Cartagena (Spanien)

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Cartagena
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Cartagena
Cartagena (Spanien) (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Murcia
Koordinaten 37° 36′ N, 0° 59′ W37.6-0.98333310Koordinaten: 37° 36′ N, 0° 59′ W
Höhe: 10 msnm
Fläche: 558,3 km²
Einwohner: 217.641 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 389,83 Einw./km²
Postleitzahl: 30200–30300
Gemeindenummer (INE): 30016 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine

Cartagena [kaɾtaˈxena] ist eine Stadt mit Seehafen im Südosten Spaniens. Sie hat 217.641 Einwohner (Stand: 1. Januar 2013) und ist damit die zweitgrößte Stadt der Region Murcia. Cartagena liegt an einer tiefen Bucht der Costa Cálida („Warme Küste“) direkt am Mittelmeer und ist einer der bedeutendsten Handelshäfen Spaniens und die größte Marinebasis am Mittelmeer. Die Stadt ist Sitz des Parlaments der Region Murcia sowie Bischofssitz. Es besteht eine Eisenbahnverbindung in die Stadt Murcia.

Blick auf einen Teil des Hafens

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits vor 50.000 Jahren lebten Neandertaler im Gebiet der heutigen Stadt, was unter anderem durch den Fund von farbig bemalten Muschelschalen in der Kalksteinhöhle Cueva de los Aviones belegt ist.

An der Stelle des heutigen Cartagena lag die wohl von Iberern erbaute Stadt Massia oder Mastia, die aufgrund ihrer Silberbergwerke bedeutenden Handel treiben konnte. Diese iberische Vorgängersiedlung Cartagenas wurde 227 v. Chr. von Hasdrubal als Qart-ḥadašt, was im Phönizisch-Punischen „Neustadt“ bedeutet, also unter gleichem Namen wie Karthago, neu gegründet und war Flotten- und Militärstützpunkt, faktisch die Hauptstadt der Karthager auf der Iberischen Halbinsel.[2] Von hier brach Hannibal am Beginn des Zweiten Punischen Krieges (218 v. Chr.) nach Italien auf.[3] Für die Römer war die Eroberung der Silberlagerstätten ein wichtiges Kriegsziel. Sie eroberten die Stadt unter Publius Cornelius Scipio Africanus 209 v. Chr.[4] und nannten sie Carthago Nova. Bis zum 6. Jh. n. Chr. blieb Carthago Nova die wichtigste Silberabbauregion des römischen Reiches. Nach Polybios arbeiteten hier 40.000 Menschen in den Silberbergwerken.

Anfangs zur römischen Provinz Hispania citerior gehörig, wurde sie später zur Provinz Tarraconensis gerechnet. Gaius Iulius Caesar erhob die Stadt 45 v. Chr. zur colonia, die seither den Namen Colonia Urbs Iulia Nova Carthago oder Colonia Victrix Iulia Nova Carthago trug. Unter Diokletian wurde sie 297 Hauptstadt der nach ihr benannten Provinz Carthaginensis. 425 wurde sie durch die Vandalen zerstört, wohl 475 westgotisch, 554 erneut (ost)römisch, 625 wiederum westgotisch. 711 kam sie nach dem Untergang des Westgotenreichs zum Reich Todmirs, und 756 wurde sie, wie fast die gesamte Iberische Halbinsel, Teil des Emirats von Córdoba. 1269 von König Jakob I. erobert, kam sie, nunmehr Cartagena genannt, im Zuge der christlichen Reconquista zu Aragón.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhob Philipp II. Cartagena zu neuem Glanz und machte es zu einem bedeutenden Marinestützpunkt. Am 3. September 1643 errang der französische Admiral Jean Armand de Maillé-Brézé nahe Cartagena einen bedeutenden Seesieg über die spanische Flotte. Während des Spanischen Erbfolgekrieges erstürmte der englische Admiral John Leake 1706 Cartagena, das aber bereits im nächsten Jahr vom Herzog von Berwick zurückerobert wurde. Im Zuge des Siebenjährigen Krieges gewann eine von Henry Osborn kommandierte englische Flotte am 28. Februar 1758 eine nahe der Stadt ausgetragene Seeschlacht gegen Michel-Ange Duquesne de Menneville, der einem von den Engländern im Hafen von Cartagena blockierten französischen Geschwader zu Hilfe kommen wollte. Am 20. Juni 1815 siegte der US-amerikanische Commodore Stephen Decatur bei Cartagena über eine algerische Flotte. Am 5. November 1823 kapitulierte die Stadt vor den Franzosen. In den Wirren des Bürgerkriegs revoltierten die Progressisten in Alicante und vier Tage darauf, am 2. Februar 1844, auch in Cartagena gegen die spanische Regierung. Bereits am 25. März 1844 kapitulierte Cartagena aber an die Truppen der Königin Isabella II.

Während der Ersten Spanischen Republik bemächtigten sich föderalistische Intransigenten, die ihren Willen in Madrid nicht hatten durchsetzen können, am 12. Juli 1873 der Stadt und des Hafens mit den Kriegsschiffen. Sie wollten von Cartagena aus das übrige Spanien ihrer sozialistischen Föderativrepublik unterwerfen. General Juan Contreras wurde Vorsitzender der Junta, die am 31. Juli Almeria und am 28. September Alicante bombardieren ließ, um diese Städte zum Anschluss an ihr revolutionäres Projekt zu zwingen. Das Einschreiten des deutschen Kapitäns Reinhold von Werner, dem allerdings nachher vom Reichskanzler Bismarck Einhalt geboten wurde, und der Engländer, die den Insurgenten mehrere Schiffe wegnahmen, machte den Seeunternehmungen ein Ende. Die Belagerung durch die spanischen Regierungstruppen auf der Landseite begann im August 1873, auf der Seeseite im Oktober, nachdem ein Angriff der Schiffe der Aufständischen auf die spanische Flotte am 11. Oktober abgewehrt worden war. Die wenig energisch ausgeführten Ausfälle der Belagerten blieben erfolglos. In der Stadt gingen die Vorräte zur Neige. Die Revolutionsjunta und Sträflinge flüchteten sich auf der Fregatte Numancia, mit der sie die Blockade durchbrachen, nach Algier. Nachdem General José López Domínguez am 11. Januar 1874 das Fort Atalaya erobert hatte und die bedingungslose Übergabe der Stadt forderte, ergab sich Cartagena am folgenden Tag.[5]

Während des Spanischen Bürgerkrieges (1936-1939) war Cartagena der Hauptstützpunkt der spanischen republikanischen Marine und eine der Hochburgen der republikanischen Regierung. Es behauptete sich länger als jede andere spanische Stadt gegen die Truppen General Francos, die Cartagena erst am 31. März 1939 einnahmen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Gran Hotel de Cartagena (1916)

Cartagena besitzt eine Stadtmauer und Schutzanlagen um den Hafen. Zwei auf Felshöhen gelegenen Forts, „Las Galeras“ und „San Julian“, bewachen die Stadt. 70 m über dem Hafen liegt die Burg „Castillo de la Concepción“ aus dem 11. Jahrhundert.

Vom Hafen aus kann man direkt nach dem Ausschiffen den bepflanzten Platz der Heroes de Cavite mit dem „Monumento de los Heroes de Cavite“, welches an die Toten des Spanisch-Amerikanischen Krieges erinnert, bewundern. Ebenso liegt im Hafen, vor dem Eingang zur Handelskammer, ein 1888 von Isaac Peral erbautes U-Boot.

Auf dem „Plaza del Ayuntamiento“ sind die Überreste der im spanischen Bürgerkrieg zerstörten Kathedrale „Santa Maria la Vieja“ sowie eines römischen Amphitheaters zu besichtigen.

1987 wurde in Cartagena ein im 1. Jahrhundert n. Chr. erbautes römisches Theater entdeckt, das seit Juli 2008 erstmals öffentlich zugänglich ist.

In der Calle Mayor befinden sich ansprechende Jugendstilhäuser aus der Zeit um 1914.

Museen[Bearbeiten]

Hier ist zum einen das Marinemuseum „Museo Naval“ zu erwähnen. Im „Museo Nacional de Arqueología Subacuática“ sind antike, aus dem Meer geborgene Funde ausgestellt.[6] Im „Museo Arqueológico Municipal“ befinden sich römische, arabische, westgotische und karthagische Fundstücke.

Bildung[Bearbeiten]

Cartagena besitzt eine Technische Universität (Universidad Politécnica de Cartagena) im Hospitalviertel.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Cartagena gibt es eine große Erdölraffinerie von Repsol. Arbeitsplätze werden auch durch Hafenwirtschaft, Marinearsenal und Tourismus geschaffen. In den letzten Jahren wurde die Kunststoffindustrie ausgebaut.

Sport[Bearbeiten]

Motorsport[Bearbeiten]

Cartagena besitzt eine vergleichsweise anspruchsvolle Rennstrecke Circuito de Cartagena, welche 2009 die Internationale FIM Homologation C erhielt; auf ihr werden Läufe zur spanischen Meisterschaft sowie Europameisterschaftsläufe ausgetragen. Daneben wird die Strecke von kleineren Veranstaltern genutzt.

FC Cartagena[Bearbeiten]

Der FC Cartagena spielt in der dritthöchsten spanischen Liga, der Segunda División B.

Tourismus[Bearbeiten]

In der Nähe von Cartagena befindet sich La Manga del Mar Menor, ein Erholungs- und Urlaubsgebiet, das zum Verwaltungsgebiet der Stadt gehört. Das Gebiet hat im Durchschnitt 320 Sonnentage im Jahr und etwa 3000 Sonnenstunden, womit es viele Touristen in die Stadt zieht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Cartagena ist der Geburtsort von

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cartagena – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Diodor 25,12; Polybios 2, 13.
  3. Polybios 3, 39.
  4. Polybios 10, 10–16; Titus Livius 26, 42–47.
  5. Cartagena. In Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, 1885–1892, Bd. 3, S. 830 (online)
  6. Website des Museums