Obersiggenthal

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Obersiggenthal
Wappen von Obersiggenthal
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4038i1f3f4
Postleitzahl: 5415
UN/LOCODE: CH NBB (Nussbaumen bei Baden)
Koordinaten: 664704 / 26030047.4902758.297224420Koordinaten: 47° 29′ 25″ N, 8° 17′ 50″ O; CH1903: 664704 / 260300
Höhe: 420 m ü. M.
Fläche: 8.36 km²
Einwohner: 8577 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1026 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 32,5 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.obersiggenthal.ch
Nussbaumen

Nussbaumen

Karte
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Obersiggenthal (schweizerdeutsch: ˈɔbərsiɡəˌtɑːl)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt nördlich des Bezirkshauptorts Baden an der Limmat und besteht aus den Ortsteilen Nussbaumen, Kirchdorf und Rieden.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt auf der östlichen Seite des Siggentals, einer Schotterterrasse am nördlichen Limmatufer, die sich gegen Nordwesten hin ausweitet. Im Norden bildet der zum Tafeljura gehörende Siggenberg eine natürliche Grenze zum Surbtal, die Limmat trennt die Gemeinde von Baden. Im Osten, noch in der Klus von Baden, liegt der Ortsteil Rieden, auf dem Steilhang darüber der Weiler Hertenstein (482 m ü. M.). Nussbaumen, das Zentrum der Gemeinde, liegt in der beginnenden Talausweitung. Am westlichsten ist Kirchdorf, etwa einen Kilometer vom Fluss entfernt. Am Hang oberhalb von Kirchdorf liegt der Weiler Tromsberg (490 m ü. M.). Während Rieden und Nussbaumen zusammengewachsen sind, besteht zwischen Nussbaumen und Kirchdorf noch eine Siedlungslücke.[4]

Das Gemeindegebiet ist 836 Hektaren gross, davon sind 358 Hektaren Wald und 173 Hektaren überbaut. Die niedrigste Stelle befindet sich an der Limmat bei der Schiffmühle (340 m ü. M.), die höchste Stelle im Gebiet Ebne (618 m ü. M.).

Nachbargemeinden sind Endingen und Lengnau im Norden, Freienwil im Nordosten, Ennetbaden im Osten, Baden im Süden, Turgi im Südwesten, Untersiggenthal im Westen sowie Würenlingen im Nordwesten. Die gesamte Gemeindegrenze ist ca. sieben Kilometer lang.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirchdorf

Bereits während der Jungsteinzeit vor rund 5000 Jahren siedelten Menschen nordwestlich von Kirchdorf. Ebenfalls in Kirchdorf wurden ein keltisches Grab und die Reste eines römischen Gutshofs entdeckt. Der Gutshof umfasste mindestens zwei Ökonomiegebäude, die ab der zweiten Hälfte des 1. bis zum frühen 3. Jahrhundert benutzt wurden. Das Hauptgebäude kam bisher nicht zum Vorschein, wird aber im Bereich der Kirche vermutet.[5]

1150 verkaufte das Kloster Elchingen bei Ulm seinen Grundbesitz im Siggenthal an das Kloster St. Blasien. Schirmherren des Klosters und Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit waren die Habsburger. Im Habsburger Urbar von 1303/08 ist Ortsname Sikental zu finden. Er stammt vom althochdeutschen Sikkintale und bedeutet «Tal des Sikko».[3] 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Siggenthal war nun Bestandteil des Siggenamts in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. 1695 setzten Kirchdorf und Nussbaumen die Bildung einer selbständigen Gemeinde durch. Siggenthal wurde in Unter- und Obersiggenthal getrennt.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Obersiggenthal wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Erst 1850 gelang es den Dorfbewohnern, sich von der Zinspflicht des Klosters St. Blasien loszukaufen. 1854 entstand in Rieden die erste Fabrik, welche die Wasserkraft der Limmat nutzte. Nachdem 1892 in Baden das bedeutende Unternehmen BBC (heute ABB) gegründet worden war, stieg die Einwohnerzahl sprunghaft an. Im Jahr 1900 betrug sie noch 1504, hundert Jahre später das Fünffache.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot drei gekreuzte weisse Schlüssel, der mittlere mit Doppelbart.» Das Wappenmotiv ist erstmals 1872 auf dem Gemeindesiegel abgebildet. Es bezieht sich auf die Himmelsschlüssel des Schutzpatrons der Kirche von Kirchdorf, den Heiligen Petrus. Die Anzahl der Schlüssel ist ein Hinweis auf die Dörfer Kirchdorf, Nussbaumen und Rieden, aus denen die Gemeinde zusammengesetzt ist.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1780 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 622 1183 1504 2193 2856 4508 6623 7442 7335 7561 8191

Am 31. Dezember 2013 lebten 8577 Menschen in Obersiggenthal, der Ausländeranteil betrug 32,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 46,8 % römisch-katholisch, 25,5 % reformiert, 5,6 % christlich-orthodox und 5,2 % moslemisch; 1,8 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 80,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,8 % Serbokroatisch, 2,6 % Italienisch, 1,8 % Englisch, je 1,6 % Albanisch und Türkisch, 1,2 % Französisch, 0,9 % Spanisch, 0,7 % Portugiesisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Legislative[Bearbeiten]

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 40 Mitgliedern. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Er kann auch Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Einwohnerrat wird im Proporzwahlverfahren gewählt.

Bei den drei letzten Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:

Partei 1997 2001 2005 2009 2013
CVP 10 11 12 12 11
SVP 9 11 10 11 11
FDP 9 7 8 6 6
SP 7 8 8 7 7
EVP 2 2 2 2 2
Grüne - - - 2 3
BDP - - - - 1
SD - 1 - - -
Junge Liste 3 - - - -

Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive[Bearbeiten]

Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Die fünf Gemeinderäte der Amtsperiode 2010–2013 sind:

  • Max Läng (CVP), Gemeindeammann
  • Hansrudolf Hess (parteilos), Vizeammann
  • Franziska Grab (SVP)
  • Marie-Louise Nussbaumer (SP)
  • Therese Schneider (CVP)

Judikative[Bearbeiten]

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Obersiggenthal gehört zum Friedensrichterkreis Kirchdorf, das die Gemeinden Freienwil, Obersiggenthal, Untersiggenthal und Würenlingen umfasst.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Obersiggenthal zählt gemäss Betriebszählung 2008 etwa 280 KMU-Betriebe mit rund 1600 Arbeitsplätzen. Davon sind 3 % in der Landwirtschaft, 24 % in der Industrie und 73 % im Dienstleistungssektor.[10] Obersiggenthal ist in erster Linie eine Wohngemeinde. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten im benachbarten Baden.

Verkehr[Bearbeiten]

Kreisel Landstrasse/Hertensteinstrasse

Durch Obersiggenthal führt die vielbefahrene Hauptstrasse von Baden durch das untere Aaretal nach Koblenz. Am 14. September 2002 wurde eine neue Brücke über die Limmat eingeweiht, die Nussbaumen direkt mit Baden verbindet.

Die Gemeinde ist durch zwei Buslinien der Gesellschaft RVBW an das Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Die Linie 2, die in Spitzenzeiten alle zehn Minuten verkehrt, beginnt in Untersiggenthal und fährt über die neue Limmatbrücke nach Baden, Wettingen und Spreitenbach. Die Linie 6 beginnt ebenfalls in Untersiggenthal und fährt via Ennetbaden nach Baden und Wettingen.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt je vier Kindergärten und Primarschulhäuser. Im Oberstufenschulzentrum Obersiggenthal (OSOS) werden die Realschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule geführt. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Obersiggenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 331–332.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 192–193.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 241.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.