Berlin-Buch

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Buch
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowBuch auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O52.63361111111113.499166666667Koordinaten: 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O
Fläche 18,15 km²
Einwohner 14.507 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte 799 Einwohner/km²
Postleitzahl 13125
Ortsteilnummer 0309
Verwaltungsbezirk Pankow

Buch ist der nördlichste Ortsteil des Bezirks Pankow und damit von Berlin. Den an der Panke liegenden Ort prägen der historische Dorfkern, der Schlosspark, umfassende Krankenhaus-Anlagen und modernere Neubausiedlungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Steinzeit[Bearbeiten]

Nach der Weichsel-Kaltzeit gab das Inlandeis den Berliner Raum seit dem 15. Jahrtausend v.u.Z. wieder frei. Auf der Hochfläche des Barnims, höchste hiesige Erhebung ist mit 83 Metern der Stener Berg, entstand eine tundrenartige Landschaft, in der Gemarkung durchzogen von den Niederungen der Panke, der Bogenseekette, des Lietzengrabens und der Fennbuchte. An den Gewässern bildeten sich oft mehrere hundert Meter breite Feuchtgebiete, teilweise auch Niedermoore. Den eingewanderten Großsäugern wie Rentier und Moschusochse folgten seit dem 10. Jahrtausend v.u.Z. die Jäger des Jungpaläolithikums.[1]

Buch zählt zu den archäologisch am besten erforschten Gebieten in Berlin mit einer Fülle an ur- und frühgeschichtlichen Fundplätzen, die fast alle vom Rand der Niederungen aus etwas höheren und so trockeneren Sandböden stammen. Bisher konnte kein Fund eindeutig der jüngeren Altsteinzeit zugeordnet werden. Da die vielen Gewässer den Menschen einen ideale Lebensraum boten, muss aber von einer Besiedlung ausgegangen werden. Die Nomaden lebten in Zelten oder einfachen Hütten, um den Wild folgen sowie auf größeren Gebieten Früchte und Wurzeln sammeln zu können.[1]

Im Mesolithikum (8.–4. Jahrtausend v.u.Z.) entwickelte sich durch eine Klimaerwärmung im brandenburgischen Raum ein dichter Wald, der die nacheiszeitliche Flora und Fauna verdrängte. Die Auswahl an Jagdbeute, z. B. Auerochse, Elch, Reh, Rothirsch, Wildschwein und Wisent, stieg an, ebenso die Vielfalt der pflanzlichen Nahrung. Besonders stark ausgebreitet hatte sich der Haselstrauch, der nahrhafte und lagerungsfähige Nüsse lieferte. Auch der Fischfang gewann an Bedeutung. Vermutlich waren die Menschen noch nicht sesshaft und wohnten ähnlich wie im Jungpaläolithikum.[1]

Für Buch liegen drei sichere mittelsteinzeitliche Fundstellen vor. Im Jahr 1935 wurden zwischen Bogensee und 1. Karpfenteich mehrere Geräte aus Feuerstein ausgegraben, darunter mikrolithische Abschläge, Klingen, Pfeil- und andere Spitzen. Von der zweiten Fundstätte am Westufer des Lietzengrabens liegen ebenfalls Mikrolithen vor, interessanter ist aber ein nur etwa 6,9 Zentimeter langes Kernbeil aus Feuerstein. 2007 wurde der dritte Fundort aus der Endphase des Mesolithikums auf einem ehemaligen Acker südlich der Straße Am Sandhaus untersucht. Im unteren Teil einer ovalen, circa 70 x 40 Zentimeter großen, hellbraunbeigen Grube lag ein äußerst gut erhaltenes, geschliffenes Walzenbeil aus Felsgestein. Trotz Fehlens menschlicher Knochen, in den hiesigen Böden wird organisches Material sehr schnell zersetzt, deuten Fund und Größe der Grube auf eine Hocker- oder Teilbestattung hin. Mehrere Klingen und Abschläge aus Feuersteine sprechen außerdem für eine nahe, temporäre Siedlung.[1]

Im Neolithikum besiedelten von etwa 3000–1800 v.u.Z. sesshafte Bauern den Berliner Raum. Die veränderte Lebensweise drückte sich durch stabile Häuser aus. Die technologischen Neuerungen der Ära hießen u. a. Tongefäß, Feuersteinschliff, Spinnen und Weben von Wolle, Hakenpflug, Reibmühle und Sichel. Für Buch sind zwei jungsteinzeitliche Fundplätze bekannt. Neben einem Steinbeil aus Felsgestein wurden mehrere aus Feuerstein geborgenen, davon sind einige an der Breitseite geschliffen und zeigen leicht gerundete Schneiden. Ein besonders prächtiges, circa 17 Zentimeter langes Beil vom Rand der Fennbuchte wird der mittelneolithischen (etwa 2600–2200 v.u.Z.) Kugelamphorenkultur zugerechnet.[1]

Bronzezeit[Bearbeiten]

In der Bronzezeit, im Berliner Raum von circa 1800–700 v.u.Z., nahm die Bevölkerung in Buch deutlich zu. Von den 18 bekannten Fundstellen dieser Epoche stammen 11 aus der Jungbronzezeit (1200–700 v.u.Z). Weiterhin wurden die Hanglagen der Niederungen bevorzugt, aber auch mehrere hundert Meter von den Gewässern entfernt ließen sich die Menschen nieder. Eine der jungbronzezeitlichen Siedlung lag an der Wiltbergstraße. Deren großflächige Ausgrabung in den Jahren 1910–1914 auf dem Gelände der im Bau befindlichen IV. Städtischen Irrenanstalt schrieb Archäologiegeschichte. Erstmalig in Deutschland konnte Albert Kiekebusch vom Märkischen Museum Hausgrundrisse aus der Bronzezeit sicher erfassen sowie Ausdehnung und Aufbau eines Dorfes aufzeigen. Die von ihm während der Ausgrabungen entwickelten Methoden und Techniken für sandige Böden setzten für die nächsten Jahrzehnte den Standard.[1]

Ohne die Siedlungsgrenze zu erreichen wurden über 100 Hausgrundstücke festgestellt, davon waren während der mehren Siedlungsstufen zwischen 1200 und 800 v.u.Z. vermutlich nur zehn gleichzeitig bewohnt. Neben den üblichen ebenerdigen kleinen Pfostenbauten (20–30 Quadratmeter Fläche, 5,5–7,0 Meter Länge, Wände aus lehmverschmierten Flechtwerk) existierten auch einige Gebäude in Blockbauweise. Als Friedhof diente den Altbuchern von der Wiltbergstraße vermutlich das zeitgleich bestehende Urnen-Gräberfeld in Alt-Buch 74, das während der Arbeiten für die Heimstätte für Brustkranke 1904 und 1912/13 untersucht wurde. Zwei weitere bronzezeitliche Ortschaften standen südlich des Berliner Rings, westlich der Schönerlinder Straße sowie westlich der Karower Chaussee. Letztgenannte Siedlung schlägt mit seinen eisenzeitlichen und slawischen Spuren eine Brücke in die nachfolgenden Epochen.[1]

Eisenzeit[Bearbeiten]

Die Eisenzeit begann im Berliner etwa ab 700 v.u.Z, rund hundert Jahre später als in Süddeutschland. Der frühe Abschnitt bis zum Beginn der Zeitrechnung wird als vorrömische Eisenzeit bezeichnet. Für diese Epoche führt die Geschichtsschreibung erstmals einen hiesigen Völkernamen auf – die Germanen. Wegen einer Klimaverschlechterung wanderte im 7./6. Jahrhundert v.u.Z. vermutlich ein Großteil der Einwohner ab, nur vier Fundstätten im Bereich der Panke liegen vor.[1]

Am besten untersucht ist das schon o. g. Gelände südlich von Am Sandhaus. Das dort 2006 erfasste Wohnstallhaus (circa 21 Meter lang und 5 Meter breit, durch Trennwand in 5 x 5 Meter großen Wohnbereich und 5 x 16 Meter großen Stall untergliedert, Ausrichtung in Ost-West-Richtung) wurde mittels der Radiokarbonmethode auf die Zeit zwischen 521 und 407 v.u.Z. datiert. Seine Einordnung in das 5. Jahrhundert v.u.Z. schloss eine chronologische Lücke in der Berlin-Brandenburger Hausforschung. Ein 2007 freigelegter, quadratischer Neun-Pfosten-Speicher konnte durch die gleiche Methode ebenfalls in die vorrömische Eisenzeit einsortiert werden. Zuvor war dieser Haustyp nur aus dem nachfolgenden Abschnitt bekannt.[1]

Die späte Eisenzeit zwischen dem Jahr 1 und dem Ende des 4. Jahrhunderts wird Römische Kaiserzeit genannt. Die Schriftquellen verorten im Berliner Raum die germanischen Stämme der Semnonen und Burgunden. Die Bevölkerungszahl stieg wieder an, die acht bekannten Fundorte liegen v. a. an Panke, Bogenseekette und Lietzengraben. Die systematische Erfassung des Areals Am Sandhaus ermöglichte detaillierte Erkenntnisse über Ortschaftsstruktur, Hausbau, Wirtschaft und materielle Kultur einer germanischen Niederlassung des 2./3 Jahrhunderts, bei drei Siedlungsphasen zwischen etwa 150 und 300.[1]

Fließe und Sümpfe boten im Norden, Osten und Westen einen natürlichen Schutz, nach Süden lag vermutlich offenes Gelände bis zur 700–800 Meter entfernten Panke. Jeweils ein ebenerdiges Langhaus, insgesamt wurden zehn erfasst, bildete das Haupt- und Wohnhaus eines Gehöftes, umgeben von zahlreichen Kleinbauten. Die meisten Langbauten waren zweischiffig bei unterschiedlicher Größe (10,2–20 Meter Länge, 3–6 Meter Breite) und Grundriss, darunter ein trapezförmiger. Eine Untergliederung zeigte sich nicht, außer bei dem vierschiffigen, 37,0 x 5,0–5,5 Meter großen Langhaus, das in Wohnbereich, Diele und Stall unterteilt war. Seine Dimensionen und die größere Zahl an Nebengebäuden lassen auf eine sozial privilegierte Familie schließen. Die 31 nachgewiesenen Kleinbauten der Ortschaft variieren in Größe sowie Aufbau und dienten u. a. als Arbeitshütten, Speicher sowie Ställe. Bei einem Grubenbau konnte 2005 erstmals ein gepflasterter Zugang nachgewiesen werden.[1]

Schlachtabfälle belegen die Haltung von Gänsen, Pferden, Rindern, Schafen, Schweinen und Ziegen sowie die Jagd auf Hasen, Rothirsche und Wildschweine. Wichtigste tierische Nahrung war Rindfleisch. Über den Umfang und die Vielfalt des Ackerbaus lassen sich keine Aussagen treffen, da wie schon erwähnt Pflanzenreste im Bucher Boden schnell verrotten und eine Pollenanalyse bisher nicht vorliegt. Der Fund des Bodensteins einer Handdrehmühle und mehrerer Läufersteine von Reibmühlen weisen die Getreideverarbeitung aber indirekt nach.[1]

Außer als Ackerbauer, Viehzüchter und Jäger arbeiteten die Bucher in zahlreichen handwerklichen Berufen: Töpfern, Spinnen und Weben von Wolle, Verarbeitung von Bronze sowie Herstellung von Holzkohle, Pech und Teer. Die Produktion von Branntkalk belegen fünf Kalköfen. Meist wurde darin zuvor oberflächennah in den Feuchtgebieten abgebauter Wiesenkalk verarbeitet. Der Rohstoff für einen 2005 entdeckten Ofen und die Schollen der benachbarten Vorratsgrube waren aber nachweislich Rüdersdorfer Kalkstein, deren Abbaubeginn wurde zuvor auf das deutsche Mittelalter datiert. Die Herstellung und Verarbeitung von Eisen ist nicht durch Funde belegt, aber wahrscheinlich. Der Rohstoff kommt im Norddeutschen Tiefland als Raseneisenerz vor und musste nicht importiert werden.[1]

Völkerwanderungs- und Slawenzeit[Bearbeiten]

Mit Beginn der Völkerwanderung im 4. Jahrhundert verließen die Germanen größtenteils den Berliner Raum Richtung Rhein und Donau. Für das 5./6. Jahrhundert kann deshalb für Buch keine Besiedlung nachgewiesen werden. Im 7. Jahrhundert wanderte eine slawische Bevölkerung aus dem heutigen Polen und Tschechien in die Region ein. Diese formte im 8. oder 9. Jahrhundert zwei Stammesherrschaften: die Heveller mit dem Hauptsitz Burg Spandau und die Sprewanen mit ihrem Zentrum Burg Köpenick. Buch gehörte vermutlich zur Herrschaft Köpenick. Für das 9. bis 12. Jahrhundert sind zwei nah beieinander liegende slawische Siedlungen östlich der Panke nachgewiesen, die westlich der Karower Chaussee existierte den Funden nach im 11. und 12. Jahrhundert. Die Feuerstellen, Vorrats- und Abfallgruben bargen Keramikreste sowie Knochen von Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen und Rothirschen.[1]

1220 bis 1897[Bearbeiten]

Die gemeinsam regierenden Askanier Johann I. und Otto III. erweiterten die Markgrafschaft Brandenburg ab 1220 u. a. um den Barnim und Teltow. Ab dieser Zeit wurden beide Gebiete im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung systematisch erschlossen. Ihre Bevölkerungszahl stieg von circa 5.000–10.000 anno 1150 auf etwa 35.000–40.000 im Jahr 1250. Buch entstand wahrscheinlich um 1230 als Straßenangerdorf. Entlang der Dorfstraße (heute Alt-Buch), meist auf der Südseite, reihten sich die Höfe der Vollbauern und Kossäten, auf der Nordseite lagen die Dorfkirche und das Rittergut. Nur etwas weiter südlich bestand weiterhin die slawische Siedlung westlich der Karower Chaussee.[1][2]

Die erste indirekte urkundliche Erwähnung erfolgte 1289 durch Johann von Buch, einen Berliner Ratsmann, die erste volle Nennung stammte von 1342 (BLHA. Pr.Br.Rep.08, Stadt Prenzlau, Urkunde 5b) und das Landbuch Karls IV. von 1375 machte genauere Angaben. Wentschen-Bug umfasste insgesamt 40 Hufen und den gesonderten Acker die Wendestücke. Letzteres ist ein Beleg für den Fortbestand der slawischen Ortschaft, vier freie Hufen des Pfarrers zeigen die Existenz einer Kirche an, ebenfalls vier freie Hufen gehörten dem Ritter Smetsdorp. Neben den Abgaben eines Kruges und einer Mühle, listet das Verzeichnis die Pacht- und Zins-Zahlungen der Einwohner an einen Schulzen, verschiedene Adelige, mehrere Berliner Bürger und die Nikolaikirche zu Berlin auf. Kirchlich gehörte das Dorf damals zur Propstei Bernau. [1][3][4]

Die Geschichte von Buch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts prägten die wechselnden Eigentümer des Rittergutes, die den Ort zum repräsentativen Adelssitz ausbauten. Einige der Feudalherren spielten als hohe Amtsträger eine herausragende Rolle in der Geschichte der Mark Brandenburg und von Preußen. Die ersten Gutsherren liegen im Dunkel der Geschichte, auf Ritter Betkin Wiltberg folgten um 1340 Fritz und Claus von Bredow, dann vor 1375 Ritter Smetsdorp.[1]

Das markgräfische Lehnsregister zeigt, dass bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts fast alle Rechte an die Herren von Röbel übergingen, denen weitere Dörfer in der Umgebung gehörten. 1483 wurde das Gut Buch zum Wohnsitz der Familie. Inzwischen bestand es aus zwölf Hufen, im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden ihm fast alle Bauern- und Kossätenhöfe einverleibt. Um 1541 wurde Hans von Röbel alleiniger Lehnsherr und wohnte hier bis 1563. Der kurbrandenburgische Rat und Förderer der Reformation war mit Philipp Melanchthon (* 1497, † 1560) befreundet, der mehrfach in Buch weilte. Auch die Söhne des Hans von Röbel bekleideten wichtige Staatsposten, Joachim († 1572) als Feldmarschall und Zacharias († 1575) als Kommandant der Festung Spandau. Der Enkel von ersterem, Hans Dietrich von Röbel, stieg im Dreißigjährigen Krieg zum Kommissarius des Landkreises Niederbarnim auf und lebte ab 1640 auf dem Gut. Die von ihm gestiftete Gruft der Kirche ist das einzig erhaltene architektonische Vermächtnis der Röbels in Buch. Dort wurde Hans Dietrich nach seinem Tod im Jahr 1654 als erster und letzter seiner Familie bestattet.[1]

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und mehrere Pestepidemien wirkten sich auch auf Buch verheerend aus. Von wohl 26 Familien und geschätzten 135 Einwohnern anno 1598 sank die Zahl auf 5 Familien um 1650, die Gutsherren nicht mit eingerechnet. Allein die Pest raffte im genannten Zeitraum über 150 Menschen dahin. In dieser Lage verkauften Joachim Adolf und Georg Christian von Röbel 1669/70 u. a. das Gut Buch an den reichen Gerhard Bernhard von Pölnitz (* 1617, † 1679), der wahrscheinlich schon 1670 einzog. Kurz danach ließ der Bewunderer der niederländischen Garten- und Baukunst den bereits existierenden Schlosspark Buch im holländischen Stil umgestalten und das Herrenhaus umbauen. Ab dem Jahr 1700 verpachteten die Freiherrn von Pölnitz das Gut, das 1717 aus 14 Ritterhufen und fünf Bauernhufen bestand. Den Rest der Flur bewirtschafteten fünf noch ansässige Bauern mit je drei Hufen und zehn Kossäten mit zusammen sieben Hufen.[1][5]

1724 veräußerte Friedrich Moritz von Pölnitz Dorf und Rittergut an Adam Otto von Viereck (* 1684, † 1758), der eine umfangreiche Bautätigkeit entfaltete. Gleich 1724 ließ er den Schlosspark Buch im französischen Stil neu gestalten und beauftragte Friedrich Wilhelm Diterichs (* 1702, † 1782) mit dem Umbau des Herrenhauses zum barocken Schloss Buch. Viereck, als Präsident der Kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer zugleich der Vorgesetzte des Bauinspektors, übertrug Diterichs auch den Neubau der Schlosskirche Buch zwischen 1731 und 1736 anstelle der abgebrochenen Dorfkirche. Die um 1760 errichtete Orangerie Buch vollendete die Gestaltung des Park.[1]

Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) war Buch wiederum betroffen, am 7. Oktober 1760 zogen russische Soldaten plündernd und brandschatzend durch das Dorf, beschädigten die Kirche und schändeten die Särge in der Gruft. Vermutlich auch wegen der Kriegswirren wurde erst 1761, drei Jahre nach dem Tod von Adam Otto von Viereck, dessen Erbfolge entschieden. Buch, Buchholz und Karow gingen an seine Tochter Amalie Ottilie (* 1736, † 1767), verheiratet mit Friedrich Christoph Hieronymus von Voß (* 1724, † 1784). Dieser ließ den Schlosspark erweitern, die Kirche instandsetzen und durch ein Epitaph für seinen Schwiegervater Adam Otto von Viereck ergänzen. Kurz vor ihrem Tod stiftete Amalie Ottilie ihr Eigentum als Fideikommiss. Zeitgleich verteilte eine staatliche Kommission die Äcker der Dorfflur neu, wobei die Gutsfelder ausgesondert und zusammengefasst wurden.[1]

Nach dem Tod seines Vaters 1784 erbte Otto Carl Friedrich von Voß (* 1755, † 1823) die drei Dörfer. Nach seiner Dienstzeit im preußischen Staat zog er sich 1795 auf seine Güter zurück und initiierte noch vor den Preußischen Reformen die Ablösung der bäuerlichen Frondienste. Durch die Separation verstreuter Felder entstanden zudem größere, zusammenhängende Äcker. Die verbliebenen drei Bauern, zwei Ganzkossäten und drei Halbkossäten in Buch wurden nun Eigentümer ihrer Höfe. Von 1790 bis 1820 erweiterte Otto Carl Friedrich durch Zukäufe den Schlosspark nach Osten bis zum Stener Berg und gestaltete diese Teile im englischen Stil. Die Orangerie erhielt an der Rückseite einen neogotischen Anbau. Weitere architektonische Veränderungen seiner Zeit waren der Neubau eines Pfarrhauses 1788, auf dem Gutshof das Inspektorenhaus um 1810 und Wirtschaftsgebäude nach 1822 sowie der Wiederaufbau des Schlosskruges 1823.[1][5]

Sein Sohn Wilhelm Friedrich Maximilian von Voß (* 1782, † 1847) übernahm das Gut 1823 und wurde 1840 in den Stand eines Grafen erhoben. Auf ihn folgte 1847 sein jüngerer Bruder Karl Otto Friedrich von Voß (* 1786, † 1864), der bis 1859 die von seinem Vater begonnene Ablöse und Separation beendete. Da er kinderlos starb, fiel das Eigentum 1864 an die Nachfahren seines Onkels Albrecht Leopold von Voß, den Familienzweig von Voß-Flotow. Gustav Hermann von Voß-Flotow (* 1822, † 1892), der 1881 erbte, ließ das Schloss aufwändig um- und ausbauen und die Kirche restaurieren. Seit 1843 führte die Berlin-Stettiner Eisenbahn über die Gemarkung, aber erst 1879 erhielt Buch einen Haltepunkt. Ab 1880 entstand das Siedlungsgebiet Kolonie Buch.[1][6]

1898 bis heute[Bearbeiten]

Im Jahr 1898 erwarb die Stadt Berlin das Gut Buch für 3,5 Millionen Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 23 Millionen Euro). Auf einem Teil der Flächen entstand bis 1929 die Krankenhausstadt Buch, der ersten Krankenhausstadt. In fünf Anlagen wurden vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann Kliniken für Psychiatrie/Irrenanstalten, Tuberkulosebehandlung und Alterskrankheiten errichtet. Damit war Buch der größte und modernste Heilstandort Europas. Von Schäden im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, beherbergen Teile dieser Anlagen bis heute medizinische Einrichtungen verschiedener Träger (Charité, Helios Kliniken).

Auf anderen Flächen des Gutes (dann „Hobrechtsfelde“ genannt) entstand nach einem Konzept von Rudolph Virchow (und vom Stadtbaurat James Hobrecht umgesetzt) der für damalige Verhältnisse modernste Bestandteil der Berliner Abwasser- und Kanalisationsanlagen. Als Versickerungsflächen in Form von Rieselfeldern dienten sie bis in die 1970er Jahre. Nach der Umstellung auf moderne Kläranlagen erfolgte eine langsame Renaturierung. Wegen der Belastung mit Schadstoffen sind die Flächen immer noch nicht frei zu benutzen.

Der medizinische Standort Buch zeichnete sich von Anfang an durch eine enge Beziehung zwischen Behandlung und Forschung aus und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren Europas, mit der ehemals größten Bettenkapazität für Kranke. Hier befand sich u. a. das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung (KWI), an dem der bedeutende Hirnforscher Oskar Vogt und seine Frau Cecile Vogt bis zu ihrer Absetzung durch die Nationalsozialisten tätig waren.

Die Eingliederung zu Berlin erfolgte im Jahr 1920 durch das Groß-Berlin-Gesetz. Seitdem ist Buch ein Ortsteil des Bezirks Pankow.

In der Pathologie in Berlin-Buch wurden am 8. Mai 1945 die verbrannten Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun nach deren gemeinschaftlichen Selbstmord am 30. April 1945 auf Veranlassung der sowjetischen Militärführung u. a. anhand der erhaltenen Gebisse durch Hugo Blaschke, dem Leibzahnarzt Hitlers, zweifelsfrei identifiziert.

Campus Berlin-Buch: Das nach dem sowjetischen Genetiker benannte Timoféeff-Ressovsky-Haus, Mai 2013

Das KWI ging nach 1947 im Institut für Medizin und Biologie auf, das später Bestandteil der Akademie der Wissenschaften der DDR wurde. Hier befand sich ein Forschungszentrum auf den Gebieten der Krebs- und Herz-/Kreislaufforschung. Seit 1992 ist auf einer 32 Hektar großen Fläche mit dem Campus Berlin-Buch ein Wissenschafts- und Technologiestandort mit biomedizinischen Forschungseinrichtungen, einem BiotechPark und Serviceeinrichtungen entstanden. Berlin-Buch gehört zu den bedeutenden Akteuren der Gesundheitsstadt Berlin und des Clusters Gesundheitswirtschaft – einem Schwerpunkt der gemeinsamen Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg. So gehört das hier ansässige Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) zu den TOP 20 der biomedizinischen Forschungseinrichtungen weltweit. Gemeinsam mit der Charité–Universitätsmedizin Berlin betreibt das MDC auf dem Campus Berlin-Buch im Rahmen des Experimental and Clinical Research Centers Hochschulambulanzen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Künstlerhof Buch; „Windharfe“ von Ingolf Eschenbach, Metallbildhauer und Kunstschmied. Im Hintergrund das Gutshaus und Schlosskirche

Bedeutendstes historisches Bauwerk von Buch ist die 1736 vollendete Schlosskirche. Die Kirche wurde zwischen 1950 und 1953 wiederaufgebaut und von 1995 bis 2000 saniert. Von der Kirchenleitung wird für die nächsten Jahre geplant, auch den 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchturm wieder zu errichten. Als eine von vier erhaltenen Barockkirchen Berlins gehörte sie einst zur Gutsschlossanlage von Buch und bildet heute gemeinsam mit dem Schlosspark und ehemaligen Gutshof einen architektonischen Mittelpunkt Buchs.

Das barocke Schloss und die Orangerie überstanden den Zweiten Weltkrieg mit geringen Schäden, wurden jedoch später wegen Bauschäden infolge mangelnder Instandhaltung abgerissen. (Das zunächst als Kinderheim genutzte Schloss 1964, die Orangerie bereits 1955.) In ihrer unmittelbaren Nähe befindet sich der nach holländischem Vorbild angelegte Bucher Schlosspark mit alten Baumbestand, durch den sich die Panke schlängelt. Die historischen Wege und die in mehrere Wasserläufe mit vielen Brücken aufgeteilte Panke werden in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt. Auf einem abgegrenzten Teil des Parks an der Wiltbergstraße befindet sich das Sowjetische Ehrenmal Buch.

Der ehemalige Gutshof liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schlosskirche und wurde noch bis ca. 1964 landwirtschaftlich genutzt. Bereits in den 1920er Jahren schwärmte Käthe Kollwitz in einem offenen Brief von dem einzigartigen Ensemble des damaligen Gutshofes und hätte ihn sich als einen Künstlerhof vorgestellt. Nach einer Initiative engagierter kunstsinniger Menschen, die sich unter anderem auf den Brief von Käthe Kollwitz beriefen, wurde in den 1980er Jahren der damals sehr verfallene Gutshof von der DDR-Führung zum „Künstlerhof Buch“ umgebaut und eingerichtet. Zu jener Zeit arbeiteten etwa 30 Künstler auf diesen Hof, um zunächst vorrangig staatliche Auftragskunst zu produzieren.

Nach einer Initiative des seinerzeitigen Kultursenators Ulrich Roloff-Momin übernahm 1992 die Akademie der Künste das Areal, unter deren Regie der ehemalige Gutshof teilweise saniert und weiter ausgebaut wurde. Die kurze Blütezeit, in der neben zahlreichen Ausstellungen auch klassische Konzerte und Theater gezeigt und aufgeführt wurden, fand durch die Einstellung der vergleichsweise geringen Förderung durch das Land Berlin 2003 ein Ende. In dem ungewissen Schicksal, durch den Liegenschaftsfonds an einen potenten Investor verkauft zu werden, arbeiten derzeit unter der Leitung des „Künstlerhof Berlin-Buch e. V.“ etwa 25 Künstler (Maler, Bildhauer, Klang-, Licht- und Installationskünstler) sowie Restauratoren auf dem Areal. Auf dem weiträumigen Gutshof sind einige bis sechs Meter hohe Metallskulpturen zu sehen.

Gesäumt wird der Hof mit dem um 1800 erbauten, restaurierten Gutshaus, einer großen Scheune und ehemaligen Ställen, in dem gut ausgebaute Werkstätten, wie eine große Holzwerkstatt und die lebendige Schmiede zu finden sind. Weiter sind der ehemalige Speicher, eine Galerie, der ehemalige Taubenturm als Wahrzeichen des Künstlerhofs oder das Gesindehaus zu sehen.

Der S-Bahnhof Berlin-Buch wurde zwischen 1912 und 1914 erbaut und lässt deutlich den Ursprung des bereits 1879 errichteten Bahnhofs der Stettiner Bahn erkennen, durch den Buch an die Region Groß-Berlin angeschlossen wurde. Der Bahnhof gehört zu den denkmalgeschützten Stationen der Stettiner Bahn. Die Bahnhofshalle wird über eine geschwungene Freitreppe mit mächtigen geschmiedeten Handläufen erreicht. Weitere Kleinode der Schmiedekunst sind innerhalb der Halle zu sehen.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Berlin-Buch

In Buch herrscht das für den Berliner Raum übliche gemäßigte Klima, das von Norden und Westen vom atlantischen Klima und aus dem Osten vom kontinentalen Klima beeinflusst wird. Wetterextreme wie Stürme, starker Hagel oder überdurchschnittlicher Schneefall sind selten.

Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge von 564,4 mm[7] ist geringer als der bundesweite Durchschnitt von rund 800 mm. Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 66 mm im Juni. Im Februar fällt der geringste Niederschlag mit 34 mm. Pro Jahr scheint die Sonne durchschnittlich 1595 Stunden.[8] Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,8 °C.

Die höchste in Buch gemessene Temperatur betrug 38,2 °C am 11. Juli 2010, die tiefste wurde am 9. Februar 1956 mit −24,5 °C gemessen. Der wärmste Monat war bisher in der Messreihe seit 1951 der Juli 2006 mit einer Durchschnittstemperatur von 23,3 °C. Der meiste Niederschlag fiel am 8. August 1978 mit 108,5 l/m².

Die regelmäßige Wetteraufzeichnung begann 1951 mit einer Messstation auf dem Gelände des Hufelandkrankenhauses. Später wurde in Buch das Forschungsinstitut für Bioklimatologie im Lindenberger Weg errichtet. Seit 1993 befindet sich dort die Abteilung Hydrometeorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Nach einer maximalen Einwohnerzahl von 16.750 im Jahr 1991 leben derzeit 14.507 Menschen in Buch. Diese verteilen sich auf die Gebiete des alten Dorfkerns, das Siedlungsgebiet der „Kolonie Buch“ und die modernen Neubausiedlungen, die ab 1967 errichtet wurden (Buch I–IV).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit dem 19. Juni 2008 speist Berlins erste Windenergieanlage, errichtet am Autobahndreieck Pankow, Strom ins öffentliche Netz ein.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Buch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w Haila Ochs: Geschichte und Stadtentwicklung von Berlin-Buch. In: Denkmale in Berlin. Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2010. ISBN 978-3-86568-543-8, S. 9–43.
  2. Haila Ochs, Michael Hofmann, Caroline Rolka, Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Anmerkung 16. In: Denkmale in Berlin. Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2010. ISBN 978-3-86568-543-8. S. 120.
  3. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herrkunft – Bedeutung. (= Brandenburgische historische Studien. Band 13). be.bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2005. ISBN 978-3-937233-30-7. S. 35.
  4. Haila Ochs, Michael Hofmann, Caroline Rolka, Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Anmerkung 17. In: Denkmale in Berlin. Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2010. ISBN 978-3-86568-543-8. S. 120.
  5. a b Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.): Natura 2000-Gebiet Schlosspark Buch. In: Natürlich Berlin. Naturschutz- und Natura 2000-Gebiete in Berlin. 2. Auflage. Verlag Natur und Text, Rangsdorf 2009, ISBN 978-3-9810058-9-9, S. 62–65.
  6. Haila Ochs, Michael Hofmann, Caroline Rolka, Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Anmerkung 49. In: Denkmale in Berlin. Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2010. ISBN 978-3-86568-543-8. S. 121.
  7. Deutscher Wetterdienst: Mittlere Niederschlagshöhe 1961–1990.
  8. Deutscher Wetterdienst: Mittlere Sonnenscheindauer 1961–1990.
  9. NEB Neue Energie Berlin GmbH & Co. KG: Historie 23. April 2013