Berlin-Buch

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Buch
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowBuch auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O52.63361111111113.499166666667Koordinaten: 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O
Fläche 18,15 km²
Einwohner 13.701 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 755 Einwohner/km²
Postleitzahl 13125
Ortsteilnummer 0309
Verwaltungsbezirk Pankow

Buch ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Pankow. Er ist der nördlichste des Bezirks und somit auch von Berlin. Buch ist geprägt von dem historischen Dorfkern, dem Bucher Schlosspark, umfassendenden Krankenhaus-Ansiedlungen vor allem von Ludwig Hoffmann und Bereichen mit modernisierten Neubauten.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Straßenangerdorf Buch wurde wahrscheinlich um 1230 gegründet, wie die meisten Dörfer auf dem südlichen Barnim. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1289 durch einen Johann von Buch (Ratsmann in Berlin). Das Dorf Buch lag nordöstlich von Berlin an der Panke, einem Nebenfluss der Spree. Im Landbuch Karls IV. von 1375 werden für Buch 40 Hufen genannt, davon vier Pfarrhufen; es muss also schon eine Dorfkirche gegeben haben. Außerdem werden ein Krug, eine Mühle sowie ein gesonderter Acker genannt. Dessen Name „die Wendestücke“ weisen auf eine frühere spätslawische Siedlung hin.

Bis zum 17. Jahrhundert residierten hier nacheinander die Gutsherren von Bredow, Wiltberg, Röbell und Schmetstorp. 1669 erwarb Reichsfreiherr von Pölnitz das Anwesen. Einige Bucher Straßen sind noch heute nach den ehemaligen Gutsherren benannt. Von den Pölnitz-Erben kaufte 1724 der Geheime Etatsrat Adam Otto von Viereck das Gut. Er ließ 1731 bis 1736 die heute restaurierte Barockkirche errichten und baute das Landhaus im barocken Stil zum Schloss um. Wenig später entstand die Orangerie. Der Viereckepoche folgte 1761 die der Familie von Voß, die das Schloss 1881 nochmals umbauen ließen.

Buch, ein Pfarrdorf, 1½ Meile nördllich von Berlin, vor dem Prenzlauer Thore […] gehört der Fammlie von Voß. Hat 1 Kirche worin […] der über 150 Jahre unverweslich gebliebene Leichnam des Barons von Pöllnitz […] 38 Häuser und 250 Einwohner.

– aus J. G. A. Ludwig Helling (1830)[1]

Im Jahr 1898 erwarb die Stadt Berlin das Gut Buch für 3,5 Millionen Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 23.082.000 Euro). Auf einem Teil der Flächen entstand bis 1929 die Krankenhausstadt Buch, der ersten Krankenhausstadt. In fünf Anlagen wurden vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann Kliniken für Psychiatrie/Irrenanstalten, Tuberkulosebehandlung und Alterskrankheiten errichtet. Damit war Buch der größte und modernste Heilstandort Europas. Von Schäden im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, beherbergen Teile dieser Anlagen bis heute medizinische Einrichtungen verschiedener Träger (Charité, Helios Kliniken).

Auf anderen Flächen des Gutes (dann „Hobrechtsfelde“ genannt) entstand nach einem Konzept von Rudolph Virchow (und vom Stadtbaurat James Hobrecht umgesetzt) der für damalige Verhältnisse modernste Bestandteil der Berliner Abwasser- und Kanalisationsanlagen. Als Versickerungsflächen in Form von Rieselfeldern dienten sie bis in die 1970er Jahre. Nach der Umstellung auf moderne Kläranlagen erfolgte ein langsame Renaturierung. Wegen der Belastung mit Schadstoffen sind die Flächen immer noch nicht frei zu benutzen.

Der medizinische Standort Buch zeichnete sich von Anfang an durch eine enge Beziehung zwischen Behandlung und Forschung aus und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren Europas, mit der ehemals größten Bettenkapazität für Kranke. Hier befand sich u. a. das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung (KWI), an dem der bedeutende Hirnforscher Oskar Vogt und seine Frau Cecile Vogt bis zu ihrer Absetzung durch die Nationalsozialisten tätig waren.

In der Pathologie in Berlin-Buch wurden am 8. Mai 1945 die verbrannten Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun nach deren gemeinschaftlichen Selbstmord am 30. April 1945 auf Veranlassung der sowjetischen Militärführung u. a. anhand der erhaltenen Gebisse durch Hugo Blaschke, dem Leibzahnarzt Hitlers, zweifelsfrei identifiziert.

Campus Berlin-Buch: Das nach dem sowjetischen Genetiker benannte Timoféeff-Ressovsky-Haus, Mai 2013

Das KWI ging nach 1947 im Institut für Medizin und Biologie auf, das später Bestandteil der Akademie der Wissenschaften der DDR wurde. Hier befand sich ein Forschungszentrum auf den Gebieten der Krebs- und Herz-/Kreislaufforschung. Seit 1992 ist auf einer 32 Hektar großen Fläche mit dem Campus Berlin-Buch ein Wissenschafts- und Technologiestandort mit biomedizinischen Forschungseinrichtungen, einem BiotechPark und Serviceeinrichtungen entstanden. Berlin-Buch gehört zu den bedeutenden Akteuren der Gesundheitsstadt Berlin und des Clusters Gesundheitswirtschaft – einem Schwerpunkt der gemeinsamen Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg. So gehört das hier ansässige Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) zu den TOP 20 der biomedizinischen Forschungseinrichtungen weltweit. Gemeinsam mit der Charité–Universitätsmedizin Berlin betreibt das MDC auf dem Campus Berlin-Buch im Rahmen des Experimental and Clinical Research Centers Hochschulambulanzen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Künstlerhof Buch; „Windharfe“ von Ingolf Eschenbach, Metallbildhauer und Kunstschmied. Im Hintergrund das Gutshaus und Schlosskirche

Bedeutendstes historisches Bauwerk von Buch ist die 1736 vollendete Schlosskirche. Die Kirche wurde zwischen 1950 und 1953 wiederaufgebaut und von 1995 bis 2000 saniert. Von der Kirchenleitung wird für die nächsten Jahre geplant, auch den 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchturm wieder zu errichten. Als eine von vier erhaltenen Barockkirchen Berlins gehörte sie einst zur Gutsschlossanlage von Buch und bildet heute gemeinsam mit dem Schlosspark und ehemaligen Gutshof einen architektonischen Mittelpunkt Buchs.

Das barocke Schloss und die Orangerie überstanden den Zweiten Weltkrieg mit geringen Schäden, wurden jedoch später wegen Bauschäden infolge mangelnder Instandhaltung abgerissen. (Das zunächst als Kinderheim genutzte Schloss 1964, die Orangerie bereits 1955.) In ihrer unmittelbaren Nähe befindet sich der nach holländischem Vorbild angelegte Bucher Schlosspark mit alten Baumbestand, durch den sich die Panke schlängelt. Die historischen Wege und die in mehrere Wasserläufe mit vielen Brücken aufgeteilte Panke werden in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt. Auf einem abgegrenzten Teil des Parks an der Wiltbergstraße befindet sich das Sowjetische Ehrenmal Buch.

Der ehemalige Gutshof liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schlosskirche und wurde noch bis ca. 1964 landwirtschaftlich genutzt. Bereits in den 1920er Jahren schwärmte Käthe Kollwitz in einem offenen Brief von dem einzigartigen Ensemble des damaligen Gutshofes und hätte ihn sich als einen Künstlerhof vorgestellt. Nach einer Initiative engagierter kunstsinniger Menschen, die sich unter anderem auf den Brief von Käthe Kollwitz beriefen, wurde in den 1980er Jahren der damals sehr verfallene Gutshof von der DDR-Führung zum „Künstlerhof Buch“ umgebaut und eingerichtet. Zu jener Zeit arbeiteten etwa 30 Künstler auf diesen Hof, um zunächst vorrangig staatliche Auftragskunst zu produzieren.

Nach einer Initiative des seinerzeitigen Kultursenators Ulrich Roloff-Momin übernahm 1992 die Akademie der Künste das Areal, unter deren Regie der ehemalige Gutshof teilweise saniert und weiter ausgebaut wurde. Die kurze Blütezeit, in der neben zahlreichen Ausstellungen auch klassische Konzerte und Theater gezeigt und aufgeführt wurden, fand durch die Einstellung der vergleichsweise geringen Förderung durch das Land Berlin 2003 ein Ende. In dem ungewissen Schicksal, durch den Liegenschaftsfonds an einen potenten Investor verkauft zu werden, arbeiten derzeit unter der Leitung des „Künstlerhof Berlin-Buch e. V.“ etwa 25 Künstler (Maler, Bildhauer, Klang-, Licht- und Installationskünstler) sowie Restauratoren auf dem Areal. Auf dem weiträumigen Gutshof sind einige bis sechs Meter hohe Metallskulpturen zu sehen.

Gesäumt wird der Hof mit dem um 1800 erbauten, restaurierten Gutshaus, einer großen Scheune und ehemaligen Ställen, in dem gut ausgebaute Werkstätten, wie eine große Holzwerkstatt und die lebendige Schmiede zu finden sind. Weiter sind der ehemalige Speicher, eine Galerie, der ehemalige Taubenturm als Wahrzeichen des Künstlerhofs oder das Gesindehaus zu sehen.

Der S-Bahnhof Berlin-Buch wurde zwischen 1912 und 1914 erbaut und lässt deutlich den Ursprung des bereits 1879 errichteten Bahnhofs der Stettiner Bahn erkennen, durch den Buch an die Region Groß-Berlin angeschlossen wurde. Die Eingliederung zu Berlin erfolgte im Jahr 1920 durch das Groß-Berlin-Gesetz. Seitdem ist Buch ein Ortsteil des Bezirks Pankow.
Der Bahnhof gehört zu den denkmalgeschützten Stationen der Stettiner Bahn. Die Bahnhofshalle wird über eine geschwungene Freitreppe mit mächtigen geschmiedeten Handläufen erreicht. Weitere Kleinode der Schmiedekunst sind innerhalb der Halle zu sehen.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Berlin-Buch

In Buch herrscht das für den Berliner Raum übliche gemäßigte Klima, das von Norden und Westen vom atlantischen Klima und aus dem Osten vom kontinentalen Klima beeinflusst wird. Wetterextreme wie Stürme, starker Hagel oder überdurchschnittlicher Schneefall sind selten.

Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge von 564,4 mm[2] ist geringer als der bundesweite Durchschnitt von rund 800 mm. Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 66 mm im Juni. Im Februar fällt der geringste Niederschlag mit 34 mm. Pro Jahr scheint die Sonne durchschnittlich 1595 Stunden.[3] Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,8 °C.

Die höchste in Buch gemessene Temperatur betrug 38,2 °C am 11. Juli 2010, die tiefste wurde am 9. Februar 1956 mit −24,5 °C gemessen. Der wärmste Monat war bisher in der Messreihe seit 1951 der Juli 2006 mit einer Durchschnittstemperatur von 23,3 °C. Der meiste Niederschlag fiel am 8. August 1978 mit 108,5 l/m².

Die regelmäßige Wetteraufzeichnung begann 1951 mit einer Messstation auf dem Gelände des Hufelandkrankenhauses. Später wurde in Buch das Forschungsinstitut für Bioklimatologie im Lindenberger Weg errichtet. Seit 1993 befindet sich dort die Abteilung Hydrometeorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Nach einer maximalen Einwohnerzahl von 16.750 im Jahr 1991 leben derzeit 13.701 Menschen in Buch. Diese verteilen sich auf die Gebiete des alten Dorfkerns, das Siedlungsgebiet der „Kolonie Buch“, das ab 1880 entstand, und die modernen Neubausiedlungen, die ab 1967 errichtet wurden (Buch I–IV).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Buch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. G. A. Ludwig Helling (Hrsg.): Geschichtlich-statistisch-topographisches Taschenbuch von Berlin und seinen naechsten Umgebungen. H. A. W. Logier, Berlin 1830. Online nachzuschlagen bei google.com/books
  2. Deutscher Wetterdienst: Mittlere Niederschlagshöhe 1961–1990.
  3. Deutscher Wetterdienst: Mittlere Sonnenscheindauer 1961–1990.