Bayerisch Gmain

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bayerisch Gmain
Bayerisch Gmain
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bayerisch Gmain hervorgehoben
47.71944444444412.896666666667540Koordinaten: 47° 43′ N, 12° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Berchtesgadener Land
Höhe: 540 m ü. NHN
Fläche: 11,4 km²
Einwohner: 2994 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 263 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83457
Vorwahl: 08651
Kfz-Kennzeichen: BGL
Gemeindeschlüssel: 09 1 72 115
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Großgmainer Str. 12
83457 Bayerisch Gmain
Webpräsenz: www.bayerisch-gmain.de
Bürgermeister: Hans Hawlitschek (CSU)
Lage der Gemeinde Bayerisch Gmain im Landkreis Berchtesgadener Land
Berchtesgaden Eck (gemeindefreies Gebiet) Schneizlreuth Schellenberger Forst Ainring Anger (Berchtesgadener Land) Bad Reichenhall Bayerisch Gmain Berchtesgaden Bischofswiesen Freilassing Laufen (Salzach) Marktschellenberg Piding Ramsau bei Berchtesgaden Saaldorf-Surheim Schneizlreuth Schönau am Königssee Teisendorf Landkreis Traunstein ÖsterreichKarte
Über dieses Bild

Bayerisch Gmain ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Sie schließt sich unmittelbar an Bad Reichenhall an. Der Weißbach trennt die Gemeinde vom österreichischen Großgmain.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Bayerisch Gmain liegt eingebettet zwischen den Bergmassiven Untersberg und Lattengebirge. Im Norden des Gemeindegebiets liegt das Kirchholz (ein Standortübungsplatz mit Teilen auch in der Stadt Bad Reichenhall, bis 1980 gemeindefrei); es besteht im Untergrund aus Haselgebirge, einer Mischung aus salzhaltigen Ton- und Gipsmergeln. Im Ortsteil Leopoldstal (1906 aus der aufgelösten Gemeinde St. Zeno eingemeindet) wurde früher daraus Gips gewonnen. Der Weißbach stellt im Osten eine natürliche und politische Grenze zum österreichischen Großgmain dar.

Geschichte[Bearbeiten]

„Auf der Gmain“ ist eine jahrhundertelang gebrauchte Bezeichnung für den Siedlungsraum zwischen Untersberg und Lattengebirge, Hallthurm und Kirchholz.

Bereits die Menschen der Bronzezeit wussten den Reichtum des Bodens (Salz in Reichenhall) und die günstige Lage der Umgebung zu schätzen und ließen sich hier fest nieder. In der Römerzeit hieß die Gegend Mona und woraus sich dann der Name „Gmain“ entwickelt hat. Im Rahmen einer Schenkung des bayerischen Herzogs Theotpert (reg. ca. 711–716) an das Stift Nonnberg in Salzburg aus dem Jahre 712 taucht der der Name des Ortes erstmals auf. Um 1100 erscheinen die Grafen von Plain, welche die Gegend der Gmain mit der Erbauung der Plainburg zum Mittelpunkt der oberen Grafschaft im Salzburggau machten.[2] Ungeachtet der landesherrschaftlichen Grenze, welche die weit verstreuten Höfe nach dem Niedergang der plainischen Herrschaft schon vor 1300 (etwa 1295) in eine bayerische und eine salzburgische Hälfte teilte, wurde die dörfliche Gemeinschaft von der Bevölkerung immer als eine Einheit verstanden.

Das bereits vormals herzoglich bayerische Einzugsgebiet der Gemeinde grenzt sich somit soziokulturell innerhalb des Landkreises Berchtesgadener Land von der gleichnamigen Kulturlandschaft Berchtesgadener Land in den historischen Grenzen des fürstpropstlichen Kernlandes ab und bildet zugleich ein Bindeglied zum einst zum Fürsterzbistum Salzburg gehörenden Rupertiwinkel.[3]

Im Vollzug des religiösen Lebens bildete die kirchenrechtliche Einheit eine Gemeinschaft stiftende Grundlage für alle Gmainer. Was das wirtschaftliche Gefüge, das kulturelle Leben im Allgemeinen und die Schulausbildung im Besonderen betrifft, spielte die Landesgrenze entlang des Weißbaches kaum eine Rolle. Auch die vielfältigen verwandtschaftlichen Verflechtungen über die Grenze hinweg bildeten natürlicherweise ein starkes Bindeglied. Trennend wirkte lediglich die jeweils am Weißbach endende salzburgische und bayerische Gerichtsbarkeit, welche die verschiedene Landeshoheit begründete.

Wirkliche Bedeutung erlangte die staatliche Trennung erst ab 1816, als nach einer kurzen Zeit der Vereinigung der beiden Ortsteile unter bayerischer Verwaltung die politischen Unterschiede im 19. Jahrhundert immer stärkere Geltung erlangten. Trotz der Ausformung zweier eigenständiger Gemeinden blieb das Zusammengehörigkeitsgefühl erhalten. Gleiche wirtschaftliche Interessen, vor allem im Fremdenverkehr, trugen ebenso dazu bei wie die Zweckmäßigkeit gemeinsamer technischer Einrichtungen. Der besondere Reiz – und zudem eine Verpflichtung – besteht in der Wahrung des gemeinsamen historischen Erbes bei aller inzwischen entwickelter Eigenständigkeit.

Am 1. Dezember 1905 wird ein Teil der aufgelösten Gemeinde Sankt Zeno eingegliedert, nämlich der Weiler Leopoldstal, eine kleine Exklave von Sankt Zeno östlich des Kirchholz am Weißbach.[4]

Am 10. November 1926 wird die Gemeinde Gmain in Bayerisch Gmain umbenannt.[4]

Die Gemeinde hatte im Jahr 1961 noch eine Fläche von 779 Hektar. Ihre heutige Größe erreichte sie durch Eingliederung des nördlichen Teils des früheren gemeindefreien Gebiets Forst St. Zeno (261,80 Hektar) in den späten 1970er Jahren, die eine Arrondierung des Gemeindegebiets bewirkte, sowie durch eine weitere Gebietseingliederung: Am 1. Januar 1981 wurde das im Norden liegende gemeindefreie Gebiet Kirchholz aufgelöst und knapp zwei Drittel davon (96,13 von 155,29 Hektar) nach Bayerisch Gmain eingegliedert. Nur Forst St. Zeno ist eine separate, zweite Gemarkung innerhalb der Gemeinde. Die übrigen eingegliederten Gebiete (Leopoldstal, Kirchholz) gehören zur Gemarkung Bayerisch Gmain (972,55 Hektar).

Religion[Bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche ist dem Heiligen Niklaus von Flüe geweiht.

Der Ort gehört zum Einzugsgebiet der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Bad Reichenhall mit ihrer Evangelischen Stadtkirche.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[5]
Wahlbeteiligung: 52,5 %
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Wappen[Bearbeiten]

Wappen Bayerisch Gmain.jpg

Blasonierung: In der Mitte geteilt, ist das obere Feld in Silber und Blau gerautet, im unteren Feld in Rot stehen waagrecht übereinander zwei silberne Fische.[6]

Die Rauten beziehen sich einerseits auf die einstigen wittelsbachischen Landesherren wie auch auf das heutige Bayern. Der untere Teil hingegen bezieht sich auf die so genannte Gmain bzw. Großgmain, die dem Fürsterzbistum Salzburg unterstand.[6]

Der seit 1926 gültige amtliche Ortsname Bayerisch Gmain verweist auf eine besondere territorialgeschichtliche Situation, die bei der Wappenannahme 1963 zur Ausnahmegenehmigung führte, dass die Gemeinde die Rauten im Gemeindewappen führen darf. Das untere rote Feld mit den zwei silbernen Fische ist dem Wappen der Augustinerpropstei St. Zeno in Reichenhall entnommen, die als Grundherrschaft im Gemeindegebiet von großer Bedeutung war.[6]

Wappenführung seit 1963 auf der Rechtsgrundlage eines Beschlusses des Gemeinderats und der Verleihung des Wappens durch das Staatsministerium des Innern nach einer Ministerialentschließung vom 16. September 1963.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick über die Gmain
Blick nach Großgmain

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bayerisch Gmain ist ein Kurort nahe Berchtesgaden und Bad Reichenhall, und wie in den benachbarten Alpengemeinden ist auch hier der Tourismus der Haupterwerbszweig der Bewohner. Seit dem Einbruch in der Bäder- und Kurbranche, was besonders im benachbarten Bad Reichenhall zu spüren war und ist, wird auch hier zunehmend in Wellnessprojekte wie z. B. Spaß- und Erlebnisbäder investiert, die Gesundheit fördernde Sportarten propagiert (z. B. Nordic Walking, Skilanglauf) sowie auf Trendsportarten gesetzt (z. B. Canyoning).

In Bayerisch Gmain steht das Bayerische Feuerwehrerholungsheim, heute Gästehaus & Restaurant St. Florian[7] genannt.

Verkehr[Bearbeiten]

Bayerisch Gmain hat einen eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden, welche seit 2006 stündlich von der S-Bahn Salzburg, aktuell der Linie S4 befahren wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Max Bernuth (1872–1960), Kunstmaler, Buchillustrator.
  • Hans Erlwein (1872–1914), Architekt, Stadtbaurat in Bamberg und Dresden.
  • Ines Papert (* 1974), deutsche Sportkletterin und Eiskletterweltmeisterin.
  • Claire Waldoff (1884–1957), Kabarettistin, Sängerin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Lang/Max Schneider: Auf der Gmain – Chronik der Gemeinden Bayerisch Gmain und Großgmain, Eigenverlag Gemeinden Bayerisch Gmain und Großgmain 1995, Auflage 5000

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Siehe Johannes Lang, Max Schneider: Auf der Gmain. Chronik der Gemeinden Bayerisch Gmain und Großgmain, S. 31–32; Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall, Philipp Schmidt Verlag 2009, S.190–191, 859 ISBN 978-3877077597
  3. www.heimat-bayern.de: Die Kulturlandschaften Bayerns: Vielfalt – Heimat – Schutzgut, PDF-Datei
  4. a b  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 434
  5. http://www.wahlen.bayern.de/biz/kowa_g2008.php?g=h&schluessel=172&suchbegriff=1
  6. a b c d Bayerisch Gmain: Wappengeschichte vom HdBG
  7. http://www.feuerwehrheim.de/de/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bayerisch Gmain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien