Bergdietikon

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Bergdietikon
Wappen von Bergdietikon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4023i1f3f4
Postleitzahl: 8962
UN/LOCODE: CH BGI
Koordinaten: 671531 / 24972347.3944448.386112581Koordinaten: 47° 23′ 40″ N, 8° 23′ 10″ O; CH1903: 671531 / 249723
Höhe: 581 m ü. M.
Fläche: 5.94 km²
Einwohner: 2523 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 425 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 15,6 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.bergdietikon.ch
Bergdietikon2.jpg

Karte
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Bergdietikon (in einheimischer Mundart: [ˌb̥ɛɾg̊ˈd̥iə̯tikχə])[3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt südöstlich des Bezirkshauptorts an der Grenze zum Kanton Zürich.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Bergdietikon setzt sich aus den Dörfern Baltenschwil (450 m ü. M.), Bernold (500 m ü. M.) und Kindhausen (581 m ü. M.) sowie den Weilern Gwinden (530 m ü. M.), Herrenberg (618 m ü. M.), Oberschönenberg (671 m ü. M.) und Unterschönenberg (591 m ü. M.) zusammen. Diese Siedlungen liegen verstreut am östlichen Abhang des Heitersbergs oberhalb der im Limmattal gelegenen Zürcher Gemeinde Dietikon. Im Nordwesten befindet sich auf einer Höhe von 667 Metern der von steilen, bewaldeten Hängen umgebene Egelsee, der grösste ganz auf Aargauer Boden gelegene natürliche See. Im Südosten erstreckt sich das Gemeindegebiet in das Reppischtal.[5]

Das Gemeindegebiet ist 594 Hektaren gross, davon sind 160 Hektaren bewaldet und 105 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 787 Metern auf dem Heitersberg, der tiefste auf 420 Metern an der Reppisch.

Nachbargemeinden sind Spreitenbach im Norden, Dietikon im Osten, Urdorf im Südosten, Rudolfstetten-Friedlisberg im Süden, Widen im Südwesten und Bellikon im Westen.

Dorfbrunnen in Kindhausen
Mühlestein mit Dorfgeschichte
Burgruine Kindhausen

Geschichte[Bearbeiten]

In einem Kanalisationsgraben fand man 1973 eine mächtige Kulturschicht mit zahlreichen römischen Keramikscherben.[6] Seit dem Mittelalter waren die verstreuten Weiler am Osthang des Heitersbergs Teil des Gerichtsbezirks Dietikon. Die erste Erwähnung von Baltenschwil erfolgte 1124 in einer durch Kaiser Heinrich V. ausgestellten Urkunde, die Zinseinnahmen des Klosters Engelberg bestätigte. Neben dem Kloster Muri war vor allem das Kloster Wettingen ein bedeutender Grundherr.

Die Burg Kindhausen wurde vermutlich in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts von den Herren von Schönenwerd, Dienstleute der Grafen von Kyburg und später der Habsburger, erbaut und um 1200 Opfer einer Feuersbrunst.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Bergdietikon gehörte nun zum Amt Dietikon in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. 1529 erfolgte die Einführung der Reformation. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden der Grafschaft Baden wurden die Bergdietiker nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 nicht zur Rückkehr zum alten Glauben gezwungen, die Nähe zur Stadt Zürich dürfte dabei eine Rolle gespielt haben.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Die Weiler gehörten zur Gemeinde Dietikon im kurzlebigen Kanton Baden. Im Jahr 1803 verfügte Napoleon Bonaparte in der Mediationsakte die Schaffung des Kantons Aargau. Die Gemeinde Dietikon wurde getrennt: Die stattliche Siedlung im Limmattal gehörte nun zum Kanton Zürich, die weit verstreuten Weiler am Heitersberg gelangten jedoch zum Kanton Aargau und bildeten die Berggemeinde Dietikon, seit 1840 Bergdietikon genannt.[3][4]

Die dezentrale Siedlungsstruktur erschwerte die Entwicklung der neuen Gemeinde. Die kommunalen Einrichtungen wie Schule und Verwaltung waren über das ganze Gemeindegebiet verstreut und die Einwohnerzahl stieg nur sehr langsam. Nach 1960 wandelte sich Bergdietikon innerhalb kurzer Zeit von einer armen Bauerngemeinde zu einem attraktiven Wohnstandort, der vor allem wohlhabende Steuerzahler anlockte. Die Bevölkerungszahl stieg beinahe um das Vierfache. In dieser Zeit wurde auch die reformierte Kirche Bergdietikon erbaut.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg ausgerissene grüne Eiche mit grünen Früchten.» Erstmals abgebildet war dieses Wappen 1872 auf dem amtlichen Gemeindesiegel. Das Eichenmotiv wurde gewählt, weil die Gemeindevorsteher früher angeblich im Hof Eichholz gewohnt haben sollen. Der Dreiberg ist als Hinweis auf die hügelige Lage der Gemeinde zu verstehen.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1780 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 361 491 466 499 789 426 1077 1693 2194 2256 2384

Am 31. Dezember 2013 lebten 2523 Menschen in Bergdietikon, der Ausländeranteil betrug 15,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 49,2 % reformiert und 33,8 % römisch-katholisch; 2,8 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 93,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 1,3 % Französisch und Italienisch, 0,9 % Englisch.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Bergdietikon gehört zum Friedensrichterkreis Wettingen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Bergdietikon gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1000 Arbeitsplätze, davon 6 % in der Landwirtschaft, 66 % in der Industrie und 24 % im Dienstleistungssektor.[11] Fast alle Unternehmen sind in der Gewerbezone im etwas abseits gelegenen Reppischtal domiziliert. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in den Gemeinden des Limmattals oder in der Stadt Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Siedlungen von Bergdietikon sind durch eine Stichstrasse mit Dietikon verbunden. Eine Nebenstrasse führt von Baltenschwil nach Widen, die gerne als Schleichweg benutzt wird, wenn sich der Verkehr auf der Hauptstrasse über den Mutschellen staut. Baltenschwil, Bernold und Kindhausen sind durch eine Buslinie von Limmatbus (Tochtergesellschaft von BDWM Transport) mit dem Bahnhof Dietikon verbunden, wo Anschluss an die S-Bahn Zürich besteht. Trotz seiner Lage im Kanton Aargau gehört Bergdietikon zum Zürcher Verkehrsverbund. Die Industriezone im Reppischtal wird durch die Haltestelle Reppischhof der Bremgarten-Dietikon-Bahn erschlossen.

Bildung[Bearbeiten]

Alle Schulanlagen befinden sich im zentral gelegenen Ortsteil Bernold. Dort sind der Kindergarten und die Primarschule untergebracht. Die Realschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule können in Spreitenbach besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Hoegger: Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 87: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band VII: Der Bezirk Baden II. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK Bern, 1995, ISBN 3-909164-44-7, S. 5–11.
  •  Patrick Zehnder: Grenzen überschreiten – Die Aargauer Gemeinde Bergdietikon seit dem Mittelalter. Chronos-Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-0340-0582-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bergdietikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 80f. Angegebne Lautschrift: bę̀rgdį́ə̯tị̀kxə.
  4. a b Gabrielle Schmid: Bergdietikon AG (Baden) In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 141. Angegebne Lautschrift: [ˌbɛrgˈdiətikχə].
  5. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  6.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 165.
  7.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 115.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.