Untersberg

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Untersberg
Untersbergmassiv von Salzburg gesehen

Untersbergmassiv von Salzburg gesehen

Höhe 1973 m ü. NN
(Berchtesgadener Hochthron)
Lage Bayern, Deutschland
Salzburg, Österreich
Gebirge Berchtesgadener Alpen
Dominanz 13,6 km → Hoher Göll
Schartenhöhe 1084 m ↓ Schwarzbachwacht zur Reiter Alm
Koordinaten 47° 42′ 19″ N, 12° 58′ 45″ O47.70527777777812.9791666666671973Koordinaten: 47° 42′ 19″ N, 12° 58′ 45″ O
Untersberg (Bayern)
Untersberg
pd5

Der Untersberg ist ein etwa 70 km² großes und in der höchsten Erhebung 1973 m ü. NN[1] hohes Bergmassiv der Nördlichen Kalkalpen, als markante Landmarke am Alpenrand. Er ist der nördlichste Ausläufer der Berchtesgadener Alpen auf der Grenze von Bayern (Deutschland) und Salzburg (Österreich). Seine Hauptgipfel sind Berchtesgadener Hochthron (1973 m) und Salzburger Hochthron (1853 m ü. A.), sonst bildet er ein ausgeprägtes Gipfelplateau.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Untersberg liegt zwischen Berchtesgaden im Süden und Salzburg im Norden und erhebt sich mit seiner Nordflanke direkt aus dem randalpinen Salzburger Becken mit einer freien Profilhöhe von über 1400 Metern. Er ist durch die Talungen Berchtesgadens vom Dürrnberg-Zug über Hallein und dem Göllstock im Südosten, dem weiten inneralpinen Berchtesgadener Becken mit dem Watzmannstock im Süden und dem Lattengebirge im Südwesten getrennt, im Nordwesten erhebt sich, durch das Reichenhaller Becken getrennt, der Hochstaufen.

Rund zwei Drittel seines Gebiets liegen in Bayern, die Staatsgrenze zu Österreich läuft durch den nördlichen Teil über die Gipfel der Hauptkette von Hirschangerkopf, Ochsenkopf, Mitterberg und Salzburger Hochthron. Die Ostkante des Plateaus bilden von Nord nach Süd das Rauheck, der Gamsalpkopf und der Berchtesgadener Hochthron, der mit 1973 m höchsten Erhebung des Untersbergs. Der nach Norden hin sichtbare Gipfel ist der Vorgipfel des Salzburger Hochthrons, das Geiereck. Nordostwärts bricht das Plateau in das Hochtal Rositten ab, vorgelagert ist der Kammzug der Leonhardspitze gegen Grödig.

In seiner südöstlichen Nebengipfelgruppe hat der Untersberg einige Vorberge wie Nierntalkopf, Raunenköpfe, Kneifelspitze, Kiliansberg, Gschirrkopf, Eckberg und Hochzinken.

Gipfel[Bearbeiten]

Die Ostseite der Untersberghauptkette mit dem Berchtesgadener Hochthron (links), gesehen von Unter-Ettenberg aus
Blick von Süden (Stöhrweg) zum
Berchtesgadener Hochthron

Zu den Gipfeln (höchster ist fett gedruckt) mit Nebengipfeln des Untersbergs und seinen Ausläufern gehören (dabei ist die Bergkette/-gruppe jeweils etwa in Nordost-Südwest-Richtung betrachtet) − mit Höhe in Meter (m) über Normalnull (NN)[1] und mit Himmelsrichtungen:

Geologie[Bearbeiten]

Blick über die Mittagsscharte und die mit Bergkiefern (Latschen) bewachsene Hochfläche, links im Hintergrund der gebankte Kalkstock des Salzburger Hochthrons
Eingangsbereich der Riesending-Schachthöhle

Der Untersberg besteht zu großen Teilen aus Kalkstein, und stellt sich als Erosionsscholle des gebankten Dachsteinkalks über einer Basis aus Ramsaudolomit dar.

In Steinbrüchen an der Nordseite des Berges wird der Untersberger Marmor abgebaut.[2] Der witterungsbeständige, beige bis rötlich gefärbte Stein wird seit der Römerzeit europaweit als polierter Baustein und für Steinplastiken genutzt.
Außerdem gibt es ein kleines Bauxitvorkommen am Thomas-Eder-Steig, gut zu erkennen an der rötlichen Färbung.

Durch die Verkarstung des Kalksteins existieren im Untersberg zahlreiche Höhlen, mehr als 400 sind bisher bekannt. Zu den bekanntesten unter ihnen zählen die Schellenberger Eishöhle und die 1845 entdeckte Kolowratshöhle[3] – benannt nach Franz Anton Graf von Kolowrat-Liebsteinsky[4] (1778–1861) – am Dopplersteig, mit einem 300 m hohen Eingangsdom und Eingang in das bisher als Hauptsystem angenommene Kolowrat-Gamslöcher-System. Auch die nach aktueller Kenntnis (Stand November 2013) tiefste (−1148 m) und längste (19.100 m) Höhle Deutschlands, die erst 1996 entdeckte Riesending-Schachthöhle, liegt im Untersberg.[5][6] Diese ist „mit ihrer Anlage an Störungen und ihrem Stockwerksbau ein Musterbeispiel für die Höhlenentstehung in den Nördlichen Kalkalpen.“[7] Es wird angenommen, dass diese Höhlen ebenso wie die 12,6 km langen Windlöcher über die Fürstenbrunner Quellhöhle entwässern und möglicherweise ein mindestens 70 Kilometer langes Gesamtsystem bilden.[8]

Name[Bearbeiten]

Der Untersberg erhielt seinen Namen wahrscheinlich von der Salzburger Seite, worauf auch die Ersterwähnung hindeutet: Erste Hinweise auf den Namen ‚Untersberg‘ finden sich in einer Urkunde des Salzburger Erzbischof Konrad IV. von Salzburg vom 28. Juni 1306, in der er als Vndarnsperch genannt wird.[9] Das Wort Untarn oder Untern ist im bairischen Dialekt ein Ausdruck für die Mittagszeit, auch für das Mittagessen oder gelegentlich für die Mahlzeit am Nachmittag (Daher auch der „Unternschlaf“). Das Wort germanisch untern ‚Zwischenzeit‘ ist aber auch in der Bedeutung der Vormittagsjause bekannt,[10] daher kommt auch der ganze Rupertiwinkel als Herkunft in Betracht. Er ist damit jedenfalls wahrscheinlich einer der zahlreichen „Mittagsberge“.[11][12]

Forstnutzung und Naturschutz[Bearbeiten]

Forststraßenbau im Landschaftsschutzgebiet Untersberg bei Fürstenbrunn, Oktober 2007

Der bayerische Teil des Untersbergs befindet sich im Biosphärenreservat Berchtesgadener Land, wo das Gebiet zur Entwicklungszone gehört (Kernzone ist der Nationalpark im Süden).

Das auf österreichischer Seite gelegene Gebiet des Untersbergs wurde 1981 größtenteils unter Landschaftsschutz und Pflanzenschutz nach dem Salzburger Naturschutzgesetz gestellt (Landschafts- und Pflanzenschutzgebiet UntersbergLSG 51[13], PSG 1[14], 4.416,00 ha), darin eingebettet der kleine Naturpark Untersberg (NAP 1)[15] entlang des Zwinkbachs (zum Kohlgraben nach Marzoll). An der Saalach grenzt das Europa- und Landschaftsschutzgebiet Untersberg-Vorland (FFH AT3227000/ESG 17, LSG 63)[16] an, in Salzburg das Landschaftsschutzgebiet Leopoldskroner Moos (LSG 47).

Damit liegt der Unterberg in einem grenzüberschreitenden Schutzgebietskomplex, der sich von Laufen/Oberndorf bis in Pongau und Pinzgau erstreckt.

Eine zur Bergung von großflächigem Windfall nach schweren Winterstürmen (Kyrill Jänner 2007) errichtete Forststraße an der Nordabdachung ist zwischen den österreichischen Behörden und den Vertretern einer regionalen Bürgerinitiative heftig umstritten. Aufgrund der Dimension dieser Straße wird sie abwertend auch „Forstautobahn“ genannt. Die Salzburger Behörde und der Waldbesitzer Maximilian Mayr-Melnhof verwiesen auf die Gefahr durch Borkenkäferbefall. Vertreter des Naturschutzes kritisieren das Ausmaß des Eingriffs, die Dimensionierung der Straße im Landschaftsschutzgebiet und das Unterlassen der Prüfung alternativer Bringungsmethoden für das Holz (Seilbahnbringung, Helikopter). Die Kritiker mahnten die Einhaltung der Alpenkonvention ein. Die Orkane Paula und Emma (2008) trafen den Salzburger Raum weniger schlimm.

Erschließung und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wandern und Bergsteigen[Bearbeiten]

Von österreichischer Seite her ist der Untersberg über folgende Routen zu besteigen:

  • von Großgmain (650 m) zu den verfallenen Vierkaser-Almen (1590 m). Übergänge: Über Ochsenkopf (1780 m), Mitterberg (1840 m) entweder nach Süden zum Berchtesgadener Hochthron (1973 m) und zum Stöhrhaus (1850 m) oder nach Norden über das Rauheck (1846 m) zum Salzburger Hochthron (über die Mittagsscharte) oder zur Toni-Lenz-Hütte. Über Hischangerkopf (1668 m) zu den Zehnkaser (1550 m). Zur Klingeralm (1522 m).
  • zwischen Großgmain und Fürstenbrunn führt ein Weg über die Klingeralm (1526 m) zum Vierkaser. Dieser markierte Weg wurde durch den Bau einer breiten Forststraße im Landschaftsschutzgebiet bis auf 1100 m ü. NN im Jahr 2007 zerstört und war zeitweise nicht begehbar. Der Wanderweg ist wiederhergestellt.
  • weiter Richtung Fürstenbrunn führt der Weg 461 über Schweigmühlalm, beim Kühstein (1396 m), über den Großen Eiskeller zur Mittagsscharte bzw. direkt zum Salzburger Hochthron.
Oberer Dopplersteig [Anm. 1] (nach Abzweigung von Weg 462), Passage unterhalb des Zeppezauerhauses
  • von Glanegg über die Wege 417 (den 1889 eröffneten Reitsteig, vorbei am Bierfasslkopf (1393 m)) oder 460 (den Dopplersteig durchs Rosittental, mit Abzweigung zu dem zur Toni-Lenz-Hütte führenden Weg 462) über das Zeppezauerhaus (1668 m) zum Geiereck (1805 m) mit Bergstation der Untersbergseilbahn.

Auf bayerischer Seite gibt es folgende Routen:

  • Von Bischofswiesen-Winkl über Scheibelkopf zum Stöhrhaus (1850 m) und weiter auf den Berchtesgadener Hochthron (1972 m).
  • von Bischofswiesen-Hallthurm zum Zehnkaser. Von dort zum Stöhrhaus oder Übergang zum Vierkaser.
  • von Bischofswiesen-Hallthurm über Fadererschneid zum Vierkaser (nicht ausgeschildert).
  • von Bischofswiesen zum Leiterl (entweder über Raunenkopf oder Stöhrweg) und von dort aus weiter zum Stöhrhaus.
  • von Marktschellenberg-Hangendenstein nahe der Staatsgrenze am Weißbach entlang zur Toni-Lenz-Hütte. Alternativ bietet sich die Abzweigung bei der verfallenen Kienbergalm an. Über Kienbergkopf (998 m), das 1935 eingestürzte Felsentor Drachenloch (1247 m) gelangt man zum Schellenberger Sattel (1433 m), der eine gute Aussicht nach Nord und Süd bietet. Weiter geht es auf dem Weg 462 zur Toni-Lenz-Hütte oder über 460 zum Geiereck.
  • von der Marktschellenberger Wehranlage Paßthurm über den Weg 463, auch Eishöhlenweg, zur Toni-Lenz-Hütte.
  • Zahlreiche Klettertouren, ob alte Klassiker oder moderne Sportkletterrouten, führen durch die markanten Südabstürze des Salzburger (1853 m) und Berchtesgadener Hochthrons (1973 m).
  • Seit Sommer 2007 befindet sich am Hochthron ein neu errichteter Klettersteig. Der Berchtesgadener Hochthronsteig hat eine Wandhöhe von ca. 400 m. Der Schwierigkeitsgrad beträgt C/D. Der Ausstieg des Klettersteigs endet am Hochthron Gipfel. Dieser ist nur einige Minuten vom Stöhrhaus entfernt.[17]

Hütten[Bearbeiten]

Gipfelstation der Untersbergseilbahn und Sendeanlage am Geiereck, rechts am Grat das Zeppezauerhaus
  • Stöhrhaus (1895 m) etwas unterhalb des Berchtesgadener Hochthrons
  • Toni-Lenz-Hütte (1550 m) bei der Schellenberger Eishöhle, Eigentum des Höhlenvereins
  • Zeppezauerhaus (1663 m), etwas unterhalb des Salzburger Hochthrons
  • Hochalm, etwas oberhalb der Bergstation der Untersbergbahn

Daneben existieren noch einige im Sommer bewirtschaftete private Hütten und Almen.
1915 befand sich 50 Meter unterhalb des Geierecks die Dopplerhütte der Sektion Salzburg.[18]

Die Untersbergbahn[Bearbeiten]

Von St. Leonhard (Gemeinde Grödig), auf Salzburger Seite, führt auf den Salzburger Hochthron eine Luftseilbahn, die Untersbergbahn (UBB).[19][20] Sie wurde im Jahr 1961 in Betrieb gestellt, ist eine im Pendelverkehr betriebene Zweiseilbahn und überwindet 1320 m Höhenunterschied. Die Talstation liegt im Ort St. Leonhard auf 456 m, die Bergstation auf 1776 m, noch oberhalb des Zeppezauerhauses, im Gipfelbereich des Geiereck. Das Hauptspannfeld zur Stütze I an der östlich vorgelagerten Leonhardspitze (1132 m) umfasst 1,548 km, Maximalabstand zum Boden ist 286 m – das sind jeweils für den Alpenraum vergleichsweise hohe Werte. Sie befördert je Kabine 50 Personen, die Fahrzeit beträgt etwa zehn Minuten, im Halbstundentakt.

Die Bahn läuft im Sommer- und Winterbetrieb und ist mit dem Panoramablick am Hochthron in die Alpen und das Alpenvorland ein gut besuchtes Ausflugsziel der Region Salzburg-Berchtesgadener Land. Im Winter steht eine 8,5 km halbalpine, aber präparierte Skiabfahrt zur Verfügung, die nach Fürstenbrunn am Nordfuß führt, von dort kann der Rückweg mit Pendelbussen zur Talstation angetreten werden.

Museen und andere Einrichtungen[Bearbeiten]

Am Nordfuß bei Großgmain, in Hanglage, befindet sich das Salzburger Freilichtmuseum, eines der bedeutendsten Bauernhofmuseen des Ostalpenraums. Auf einem vorgelagerten Hügel bei Fürstenbrunn steht das Schloss Glanegg.

Zwischen Fürstenbrunn und Grödig befindet sich der Steinbruch des Untersberger Marmors,[2] der seit der Römerzeit genutzt wurde, etwa im Besonderen auch zur Ausgestaltung der barocken Prachtbauten der Erzbischofsstadt Salzburg, wo sich das Material allerorten verbaut findet, aber auch bis Ungarn und Mitteldeutschland. Unterhalb des Steinbruchs ist heute ein kleines Museum, das Untersbergmuseum, mit einer Kugelmühle eingerichtet.[21]

Am Geiereck wurde 1970 der Sender Untersberg errichtet, der den ganzen Salzburgisch-Bayerischen Grenzraum bedient (vom Bayerischen Rundfunk betrieben).

Am Nordfuß befindet sich auch der Schießplatz Glanegg des österreichischen Bundesheeres.

Mythen[Bearbeiten]

Teil der Ostseite des Untersbergs vom oberen Teil des Nierntals fotografiert
Friedrich Barbarossa im Untersberg, Stich aus dem 19. Jahrhundert von Karl Girardet

Zahlreiche Mythen und Sagen der Bergentrückung ranken sich um den Untersberg.

Eine davon besagt, dass Kaiser Karl der Große im Untersberg auf seine Auferstehung wartet; alle hundert Jahre wacht er auf und wenn er sieht, dass immer noch die Raben um den Berg fliegen, dann schläft er ein weiteres Jahrhundert. So lange wird der Kaiser von den „Untersberger Mandln“ umsorgt. Bei ihnen handelt es sich um zwergenähnliche Gestalten, die dem Kaiser treu ergeben sind. In einer anderen Version der Sage handelt es sich um Friedrich Barbarossa, der in dem Berg bis zu seiner Auferstehung schläft. Sein Bart wächst um einen runden Tisch. Bis jetzt reicht er zweimal herum. Doch wenn er die dritte Runde beendet hat, beginnt das Ende der Welt. Und es heißt, nach ihm solle kein guter Kaiser mehr kommen (letztere Sage gilt allerdings ähnlich auch für den Kyffhäuser, einen waldreichen Bergrücken südlich des Harzes in Thüringen, auf dem das Kyffhäuserdenkmal steht). Eine andere Variante besagt, dass der Kaiser solange schlafen muss, solange Raben um den Untersberg fliegen.[22]

Wenn der Kaiser erwacht und den Untersberg verlässt – so manche Varianten – findet die letzte große Schlacht der Menschheit auf dem Walserfeld statt. Die inhaltlich, zeitlich und lokal unterschiedlich auftretenden Versionen der Sage haben offensichtlich alle ihren Ursprung im lange vorherrschenden Volksglauben an die Rückkehr eines Friedenskaisers. Eine verwandte Sage besagt, dass an einen vertrockneten Birnbaum (Walser Birnbaum) auf dem Walserfeld der Kurfürst von Bayern zur letzten Schlacht seinen Wappenschild hängen wird.[22]

Mehrfach findet sich auch der Topos, dass jemand den Eingang in des Untersberg-Kaisers Zwergenreich findet, mit den typischen Motiven, dass er reich beschenkt wird,[22] oder aber auch, dass bei einem kurzen Besuch in der irdischen Welt endlose Jahre vergangen sind (Feenland-Topos).

Ein anderer Mythos ist die Wilde Jagd vom Untersberg (Das Wilde Gjoad),[23], die wohl ursprünglich auf den Untersberg als Wetterzeiger in seiner exponierten Lage am Alpenrand Bezug nimmt. Diese ist in das Perchtenbrauchtum der Rauhnächte um Weihnachten eingegangen und wurde seit den 1980er-Jahren im traditionellen Sinne wiederbelebt. Zu ihren typischen Gestalten gehören Vorpercht, der Tod, der Rabe, Moosweiberl, Baumpercht, Hahnengickerl, der Riese Abfalter, der Bär und der Bärentreiber die Hexe, die Habergeiß und der Saurüssel.

Verwandt mit der Wilden Jagd ist das Drachenloch beim Schellenbergsattel, ein zweites, ein altes Bergwerk, befindet sich in St. Leonhard – solche „Drachen-“ oder „Teufelslöcher“ finden sich in den Kalkkarststöcken häufiger.

Wesentliche Teile der heute bekannten ausgedehnten Untersberger Sagenwelt werden in der Lazarusgeschichte erstmals greifbar. Die Erzählung der wundersamen Erlebnisse des Reichenhaller Stadtschreibergehilfen Lazarus Gitschner (in späteren Ausgaben auch Lazarus Aigner genannt) wurde wahrscheinlich von einem Geistlichen des Augustiner-Chorherrenstifts St. Zeno bei Reichenhall um 1558 verfasst. Einzelne Erzählmotive hat dieser von der Vision der Mechthild von Magdeburg (aufgezeichnet im 13. Jahrhundert) und aus der geheimen Offenbarung des Evangelisten Johannes (Offb 6,15 EU) verwendet. Zum Vorbild hat der Verfasser sich auch das 24. Kapitel (Weltuntergangskapitel) des Matthäus-Evangeliums genommen (Mt 24,32-33 EU). Auf diese Vorbilder gehen die Entrückung ins Innere eines Berges, der Kaiser im Untersberg sowie der Birnbaum und die Endschlacht auf dem Walserfeld zurück. Diese Motive wurden vom Verfasser mit älteren Sagenmotiven vermischt und in seine Umgebung (unter anderem den Untersberg) verlegt. So sind mit dem heutigen Kaiser Karl im Untersberg ursprünglich Kaiser Karl der Große, mit Kaiser Friedrich je nach Entstehungszeitpunkt der unterschiedlichen Sagenversionen entweder Friedrich I., genannt Barbarossa oder Friedrich II. gemeint. Der unbekannte Verfasser schuf mit der Lazarusgeschichte eine zu seiner Zeit aktuelle Apokalypse, die als typisch für die Endzeitstimmung in der Reformationszeit angesehen werden kann.[24]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Monografien, Aufsätze:

Kartenmaterial:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Untersberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Romantik und Industrie am Kyffhäuser der Alpen – illustriert, in Die Gartenlaube (1867), Heft 5, S. 73, 76–79

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Deutschlandviewer
  2. a b Informationen über die Steinbrüche am Untersberg, untersberg.net
  3. Die Höhle. Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde. Zeitschrift des Verbands Österreichischer Höhlenforscher und des Verbands der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. 57. Jahrgang, Heft 1–4. Verband Österreichischer Höhlenforscher, Wien 2006, OBV.
  4. Um 1850 - Eisfeste in der Kolowratshöhle, untersberg.net
  5. Riesending-Schachthöhle Untersberg. Tiefste und längste Höhle Deutschlands auf dem Untersberg (…) In: lehmpfuhl.org, Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt e.V., abgerufen am 22. November 2010.
  6. Speleologie. Neue Riesenhöhle im Untersberg entdeckt. In: salzburg.orf.at, 23. Dezember 2009, abgerufen am 22. November 2010.
  7.  Ulrich Meyer, Thomas Matthalm: Die Riesending-Schachthöhle im Untersberg. In: Mitteilungen des Verbands der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.. 57, Nr. 2, München 23. Mai 2011, ISSN 0505-2211, S. 36–44 (2,55 MB PDF, abgerufen am 25. Oktober 2012).
  8.  Ulrich Meyer: Auf der Suche nach dem Barbarossa-System im Untersberg. In: Akten des 13. Nationalen Kongresses für Höhlenforschung, 2012 – Actes du 13e Congrès national de Spéléologie. Muotathal 2012, S. 68–74 (462 KB PDF, abgerufen am 14. August 2014).
  9. J. K. M. (i. e. Karl Josef Mayr): Das älteste Vorkommen des Namens Untersberg. (Nachtrag). In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Jahrgang 1922, (Band LXII), S. 51–52. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/slk
  10. untern, m. (f., n.). In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1960 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  11. Hannes Scheutz (Hrsg.): Drent und herent. Dialekte im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet. EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein, Freilassing 2007, OBV, DNB.
  12. Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch. 2 Bände in 4 Teilen. (Sonderausgabe, Nachdruck der von G. Karl Frommann bearbeiteten 2. Ausgabe, München 1872–1877). Band 1,1. Oldenbourg, München 1985, ISBN 3-486-52602-2, OBV, Spalte 116.
  13. Landschaftsschutzgebiet 00051 Untersberg, Salzburger Naturschutzbuch, service.salzburg.gv.at/natur
  14. Pflanzenschutzgebiet 00001, Salzburger Naturschutzbuch, service.salzburg.gv.at/natur
  15. Naturpark 00001 Untersberg, Salzburger Naturschutzbuch, service.salzburg.gv.at/natur
  16. Landschaftsschutzgebiet 00063 Untersberg-Vorland, Salzburger Naturschutzbuch, service.salzburg.gv.at/natur;
    Untersberg-Vorland – Europaschutzgebietsverordnung, Untersberg. Landschaftsschutzverordnung 1981, Pflanzenartenschutzverordnung. Sbg LGBl 2007/59 (ris.bka, pdf)
  17. DAV Berchtesgaden: Informationen zum Hochthron Klettersteig
  18. A. St.: Der Untersberg, S. 13.
  19. Untersbergbahn , salzburg.info
  20. Untersbergbahn. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  21. Untersbergmuseum mit Kugelmühle, mamilade.at
  22. a b c Variante der Sage von Kaiser Karl, sagen.at
  23. Die Wilde Jagd vom Untersberg. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  24. Johannes Lang: Lazarus Gitschner im Untersberg – Die wundersamen Erlebnisse eines Reichenhaller Stadtschreibergehilfen. In: Geschichte von Bad Reichenhall, 1. Auflage. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2009, ISBN 978-3-87707-759-7, S. 312–325. – Inhaltsverzeichnis online.
  25. OBV, da ISBN nicht eindeutig.
Anmerkungen
  1. Dopplersteig nach Baubeginn 1874 eröffnet am 13. Juni 1876. – Siehe: Salzburg. In: Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1894, (Band XXV), S. 428. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/oav