AMR 35

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AMR 35
Eine Gruppe von AMR 35 mit 13,2-mm-Maschinengewehr

Eine Gruppe von AMR 35 mit 13,2-mm-Maschinengewehr

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 2
Länge 3,84 m
Breite 1,76 m
Höhe 1,88 m
Masse 6,5 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 13 mm Stahlplatten
Hauptbewaffnung 1 Maschinengewehr Reibel 7,5 mm oder Hotchkiss 13,2 mm oder 1 Kanone 25 mm
Beweglichkeit
Antrieb 4-Zylinder-Benzinmotor Renault
84 PS
Federung Gummiverstärkte Horizontalfederung
Höchstgeschwindigkeit 55 km/h
Leistung/Gewicht
Reichweite 200 km

Die Automitrailleuse de Reconnaissance 35 (AMR 35) war ein leichter Panzer der französischen Armee vor und während des Zweiten Weltkrieges. Er war nicht zur Aufklärung gedacht, anders als der Name vermuten lässt, sondern wurde als leichter Begleitpanzer der motorisierten Infanterie verwendet.[1] Das Fahrzeug verfügte meistens nicht über eine Funkausstattung.

Entwicklung[Bearbeiten]

Nachdem der von der Firma Renault entwickelte AMR 33 VM nur bedingt akzeptiert und nur in geringer Stückzahl geordert worden war, verwendete der Konstrukteur Louis Renault zwei dieser Fahrzeuge zur Verbesserung des Modells. Mitte Februar 1934 wurde der Abnahmekommission ein erstes Fahrzeug mit stärkerem Antriebsaggregat vorgestellt.[2] Die Bestellung von 92 Stück wurde am 3. Juli 1934 unter der Bezeichnung „AMR 35“ genehmigt; davon sollten 31 der Panzer eine Funkausstattung haben. Zusätzlich wurden acht Befehlspanzer hergestellt. Diese erhielten die militärische Bezeichnung AMR 35 ADF 1.[3]

Der AMR 35 war etwas größer als der AMR 33; die Höchstgeschwindigkeit lag bei 55 km/h,[4] was das Fahrzeug zum schnellsten französischen Panzer seiner Zeit machte. Die Panzerung war maximal 13 mm stark, die Bewaffnung bestand allerdings nur aus einem 7,5-mm-Reibel-Maschinengewehr.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der „AMR 33“ bereits als nahezu untaugliches Fahrzeug herausgestellt, da die Federung für Fahrten im Gelände zu schwach ausgelegt worden war. Daraufhin bestellte die Militärführung für diesen Panzer ein komplett überarbeitetes Fahrwerk, das auch für den neuen R-35 Verwendung finden sollte. Zwei verschiedene Modellvarianten wurden vorgeführt; die als Modell ZT bezeichnete und mit einer Tandemachse ausgerüstete Variante wurde angenommen.[5] Die zweite Variante ZB mit zwei Tandemachsen wurde hingegen verworfen, obwohl dieses Fahrwerk später im R 35 eingebaut wurde. Im März 1936 bestellte China jedoch zwölf Stück der ZB-Variante. Einige Monate später orderte die Provinzregierung von Yunan nochmals vier Stück. Diese vier Panzer kamen im Jahr 1938 zur Auslieferung, die übrigen wurden nur 1940 geliefert.

Wegen der dauernden Verzögerungen konnte der erste AMR 35 erst am 22. April 1936 im Dienst genommen werden. Zwischenzeitlich hatte die Firma Citroën versucht, mit ihrem neuentwickelten AMR Citroën P 103 in das Geschäft zu kommen und den Vertrag zu übernehmen. Diese Fahrzeug hatte eine vollkommen neuartige, hydraulische Fahrgestellaufhängung, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.[6]

Varianten[Bearbeiten]

  • „AMR 35 à mitrailleuse 13,2“
  • ZT2
  • ZT3
  • ZT4
  • YS

Im Jahre 1936 folgten zwei weitere Bestellungen. Die erste betraf 20 Stück des Typs AMR 35 sowie je fünf der Varianten Renault ZT2 und Renault ZT3; die zweite Bestellung lautete auf 55 AMR 35 sowie je fünf Fahrzeuge der Typen ZT2, ZT3, und Renault ADF 1. Die Gesamtzahl der ausgelieferten Fahrzeuge betrug somit 167 AMR 35, 10 ZT2, 10 ZT3, und 13 ADF 1.[7] In 1937 wurden auch zehn Kommandofahrzeuge mit einem vergrößerten Kampfraum, jedoch ohne Turm bestellt;[8] die wurden vom Hersteller werksintern „Renault YS“ genannt. Es gab auch einen YS-2-Prototyp, der als Artilleriebeobachtungsfahrzeug mit der entsprechenden optischen Ausstattung versehen worden war.[9]

  • Der Renault ZT2 war mit einem größeren geschweißten Turm vom Typ APX 5 und mit einer 25-mm-Kanone ausgestattet. Erst Ende 1939 waren die Mittel zur Produktion der Türme und damit zur Fertigstellung der Fahrzeuge vorhanden.[10]
  • Der Renault ZT3 war als Jagdpanzer mit der 25-mm-Kanone in Kasemattbauweise (Seitenrichtbereich 20°) vorgesehen.[11]

Beide Fahrzeuge sollten der Panzeraufklärungstruppe gewisse Möglichkeiten zur Panzerabwehr geben.

Ebenfalls unbefriedigend verlief der Versuch, einen Turm mit einem 13,2-mm-Hotchkiss-Maschinengewehr auszustatten. Dieses sollte mit panzerbrechender Munition in der Lage sein, auf eine Entfernung von 500 Metern 20 mm starke Stahlplatten zu durchdringen. Achtzig dieser Fahrzeuge wurden hergestellt.[7] Im Jahr 1936 wurden 21 Fahrzeuge des Typs Renault ZT4 für die Kolonialtruppen bestellt, da die bisher dort genutzten FT 17-Panzer ersetzt werden mussten. Da von diesen Truppen noch das Maschinengewehr Hotchkiss M1914 als Standardwaffe verwendet wurde, wurde die Ausstattung auch der neuen Fahrzeuge mit dieser Waffe gewünscht. Die französische Militäradministration entschied jedoch, dass es billiger sei, die alten FT-17-Türme auf die neuen Chassis zu setzen, was von den zukünftigen Benutzern strikt abgelehnt wurde. Trotzdem war zwischenzeitlich die Bestellung auf 55 Fahrzeuge erweitert,[12] jedoch bis Februar 1940 noch keiner der Panzer produziert worden. Zum Zeitpunkt der französischen Kapitulation waren lediglich 47 Chassis und noch kein Turm fertiggestellt.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Zur Schlacht um Frankreich waren 120 AMR 33 und 187 ZT bereits ausgeliefert und auf drei Schwadronen der 1. und der 2. DLM (leichte Mechanisierte Division), (je Division 66 AMR 35 Panzer);[13] je eine Schwadron in vier Leichten Kavallerie-Divisionen (je Division 22 Panzer; die 1e DLC verwendete den AMR 35), je ein Zug in fünf Mechanisierten Infanterie-Divisionen (je Division zwei ZT 2 und zwei ZT 3)[14] aufgeteilt worden. Die Ausfallquote betrug bereits ohne Kampfhandlungen teilweise bis zu 40 %.

Während der Kampfhandlungen stellte sich heraus, dass das 13,2-mm-Maschinengewehr sogar gegen den deutschen Panzerspähwagen nichts ausrichten konnte.
Die meisten der Fahrzeuge mussten dann wegen technischer Mängel aufgegeben werden.

Einige der von der deutschen Wehrmacht erbeuteten Fahrzeuge wurden für eigene Zwecke umgebaut und eingesetzt. So wurden einige AMR 35 als Panzerspähwagen ZT 702 (f) eingesetzt. Die verwendeten ZT4-Fahrzeuge erhielten teilweise anstelle des Turms einen nach oben offenen Aufbau, in dem sich ein 8-cm-Granatwerfer befand.[15] Die Bezeichnung für dieses Fahrzeug lautete „8-cm-schwerer Granatwerfer 34 auf Panzerspähwagen AMR (f)“

Literatur[Bearbeiten]

  • François Vauvillier: Les Automitrailleuses de Reconnaissance. Tome 1: L'AMR Renault modèle 1933 type VM. Ses Précurseurs, ses Concurrentes et ses Dérivés. Histoire & Collections, Paris 2005, ISBN 2-915239-67-3, (Les Matériels de l'Armée Française).
  • François Vauvillier: Les Automitrailleuses de Reconnaissance. Tome 2: L'AMR Renault modèle 1935 type ZT. Ses Concurrentes et ses Dérivés. Histoire & Collections, Paris 2005, ISBN 2-915239-70-3, (Les Matériels de l'Armée Française).
  • Walter J. Spielberger: Beute-Kraftfahrzeuge und -Panzer der deutschen Wehrmacht. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01255-3, (Militärfahrzeuge 12).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. François Vauvillier, 2007, "Notre Cavalerie Mécanique à son Apogée le 10 Mai 1940", Histoire de Guerre, Blindés & Matériel, N° 75, S. 45
  2. Vauvillier (2005b) S. 4
  3. Vauvillier (2005b) S. 60
  4. Vauvillier (2005b) S. 16
  5. Vauvillier (2005b) S. 8
  6. Vauvillier (2005b) S. 9
  7. a b Vauvillier (2005b) S. 13
  8. Vauvillier (2005b) S. 52
  9. Vauvillier (2005b) S. 56
  10. Vauvillier (2005b) S. 45
  11. Vauvillier (2005b) S. 47
  12. Vauvillier (2005b) S. 50
  13. Vauvillier (2005b) S. 27
  14. Vauvillier (2005b) S. 46, 49
  15. Vauvillier (2005b) S. 51

Weblinks[Bearbeiten]