Behgjet Pacolli

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Behgjet Pacolli

Behgjet Isa Pacolli (* 30. August 1951 in Marec bei Lipljan, SFR Jugoslawien, heute Kosovo[1]) ist ein kosovarisch-schweizerischer Politiker und Unternehmer. Er war 2011 Präsident der Republik Kosovo und ist gegenwärtig erster stellvertretender Premierminister im Kabinett Hashim Thaçi. Er war Vorsitzender der politischen Partei Allianz für ein neues Kosovo.[2] Pacolli ist darüber hinaus Vorsitzender der Mabetex-Gruppe, eines in der Schweiz ansässigen Bau- und Hochbauunternehmen und gilt als der weltweit reichste Albaner.[3] Er besitzt auch die schweizerische Staatsbürgerschaft.

Jugend und Karriere[Bearbeiten]

Behgjet ist der Sohn von Isa und Nazmije Pacolli. Er war das zweitälteste von zehn Kindern und wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Kosovo auf. 1974 leistete er seinen Militärdienst in der Jugoslawischen Volksarmee. Kurz nach seiner Entlassung ging er auf der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten zu einem österreichischen Unternehmen, wo er als Handelsvertreter für Jugoslawien, Bulgarien, Polen und Russland arbeitete. 1976 zog er in die Schweiz, wo er als Manager für Inter Plastic arbeitete, einem Hochbau- und Handelsunternehmen, das mit Chemikalien und Kunststoff handelte, vor allem mit der Sowjetunion und Warschauer Pakt-Staaten.[3] In den späten 1970er Jahren erwarb er in Hamburg einen Hochschulabschluss in Wirtschaftswissenschaften. Er spezialisierte sich auf Marketing und Management. 1990 gründete er in der Schweiz Mabetex, ein Bauunternehmen mit Sitz in Lugano, das sich zu einer Unternehmensgruppe entwickelte.

Internationale Projekte[Bearbeiten]

Russland[Bearbeiten]

Der Kreml in Moskau.[4]

1992 erhielt Pacollis Unternehmensgruppe unter anderem von Pawel Borodin, dem Leiter der präsidialen Liegenschaften Russlands, Aufträge für Umbau, Renovierung und Restaurierung des ehemaligen Parlaments der Russischen Föderation, der Staatsduma und des Moskauer Kremls. Im Rahmen einer Strafverfahrens wurde Pacolli 1998 beschuldigt, Familienmitglieder des russischen Präsidenten Boris Jelzin bestochen zu haben, worauf Pacolli erfolgreich den ermittelnden russischen Staatsanwalt auf üble Nachrede verklagte.[5][6][7][7][8][9]

Kasachstan[Bearbeiten]

Gegenwärtig ist Mabetex mit mehreren Projekten wesentlich am Bau der neuen kasachischen Hauptstadt Astana beteiligt, zum Beispiel an der Residenz des kasachischen Präsidenten Nursultan Nazarbayev.[10] Insgesamt hat Pacollis Unternehmensgruppe 40 % der Neubauten in Astana errichtet.[11]

Italien[Bearbeiten]

In Italien war die Mabetex Group verantwortlich für die Sanierung des durch einen Brand zerstörten Theaters La Fenice in Venedig.[12]

Usbekistan[Bearbeiten]

In der usbekischen Hauptstadt Taschkent baute seine Gruppe das Rathaus.

Politik[Bearbeiten]

Am 17. März 2006 gründete Pacolli die Politische Partei Allianz für ein neues Kosovo (AKR), die an den Parlamentswahlen 2007 teilnahm und drittstärkste Partei wurde. Während dieser Wahlen erklärte er, dass sein Vermögen 420 Millionen Euro betrage.[13] Pacolli wurde Mitglied des Abgeordnetenhauses des Kosovos und Mitglied des Komitees zur Haushaltsfinanzierung.

Seit 2004 betreibt Behgjet Pacolli Lobbyarbeit im Kosovo, indem er die volle Unabhängigkeit und Anerkennung des Kosovo forderte und nach der der einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Februar 2008 sich weiter dafür einsetzt, Kosovo offiziell als unabhängigen Staat anzuerkennen.[14][15][16][17]

Präsident der Republik Kosovo[Bearbeiten]

Am 22. Februar 2011 wurde Behgjet Pacolli auf Empfehlung Hashim Thaçis zum Präsidenten der Republik Kosovo gewählt.[18] Am 30. März 2011 verkündete das Verfassungsgericht des Kosovos, dass seine Wahl zum Präsidenten nicht verfassungskonform gewesen sei.[19] Atifete Jahjaga wurde am 7. April 2011 als seine Nachfolgerin zur Präsidentin gewählt.

Stellvertretender Ministerpräsident[Bearbeiten]

Nachdem er von Premier Thaçi zu seinem ersten Stellvertreter ernannt wurde, betraute ihn dieser auch mit der Aufgabe der Mobilisierung um weitere Anerkennungen der Republik Kosovo durch UNO-Staaten. Vor allem reiste Pacolli im Frühling und Sommer 2011 in westafrikanische Länder, sodass einige Länder wie die Zentralafrikanische Republik, Niger, Guinea und Benin im August 2011 den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannten.

Privatleben, Diplomatie und soziales Engagement[Bearbeiten]

Pacolli 2004 in Kabul, Afghanistan

Pacolli war von 1999 bis 2002 mit Anna Oxa, einer italienischen Sängerin albanischer Herkunft verheiratet. Zurzeit ist er mit Maria Pacolli (geb. Sitschkowa) verheiratet und Vater eines Sohnes und vierer Töchter.

2004 wurden drei Mitarbeiter der Vereinten Nationen in Kabul als Geiseln genommen, darunter ein Kosovo-Albaner, dessen Freilassung Pacolli nach einem Monat intensiver Verhandlungen erreichen konnte. 2006 handelte er die Freilassung der in Afghanistan entführten Italienerin Gabrielle Torsello aus.[20][21][22][23]

1993 gründete Pacolli „Les Enfants du Sakha”, einen Fonds mit dem Ziel, Kindern Hilfe bei der medizinischen Betreuung, Ausbildung und Freizeit zu geben.[24]

Nach dem Kosovokrieg gründete Pacolli in Lugano die „Foundation for the Organisation and Reconstruction of Kosovo” (FORK), eine Aufbauorganisation für den Kosovo, die humanitäre Hilfe für Kosovo-Albaner leistet.[3]

Seine humanitäre Stiftung hat die Amerikanische Universität im Kosovo in Priština gebaut und ausgestattet.[25]

Pacolli unterstützt auch finanziell die SEED Foundation (South East European Development) und ist internationaler Berater des Centre for Strategic and International Studies (CSIS).[26]

Im Juli 2010 zeichnete ihn die Internationale Union für Frieden mit dem Friedensorden „Cavaliere della Pace”, (Friedensorden) aus.[27]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview with Pacolli in Albanian
  2. Bureau of European and Eurasian Affairs: Background Note: Kosovo. 2010. Abgerufen am 22. März 2010.
  3. a b c Chris Bennett: Living The Life Of Behgjet. 1999. Abgerufen am 1. November 2008.
  4. Andrew Jack: Inside Putin's Russia: Can There Be Reform Without Democracy? 2004 (Zugriff am 22. März 2010).
  5. Илья Вукелич, Андрей Терехов: Балканский Мабетекс (Russian) January 2006. Abgerufen am 1. November 2008.
  6. Michael Wines: The Kremlin's Keeper, the World at His Fingertips, Is Under a Cloud, New York Times. Abgerufen am 1. November 2008. 
  7. a b Ian Traynor, Peter Capella: Swiss investigators order arrest of top Yeltsin aide, guardian.co.uk. Abgerufen am 1. November 2008. 
  8. Бородин, Павел (Russian) lenta.ru. Abgerufen am 1. November 2008.
  9. Екатерина Заподинская: Беджет Паколли признан чистоплотным. Он выиграл суд со Скуратовым (Russian) Газета «Коммерсантъ». August 2000. Abgerufen am 1. November 2008.
  10. CNN Traveler Promotion: Kazakhstan's capital develops into a gem. 2008. Abgerufen am 26. März 2010.
  11. 24-7pressrelease.com: COREPRIME Enters Kazakhstan Design Competition for Iconic President's Library Project with SAMOO Architects. 2009. Abgerufen am 26. März 2010.
  12. Ricostruzione „La Fenice“ – Venice
  13. Kosovo politicians refuse to reveal sources of wealth, B92, 17 October 2007.
  14. Vjosa Musliu: Pacolli Lobbies for Kosovo in Africa. 2009. Abgerufen am 13. März 2012.
  15. Giulietto Chiesa: La resistibile ascesa del sig. Pacolli – 30-12-05. 2005. Abgerufen am 27. März 2010.
  16. Anko Ordoñez and Sara Danni: Interview with Behgjet Pacolli. 2009. Abgerufen am 27. März 2010.
  17. Koha Ditore, Lajm, Telegrafi – 10/09/09; Kohavision, TV 21: Businessman lobbies Libya to recognise Kosovo. 2009. Abgerufen am 9. Juli 2011.
  18. New President of Kosovo is Disliked. In: Kosovo: New Leader Had Ties to Russia. Reuters. 22. Februar 2011. Abgerufen am 23. Februar 2011.
  19. Constitutional Review of the Decision of the Assembly of the Republic of Kosovo, No. 04-V-04, concerning the election of the President of the Republic of Kosovo, dated 22 February 2011. (PDF; 1,1 MB) gjk-ks.org. Abgerufen am 25. August 2011.
  20. Liam Clarke: UN ‘did nothing to help hostages’. In: The Times, 28. November 2004. Abgerufen am 26. März 2010. 
  21. Corriere Della Sera: Pacolli: ho avuto un ruolo anch' io. 2006. Abgerufen am 26. März 2010.
  22. L'Espresso: TORSELLO: ANCHE PACOLLI NELLE TRATTATIVE PER LIBERAZIONE. 2006. Abgerufen am 26. März 2010.
  23. The Jawa Report: Ransom Paid for UN Hostages?. 2004. Abgerufen am 26. März 2010.
  24. World Investment News: Kosovo. 2002. Abgerufen am 27. März 2010.
  25. http://www.aukonline.org/?cid=1,129
  26. „International Councilor“ – CSIS, Center for Strategic and International Studies
  27. Corriere dell'umbria: Il Centro Pace mette su casa in Albania e Kosovo. 2010. Abgerufen am 14. Juli 2010.