August Grahl

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August Grahl porträtiert von Vincenzo Camuccini

August Grahl (August Friedrich Joachim Heinrich Grahl; * 26. Mai 1791 in Poppentin, Mecklenburg; † 13. Juni 1868 in Dresden) war ein bedeutender deutscher Miniaturmaler des 19. Jahrhunderts, der viele seiner berühmten Zeitgenossen porträtierte.

Familie[Bearbeiten]

Grahls Grab auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden

August Grahl wurde als Sohn des Berliner Hofjuweliers Johann Christian Gottlieb Grahl geboren. 1819 heiratete er die Mecklenburgerin Philippine Ferdinandine Caroline Schlesikke (1795–1821), welche jung verstarb ohne Kinder zu hinterlassen. Durch einen Portraitauftrag lernte Grahl 1930 Elisabeth Oppenheim (1813–1905), Tochter des Bankiers Martin Wilhelm Oppenheim (* 1781 in Königsberg; † 1863 in Dresden) kennen; 1832 fand die Hochzeit statt. Sie hatten neun Kinder, von denen zwei sehr früh starben.

August Grahl ist der Vater von Maria, auch genannt Marie (1832–1895), welche 1850 den Maler Alfred Rethel heiratete, des Agrarwissenschaftlers Hugo Grahl (1834–1905), der Rose Grahl (1835–1909), welche 1875 den Agrarwissenschaftler Adolf Stengel heiratete, Martha Grahl (*1837), sie wurde nur fünf Monate alt, und der Anna Grahl (1838–1897), welche den Literaturwissenschaftler Hermann Hettner heiratete, des Architekten Otto Grahl (1839–1875), des Felix Grahl (1841–1842), der Fotografin Alexe Grahl (1844–1903) und der Katharina Grahl, genannt Käthe (1847–1933), Ehefrau des Botanikers Leopold Just (1841–1891). Er ist der Urgroßvater der Maler Alfred Sohn-Rethel (1875–1958), Otto und Karli Sohn-Rethel, sowie der Ururgroßvater des Nationalökonomen Alfred Sohn-Rethel.

Das Ehepaar Grahl ist begraben in Dresden auf dem Trinitatisfriedhof, in einem von Gottfried Semper für die Familie Oppenheim entworfenen Grab.

Leben[Bearbeiten]

Portrait seiner ersten Frau auf Elfenbein (um 1819)
August Grahl Selbstporträt auf Elfenbein (1849)

Von 1811 bis 1812 studierte er an der Berliner Kunsthochschule. 1813 schloss er sich den Schwarzen Husaren unter Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow in den Befreiungskriegen an und avancierte bis zum Offizier.

Im Jahre 1816 erhielt Grahl seinen ersten Auftrag, ein Porträt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., dies anhand der Vorlage eines Gemäldes des Malers François Gérard in Paris. In den Jahren 1817–1818 reiste er nach Italien, Rom, Florenz, Venedig und Bologna. Heiratet 1819 seine erste Frau Caroline Schlesikke in Potsdam. Sie stirbt sehr jung im Alter von 25 Jahren am 29. Januar 1821.

1823 geht er nach Wien und dann wieder Rom, wo er bis 1830 zusammen mit seinem Freund Julius Schnorr von Carolsfeld im Palazzo Caffarelli als Gast des deutschen Botschafters von Bunsen lebte. Auch sein Freund Wilhelm Hensel, welcher sich in Rom mit einem Reisestipendium aufhält, ist dort zu Gast. Grahl malte kleine Portraits auf Elfenbein, die damals in Mode waren. Unter anderem verschiedene Mitglieder der Familie de Beauharnais, z.B. die Stieftochter von Napoleon I., Hortense, den junge Napoleon, genannte Plon Plon. Im Winter 1829/30 begegnet Grahl dem Bankier Martin Wilhelm Oppenheim mit seiner Gattin Rosa in Rom, welche ihn beauftragen ihre Tochter Elisabeth Julie zu porträtieren, seine zukünftige Ehefrau. 1830 porträtierte Grahl in Rom den dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen.

1830 geht er nach Berlin zurück. 1831 folgte eine Auftragsreise nach London. In Windsor portraitierte Grahl Queen Adelaide und viele Mitglieder der Hofgesellschaft. Nach seinem Aufenthalt in England folgte der Künstler der zeitgenössisch Tendenz und fügte den elfenbeinernen Platten ein Stück von Holz oder Pappe hinzu bis zu einer Größe von zu 40 x 40 cm.

1832 wieder zurück in Deutschland heiratete er die 18-jährige Elisabeth am 7. Februar 1832 in ihrer Geburtsstadt Königsberg. Sie lebten in Berlin und Königsberg.

1835 ließ sich die Familie Grahl in Dresden nieder. Dort bezogen sie das Obergeschoss der Villa Rosa, welche auf Anraten Grahl's, im Auftrag seines Schwiegervaters Martin Wilhelm Oppenheim als Sommerhaus von Gottfried Semper errichtet wurde. Das Palais Oppenheim an der Bürgerwiese wurde zum Wintersitz, in welchem sich das Atelier im Hinterhaus befand. 1865 erwarb August Grahl eine alte Villa in Loschwitz auf der Pillnitzer Landstraße 63. Diese gehörte einer Nichte des Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen. Sein Sohn Gustav Grahl übernahm als Architekt die Erweiterungs- und Vergrößerungspläne. Der Umbau konnte aber erst ein Jahr später in Angriff genommen werden, da Ende des Winters der Preußisch-Deutscher Kriegs abzusehen war. August Grahl hatte die Fertigstellung nicht mehr miterlebt. Er starb am 13. Juni 1868 im Kreis seiner Familie.

Er hatte eine gesellige Natur und sein Haus war immer offen, jeder Fremde wurde eingeführt und einer brachte den anderen mit. Er stand in Kontakt mit Malern, Musikern, Schauspielern, Schriftstellern, Philosophen: Christian Daniel Rauch, Julius Schnorr von Carolsfeld, Christian Karl Josias von Bunsen, Eduard Bendemann, Julius Hübner, Peter Cornelius, Alfred Rethel, Hermann Hettner, Tiek, Ernst Moritz Arndt, die beiden Humboldts, Karl Gutzkow, Berthold Auerbach, Otto Roquette, Ernst Rietschel, Felix Moscheles, Fanny Lewald, die Devrients, Bogumil Dawison, Jenny Lind und viele mehr.

Portrait der Prinzess Johann von Sachsen auf Elfenbein (um 1830)

Als Miniaturmaler hat er mehr oder weniger 20 Jahre gewirkt. Viele seiner Werke sind in der Tradition der Miniaturmalerei auf Elfenbein gemalt. In den langen Jahren seines römischen Aufenthaltes beschäftigte er sich vor allem mit der Maltechnik frühitalienischer Maler. Er grübelte darüber nach, mit welchen Farben und Bindemitteln dieselben gemalt hätten, um die Leichtkraft und Helligkeit, die niemals nachdunkelte, zu erreichen. Selbstverständlich waren die Bilder nicht mit Öl gemalt. Die trockenen, reinen Farben wurden selbst gerieben und mit einem Bindemittel verbunden. Und nach dieser Verbindung hat er bis in sein hohes Alter gesucht und nicht ohne Resultat. Durch unzählige Versuche, schon in Rom und später in Dresden gelang es ihm, ein Bindemittel zu finden und bei seiner eigenen Malerei anzuwenden; und manches Portrait von ihm legt Zeugnis dafür ab, dass er vielleicht das Richtige gefunden hatte. Dieses wurde in Deutschland bekannt und unzählige Maler kamen deshalb von auswärts und besuchten ihn, um sich auch in den Besitz dieser Kenntnis zu setzen. Er behielt aber seine Erfindung für sich, weil er sagte, es käme nicht nur auf die Bereitung des Bindemittels an, sondern ebenso auf die Art, wie dasselbe aufgetragen würde. Er wünschte sich eine Professur an der Akademie in Dresden, um diese Malerei zu lehren, aber dieser Wunsch wurde nicht erfüllt und so hat er seine jahrelange Arbeit mit ins Grab genommen.

Künstlerische Bedeutung[Bearbeiten]

Hans Christian Andersen (Dresden 1846)

Grahl gilt als einer der bedeutendsten Miniaturmaler und Porträtisten des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er 1816 durch ein Porträt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.. Heute noch besonders bekannt ist sein 1846 in Dresden entstandenes Porträt von Hans Christian Andersen, das im Andersen-Museum in Odense hängt, oder sein Porträt der Tochter Wilhelm von Humboldts, Gabriele von Bülow. Neben der großen Qualität seiner Bilder liegt seine Bedeutung vor allen Dingen in der Vielzahl von bedeutenden Zeitgenossen, denen er begegnet ist und die er gemalt hat. Unter seibern Modellen waren unter anderem bekannte Persönlichkeit wie Zarin Maria Fjodorowna von Russland, Gräfin Delfina Potocka, Gräfin Poniatowski, Architekt Karl Friedrich Schinkel, Königin Pauline von Württemberg, Laetitia Bonaparte, Königin Hortense de Beauharnais, Königin Christine von Spanien, Felix Mendelssohn Bartholdy und viele mehr.

Wesentliche Werke befinden sich in Kunstmuseen von Dresden, Karlsruhe, Nantes und im Privatbesitz. Er geriet lange in Vergessenheit, bevor Ernst Lemberger ihn wiederentdeckte. Lemberger teilte Grahl's Miniatur in drei Gruppen: Originale, die in den Besitz der Modelle kam; Kopien, die er für sich malte und behielt; Skizzen, in denen er nur der Kopf gemalt hatte.

Bedeutung hat August Grahl auch als Kunstsammler von Bildern und Lithographien vorwiegend italienischer Provenienz erlangt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: August Grahl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landschaften der Seele