Bahnhof Berlin-Blankenburg

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Berlin-Blankenburg
Empfangsgebäude von Ernst Schwartz und Karl Cornelius
Empfangsgebäude von Ernst Schwartz und Karl Cornelius
Daten
Betriebsart Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung BBKB (Fernbahn)
BBLB (S-Bahn)
IBNR 8089056
Eröffnung 1. Juni 1877
Architektonische Daten
Baustil Neoklassizismus
Architekt Ernst Schwartz, Karl Cornelius
Lage
Stadt Berlin
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 35′ 28,1″ N, 13° 26′ 35,2″ O52.5911313.44312Koordinaten: 52° 35′ 28,1″ N, 13° 26′ 35,2″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe im Raum Berlin
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Der Bahnhof Berlin-Blankenburg wird im Personenverkehr von der Berliner S-Bahn bedient. Hier verzweigen sich die S-Bahn-Strecken entlang der Stettiner Bahn und zum Berliner Außenring. In den 1960er und 1970er Jahren war er auch Umsteigepunkt zu dampf- bzw. dieselbetriebenen Vorortzügen. Der Bahnhof mit seinem neoklassizistischen Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.

Lage und Name[Bearbeiten]

Der Bahnhof liegt im Westen des Berliner Ortsteils Blankenburg unweit der Grenze zum Ortsteil Buchholz im Bezirk Pankow im Norden von Berlin. Die Station befindet sich am Kilometer 8,43 der Stettiner Bahn in Hochlage. Die Gleise überqueren im Bahnhofsbereich auf einer Brücke die Bahnhofstraße. Etwa zwei Kilometer nördlich des Bahnhofs liegt das Karower Kreuz, wo der Berliner Außenring die Stettiner Bahn kreuzt. Ursprünglich hieß der Bahnhof nur Blankenburg, später Blankenburg (b Berlin).

Geschichte[Bearbeiten]

Blankenburg auf einer Karte von 1894. Damals lag der Bahnhof noch südlich der Straße nach Buchholz.

Die 1843 eröffnete Stettiner Bahn besaß zwischen Berlin und Bernau über 30 Jahre keine Zwischenstationen für den Fahrgastverkehr. Der Bahnhof Blankenburg ging am 1. Juni 1877 als erste dieser Stationen in Betrieb, wenige Wochen später folgte der Bahnhof Gesundbrunnen, dessen Ringbahnteil bereits einige Jahre vorher eröffnet wurde. Mit der Eröffnung weitere Unterwegshalte entwickelte sich in den Folgejahren ein kontinuierlich wachsender Vorortverkehr zwischen Berlin und Bernau über Blankenburg.

Für den Güterverkehr ging 1907 eine Güterstrecke von Friedrichsfelde nach Blankenburg in Betrieb, die ein Jahr später über Lübars nach Tegel verlängert wurde. Diese Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde unterquert südlich des Bahnhofs Blankenburg die Stettiner Bahn und war über ein Verbindungsgleis an den Bahnhof Blankenburg angeschlossen.

Infolge des stark wachsende Vorortverkehrs wurde die Stettiner Bahn zwischen 1906 und 1911 viergleisig ausgebaut, Fern- und Vorortverkehr getrennt und die Gleise im Bereich Blankenburg auf einen Damm verlegt. Die Anlagen des Bahnhofs wurden dabei völlig neugebaut, auch das Empfangsgebäude entstammt jener Zeit. Die Vorortstrecke nach Bernau und damit auch der Bahnhof Blankenburg war 1924 die erste Strecke, die mit Gleichstrom elektrifiziert wurde. In Blankenburg wurden für die wenig später S-Bahn genannten Gleichstromzüge eine Kehr- und Abstellanlage gebaut.[1]

Aus der Zeit vor dem Umbau der Bahnanlagen stammte dieses denkmalgeschützte ehemalige Wärterwohnhaus,das 2014 abgerissen wurde

Zur Umfahrung West-Berlins entstand Anfang der 1950er Jahre der Berliner Außenring. Es entstanden am Karower Kreuz Verbindungskurven zur Stettiner Bahn, die betrieblich an den Bahnhof Blankenburg anschlossen. Der S-Bahn-Verkehr lief bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 zunächst noch ungehindert zwischen beiden Teilen Berlins. Nach Mauerbau fuhren die S-Bahn-Züge aus Blankenburg nicht mehr in Richtung Berlin-Gesundbrunnen, sondern ausschließlich über die östliche Ringbahn. Ende 1961 ging ein S-Bahn-Abzweig vom Bahnhof Blankenburg zum Außenring für Züge in Richtung Oranienburg in Betrieb. Die Züge der Heidekrautbahn aus Basdorf konnten als Folge des Mauerbaus nicht mehr nach Bahnhof Berlin-Wilhelmsruh fahren. Für sie entstand ein provisorischer Bahnsteig in Blankenburg an der Ausfahrtgruppe zur Industriebahn. Er lag auf der anderen Seite der Gleise jenseits der Bahnhofsstraße und war vom S-Bahnsteig nur umständlich zu erreichen, was auf Kritik unter den Fahrgästen stieß.[2] Seit 1976 enden die Züge aus Basdorf an dem S-Bahnsteig in Karow; der Bahnsteig in Blankenburg wurde abgebaut.

Im Güterverkehr hatte der Bahnhof nur wenig Bedeutung, seine wichtigste Funktion in der Hinsicht war die als Anschlussbahnhof zur Industriebahn.[3] Der Abschnitt der Industriebahn über die Sektorengrenze war bereits 1952 unterbrochen worden. Die westlich des Bahnhofs Blankenberg verbliebenen Anschlüsse im Bereich Buchholz und Niederschönhausen wurden noch bis 1972 bedient. Die Strecke wurde danach wegen des Bau der Autobahn nach Pankow, die direkt westlich des Bahnhofs verläuft, abgebaut. 1988 wurde die Industriebahn zwischen Marzahn und Weißensee unterbrochen, so dass nur noch einige Anschlüsse im Bereich Weißensee von Blankenburg aus bedient wurden. Nach der Wende wurde der Betrieb auf der Industriebahn komplett eingestellt und die Anlagen abgebaut.

Nach der Schließung des nahegelegenen Rangierbahnhofs Pankow 1997 waren die Ferngleise im Bereich Blankenburg für einige Jahre unterbrochen. Zwischen 2003 und 2005 wurden die Brücken der S-Bahn-Gleise über die Bahnhofstraße erneuert, dabei wurden die Ferngleise teilweise als Ersatz genutzt.[2] 2006 gingen die erneuerten Ferngleise im Zusammenhang mit dem Bau der Nord-Süd-Fernbahn durch Berlin und des neuen Berliner Hauptbahnhofs in Betrieb.

Anlagen[Bearbeiten]

Zugang zum Bahnsteig

Der ursprüngliche Bahnhof lag südlich der Bahnhofsstraße, die die Bahngleise ebenerdig kreuzte. Von dieser Station blieb lange Zeit ein Bahnwärterhaus mit Stallgebäude östlich der Gleisanlagen erhalten. Die beiden leerstehende Gebäude wurden unter Denkmalschutz gestellt,[4] sind jedoch in der Denkmalliste 2014 nicht mehr enthalten und wurden im gleichen Jahr abgerissen.

Seit dem Streckenausbau Anfang des 20. Jahrhunderts liegen die Gleise in Hochlage und das Empfangsgebäude nördlich der Bahnhofsstraße. Das von Karl Cornelius und Ernst Schwartz gebaute Gebäude entspricht in seinen Grundzügen den etwa zeitgleich von den gleichen Architekten gebauten Empfangsgebäuden an der Stettiner Bahn in Pankow, Pankow-Heinersdorf, Karow, Buch, Röntgental und Zepernick. Wie fast alle dieser Stationen ist das Empfangsgebäude ein geputzter zweigeschossiger Ziegelbau auf Kalksteinsockel[5] und Walmdach und einer Freitreppe mit schmiedeeisernen Leuchten.[6] Der größte Teil des Gebäudes befindet sich neben dem Gleiskörper. Insbesondere wurden die Schalterhalle und die Räumlichkeiten, in denen sich ständig Personal aufhielt wie Fahrkartenausgabe und Vorsteherräume, in diesem Teil angeordnet.[2] Unter den Gleisen befindet sich die Zugangshalle. Der Bahnsteig wurde mit einem einstieligen Holzdach mit genieteten Vollwandstützen versehen.[6] Das Ensemble aus „Empfangsgebäude mit Verbindungsgang, Treppenaufgang und Bahnsteig“ steht unter Denkmalschutz.[7]

Der Bahnsteigzugang ist am südwestlichen Ende des Bahnsteigs; nördlich an die Bahnsteige schließt sich die Kehranlage und die Trennung der S-Bahn-Gleise in Richtung Karow und Richtung Außenring an. Südöstlich der S-Bahn-Gleise und des Bahnsteigs liegen die Gleisanlagen der Fernbahn; jenseits der Fernbahngleise des Stellwerk.

Personenverkehr[Bearbeiten]

Treppen am früheren Zugang zum Basdorfer Bahnsteig auf der Rückseite des Bahnhofs

Der Bahnhof diente stets vor allem dem Vorortverkehr. 1905 verkehrten etwa stündlich Züge zwischen Berlin und Bernau mit Halt in Blankenburg, hinzu kamen einige Verstärkerzüge zwischen Berlin und Blankenburg. Nach der Trennung der Vorortgleise vom Fernverkehr wurde das Angebot weiter verdichtet. Nach der Elektrifizierung wurde der Bahnhof im 20-Minuten-Takt von den Zügen nach Bernau bedient. Bei diesem Angebot blieb es (bis auf Einschränkungen infolge des Zweiten Weltkriegs) bis Ende der 1950er Jahre. Damals wurde – zunächst im 40-Minuten-Takt – eine Linie eingerichtet, die in Blankenburg begann und über ein mit einer Stromschiene versehenes Gütergleis zwischen Pankow und Schönhauser Allee auf die östliche Ringbahn fuhr, ohne dass West-Berliner Bahnhöfe bedient wurden. Nach Mauerbau nutzten alle S-Bahnen aus Blankenburg diese später zweigleisig ausgebaute Verbindung. Seit 1961 bedient auch die S-Bahn nach Oranienburg den Bahnhof Blankenburg, eine dritte Zuggruppe im 20-Minuten-Takt begann in Blankenburg in Richtung Süden. Seit den 1970er Jahren wird der Abschnitt zwischen Blankenburg und Buch im 10-Minuten-Takt bedient. Von 1961 bis 1976 kamen noch ein bis zwei dampf-, später dieselbetriebene Züge pro Stunde in Richtung Basdorf hinzu.

Aktuell (Stand: 2014) wird der Bahnhof von den Linien S2 und S8 bedient. Die S2 verkehrt im Tagesverkehr alle 10 Minuten, ansonsten wie auch die S8 alle 20 Minuten. Als Folge der Betriebseinschränkungen bei der Berliner S-Bahn verkehrt die S9 seit 2009 nur bis Pankow (Stand: 2014), die zuvor in Blankenburg endete.

Linie Verlauf
Berlin S2.svg Bernau – Bernau-Friedenstal – Zepernick – Röntgental – Buch – Karow – Blankenburg – Pankow-Heinersdorf – Pankow – Bornholmer Straße – Gesundbrunnen – Humboldthain – Nordbahnhof – Oranienburger Straße – Friedrichstraße – Brandenburger Tor – Potsdamer Platz – Anhalter Bahnhof – Yorckstraße – Südkreuz – Priesterweg – AttilastraßeMarienfelde – Buckower Chaussee – Schichauweg – Lichtenrade – Mahlow – Blankenfelde
Berlin S8.svg Birkenwerder – Hohen Neuendorf – Bergfelde – Schönfließ – Mühlenbeck-Mönchmühle – Blankenburg – Pankow-Heinersdorf – Pankow – Bornholmer Straße – Schönhauser Allee – Prenzlauer Allee – Greifswalder Straße – Landsberger Allee – Storkower Straße – Frankfurter Allee – Ostkreuz – Treptower Park – Plänterwald – Baumschulenweg – Schöneweide – Betriebsbahnhof Schöneweide – Adlershof – Grünau (– Eichwalde – Zeuthen)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Meyer-Kronthaler, Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe / Ein dreiviertel Jahrhundert. be.bra verlag, Berlin 1998. ISBN 3-930863-25-1, S. 41

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Berlin-Blankenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Meyer-Kronthaler, Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe / Ein dreiviertel Jahrhundert. be.bra verlag, Berlin 1998. ISBN 3-930863-25-1, S. 41
  2. a b c Bahnhof Blankenburg auf Stadtschnellbahn.de, abgerufen am 12. März 2011
  3. Bernd Kuhlmann, Die Berliner Bahnhöfe, GeraMond 2009, ISBN 978-3-76547-086-8, Eintrag zum Bahnhof Berlin-Blankenburg
  4. Bahnwärterhaus Blankenburg in der Berliner Denkmaldatenbank
  5. Günter Kühne, Fern- und S-Bahnhöfe, in: Berlin und seine Bauten, Band B, Anlagen und Bauten für den Verkehr, (2) Fernverkehr, Ernst und Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften, Berlin 1984, ISBN 3-433-00945-7, S. 71/73
  6. a b Peter Güttler, Liste der Bauten und Anlagen für die Eisenbahn, in: Berlin und seine Bauten, Band B, Anlagen und Bauten für den Verkehr, (2) Fernverkehr, Ernst und Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften, Berlin 1984, ISBN 3-433-00945-7, S. 171
  7. Bahnhof Blankenburg in der Berliner Denkmaldatenbank