A Serious Man

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Filmdaten
Deutscher Titel A Serious Man
Originaltitel A Serious Man
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch, Jiddisch
Erscheinungsjahr 2009
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 12[2]Vorlage:Infobox Film/Wartung/JMK ohne JMKID
Stab
Regie Ethan und Joel Coen
Drehbuch Ethan und Joel Coen
Produktion Ethan und Joel Coen
Musik Carter Burwell
Kamera Roger Deakins
Schnitt Ethan und Joel Coen als Roderick Jaynes
Besetzung

A Serious Man ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2009. Regie führten Ethan und Joel Coen, die auch das Drehbuch schrieben, den Film produzierten sowie unter ihrem gemeinsamen Pseudonym Roderick Jaynes den Schnitt übernahmen. Angesiedelt ist die schwarze Komödie im Jahr 1967 in einem Vorort des Mittleren Westens, die Hauptfigur und die meisten anderen Figuren gehören der jüdischen Gemeinde an. Es ist das bis dahin persönlichste Werk der Coen-Brüder. Sie erklärten, dass sie bei der Schilderung des Milieus aus Erinnerungen an ihre eigene Jugend in Minnesota geschöpft hatten, jedoch keine der Figuren autobiografisch sei.[3] Der Film besteht aus „Merkwürdigkeiten und Kuriositäten“,[4] „schrulligen Figuren und kuriosen Anekdoten“.[5] Viele Kritiker zogen Vergleiche der Hauptfigur mit der alttestamentlichen Gestalt des Hiob, den Gott mit schweren Schicksalsschlägen einer Prüfung unterzieht.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film beginnt mit einer allegorischen Szene, die in einem polnischen Schtetl spielt. Ein Ehepaar streitet sich darüber, ob ein nächtlicher Besucher ein Dibbuk ist oder nicht. Die Frau sticht ihm in die Brust, woraufhin er blutend hinaus in die Nacht wankt und verschwindet.

Am Anfang der Haupthandlung ist Larry Gopnik zu einer Routineuntersuchung beim Arzt. Als Physikprofessor führt er ein beschauliches Leben im Mittleren Westen der USA und bewohnt mit seiner Familie, die Teil der jüdischen Gemeinde ist, ein Reihenhaus in einer Vorortsiedlung. Gerade als er eine Aussicht auf eine künftige Festanstellung hat, eröffnet ihm seine Frau, dass sie sich scheiden lassen möchte, da sie jetzt mit seinem verwitweten Freund Sy Ableman zusammen sei. Damit beginnt für Larry ein Reigen von Rückschlägen: Seinem an Schizophrenie leidenden Bruder Arthur, der sich bei ihm und seiner Familie eingenistet hat und an einem Mentaculus arbeitet, einer universalen Landkarte der Wahrscheinlichkeit, droht eine Verhaftung wegen illegalen Glücksspiels. Ein Student versucht ihn zu bestechen, um eine Prüfung zu bestehen. Danach treffen bei seinem Arbeitgeber anonyme Briefe ein, die ihn kompromittieren und damit seine Anstellung auf Lebenszeit gefährden. Zudem bringen Larry, der mittlerweile mit seinem Bruder in einem Motel lebt, verschiedene Umstände in finanzielle Probleme, wie die Bezahlung seines Anwalts, den er im Zuge eines Nachbarschaftsstreits und seiner bevorstehenden Scheidung engagiert hat. Diese Situation wird nochmals deutlich verschärft, als Larry das Familienauto bei einem selbstverschuldeten Unfall zu Schrott fährt. Außerdem soll er für die Beerdigungskosten seines Nebenbuhlers Sy Ableman aufkommen, der zeitgleich zu seinem Unfall bei einem anderen Autounfall ums Leben kam. Der Gipfel der Misere scheint erreicht, als seinem Bruder Arthur eine Anzeige wegen verbotener Kontaktanbahnung in einer Bar und Sodomie droht, wobei Larry die Verpflichtung eines Strafverteidigers nahegelegt wird. Zu allem Überfluss wird Larry Augenzeuge, wie ein Anwalt, der angeblich die Lösung für seinen Nachbarschaftsstreit gefunden hatte, in der Kanzlei an einem Herzinfarkt stirbt.

Wegen seiner zahlreichen persönlichen Probleme sucht Larry seelsorgerische Hilfe bei verschiedenen Rabbinern, die ihm jedoch nur sehr bedingt weiterhelfen können oder wollen. Währenddessen wird Larry stetig von Albträumen geplagt.

Kurzzeitig scheinen einige der Probleme lösbar. Während der Bar Mitzwa ihres Sohnes, der vor dem Ereignis kifft, die Zeremonie aber trotzdem erfolgreich beenden kann, kommen sich Larry und seine Frau offenbar wieder näher. Zudem scheint Larrys Festanstellung endgültig sicher zu sein. Er entscheidet sich, seinen durchgefallenen Studenten doch bestehen zu lassen, um mit dem Bestechungsgeld seine Anwaltsrechnung zu begleichen. Kurz darauf erhält Larry den Anruf seines Arztes, der ihn um ein sofortiges persönliches Treffen bittet. Es habe mit den Röntgenaufnahmen seines jüngsten Arztbesuches zu tun, aber Genaueres erfährt man nicht. Larrys weiteres Schicksal lässt der Film nach den durchgestandenen Strapazen offen. Ebenso offen bleiben die Folgen des Tornados, der zum Endes des Films auf die Schule von Larrys Sohn zurast.

Kritik[Bearbeiten]

Die deutschen Kritiker beurteilten den Film positiv, deuteten ihn aber jeweils unterschiedlich. Sie stellten eine „enorme, düstere Komik“ fest,[6] der Film sei „von hinreißender Komik […] von einem warmherzigen sardonischen Witz“.[7] Die Bedeutung der Anekdoten und Bezüge sei aber nicht immer verständlich.[5][8] Hauptdarsteller Michael Stuhlbarg sei „wundervoll“[6] beziehungsweise „wundervoll trauerkloßig“.[4] Kameramann Deakins schaffe „einige in ihrer exakten Komposition und klaren Schönheit hyperreal wirkende Bilder“.[4] Diese seien „hart, noch das Helle hat zuweilen etwas unauslotbar Düsteres und Gefrorenes, und manche Einstellungen erinnern an die klinisch kalten Kinogemälde eines David Lynch.“[7]

Kai Mihm von epd Film sah im Film eine „Reflexion über die vermeintlichen Widersprüche und die gegenseitige Durchdringung von religiösem »Glauben« und rationalem »Wissen«.“ Die Coen-Brüder verstünden beides „als Teil eines kosmischen Ganzen. Larrys überdimensionale, von kryptisch anmutenden Formeln übersäte Tafel findet eine Entsprechung in der Tafel der Talmudschule seines Sohnes, beschrieben mit kaum minder kryptischen hebräischen Schriftzügen.“ Die Geschichte changiere „zwischen feixender Ironie und existenzialistischer Sinnsuche“, stehe zwischen „ironisch-blasphemischem Spiel und spiritueller Ernsthaftigkeit.“[8]

Mehrere Kritiker begriffen den Regisseur als Gott seiner Filmfigur, so auch Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung: „Neben der unbestreitbar vorhandenen Allmacht, die sie inzwischen über ihre Filme haben, neben einer mühelosen Beherrschung des Schöpfungshandwerks, die man ohne Übertreibung göttlich nennen könnte, gefällt ihnen vor allem die Tatsache, dass Gott […] seinem Publikum keine Rechenschaft schuldig ist.“ Dennoch liebten sie ihre Schöpfung und jede Nuance sei ihnen wichtig. Die „nichtsnutzigen Rabbiner“ im Film seien für den ratsuchenden Larry „ungefähr so hilfreich wie Filmkritiker.“[6] Der gegenteiligen Ansicht war Holger Römers vom film-dienst. Die Coens schauten distanziert und „von oben herab“ auf ihre Figuren; „in der eleganten, wenngleich nie extravaganten Inszenierung ist von einer vermeintlichen Zuneigung für die Figuren wenig zu spüren.“[9]

Der Spiegel-Kritiker Andreas Borcholte entdeckte eine „Geschichte über die ständige, wiewohl vergebliche Suche des Menschen nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Existenz“. Die Coen-Brüder seien „selten mitleidsloser“ gewesen und verwehrten ihrem Protagonisten die Normalität, nach der er sich sehnt. „Der zornige, alttestamentliche Gott erscheint da noch barmherziger als diese mit kalter Präzision agierenden Regisseure.“ Für Borcholte ist das Werk der „erwachsenste und abgründigste aller Coen-Filme […] So ist es am Ende vielleicht das passive Verharren und seine letztlich nicht von ausgeprägter Eigenverantwortung zeugende Suche nach spiritueller Erlösung, wofür der doch eigentlich so rationale Physiker Gopnik von seinen Schöpfern abgestraft wird: Was dir im Leben am wenigsten hilft, so seine Lektion, ist Gott.“[4]

Als den „dunkelsten und abgründigsten Film“ der Brüder stufte auch der Zeit-Rezensent Thomas Assheuer das Werk ein. Larry unterscheide sich von der biblischen Figur: „Der Hiob des Alten Testaments ringt noch mit seinem Gott und verlangt Gerechtigkeit; Larry resigniert, noch ehe er aufbegehrt. Er ist eben ein moderner Hiob, und er weiß: Die Welt ist das, was der Fall ist. Für Gerechtigkeit ist darin kein Platz.“ Ein unsichtbarer Schleier trenne die Figuren voneinander, es herrsche „Unschärfe, Unbestimmtheit, soziale Trance“. Doch die Coens setzten die Komik der „allgegenwärtigen ironischen Kultur“, die alles Ernsthafte auflöse, entgegen. Diese gütige Komik sei „Pathosvermeidung, sie federt zurück, sie spielt mit dem Ernst, ohne ihn zu leugnen.“ Anders als der Katholik Martin Scorsese in seinen Filmen verklärten die Coens das Leiden der Hiob-Figur nicht. Nicht um Glaubenssätze ginge es ihnen, sondern um reale Geschichte des 20. Jahrhunderts. Man müsse hinschauen: „Das Neu-Sehen der Welt, so könnte die Pointe der Coens lauten, ist das Wesen des Kinos, das sich damit selbst zum Medium der Rettung erklärt.“[7]

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Tornado am Ende des Films bezieht sich auf ein tatsächliches Ereignis, das 1967 im südlichen Minnesota stattfand.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Golden Globe Awards 2010

Oscar 2010

Literatur[Bearbeiten]

Gespräche[Bearbeiten]

Kritikenspiegel[Bearbeiten]

Positiv

Eher positiv

  • Cinema Nr. 2/2010, S. 40, von Ralf Blau: A Serious Man

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 71 kB) der FSK
  2. Freigabe der Jugendmedienkommission
  3. Joel und Ethan Coen in Der Spiegel, 18. Januar 2010: Wir malen ein Bild
  4. a b c d Andreas Borcholte: Himmel, wo bist du? In: Der Spiegel, 19. Januar 2010
  5. a b Ralf Blau: A Serious Man. In: Cinema Nr. 2/2010, S. 40
  6. a b c Tobias Kniebe: Was will Gott von diesem Mann? In: Süddeutsche Zeitung, 20. Januar 2010
  7. a b c Thomas Assheuer: Komik ist eine Kampftechnik. In: Die Zeit, 15. Januar 2010
  8. a b Kai Mihm: Akzeptiere das Rätsel! In: epd Film Nr. 1/2010, S. 28–31
  9. Holger Römers: A Serious Man. In: film-dienst Nr. 2/200, S. 26–27