Bravo (Zeitschrift)

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Bravo
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Beschreibung Jugendzeitschrift
Sprache Deutsch
Verlag Bauer Media KG
Erstausgabe 26. August 1956
Erscheinungsweise wöchentlich
Verkaufte Auflage
(IVW 3/2014)
140.195 Exemplare
Verbreitete Auflage (IVW 3/2014) 141.381 Exemplare
Chefredakteur Nadine Nordmann
Weblink bravo.de
ZDB 981128-x

Die Zeitschrift Bravo (eigene Schreibweise: BRAVO; in Österreich auch das Bravo[-Heft], [-Magazin][1]) ist die größte Jugendzeitschrift im deutschsprachigen Raum. Sie erschien am 26. August 1956 zum ersten Mal (damals mit dem Untertitel „Die Zeitschrift für Film und Fernsehen“) und kostete 50 Pfennig.

Geschichte[Bearbeiten]

Erfinder der Zeitschrift waren der Kolumnist Peter Boenisch und der Verleger Helmut Kindler. Die Startauflage betrug 30.000 Exemplare (laut Pressesprecherin der Bravo). Das Heft 13/57 erschien am 31. März 1957 mit dem neuen Untertitel „Die Zeitschrift mit dem jungen Herzen“ und dem Zusatz „Film, Fernsehen, Schlager“. Ab Heft 34/57 (13. August 1957, 200.000 Exemplare) gab es keine Untertitel mehr. Bis Mitte 1959 stieg die Anzahl der Exemplare auf 523.000.[2] Im April 1967 wurde BRAVO mit OK vereinigt und für kurze Zeit unter dem Titel BRAVO/OK geführt.[3]

Seit 1968 erscheint sie jede Woche bei der Bauer Media Group, die ihren Hauptsitz in Hamburg hat; Redaktionssitz ist in München.

1979 erreichte das Magazin eine Druckauflage von 1.830.700 Exemplaren. 1996 wurden pro Ausgabe etwa 1,4 Millionen Hefte verkauft.[4] Danach sank die Auflage auf heute durchschnittlich 144.695 verkaufte Exemplare pro Ausgabe (Stand 2. Quartal 2014).[5]

Im April 2014 wurde bekannt, dass im Zuge von Sparmaßnahmen Jutta Stiehler, die langjährige Leiterin des Dr.-Sommer-Teams, nach 16 Jahren bei Bravo entlassen worden ist, ebenso Christina Bigl, die Leiterin der Bravo-Fotoredaktion, und der Vize-Artdirector von Bravo-Girl.[6] Ab Dezember 2014 erscheint Bravo nicht mehr im Wochenrhythmus, sondern nur noch 14-täglich.[7]

Zielgruppe und klassische Rubriken[Bearbeiten]

Die Bravo behandelt Themen, die vornehmlich Jugendliche interessieren, darunter aktuelle Informationen über Stars aus Musik und Fernsehen. Daneben betreibt sie (Stand 2013) auch intensiv Beziehungs- und Sexualberatung (Ratgeberjournalismus).

Marie Louise Fischer (damals Erfolgsautorin einiger Liebesromane) gab von 1964 bis 1969 (unter den Pseudonymen „Dr. Christoph Vollmer“ und „Dr. Kirsten Lindstroem”) erste Ratschläge in Beziehungsfragen; z.B. schrieb sie die Serien Knigge für Verliebte und Liebe ohne Geheimnis.

Ab dem 20. Oktober 1969 beantwortete Martin Goldstein (Arzt, Psychotherapeut und Religionslehrer) unter dem (von der Redaktion erdachten) Pseudonym „Dr. Jochen Sommer“ Fragen der Jugendlichen rund um deren Sexualität. Goldstein hatte sich mit der Publikation Anders als bei Schmetterlingen als Jugend-Aufklärer einen Namen gemacht (auch weil er bis dato tabuisiertes Vokabular wie „Glied“ oder „Scheide“ verwendete). Für die speziell sexuellen Fragen schrieb er später als „Dr. Alexander Korff“, während „Dr. Sommer“ sich überwiegend psychologischen Problemen widmete. 1984 beendete er seine Tätigkeit als „Dr. Sommer“. 1986 übernahm Diplom-Sozialpädagogin Margit Tetz die Leitung des Dr.-Sommer-Teams.[8]

Seit Beginn der 1970er Jahre beantwortet ein Team Fragen der Leser. Dabei betont die Redaktion, dass in diesem „Dr.-Sommer-Team“ weiterhin Experten arbeiten, zum Beispiel Gynäkologen, Kinder- und Jugendärzte und Jugendpsychologen. In der Hochphase gingen bei Bravo wöchentlich zwischen 3000 und 5000 Briefe zu Fragen der Pubertät und Sexualität ein, im Jahr 2006 waren es noch etwa 400 pro Woche. Ziel des Teams war es, jeden Brief zu beantworten.

1972 wurden zwei Ausgaben mit Artikeln zum Thema Selbstbefriedigung indiziert; sie wurden als jugendgefährdend eingestuft.[9]

Die meisten Indizierungen der Zeitschrift geschahen im Zuge der Behandlung des Themas Sexualität. Doch in den 1990er Jahren kamen weitere Sachverhalte hinzu. So wurde beispielsweise die Ausgabe Nr. 21 vom 18. Mai 1995 indiziert, weil u. a. in dem Artikel Love & Sex Report '95, „sich eine 13jährige (juristisch noch ein Kind) nackt ablichten und ausfragen läßt“. Eine weitere Indizierung einer Bravo aus dem Jahr 1994 mit dem Fotoroman Im Bann des Teufels (über eine rituelle Vergewaltigung durch Satanisten) scheiterte knapp.

Im Jahr 1996 wurden die Ausgabe 8 vom 15. Februar wegen Abbildungen einer gewaltverherrlichenden (Kannibalismus) Bühnenshow und die Ausgabe 11 vom 7. März aufgrund eines pornographischen Liedtextes indiziert.[10]

Neben der Rubrik des Dr.-Sommer-Teams war der sogenannte Bravo-Starschnitt eine frühe Erfindung der Bravo. Bei diesem konnte man (wie bei einem Puzzle) die von Heft zu Heft erscheinenden einzeln auszuschneidenden Teile zusammenfügen und so ein Poster des Stars in Lebensgröße erhalten – ein Mittel zur Leserbindung. Die erste Starschnitt-Aktion fand 1959 statt und war ein Poster von Brigitte Bardot.

Auffallend an der Sprache der Bravo erscheinen relativ viele Anglizismen und „Denglisch“-Begriffe. Diese Entwicklung begann schon Mitte der 1980er Jahre.

Bravo war – vor allem in den 1970er und 1980er Jahren – prägend und stilbildend für viele Jahrgänge von Jugendlichen.[11] Das Heft wurde in einigen Schulen von den Lehrern konfisziert. Viele heutige Erwachsene verdanken ihre sexuelle Aufklärung fast vollständig den Artikeln des Dr.-Sommer-Teams, die sie damals lasen.[12]

In die Kritik kam Bravo durch die Werbekooperation „Jobattacke“ mit der Bundesagentur für Arbeit. Der Deutsche Presserat sprach im März 2010 öffentliche eine Rüge aus. Bravo hatte in der als redaktionell gestalteten Rubrik an keiner Stelle kenntlich gemacht, dass es sich um Werbung der Bundesagentur handelte. Der Bundesrechnungshof rügte den Werbevertrag der Bundesagentur mit Bravo wegen seiner Intransparenz.[13]

Auflagenstatistik[Bearbeiten]

Im vierten Quartal 2013 lag die durchschnittliche verbreitete Auflage nach IVW bei 192.753 Exemplaren. Das sind 66.179 Exemplare pro Ausgabe weniger (−25,56 %) als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Abonnentenzahl nahm innerhalb eines Jahres um 11.640 Abonnenten auf durchschnittlich 41.487 pro Ausgabe ab (−21,91 %); damit bezogen rund 21,52 % der Leser die Zeitschrift im Abo.

Anzahl der durchschnittlich im Quartal verbreiteten Ausgaben[Bearbeiten]

Anzahl der durchschnittlich im Quartal verkauften Exemplare durch Abonnements[Bearbeiten]

Gegenwart[Bearbeiten]

Ursprünglich gab es nur eine Bravo-Zeitschrift, inzwischen haben sich aber verschiedene Bravo-Formate entwickelt. Dies ist auf eine stärkere Individualisierung zurückzuführen. Viele Leser wollen eine Zeitschrift, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Die Mitglieder der „Bravo Family“ (Bravo-Formate) sind:

Druckerzeugnisse[Bearbeiten]

Internet[Bearbeiten]

TV[Bearbeiten]

Bravo Hits[Bearbeiten]

Zudem erscheint mit den Bravo Hits eine seit 1992 regelmäßig erscheinende Musik-CD-Compilation mit aktuellen Chart-Hits.

Jugendzeitschriften wie die Bravo sind für die Musikindustrie als Werbeträger von großer Bedeutung. Durch Artikel können neue Künstler bekannt gemacht werden und Werbung ist in allen Bravo-Formaten zu finden.

Bravo Otto-Wahl[Bearbeiten]

Von der Zeitschrift wird in mehreren Kategorien der Preis „Bravo Otto“ verliehen, eine kleine Indianer-Statue. Optisch inspiriert ist dieser Preis von der berühmten Spielfilm-Figur Winnetou, verkörpert von Pierre Brice, der in seiner cineastischen Rolle jahrelang eng mit der Bravo verbunden war. Zu den Preisträgern gehörten bereits Pierre Brice (Winnetou), Inge Meysel mit elf Ottos, Manuela, Sandra, Joachim Fuchsberger, Stefan Raab, David Hasselhoff, Blümchen, Britney Spears, Michael Jackson, Madonna, Mariah Carey, Leonardo DiCaprio, Boris Becker, Bro’Sis, Overground, Eminem, Christina Aguilera, Heike Makatsch, Kate Winslet, Horst Janson, Justin Bieber, Miley Cyrus, Big Time Rush, Y-Titty und viele mehr. Die meisten Ottos bisher (13 Stück) gingen an Bon Jovi, in der Rangliste gefolgt von Pierre Brice mit zwölf Ottos.

Bravo Charts[Bearbeiten]

Wöchentlich wählen die Leser die Bravo-Charts, die manchmal im Gegensatz zu den deutschen Media Control Singles-Charts stehen. So erreichen häufig Songs die Spitze bzw. die Top 10 der Bravo-Charts, die kommerziell weniger erfolgreich sind. Dennoch gelten diese Charts als Gradmesser für die Popularität der Künstler der jeweiligen Zeit. Einen Überblick der jeweiligen Jahre geben die Bravo-Jahrescharts.

Literatur zum Jubiläum[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 wurde pünktlich zum Jubiläum ein Sammelband herausgegeben, der einen Überblick über die Sichtweise der Bravo auf die Welt in den letzten 50 Jahren bietet.

Kritischer mit der Bravo und ihrer Wirkung und Möglichkeiten setzt sich der Band 50 Jahre Bravo aus dem Archiv der Jugendkulturen auseinander, der bereits im Herbst 2005 erschien und in stark erweiterter Auflage im Dezember 2006 erneut auf den Markt kam.

Bravo TV[Bearbeiten]

Bravo TV ist eine Fernsehsendung, die mit zahlreichen Unterbrechungen und auf verschiedenen Sendern von Januar 1985 bis Mai 2007 ausgestrahlt wurde. Als begleitende Sendung zum Magazin beinhaltete Bravo TV ähnliche Rubriken wie die Druckausgabe. Feste Bestandteile waren Charts, Interviews und Berichte über prominente Gäste und Aufklärungsthemen.

Sonstiges; Trivia[Bearbeiten]

Marilyn Monroe war auf der ersten erschienenen Bravo-Titelseite abgebildet; Titelmotiv der (nicht im Verkauf erschienenen) Nullnummer war Elvis Presley.

Literatur[Bearbeiten]

  • Archiv der Jugendkulturen: 50 Jahre Bravo. 2. stark erweiterte Auflage. Tilsner, Bad Tölz 2006 (Erstausgabe: 2005). ISBN 978-3-940213-34-1.
  • Erwin In het Panhuis: Aufklärung und Aufregung. 50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO. Archiv der Jugendkulturen, Berlin 2010, ISBN 978-3-940213-58-7 und ISBN 978-3-940213-80-8 (E-Book)
  • Manfred Berger: Bravo: 50 Jahre Pubertätserotik und Teenie-Pop, in: Unsere Jugend, 58. Jhg. 2006, S. 341–344
  • Manfred Berger: Bravo BRAVO! – 50 Jahre Leitmedium (?) der Jugend in: Kinder-/Jugendliteratur und Medien in Forschung, Schule und Bibliothek, 59. Jhg. 2007, S. 63–67
  • Teddy Hoersch (Hrsg.): Bravo 1956–2006. Heyne, München 2006. ISBN 978-3-89910-307-6
  • Joachim H. Knoll, Elke Monssen-Engberding (Hrsg.): Bravo, Sex und Zärtlichkeit. Forum-Verl. Godesberg, Mönchengladbach 2000. ISBN 3-930982-54-4
  • Lutz Sauerteig: Die Herstellung des sexuellen und erotischen Körpers in der westdeutschen Jugendzeitschrift BRAVO in den 1960er und 1970er Jahren. In: Medizinhistorisches Journal. 42. 2007, S. 142–179.
  • Herrwerth Thommi: Partys, Pop und Petting. Die Sixties im Spiegel der BRAVO, Jonas, Marburg 1997. ISBN 3-8944-5219-6.
  • Heiko Trimpel: Seelsorge bei Dr. Sommer. Religion und Religiosität in der Jugendzeitschrift BRAVO. Don Bosco, München 1997. ISBN 3-7698-1062-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bravo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Lieber Dr. Sommer …". Sex sells. In: orf.at. 2007, abgerufen am 4. April 2014: „Als vor 50 Jahren die erste Ausgabe der "Bravo" erschien (in Österreich auch "das Bravo" genannt), lag der Schwerpunkt der "Zeitschrift für Film und Fernsehen" zunächst auf Berichterstattung über Stars und Sternchen.“
  2. Jugendkulturen in Deutschland. 1950–1989. Klaus Farin. Bundeszentrale für politische Bildung
  3.  Bernd Jansen, Arno Klönne (Hrsg.): Imperium Springer: Macht & Manipulation. Pahl-Rugenstein, 1968, S. 154.
  4. Märkische Oderzeitung – Journal, 26./27. August 2006, S. 4
  5. Sog. "harte Auflage" = Einzelverkauf + Abo. Daten laut ivw.eu.
  6. sueddeutsche.de 11. April 2014: Ende der Sprechstunde
  7. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/bravo-jugendmagazin-erscheint-nur-noch-alle-zwei-wochen-a-995836.html
  8. Vita Margit Tetz
  9. Entscheidung 2384 der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften, aufgrund der Sitzung 202 am 6. Oktober 1972
  10. Knoll, Monssen-Engberding: Bravo, Sex und Zärtlichkeit, Kapitel „Bravo als Gegenstand des rechtlichen Jugendmedienschutzes“, S. 146–175. Siehe Literaturliste.
  11. TV-Reihe Pop 2000 (ARD), Folge 4 1968–1970: Sex & Drugs & Rebellion.
  12. TV-Reihe Pop 2000 (ARD), Folge 8 1982–1985: Gib Gas, ich will Spaß.
  13. Christoph Titz: Rechnungshof rüffelt Bundesagentur für „Bravo“-Kooperation. In: Der Spiegel, 20. April 2010.
  14. Golem.de: Bauer Verlag stellt Bravo Screenfun ein, 18. Mai 2009