Barton Fink

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Filmdaten
Deutscher Titel Barton Fink
Originaltitel Barton Fink
Produktionsland USA, UK
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1991
Länge 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Joel Coen
Ethan Coen
Drehbuch Joel Coen
Ethan Coen
Produktion Ethan Coen
Musik Carter Burwell
Kamera Roger Deakins
Schnitt Joel Coen, Ethan Coen
(als Roderick Jaynes)
Besetzung

Barton Fink ist ein Film der Coen-Brüder aus dem Jahr 1991.

Handlung[Bearbeiten]

New York, 1941: Der junge, naiv-idealistische Autor Barton Fink hat seinen ersten Bühnenerfolg am Broadway und wird von der Presse wegen seiner treffenden Darstellung des Kleine-Leute-Milieus mit lobenden Kritiken bedacht. Dies wird auch im fernen Hollywood vernommen, von wo er ein lukratives Angebot von „Capitol Pictures“ erhält. Anfangs widerwillig, letztlich aber durch das großzügige Honorar verlockt, tritt er seine Reise an die Westküste an. Auf seinen Wunsch hin wird er im schäbigen Hotel „Earle“ untergebracht, das menschenleer wirkt. Nur die Schuhe vor den Zimmertüren der langen Hotelflure deuten an, dass er nicht allein ist. Der Hotelpage Chet und ein greisenhaft unbeweglicher Liftführer scheinen das einzige Personal zu sein. Die Tristesse setzt sich im farblos gespenstischen Interieur der hellhörigen Zimmer fort: Unter der schwülen Hitze lösen sich schmatzend die Tapeten von den Wänden, die Fenster lassen sich nicht öffnen und Moskitos belästigen den Gast.

Während eines ersten, oberflächlichen Treffens mit dem aufgedreht herrischen Film-Mogul Jack Lipnick und dessen unterwürfigem Adlatus Lou Breeze erfährt Barton lediglich, dass man von ihm „Großes erwarte“, das „Barton-Fink-Gefühl“ in Form eines Scripts zu einem trivialen „Catcher-Film“. Fink bleibt weitgehend sprach- und ratlos. Apathisch vor seiner Schreibmaschine sitzend richtet er seinen Blick immer wieder auf eine farbige Fotografie an der Hotelzimmerwand: Eine Schönheit im Badeanzug sitzt an einem Strand und blickt in die Ferne. Barton wirkt wie hypnotisiert, hört das Rauschen des Meeres, aber auch teils klagende, teils lachende, ihn in seiner Konzentration störende Geräusche aus dem Nebenzimmer: Charlie Meadows, ein grobschlächtiger und gutmütiger Berg von einem Mann, entschuldigt sich umgehend und stellt sich als Versicherungsvertreter vor, der „ein wenig Seelenfrieden“ vornehmlich an weibliche Kunden verkaufe. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch freunden sie sich an, weil sie die Einsamkeit verbindet. Charlie zeigt sich beeindruckt von Bartons beruflicher Tätigkeit. Barton wiederum ist begeistert von Charlie, für den er sich zwar nicht wirklich interessiert, den er aber trotzdem als typischen Repräsentanten des Milieus sieht, das er in seinen bisherigen Drehbüchern zum zentralen Thema gemacht hat.

Auf der Herrentoilette des Filmstudios lernt Barton den ehemals sehr erfolgreichen und bewunderten älteren Drehbuchautor „Bill“ W. P. Mayhew kennen. Als Barton ihn um ein paar hilfreiche Tipps für den Entwurf seines Catcher-Films bittet, lädt ihn der offensichtliche Alkoholiker für den nächsten Tag zu sich ins Autorenhaus ein. Hier wird er von dessen Assistentin und Geliebten Audrey Taylor freundlich empfangen, letztlich aber nicht vorgelassen, da Mayhew, wie man im Hintergrund hört, gerade betrunken einen seiner Tobsuchtsanfälle hat.

Bei einem späteren Treffen offenbart sich Mayhew als desillusionierter und zynischer Alkoholiker, der Barton weder helfen kann noch will. Als er, wieder angetrunken, Audrey ohrfeigt, schlägt die Verehrung Bartons, der sich zu der hübschen Frau hingezogen fühlt, endgültig in Verachtung um.

Charlie informiert den sichtlich getroffenen Barton darüber, dass er demnächst für ein paar Tage nach New York reisen müsse. Barton gibt ihm bereitwillig die Adresse seiner Familie, an die sich Charlie in der fremden Stadt „für eine warme Suppe“ wenden könne.

Von einem Treffen mit dem arroganten Produzenten Ben Geisler verspricht sich der Autor Hilfe. Als dieser hört, dass Barton eine Schreibhemmung hat und das Skript noch gar nicht begonnen hat, gerät er in Zorn und setzt Barton zusätzlich unter Druck: Bis zum nächsten Morgen müsse er Lipnick die Story zumindest in groben Zügen erzählen können.

In der darauffolgenden schlaflosen Nacht ruft er voller Verzweiflung Audrey an: Diese schleicht sich zu ihm, um ihm ein paar hilfreiche, simple dramaturgische Tipps für sein Drehbuch zu geben. Außerdem lässt sie durchblicken, dass in Wahrheit sie selbst die Autorin der Werke von Mayhew ist. Sie verbringen eine Liebesnacht miteinander.

Am Morgen wacht er schweißgebadet auf. Neben ihm liegt Audrey, nackt, leblos und blutüberströmt. Charlie, der auf Bartons Schreien und Bitten hin herbeieilt, bietet Barton, wenn auch angeekelt und entsetzt, seine Hilfe an und hält ihn davon ab, die Polizei zu informieren. Er erklärt sich bereit, alles zu erledigen. Der Autor ist dem Zusammenbruch nahe: Es ist kurz vor 8 Uhr, sein Termin bei Lipnick naht.

Dieser heißt ihn an seinem Pool überschwänglich willkommen. Als Barton umständlich nach Ausflüchten und Erklärungen sucht, erinnert Breeze – in scheinbarem Einvernehmen mit seinem Chef – ihn unmissverständlich an seine Pflichten und droht ihm mit Entlassung. Lipnick allerdings scheint mit Breezes Vorgehen gar nicht einverstanden. Erbost demütigt er ihn und setzt ihn vor die Tür. Niemand solle seinem Schützling drohen, schmeichelt Lipnick und küsst dem völlig verdutzten Fink die Schuhe.

Charlie verabschiedet sich von dem verzweifelten Barton, bittet ihn zuvor aber, auf einen kleinen, aber schweren Karton aufzupassen, in dem alles sei, was ihm etwas bedeute. Er solle ihm als Inspiration für seine Geschichte dienen.

In der Hotelhalle offenbaren ihm zwei sarkastische Kriminalbeamte, dass sein Nachbar in Wahrheit der gesuchte Serienmörder Carl Mundt (Mörder-Mundt) sei, der seine Opfer erschieße und anschließend enthaupte.

Wieder auf seinem Zimmer, setzt er sich an seine Schreibmaschine – den Karton vor sich, das Strandfoto darüber – und schreibt die Story „Der Stämmige“ in einem Stück herunter. Völlig ausgelassen und überdreht feiert er das Ende seiner Schreibhemmung auf einer wilden Tanzveranstaltung, wo er durch sein arrogantes Auftreten („Ich bin Autor. Ich bin kreativ!“) eine Schlägerei zwischen Soldaten und Matrosen provoziert.

In seinem Zimmer trifft er erneut auf die beiden Polizisten, die soeben sein Manuskript gelesen haben und ihn ironisch auf seine noch von Audreys Blut getränkte Matratze aufmerksam machen. Sie beschuldigen Barton der Mittäterschaft am Mord an Mayhew und dessen Sekretärin, die Fink ja offenbar gekannt habe. Barton ahnt, dass Mundt zurück ist, warnt die Polizisten („Warum ist es nur so heiß hier?“). Diese fesseln ihn mit einer Handschelle ans Bett und erwarten den Gesuchten. Der tritt ihnen wenig später am Ende des langen Hotelkorridors entgegen und erschießt beide mit einer Schrotflinte, während der Flur hinter ihm in Flammen aufgeht. Mit einem Kraftakt befreit er Barton aus seiner Lage und rechtfertigt sein Tun vor ihm: Letztlich befreie er seine Opfer von ihren Leiden. Barton sei nur ein „Tourist mit einer Schreibmaschine“, der nie zuhöre; er aber müsse an diesem Ort leben. Mit einem süffisanten Lächeln verabschiedet er sich in sein brennendes Zimmer, lässt Barton aber noch wissen, dass er dessen Familie in New York aufgesucht habe („nette Leute“) und der Karton, den er bei Barton zurückgelassen habe, gar nicht ihm gehöre.

Lipnick, in einer Phantasieuniform, empfängt Barton gemeinsam mit Breeze ein letztes Mal und sichtlich missgestimmt. Der Film werde verschoben, da er in den Krieg müsse und Bartons Script „kalter Kaffee“ sei. Er stehe immer noch unter Vertrag und nichts, was er je schreibe, werde veröffentlicht. Barton versucht telefonisch seine Familie in New York zu erreichen, kommt aber nicht durch.

Er sitzt am Strand, neben sich den mysteriösen, kopfgroßen Karton. Eine schöne Frau im Badeanzug kommt auf ihn zu. Barton behauptet, sie aber schon einmal gesehen zu haben. Sie fragt ihn, was er hier tue und was in seinem Karton sei. Barton gesteht, er wisse es nicht. Sie lächelt, setzt sich mit dem Rücken zu ihm in den Sand, den Blick aufs Meer gerichtet, und nimmt so die Position der Unbekannten auf dem Hotelzimmerfoto ein.

Kritik[Bearbeiten]

Barton Fink gilt als eine der zynischsten Abrechnungen mit der Skrupellosigkeit der kommerzorientierten Filmbranche (insbesondere Hollywood).

„Ein New Yorker Bühnenautor gerät als Drehbuchautor in Hollywood in eine Schaffenskrise, wird in einen Mord verwickelt und durch einen Serienmörder mit bedrohlichen Ereignissen konfrontiert, denen er gerade noch mit heiler Haut entrinnen kann. Eine rabenschwarze Komödie, als filmische Achterbahnfahrt inszeniert, die dem Zuschauer den festen Boden unter den Füßen zu entziehen versucht. Perfektes Unterhaltungskino mit glänzenden Darstellern und beeindruckenden visuellen Effekten.“

Lexikon des internationalen Films

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film ist bis heute der einzige Film, dem es gelungen ist, alle drei Hauptpreise (Goldene Palme, Regie, Darsteller) des Filmfestivals von Cannes zu gewinnen, und zwar bei den Festspielen 1991.

Hinzu kommen weitere Auszeichnungen der internationalen Filmkritik, insbesondere für Kameramann Roger Deakins, der für seine Leistung Preise des London Critics Circle, der Los Angeles Film Critics Association, der National Society of Film Critics sowie des New York Film Critics Circle erhielt.

Nebendarstellerin Judy Davis wurde ebenfalls vom New York Film Critics Circle ausgezeichnet und erhielt vom London Critics Circle einen Preis als Actress of the Year (auch für ihre Leistung in Naked Lunch – Nackter Rausch und Ehemänner und Ehefrauen).

Hauptdarsteller John Turturro gewann einen David di Donatello als bester ausländischer Darsteller und Michael Lerner wurde als bester Nebendarsteller mit dem Award der Los Angeles Film Critics Association ausgezeichnet, außerdem erhielt der Film für seine Sound-Effekte den Golden Reel Award der Motion Picture Sound Editors.

Darüber hinaus war Barton Fink in drei Kategorien (Bestes Szenenbild, Bestes Kostümdesign und Michael Lerner als Bester Nebendarsteller) für den Oscar nominiert, John Goodman erhielt eine Golden Globe Nominierung (ebenfalls als bester Nebendarsteller).

Reale Vorbilder[Bearbeiten]

Einige der handelnden Personen sind real existierenden Vorbildern, auch optisch, nachempfunden. So bestehen Ähnlichkeiten zwischen dem Bühnen- und Drehbuchautor Clifford Odets und Barton Fink oder dem Schriftsteller und Nobelpreisträger William Faulkner und W. P. Mayhew. Auch bestehen Parallelen zwischen Film-Mogul Jack Lipnick und dem ebenfalls aus Weissrussland stammenden Louis B. Mayer sowie David O. Selznick.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cordula Krebs, Sandra Wieben: Jüdische Intellektualität und Identität III – Ethan und Joel Coens Film „BARTON FINK“. Referat vom 16. Juli 1998, Universität Lüneburg. Online verfügbar hier, abgerufen am 1. Januar 2012.

Weblinks[Bearbeiten]