unternehmensphilosophie.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen erzielt etwa 76 Prozent seines Umsatzes mit Naturkosmetik und 24 Prozent mit Arzneimitteln.[3]

Die anthroposophischen Arzneimittel, die ursprünglich das Kerngeschäft ausmachten, werden auf Grundlage der anthroposophischen Medizin entwickelt und hergestellt. Zu den speziellen, von der Weleda entwickelten Herstellungsverfahren gehören das «Rh-Verfahren», das durch rhythmische Bewegungen die Haltbarkeit erhöhen soll, und die sogenannte «Vegetabilisierung» von Metallen.

Organisation der Weleda-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptverwaltung der Weleda in Schwäbisch Gmünd

Die Weleda AG ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht mit Hauptsitz in Arlesheim bei Basel. Hauptaktionäre der Weleda AG sind die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Klinik Arlesheim AG, die zusammen 76,7 Prozent der Stimmrechte halten und 33,7 Prozent des Kapitals der Weleda AG besitzen. Die restlichen Namensaktien und stimmrechtslosen Partizipationsscheine befinden sich in Streubesitz.[4]

Der Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus Vertretern der wichtigsten Anteilseigner und Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben. Er wurde zuletzt auf der Generalversammlung am 5. Juni 2020 um ein neues Mitglied, den Vorstandssprecher der GLS Gemeinschaftsbank Thomas Jorberg, ergänzt und umfasst sieben Personen.[5][6] Unternehmerisch geführt wird die Weleda Gruppe von der Weleda Geschäftsleitung. Sie ist verantwortlich für die Umsetzung der Unternehmensstrategie auf internationaler Ebene. Derzeit umfasst die Geschäftsleitung vier Geschäftsführer mit unterschiedlichen Verantwortungsbereichen: Dr. Aldo Ammendola, Chief Research & Development Officer (CRDO), verantwortlich für den Geschäftsbereich Forschung und Entwicklung; Michael Brenner, Chief Financial Officer (CFO), verantwortlich für den Geschäftsbereich Finanzen und Services; Alois Mayer, Chief Operations Officer (COO), verantwortlich für den Geschäftsbereich Produktionsprozesse und Logistik sowie Nataliya Yarmolenko, Chief Commercial Officer (CCO), verantwortlich für den Geschäftsbereich Markt.[7][8]

Der größte Teil des Arzneimittel- und Naturkosmetiksortiments wird in den Betrieben der drei Länder Schweiz, Deutschland und Frankreich produziert. Die deutsche Niederlassung in Schwäbisch Gmünd ist mit etwa 1000 Mitarbeitern die größte Niederlassung.

Insgesamt umfasst die internationale Weleda Gruppe 18 Mehrheitsbeteiligungen und weitere Minderheitsbeteiligungen, Vertretungen und Lizenznehmer weltweit. Insgesamt beschäftigt die Weleda AG mehr als 2500 Menschen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Namensgebung (1920–1924)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Steiner um 1905
Ita Wegman 1926

Die heutige Weleda AG geht auf zwei Gründungen zurück, eine in Deutschland und eine in der Schweiz. In Stuttgart wurde die Firma Der kommende Tag – Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte am 13. März 1920 von Rudolf Steiner mitgegründet. Als Gründer zeichneten den Gesellschaftsvertrag Konradin Haußer, Emil Leinhas, Graf Otto von Lerchenfeld, Alfred Meebold, Emil Molt, José del Monte, Graf Ludwig von Polzer-Hoditz, Carl Unger und Rudolf Steiner. Letzterer war zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats. Fast alle Gründungsmitglieder waren bereits lange mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie vertraut.[9] Für eine zukünftige Heilmittelproduktion kaufte Der kommende Tag am 12. März 1920 die «Colonial-Werke Paul Rumpus», ein 1916 erbauter Mühlbetrieb in Schwäbisch Gmünd. Im Februar 1921 erwarb Der kommende Tag in Stuttgart die Liegenschaft Wildermuth, Gänseheide 28. Dort wurde das Herstellungslaboratorium eingerichtet, in dem 20 Heilmittel produziert wurden. Unter Leitung des Hamburger Arztes Otto Palmer öffnete am 15. August 1921 das Stuttgarter Klinisch-Therapeutische Institut.[10]

Im selben Jahr wie die Der kommende Tag AG gründeten am 16. Juni 1920 Rudolf Steiner und Ita Wegman die schweizerische Futurum AG – Ökonomische Gesellschaft zur internationalen Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte in Dornach. Rudolf Steiner war auch hier Aufsichtsratsvorsitzender. Im September 1920 erwarb Ita Wegman ein zur Futurum AG gehörendes Grundstück in Arlesheim und gründete dort das Klinisch-Therapeutische Institut (heute: Klinik Arlesheim), das erste anthroposophische Krankenhaus weltweit. Ab dem 1. Februar 1921, nachdem das «Laboratorium am Goetheanum» gekauft wurde, verfügte die Futurum AG über eine pharmazeutische Herstellung. Im Juli 1921 kaufte Ita Wegman in der Nähe der Klinik die Liegenschaft Hirsland Nr. 218. Dort wurden die Versuchs- und Fabrikationslaboratorien untergebracht. Bis 2005 war auf diesem Grundstück der Hauptsitz der Weleda AG.[11]

Die Futurum AG und die Der kommende Tag AG waren als sogenannte «Assoziationen» gegründet worden, um der Verbreitung der Dreigliederungs-Idee durch eine allmähliche Wirtschaftsreform einen neuen Auftrieb zu geben. Weiterhin sollten diese beiden Betriebe die finanziellen Mittel für das Fortführen der verschiedenen Initiativen innerhalb der anthroposophischen Bewegung – zum Beispiel der Aufbau des Goetheanum oder der «Freien Waldorfschule Stuttgart», sichern. Daher betonte Rudolf Steiner, dass sowohl die Arzneimittel wie auch die Naturkosmetik Gewinn bringen müssten und sich nicht gegenseitig finanzieren dürften, da ansonsten das große Ziel gefährdet sei.[12]

Infolge einer Liquiditätskrise bei der Futurum AG im Jahr 1922 wurden die Firma in Internationale Laboratorien AG (ILAG) umbenannt und neue Aktien ausgegeben. Da auch die deutsche Vorläuferfirma der Weleda Der kommende Tag AG im Jahr 1922 kurz vor dem Konkurs stand, bat Rudolf Steiner auf der Hauptversammlung die Aktionäre Des kommenden Tages ihre Anteile an die ILAG zu verschenken, da er hoffte, dass durch diesen Schritt das Überleben beider Firmen gewährleistet sein würde.

Nachdem die Mitglieder dem zugestimmt hatten, firmierte die neu fusionierte Firma am 21. November 1922 unter dem Namen Internationale Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim A.G.[1] Damit wurden die Einrichtungen in Deutschland Zweigniederlassungen der Schweizer Muttergesellschaft.[13] Da dieser ursprüngliche Name sehr lang war und vor allem im internationalen Vertrieb Schwierigkeiten bereitete, einigte man sich am 7. September 1924 auf den Namen Weleda.[14] Der neue Name wurde am 20. September 1924 in Deutschland und am 25. September 1924 in der Schweiz markenrechtlich geschützt.

Der Name geht auf die germanische Heilpriesterin Veleda zurück, die als Prophetin und Seherin wirkte. Der Firmenname deutet an, dass die Quelle der Heilkunst gemäß anthroposophischem Verständnis im übersinnlichen Bereich liegt.[15] Weleda wird aber mit W statt mit V geschrieben, da befürchtet wurde, dass in manchen Sprachen das V wie ein F ausgesprochen werden könnte.[16] Seither wird der Name sowohl für alle Tochterunternehmen als auch für die Erzeugnisse der Firma verwendet. Am 10. Dezember 1928 wurde vom Verwaltungsrat beschlossen, dass auch die ILAG den Namen Weleda AG bekommt und dementsprechend wurde dies dann in den Handelsregistern eingetragen.[17]

Das Firmenlogo leitet sich ab vom Äskulapstab, einem Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes. Es zeigt in abstrahierter Form eine Schlange, die sich um einen Stab windet.

Expansion und internationaler Ausbau (ab 1925)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1925 umfasste die Produktpalette von Weleda rund 360 Einzelpräparate.[18] Besonders in den späten 1920er Jahren wurden verschiedene Kosmetika entwickelt: Toilettenmilch (später Irismilch), Coldcream, Massageöl, Rosmarinbad, Hautcreme, Seife, Rasierseife, Sonnenschutzcreme, Haarwaschpuler, Fichtennadelbad, Lavendelwasser und Arnikaessenz.

Im November 1924 hatte der Standort Schwäbisch Gmünd, an dem seit Oktober 1924 Wilhelm Pelikan die Direktion der Fabrikation übernommen hatte, zwölf Mitarbeiter. 1939 waren es 150 Mitarbeiter.[19]

Zwischen 1925 und 1928 verdoppelte sich der Gesamtumsatz von Weleda. Produziert wurde in Arlesheim und Schwäbisch Gmünd. Laboratorien befanden sich in Stuttgart, Schwäbisch Gmünd und Arlesheim. Der Geschäftsbericht von 1928 nennt auch ein Laboratorium im französischen St. Louis. In den 1920er Jahren wurden verschiedene Tochtergesellschaften gegründet: The British Weleda Co. Ltd. (1924), de Handelsonderneming Weleda (Niederlande, 1926), The American Arlesheim Laboratories (1926), Veleda-Ges.m.b.H. (Tschechien, 1926).[20]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Niederlassung einer Schweizer AG überstand die Weleda AG in Schwäbisch Gmünd, anders als andere anthroposophische Verbände und Schulen, das NS-Regime und die Kriegsjahre bruchlos.[21] Das Verhältnis zum Nationalsozialismus war ambivalent. So vermarktete beispielsweise die nationalsozialistische Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung Produkte von Weleda[22] und der ehemalige Weleda-Chefgärtner Franz Lippert wurde mit einer durch Zwangsarbeit aufgebauten und bewirtschafteten biologisch-dynamischen Plantage im Konzentrationslager Dachau betraut.[23] In den 1980er Jahren geriet das Unternehmen in die Kritik, weil es dem KZ-Arzt und Himmler-Protegé Sigmund Rascher eine „naturheilkundliche Frostschutzcreme“ geliefert hatte. Rascher, der Lösungen für die Probleme von ins Meer abgestürzten Wehrmachtspiloten suchte, setzte die Weleda-Creme im Rahmen von Unterkühlungsversuchen an Häftlingen im Konzentrationslager Dachau ein. Obwohl die Firma Weleda Sigmund Rascher unter seiner Münchner Privatadresse belieferte, die zurück geforderten Präparate jedoch vom Ahnenerbe der SS erhielt[24] und meint, von der Verwendung der Creme aufgrund der Geheimhaltungsstufe der Versuche Raschers keine Kenntnis gehabt zu haben,[25] entschuldigte sich das Unternehmen Ende der 1990er Jahre schriftlich bei der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH) und sicherte dem Historischen Seminar der Universität Basel die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung durch eine Öffnung seiner Firmenarchive zu.[26]

Jüngere Entwicklungen (ab 1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ringelblumen-Feld im Weleda-Heilpflanzengarten
Skin Food Pflanzen im Weleda Erlebniszentrum in Schwäbisch Gmünd

Im Jahre 1964 wurde das Krebs-Arzneimittel „Iscador“ bei den Krankenkassen zugelassen, und seit 1976 wirken Weleda-Mitarbeiter in der Deutschen Homöopathischen Arzneimittel-Kommission an den Arzneibuch-Monografien des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) mit. 1965 gründete der niederländische Pharmazeut, Anthroposoph und Medizinhistoriker Willem Frans Daems die Ärzteabteilung der Weleda-AG.[27] Fast alle aufgeführten mineralischen, als wärmebehandelt und rhythmisch behandelt bezeichneten Arzneimittel gehen auf Weleda zurück. Das Sortiment umfasst über 120 Naturkosmetikprodukte und über 1000 Fertig-Arzneimittel. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit 2371 Mitarbeiter weltweit (1000 davon in Schwäbisch Gmünd). Weleda ist nach den Regelwerken EU-Ökoaudit-Verordnung und nach der Norm ISO 14001 zertifiziert. Im Juli 2006 wurden der Heilpflanzenanbau und die Pflanzenverarbeitung in die hundertprozentige Tochterfirma Weleda Naturals ausgegliedert. Die Weleda Naturals stellte jährlich rund 450 verschiedene Tinkturen und Ölauszüge aus Frischpflanzen und getrockneten Kräutern her, die in den drei Weleda Herstellstandorten als Ausgangsstoffe für die Arzneimittel und Körperpflegeprodukte Verwendung finden. 2014 wurde die Weleda Naturals GmbH in die Weleda AG integriert. Im firmeneigenen Heilpflanzengarten werden rund 260 verschiedene Heilpflanzen angebaut, die zum großen Teil nach der Ernte sofort als Frischpflanze verarbeitet werden. Mit 23 Hektar in biologisch-dynamischer Anbauweise ist er der größte Heilpflanzengarten Europas mit Freilandanbau für einheimische Arten und Gehölze sowie Gewächshäusern für die Jungpflanzenzucht und tropische Pflanzen.

2008 kam es zu Problemen in der Lieferkette, angeblich infolge einer IT-Umstellung. Bereits bestellte Heilmittel wurden nicht mehr ausgeliefert, weil Weleda nicht in der Lage war, Rechnungen zu erstellen. Daraufhin musste die nur begrenzt haltbare Ware in großen Mengen vernichtet werden. In dem Chaos erhielten einige Kunden zwar Waren, aber keine Rechnungen. Das Missmanagement trieb das Unternehmen in die Verlustzone und nach einem Verlust von zunächst drei und dann 8,6 Millionen Euro im Jahr 2011 wurde der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat, einem Gremium, in dem bis dahin auch dm-Chef Götz Werner saß, einem Aushängeschild der Anthroposophen in der Wirtschaft, Inkompetenz attestiert und die komplette Absetzung anberaumt.[28][29] Ende 2011 stand die Weleda AG vor dem Ruin. Der Jahresverlust betrug 10 Millionen Franken. Deshalb wurde fast die komplette Unternehmensführung ausgewechselt. Ein neuer Geschäftsführer, der Betriebswirt Ralph Heinisch, bemühte sich Ende 2011 und Anfang 2012, die Insolvenz abzuwenden.[30] 2012 kam es zu einer umfassenden Reorganisation des Unternehmens, an deren Beginn ein vollständiger personeller Wechsel an der Spitze von Weleda stand. Der Verwaltungsrat wurde von den Aktionären neu besetzt und Ralph Heinisch als Geschäftsführer eingesetzt. Im selben Jahr erwirtschaftete Weleda einen Überschuss von 0,5 Mio. Euro nach Steuern bei einem Umsatz von 322,5 Mio. Euro (+5 Prozent). Die Schulden konnten verringert werden. Seitdem ist der Umsatz stetig gestiegen.[31]

2009 zertifizierte Weleda seine sogenannten Naturkosmetikprodukte nach den Richtlinien des Ende 2008 von Naturkosmetikherstellern gegründeten NATRUE-Label[32] und erzielte 2009 ein Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 399,4 Millionen Franken.[33]

Im Jahr 2018 wuchs der Umsatz um 2,8 Prozent. Heute ist Weleda der drittgrößte Hersteller von Babypflege-Produkten in Deutschland und Marktführer bei zertifizierter Naturkosmetik in Europa.[34] 2011 erreichte Weleda in Deutschland einen Marktanteil von 28 Prozent.[35]

Ende 2018 eröffnete Weleda City Spas in den niederländischen Städten Den Haag, Rotterdam und Oegstgeest. Anfang des Jahres 2020 wurde im Hamburger Stadtteil Blankenese ein weiteres City Spa eröffnet.[36] Geplant sind Standorte in Amsterdam und in Stuttgart.[37]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenamtsprojekt Gemeinsam gärtnern im Heilpflanzengarten

2014 war Weleda Projektpartner der baden-württembergischen Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd. Mit 2 Millionen Besuchern war sie die erfolgreichste ihrer Art. Seit Ende 2015 leistet Weleda mit dem Programm Vielfalt gewinnt! einen Beitrag dazu, Perspektiven für Menschen mit Fluchterfahrung zu schaffen. Im Ehrenamtsprojekt Gemeinsam gärtnern haben Mitarbeitende der Weleda und geflüchtete Menschen seit Anfang 2016 gemeinsam einen Garten geschaffen, der seitdem Raum für interkulturelle Begegnung und Miteinander ist.[38] Weleda betreibt außerdem das Programm Beruf und Familie für die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben im Rahmen des Weleda Diversitätsmanagements, das unter anderem einen betriebseigenen Kindergarten bietet, und das Weleda Generationen-Netzwerk, ein Programm zur Vernetzung der Mitarbeitenden und ehemaligen Mitarbeitenden im Ruhestand, die sich im Rahmen des Netzwerks seit 2004 zusammentun, um einander bei Gartenarbeit, Einkauf oder Kinderbetreuung auszuhelfen.[39] Auch Projekte der regionalen Vernetzung werden gefördert, beispielsweise bezieht Weleda seit 2013 den Kaffee für die Mitarbeitenden aus der Kaffeerösterei El Molinillo, einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung.[40]

Umweltschutz und Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang Weleda-Heilpflanzengarten in Schwäbisch Gmünd

Weleda unterstützt zahlreiche Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsprojekte. 2013 hat sich Weleda zu einer vollständigen Rückverfolgung ihrer Rohmaterialien mit EMAS verpflichtet.[41] Mit der Unterstützung von Weleda setzt sich die Nichtregierungsorganisation Borneo OrangUtan Survival (BOS) für die Aufforstung des Waldes und dessen Artenvielfalt ein. Durch die Abholzung des Regenwalds für Palmölplantagen ist der Lebensraum tausender Orang-Utans auf Borneo in Gefahr. Weleda ist Teil eines Mehr-Phasen-Projekts, das im Oktober 2019 begann, zunächst 20 Monate laufen soll und von Weleda mit 100.000 Euro unterstützt wird. Im Fokus des Projekts steht die im Süden von Mawas liegende Gemeinde Mantangai Hulu mit ihren 2000 Einwohnern. Um deren wirtschaftliche Unabhängigkeit zu gewährleisten, wird mit der Sicherung von Landrechten für die Gemeinde begonnen, dann soll eine Fläche von 55 ha mit 55.000 Bäumen[42] aufgeforstet werden, um die Biodiversität auszubauen. In Schulungen soll die Dorfbevölkerung im nachhaltigen Umgang mit Ressourcen geschult und zum Schutz vor möglichen Waldbränden zu Feuerschutzteams ausgebildet werden.[43][44] Weleda ist auch Partnerunternehmen[45] des Projekts HektarNektar, das sich für den Schutz von Wild- und Honigbienen einsetzt. Weleda bewirtschaftet weltweit sieben Heilpflanzengärten, in denen die Pflanzen für Arzneimittel und Kosmetikprodukte auf biologisch-dynamische Weise angebaut werden. Am Standort Schwäbisch Gmünd befindet sich mit 23 ha Fläche der größte Heilpflanzengarten Europas, in dem über 2.000 Pflanzenarten wachsen.[46] Im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt wurde der Garten 2017 ausgezeichnet.[47]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesfamilienministerin Renate Schmidt ehrten Weleda im Jahr 2005 mit dem Innovativpreis für zukunftsweisende familienorientierte Maßnahmen.[48] Utopia, Deutschlands größte Gemeinschaft für nachhaltigen Konsum, verlieh Weleda 2009 den Utopia-Award gleich zweifach: Neben dem Jury-Preis wählte auch das Publikum Weleda zum vorbildhaftesten Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit.[49] Das Weleda Generationen-Netzwerk erhielt 2010 vom Bund Deutscher Unternehmensberater den «Demografie Exzellenz Award». Für das Projekt «Ethische Beschaffung natürlicher Rohstoffe» wurde die Weleda AG 2016 mit dem Swiss Ethics Award, dem Preis des Swiss Excellence Forum ausgezeichnet. Im November 2016 kürte die Jury des renommierten Deutschen Nachhaltigkeitspreis Weleda zur nachhaltigsten Marke Deutschlands 2016.[50] 2017 wurde die Weleda AG für verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement mit dem CSR-Preis der Bundesregierung ausgezeichnet.[51]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 wurde publik, dass Weleda ein dubioses Internet-Blog mitfinanzierte (Jahresvolumen 43.000 Euro), das „Kritiker ihrer Produkte anschwärzt – bei jedem herkömmlichen Pharmakonzern wäre dies ein Skandal“, wie in den Medien berichtet wurde. Dabei habe es sich um den Blogger Claus Fritzsche, einen Betreiber mehrerer Webseiten, gehandelt, der sich als Medizin- und Wissenschaftsjournalist bezeichnete und sich auf diesen der Diffamierung von Kritikern komplementärmedizinischer Praktiken widmete. Dabei verwendete Fritzsche verschiedene Server, die sich gegenseitig verlinkten, um so unter anderem die Google-Suchergebnisse zu manipulieren und die Kritik in den Vordergrund zu rücken. Ein Opfer dieser Praxis war der britische Forscher Edzard Ernst.[52][53] Weleda stellte im Juli 2012 die Finanzierung ein, nachdem Jens Lubbadeh in der Süddeutschen Zeitung diese Vorgehensweise kritisiert hatte.[54]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997.
  • Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9.
  • Helmut Zander: Die Anthroposophie: Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik. Verlag Ferdinand Schöningh 2019, ISBN 978-3-506-79225-9.
  • Weleda AG (Hrsg.): Das Wissen der Weleda Gärtner. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-8186-0900-9.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kosmetik aus der Natur – Weleda in Schwäbisch Gmünd. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 29:47 Min., Buch und Regie: Thomas Eberding, Produktion: SWR, Reihe: made in Südwest, Erstsendung: 19. August 2015 bei SWR, Inhaltsangabe von ARD, online-Video.
  • Schönheit aus der Natur. Dokumentarfilm, Schweiz, 2014, 29:20 Min., Buch und Regie: Annette Frei Berthoud, Produktion: NZZ, Reihe: NZZ Format, Erstsendung: 7. Dezember 2014 bei 3sat, Inhaltsangabe mit Vorschau und Filmtext von NZZ.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bildarchiv Weleda – Sammlung von Bildern auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 34 (PDF; 17,8 MB).
  2. Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2019 (PDF; 6,9 MB).
  3. Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2019 (PDF; 6,9 MB).
  4. Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2019, S. 1 (PDF; 6,9 MB).
  5. Ueli Hurter im Verwaltungsrat der Weleda. Abgerufen am 17. Juli 2020.
  6. Weleda: Naturkosmetik- und Arzneimittelfirma wird jetzt noch nachhaltiger. 17. Juni 2020, abgerufen am 18. August 2020.
  7. Nataliya Yarmolenko neu in der Weleda Geschäftsleitung. 16. Januar 2020, abgerufen am 13. August 2020.
  8. Alois Mayer neu bei Weleda. 11. Juli 2018, abgerufen am 13. August 2020.
  9. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 25, S. 35.
  10. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 36.
  11. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 35 f.
  12. Vgl. Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 181 ff.
  13. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 42.
  14. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, Kapitel Namensgebung, S. 74–79.
  15. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. Govi-Verlag, Eschborn 2000, ISBN 3-7741-0810-2, S. 15. Vgl. auch Willem F. Daems: Die historische Weleda. Namensgeberin für die Weleda Heilmittelbetriebe. Verlag am Goetheanum, Dornach 1991, ISBN 978-3-7235-0589-2.
  16. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 75.
  17. Vgl. Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 35, 44, 47, 89.
  18. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 83.
  19. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 87.
  20. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 103.
  21. Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, ISBN 978-3-421-04473-0, S. 335 f.
  22. Peter Staudenmaier: Anthroposophy and Ecofascism. Abgerufen am 1. Juni 2020 (eng).
  23. Peter Staudenmaier: Der Deutsche Geist am Scheideweg. Abgerufen am 1. Juni 2020 (eng).
  24. Karl Heinz Roth: Sigmund Rascher und der Weleda-Konzern taz vom 25. August 1983, S. 9
  25. Vgl. Uwe Werner: Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945). Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56362-9, S. 361.
  26. Iso Ambühl: Crème für KZ: Weleda bedauert. In: SonntagsZeitung, Nr. 15, 12. April 1998, im Archiv der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH). Abgerufen am 10. Januar 2016.
  27. Gundolf Keil: Verzeichnis der Schriften von Willem Daems. Teil II. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 439–448; hier: S. 439.
  28. Weleda musste eigene Ware vernichten. In: Gmünder Tagespost, 2. Februar 2009. Abgerufen am 19. Mai 2020.
  29. Bettina Weiguny: Weleda hat Probleme. Kosmetik und Salben aus dem Waldorf-Garten. In: FAZ.net, 24. September 2014. Abgerufen am 19. Mai 2020.
  30. Matthias Oppliger: Wie Weleda den Ruin abgewendet hat, in acht Grafiken erklärt. In: TagesWoche, 19. Juli 2014. Abgerufen am 19. Mai 2020.
  31. Umsatz der Weleda Gruppe weltweit in den Jahren 2011 bis 2019. In: Statista. Mai 2020, abgerufen am 21. Juli 2020.
  32. Natrue: Weleda Natrue Mitgliedschaft.
  33. Weleda AG: Geschäftsbericht 2009 (Memento des Originals vom 5. Juli 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.weleda.de (PDF; 2,2 MB).
  34. Vgl. Christiane Jaud: Corporate Social Responsibility als Erfolgsfaktor für das Marketing von Unternehmen. GRIN Verlag, München 2009, ISBN 978-3-640-48987-9, S. 71 ff.
  35. ug: Weleda wächst mit Naturkosmetik und Arzneimitteln. In: Pharmazeutische Zeitung, 3. Februar 2012 und in: Lebensmittel Zeitung, Nr. 27, 6. Juli 2012, S. 98.
  36. Homepage des City Spas. Abgerufen am 16. Juli 2020.
  37. Weleda eröffnet City Spa in Hamburg Blankenese. In: hamburg-magazin.de, 6. Februar 2020. Abgerufen am 16. Juli 2020.
  38. Politisches Engagement und gesellschaftlicher Beitrag im Sozialen. In: Marco Englert, Anabel Ternès (Hrsg.): Nachhaltiges Management: Nachhaltigkeit als exzellenten Managementansatz entwickeln. S. 744.
  39. Uwe Schirmer (Hrsg.): Demografie Exzellenz – Handlungsmaßnahmen und Best Practices zum demografieorientierten Personalmanagement. S. 205–208.
  40. El Molinillo beliefert die Weleda mit Kaffee. 22. Dezember 2013, abgerufen am 21. Juli 2020.
  41. EMAS geprüftes Umweltmanagement: Nachhaltige Lieferkette mit EMAS. Abgerufen am 7. August 2020 (deutsch).
  42. Gegen die Abholzung des Regenwaldes. Abgerufen am 7. August 2020.
  43. Weleda hilft Orang-Utans auf Borneo. Abgerufen am 7. August 2020.
  44. Einkommen jenseits von Palmöl. 23. August 2017, abgerufen am 7. August 2020.
  45. Weleda engagiert sich für Bienen - Bienenschutz mit Hektar Nektar. Abgerufen am 7. August 2020.
  46. Nachhaltigkeit aus dem Blickwinkel der Vielfalt. In: Marco Englert, Anabel Ternès (Hrsg.): Nachhaltiges Management: Nachhaltigkeit als exzellenten Managementansatz entwickeln. S. 737.
  47. Europas größter Heilpflanzengarten von UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. In: leben.natur.vielfalt – die UN-Dekade. 23. September 2017, abgerufen am 22. September 2020.
  48. Weleda. Abgerufen am 21. Juli 2020.
  49. Utopia: Award Gewinner 2009 (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive).
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  52. Jens Lubbadeh: Homöopathie-Lobby im Netz – Schmutzige Methoden der sanften Medizin. In: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2012. Abgerufen am 19. Mai 2020.
  53. Bettina Weiguny: Weleda hat Probleme. Kosmetik und Salben aus dem Waldorf-Garten. In: FAZ.net, 24. September 2014. Abgerufen am 19. Mai 2020.
  54. merdeister: Weleda und die Weisheit der Menschen. In: der Freitag / Blog, 9. Juli 2012.