Berlin-Französisch Buchholz

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Französisch Buchholz
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowFranzösisch Buchholz auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 36′ 0″ N, 13° 26′ 0″ O52.613.433333333333Koordinaten: 52° 36′ 0″ N, 13° 26′ 0″ O
Fläche 12,03 km²
Einwohner 19.993 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 1662 Einwohner/km²
Postleitzahl 13127
Ortsteilnummer 0310
Verwaltungsbezirk Pankow

Französisch Buchholz (kurz: Buchholz genannt) ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Pankow.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Angerdorf Buchholz wurde wahrscheinlich um 1230 gegründet, wie die meisten Dörfer auf dem südlichen Barnim. Erstmals wird das Dorf Buckholtz in einer Urkunde von 1242 erwähnt, als Grenzort von Schönerlinde. Das Landbuch Karls IV. von 1375 weist für Buchholz 52 Hufen aus, davon vier Pfarrhufen und eine Kirchhufe. Acht Freihufen gehören denen von Bredow. Das Dorf hat einen Krug. Die aus Feldsteinquadern errichtete Dorfkirche wurde bereits am Anfang der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet.

Nach zahlreichen Wechseln der Grundherrschaft (von Schlieben, von Thümen und von Röbel) kam Buchholz im Jahre 1670 in den Besitz des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, der bereits seit 1541 Anteile besaß. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg viele Kossäten- und Bauernhöfe in Buchholz verwüstet oder verlassen waren, wurde im Ergebnis des Edikts von Potsdam 1685 durch den Staatsminister Joachim Ernst von Grumbkow eine „Französische Kolonie“ durch Ansiedlung von französischen Hugenotten gebildet. So ließen sich 1687 die ersten zehn Bauernfamilien und sechs Gärtnerfamilien aus Frankreich hier nieder. 1688 sind bereits 87 Siedler nachweisbar. Sie bauten hier bisher unbekannte Pflanzen wie grüne Bohnen, Blumenkohl, Spargel, Artischocken sowie verschiedene Küchenkräuter an und pflanzten Obstbäume. Ab etwa 1750 bürgerte sich die Bezeichnung Französisch Buchholz ein. Das Dorf wurde zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner. Aus diesem Jahr stammt auch eine Radierung Wallfahrt nach Frantzösch Buchholz von Daniel Chodowiecki. Jean-Pierre Blanchard führte 1788 seine erste bemannte Freiballonfahrt Berlins vor und landete vom Tiergarten kommend mit seinem „Luftball“ in Buchholz.Von 1817 bis 1913 trug der Ortsteil offiziell den Namen Französisch-Buchholz.[1] Ab 1913 nannte sich die Gemeinde aufgrund antifranzösischer Ressentiments und im Vorlauf des Ersten Weltkriegs in Berlin-Buchholz um. Die Eingemeindung in das Gebiet Groß-Berlins erfolgte 1920. Erst auf Anregung mehrerer Vereine wurde der Ortsteil am 30. Mai 1999 durch die Bezirksverordnetenversammlung Pankow rückbenannt und erhielt so nach 86 Jahren wieder den früheren Namen. Auf der Gedenktafel zur Wiederbenennung heißt es:

„Im Bewusstsein unserer deutsch-französischen Tradition eines fruchtbaren Zusammenwirkens in Toleranz und gegenseitiger Achtung steht dieser Name für das Verbindende, das Historische und das Neue.“[2]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Jahr 1860 erhielt der Berliner Vorort eine Pferdeomnibusverbindung, die ab 1866 zum Berliner Alexanderplatz verkehrte. Ab 1877 bestand eine weitere Verbindung zum Bahnhof Blankenburg, die ab 1895 zum Bahnhof Pankow-Heinersdorf geführt wurde. 1904 wurde diese von der gemeindeeigenen Pferdebahn abgelöst.

In den späten 1990er Jahren hatte der Ortsteil umfangreiche Neubaugebiete ausgewiesen. Gebaut wurden überwiegend mittelhohe Mietshäuser entlang dem Rosenthaler Weg und der Triftstraße, ergänzt durch Schul- und Sportbauten sowie Einzelhandel und Grünanlagen.

Die Verbindung zur Berliner Innenstadt ist durch die Straßenbahnlinie 50 mit Umstieg am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf gewährleistet. Die Buslinie 154 bringt die Buchholzer über den benachbarten S-Bahnhof Blankenburg in den Berliner Nordosten, wohingegen die Linie 124 den Ortsteil über Märkisches Zentrum und S- und U-Bahnhof Wittenau mit der Berliner Nordwesten verbindet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Reinhard Demps et al., Buchholzer Bürgerverein e. V. (Hrsg.): Tram Geschichte(n). Straßenbahnen nach Buchholz. Verlag GVE, Berlin 1999, ISBN 3-89218-064-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Französisch Buchholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Roland Bauer et al.: Berlin – Illustrierte Chronik bis 1870. Berlin 1987, ISBN 3-320-008315, DNB 551475684. S. 126, 198
  2. Werner Gahrig: Hugenotten in Berlin und Brandenburg, Verlag Das Neue Berlin, Berlin, 2005, S. 221