Birecik

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Birecik
Wappen von Birecik
Birecik (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Şanlıurfa
Koordinaten: 37° 2′ N, 37° 59′ O37.02537.976944444444450Koordinaten: 37° 1′ 30″ N, 37° 58′ 37″ O
Höhe: 450 m
Einwohner: 46.020[1] (2008)
Telefonvorwahl: (+90) 414
Postleitzahl: 63 xxx
Kfz-Kennzeichen: 63
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Faruk Pınarbaşı (SP)
Webpräsenz:
Landkreis Birecik
Einwohner: 85.921[1] (2008)
Fläche: 790 km²
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner je km²
Kaymakam: Ozan Balcı
Webpräsenz (Kaymakam):

Birecik, das alte Birtha (syrisch-aramäisch für Palast), ist eine Kreisstadt in der Provinz Şanlıurfa im Südosten der Türkei nahe der Grenze zu Syrien. Der kurdische Name ist Bêrecûg, der arabische al-Bīrā البيرا und der französische aus der Zeit der Grafschaft Edessa Bile. In der Antike hieß die Stadt Makedonopolis. Birecik liegt etwa auf halber Strecke zwischen Gaziantep und Şanlıurfa (Edessa) am Euphrat, über den hier die 1956 erbaute zweitlängste Flussbrücke der Türkei führt.

Brücke über den Euphrat

Der Kreisstadt sind drei Gemeindestädte, 69 Dörfer und 84 Siedlungen angegliedert. Birecik hatte Anfang 2005 46.238 Einwohner. Die Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch. Bis zum Ersten Weltkrieg waren etwa 20 % der Bevölkerung Christen, davon etwa ein Drittel Armenier. 1895 fand auch hier ein Pogrom gegen diese Volksgruppe statt.[2] Als Birtha war Birecik bis 1977 Titularbistum der römisch-katholischen Kirche. In Birecik lebte bis zur Emigrationswelle in den 1980er Jahren eine der größeren jesidischen Gemeinschaften der Türkei.[3]

Wer die Weiße Festung von Birecik (arab.: Qal’at ul-Baydha, türk.: Beyaz Kale) auf einem Kalkfelsen am Ostufer des Euphrats an einer Furt errichtete, ist nicht bekannt. Sie wurde unter den Römern (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.), den Kreuzzüglern (hier auch Franken genannt, 1098 n. Chr. bis 1150 n. Chr.) und den Mamluken (1277 n. Chr. bis 1484 n. Chr.) insgesamt drei Mal erweitert.[4] Die als uneinnehmbar geltende Festung wurde durch mehrere Erdbeben stark beschädigt. Laut einer historischen Inschrift soll sie Anfang des 13. Jahrhunderts von az-Zahir Ghazi, dem Herrscher von Aleppo, erstmals renoviert worden sein.

9 km von Birecik entfernt liegt als Teil des Südostanatolien-Projektes der Birecik-Stausee, dessen Bau die römisch-antike Stadt Zeugma in seinen Fluten verschwinden ließ [5]. Einige gerettete Exponate aus Zeugma sind heute in Birecik ausgestellt, die bekannten Mosaike, darunter das des Flussgottes Acheloos, sind im Zeugma-Mosaik-Museum in Gaziantep zu besichtigen. Mit seinem reichen baulichen Erbe ist Birecik Mitglied der in Norwegen gegründeten European Association of Historic Towns and Regions (EAHTR)[6].

Lange Zeit lebte in Birecik die letzte bekannte freie Population des Waldrapp (Geronticus eremita, türkisch: Kelaynak, regional auch Keçelaynak) im Ost-Mittelmeer-Raum, bis im Jahre 2002 eine weitere kleine Population in Syrien entdeckt wurde.[7] Heute wird für die unter Artenschutz gestellten Ibis-Vögel eine Aufzucht- und Schutzstation betrieben. Der Waldrapp taucht in der biblischen Geschichte der Arche Noah auf, in der er Noah nach dem Ende der Sintflut vom Berg Ararat talwärts zum oberen Euphrat führte, wo Noah mit seiner Familie sesshaft wurde. Aus diesem Grund wurde der Waldrapp in der Gegend von Birecik als heiliges Tier geschützt und mit jährlichen Festen verehrt.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste von Burgen und Festungen in der Türkei, Euphrat-Staustufe Birecik

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 26. November 2009
  2. encyclopedia.jrank.org Birecik
  3. Gernot Wießner: „ … in das tötende Licht einer fremden Welt gewandert” In: Robin Schneider (Hrsg.): Die kurdischen Yezidi. Ein Volk auf dem Weg in den Untergang. Pogrom 110. Gesellschaft für Bedrohte Völker, Göttingen 1984. ISBN 3-922197-14-0; S. 31–46 Online als pdf
  4. Sanliurfa Kultur und Tourismus: FESTUNG VON BİRECİK
  5. Dartmouth Flood Observatory - Der Birecik-Damm
  6. historic-towns.org
  7. Die Waldrapp-Kolonie am oberen Euphrat, Journal of Ornithology 2005, pdf 873 kb