Gefährliche Liebschaften

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Illustration in einer Ausgabe von 1796

Gefährliche Liebschaften (franz.: Les Liaisons dangereuses), ein Briefroman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos, gilt als ein Hauptwerk der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts (1782) und Sittengemälde des ausgehenden Ancien régime.

Handlung[Bearbeiten]

Die intrigante Marquise Isabelle Merteuil schlägt dem Vicomte Sébastien de Valmont vor, die jugendliche Braut ihres früheren Geliebten Gercourt, Cécile de Volanges, noch vor der Hochzeitsnacht zu verführen. Valmont hat wenig Interesse an einer so „leichten Beute“. Ihn reizt die spröde, als äußerst tugendhaft bekannte verheiratete Marie de Tourvel, die er so beharrlich, geschickt und vor allem eloquent umwirbt, dass sie sich schließlich tatsächlich in ihn verliebt. Gleichzeitig erfüllt Valmont aber auch Mme. Merteuils Wunsch nach Rache an dem ehemaligen Geliebten, indem er dessen Braut Cécile nicht nur entjungfert, sondern sogar schwängert. Denn Mme. Merteuil hat ihm als Belohnung dafür eine Liebesnacht versprochen.

Hauptpersonen[Bearbeiten]

Illustration von Brief 44: Je ne lui permis de changer ni de situation ni de parure (Charles Monnet, 1796)

Marquise de Merteuil[Bearbeiten]

Die Marquise ist von adeliger Abstammung und wurde schon in jungen Jahren mit dem Marquis de Merteuil verheiratet, der jedoch bald darauf starb. Obwohl sie sich hätte verheiraten können, tat sie dies nicht, um von niemandem abhängig zu sein. Um ihrem Ruf nicht zu schaden, zog sie sich nach dem Tod des Marquis in eines seiner Schlösser zurück und studierte in philosophischen Schriften – wahrscheinlich von Rousseau und Voltaire, die sie einige Male in ihren Briefen zitiert – das Verhalten der Gesellschaft des Ancien Régime. Nach ihrem erneuten Eintritt in die Gesellschaft begann sie sich Liebhaber zu nehmen und genoss ein vergnügsames Leben, ohne jedoch ihren Ruf als ehrbare Frau zu zerstören.

Am Anfang der Gefährlichen Liebschaften bittet die Marquise ihren ehemaligen Geliebten, Vicomte de Valmont, ihr einen Freundschaftsdienst zu erweisen: Er soll die junge Cécile de Volanges, mit der die Marquise sogar verwandt ist, verführen und entjungfern, weil diese mit dem Comte de Gercourt verlobt ist, der die Marquise verlassen hat. Nach einigen Verwicklungen entfremden sich die ehemaligen Freunde und Verbündeten – der Vicomte und die Marquise – und versuchen einander zu schaden. Nachdem Valmont den jungen Geliebten der Marquise, Ritter Danceny, der auch ein Verhältnis mit Cécile de Volanges hat, ausgespannt hat, wendet die Marquise de Merteuil ihn gegen Valmont. Danceny tötet schließlich Valmont im Duell auf Betreiben Merteuils, doch der Vicomte erzählt Danceny vor seinem Tod die Wahrheit und gibt ihm die Briefe, die er mit Merteuil geschrieben hat. Danceny veröffentlicht schließlich diese und zerstört somit den Ruf der Marquise. Diese verliert danach einen Gerichtsfall, wird dadurch bankrott und von der gesamten Pariser Gesellschaft gemieden. Die Marquise de Merteuil erkrankt an den Pocken, aber überlebt mit furchtbaren Narben im Gesicht. Kurz darauf verlässt sie Paris und nimmt ihren übrig gebliebenen Schmuck mit. Ihre Verwandten glauben, sie habe sich in die Niederlande begeben.

Die Marquise de Merteuil ist der absolute Bösewicht im Roman, denn anders als der Vicomte bereut sie nicht. Ihre Figur sollte sicherlich ein Sittenbild ihres Standes abgeben und ihre Bestrafung nahm die Urteile über das Ancien régime in der Französischen Revolution vorweg. Andererseits gewährt Laclos ihr auch eine Rechtfertigung: In einem Brief an Valmont beschreibt sie ihren „Werdegang“ und offenbart die Zwänge, die sie zu ihrer Rolle gezwungen haben: Während jede Eroberung für einen Mann einen Sieg darstellt, so ist er für die Frau eine Niederlage. Was bleibe daher einer Frau übrig, als sich hinter einer Maske zu verbergen, um ihr Leben genießen zu können?

Vicomte de Valmont[Bearbeiten]

Valmont, Frontispiz von Aubrey Beardsley (1896)

Der Vicomte ist von hoher adeliger Herkunft und durch seine Verführungskunst in der Pariser Gesellschaft des Ancien Régimes beliebt und berüchtigt. Von ihm wird gemunkelt, dass er mit allen Frauen von Paris ein Verhältnis gehabt habe, was ihn nicht unbedingt zum Liebling der meisten Ehemänner und Mütter werden lässt. Die Marquise de Merteuil sieht den Grund für seine Unwiderstehlichkeit in „seinem schönen Gesicht, seinen guten Manieren, seinem Geist und seiner Unverschämtheit“. Die Marquise hatte selbst ein Verhältnis mit dem Vicomte und bittet ihn nun zur Rache die junge Cécile de Volanges zu verführen. Er lehnt jedoch ab, da er bereits den Plan hat, die tugendhafte und religiöse Präsidentin von Tourvel zu verführen. Während Madame de Tourvel allmählich zu wanken beginnt, entjungfert Valmont nebenbei doch Cécile und vergnügt sich mit ihr.

Schließlich kann er Madame de Tourvel bezwingen und sie beginnt ein Verhältnis mit ihm. Als ihm jedoch die Marquise de Merteuil Vorwürfe macht, er sei in sie verliebt und abhängig von ihr, trennt er sich von ihr, wodurch de Tourvel einen Nervenzusammenbruch erleidet. Valmont möchte nun das Versprechen der Marquise einlösen und mit ihr schlafen. Doch Merteuil hält sich nicht daran, da sie findet, er sei durch seine Liebe zu Tourvel nicht mehr derselbe. So bekämpft Valmont die Marquise, doch diese triumphiert, indem sie ihren jungen Geliebten Danceny mit Valmont duellieren lässt. Danceny tötet Valmont, doch dieser kann ihm vor seinem Ende die Wahrheit erzählen und ihm die Briefe des Vicomte und der Marquise übergeben, in denen ihre Geschichte niedergeschrieben ist. So gewinnt der Vicomte letztendlich doch, denn durch die Veröffentlichung der Briefe durch Danceny verliert die Marquise de Merteuil alle Dinge, die wichtig für sie sind: ihren Ruf, ihren Reichtum und ihre Schönheit.

Der Vicomte de Valmont wird von Choderlos de Laclos, der unter dem Ancien Régime zu leiden hatte und daher die Nutznießer schlecht machen wollte, als intrigant, hinterhältig, verlogen und berechnend dargestellt. Andererseits kann De Laclos gewisse Sympathien nicht verbergen und schildert den Vicomte auch als intelligenten Menschen, der schließlich sich selbst betrügt und leidet, indem er die Frau, die er geliebt hat, seines Stolzes wegen verlässt.

Cécile de Volanges[Bearbeiten]

Cécile ist Klosterschülerin und soll den ehemaligen Liebhaber der Marquise, den Grafen Gercourt, heiraten; sie ist allerdings in Danceny verliebt.

Madame de Volanges[Bearbeiten]

Sie ist Céciles Mutter und Freundin von Madame Rosmonde, der Tante Valmonts, und der Präsidentin de Tourvel sowie eine Verwandte der Marquise de Merteuil.

Ritter Danceny[Bearbeiten]

Danceny gibt Cécile Musikunterricht und hat sich in die junge Frau verliebt.

Madame de Tourvel[Bearbeiten]

Madame de Tourvel ist mit dem Präsidenten de Tourvel verheiratet. Sie liebt diesen zwar nicht, respektiert ihn jedoch und ist mit ihm durch enge Freundschaft verbunden. Obwohl sie von außergewöhnlicher Schönheit und ihr Mann nicht oft zuhause ist, ist sie ihm treu ergeben. Am Anfang der gefährlichen Liebschaften ist Madame de Tourvel zu Besuch im Schloss ihrer Freundin, der Madame de Rosemonde, da ihr Mann nicht zuhause ist. Dort wird der Neffe der Madame Rosemonde auf sie aufmerksam, der Vicomte de Valmont, der ebenfalls im Schloss seiner Tante wohnt. Er versucht, sich mit de Tourvel anzufreunden, doch sie will nichts von ihm wissen, da ihre Freundin, die Madame de Volanges, sie in einem Brief vor seiner Lieblingstätigkeit Frauen zu verführen und dann zu zerstören, gewarnt hat. Valmont besticht Tourvel jedoch durch seinen Charme und tut allerlei um sie zu beeindrucken, was sie schließlich davon überzeugt, dass die Ratschläge ihrer Freundin nicht wichtig seien. Sie freundet sich mit ihm an, doch er offenbart Mme. de Tourvel seine „Liebe“, was diese vollkommen verstört und wütend macht. Sie bittet ihn aus dem Schloss abzureisen, was er auch tut. Valmont schickt ihr jedoch weiterhin Briefe mit seinen Liebesbezeugungen, die sie zuerst ungeöffnet zurückschickt, aber dann annimmt. Zuerst bietet sie ihm ihre Freundschaft an, worauf er jedoch zurückschreibt, er wolle nur ihr Liebhaber sein und sonst gar nichts. Schließlich gibt sie zu, dass sie Gefühle für ihn empfinde, besteht jedoch immer noch darauf, ihre Treue an ihren Mann nicht zu brechen. Doch nach vier Monaten erobert Valmont Mme. de Tourvel und sie fangen ein Verhältnis an. Was der Frauenheld Valmont jedoch nicht wahrhaben will, ist, dass er in die Präsidentin von Tourvel verliebt ist und damit sich selbst betrogen hat. Die Marquise de Merteuil, die ihm das schließlich offenbart, beschämt ihn und so schreibt er einen Brief an die Präsidentin, in dem er ihr ankündigt, er wolle nichts mehr mit ihr zu tun haben. Diese bekommt einen Nervenzusammenbruch und zieht ins Kloster. Als sie zufällig erfährt, dass Valmont im Duell getötet worden ist, verzeiht sie ihm jedoch und stirbt.

Die Präsidentin de Tourvel ist wahrscheinlich die am positivsten gezeichnete Person des Romans. Sie ist treu, ehrlich, unkompliziert und unschuldig , vielleicht auch ein wenig naiv. Ihre Verführung, ihre Krankheit und ihr Tod, die alle von Valmont verschuldet wurden, schockieren den Leser und zeigen daher die Bosheit des Vicomte und der Marquise.

Madame de Rosemonde[Bearbeiten]

Sie ist die Tante des Vicomte de Valmont und Freundin der Madame de Tourvel.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Hermann Hesse sagte zu dem Roman: Unter den erotischen und gesellschaftskritischen Romanen des französischen 18. Jahrhunderts vielleicht der klügste, kühlste, unsentimentalste. Literarisch und psychologisch glänzend.
  • Auf Wunsch des Verlegers France Loisirs wählten die Mitglieder der Académie Goncourt (siehe Prix Goncourt) 1999 die zwölf Bücher aus, die „sich als wesentliche Werke der französischen Literatur behaupten“. Der Roman Les Liaisons dangereuses belegte dabei den ersten Platz.

Ausgaben[Bearbeiten]

Das Buch wurde mehrmals ins Deutsche übersetzt. Die erste deutsche Übersetzung des vierbändigen Romans von 1782 erschien 1783 unter dem Titel

  • Die gefährlichen Bekanntschaften - oder Briefe gesammelt in einer Gesellschaft und zur Belehrung einiger anderer bekanntgemacht.
  • Gefährliche Freundschaften. 2 Bde. Leipzig bei Rothbart und in Berlin bei Hegner 1905.
Heinrich Mann übertrug den Roman 1905 aus dem Französischen unter diesem Titel und versah ihn mit einer essayistischen Einleitung.
Ab 1920 erschien seine Übersetzung unter dem Titel Schlimme Liebschaften im Insel-Verlag, Leipzig.
Schlimme Liebschaften. Insel-Taschenbuch. Frankfurt a. M. Insel-Verl. 1972.
  • Gefährliche Liebschaften. Übersetzung von Franz Blei. München: Hyperion 1909.
  • Gefährliche Liebschaften. Übersetzung Hans Kauders. München: Winkler-Verlag 1959.
  • Die gefährlichen Bekanntschaften oder Briefe gesammelt in einer Gesellschaft und zur Belehrung einiger anderer bekanntgemacht. Übers. von Christian von Bonin. Hrsg. von Rudolf Fleck und Eberhard Wesemann. München: Beck 1988. ISBN 3-406-31759-6
  • Gefährliche Liebschaften. Neuübersetzung Wolfgang Tschök. München: Hanser Verlag 2003.
als Taschenbuch: München: dtv, München 2007. ISBN 978-3-423-13560-3

Verfilmungen[Bearbeiten]

Der Stoff diente als Grundlage für 9 Filme:

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Roman war Basis für Heiner Müllers Theaterstück Quartett. Eine weitere Bearbeitung aus Heiner Müllers Quartett und einer englischen Fassung von Christopher Hampton wurde in der Spielzeit 2006/07 in der Regie von Stephan Kimmig am Hamburger Thalia-Theater aufgeführt. Eine weitere deutsche Aufführung fand ebenfalls in der Spielzeit 2006/07 im „Theater in der Josefstadt“/Wien mit Andrea Jonasson und dem Direktor des Theaters, Herbert Föttinger, statt.

Conrad Susa benutzte den Roman als Vorlage für seine 1994 am Opernhaus in San Francisco uraufgeführte Oper The Dangerous Liaisons.

Nach dem Roman benannte sich die deutsche Band Liaisons Dangereuses.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anne Brüske: Das weibliche Subjekt in der Krise: Anthropologische Semantik in Laclos' Liaisons dangereuses. Winter, Heidelberg 2010 (Studia Romanica 159)
  • H. Knufmann: Das Böse in den Liaisons dangereuses des Choderlos de Laclos. München 1965
  • Gert Pinkernell: Zur Funktion und Bedeutung der Dreieckskonstellation in den "Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos. In: G. P.: Interpretationen. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 1997
  • Anke Wortmann: Choderlos de Laclos: Les Liaisons dangereuses (1782). In: Dietmar Rieger (Hrsg.): Französische Literatur. 18. Jahrhundert I: Roman. Stauffenburg, Tübingen 2000, S. 253–302
  • Joelle Jean: Les Liaisons dangereuses de Laclos. Reihe Balises oeuvres. Fernand Nathan, Paris 1993 ISBN 2877141535

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Les Liaisons Dangereuses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jin-ho Hur: Dangerous Liaisons. IMDB, abgerufen am 9. November 2012.