Cuno Amiet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Cuno Peter Amiet (* 28. März 1868 in Solothurn; † 6. Juli 1961 in Oschwand, Gemeinde Seeberg BE) war ein Schweizer Maler, Zeichner, Graphiker und Bildhauer, der sich der Dresdner Künstlergruppe Brücke anschloss.

Kunstmuseum Bern, Fassadendetail des Neubaus von 1932 bis 1936: Wanddekoration in Sgraffito von Cuno Amiet

Er wird oft als „Bonnard der Schweizer“ bezeichnet. Beeinflusst wurde er von den Malern des Post-Impressionismus, unter anderem Paul Gauguin, Émile Bernard und Paul Sérusier.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Cuno Amiet war der Sohn von Josef Ignaz Amiet (1827–1895), Staatsschreiber und Staatsarchivar von Solothurn. Cuno hatte zwei ältere Geschwister, Schwester Rosa (1858–1936) und Bruder Caesar (1861–1935). Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete der Vater 1873 Emilie Bär von Rifferswil am Albis. 1882 nahm Amiet bei Heinrich Jenny Zeichenunterricht. Im Sommer 1884 begegnete er dem Maler Frank Buchser, einem Freund seines Vaters, der nach einigem Zögern dem Wunsch seines Sohnes nachgab, Maler zu werden. Im Herbst 1886 reiste er mit dem Aquarellisten Paul Demme (1866–1953) nach München, um dort an der Akademie zu studieren. Zu seinen Lehrern gehörten Caspar Ritter, Gabriel von Hackl, Karl Raupp und Nikolaus Gysis.

Akademiezeit[Bearbeiten]

Als junger Solothurner zog Amiet mit knapp 20 Jahren nach München, das damals neben Paris eine der beiden grössten Lehrstätten der Malerei war. 1887 begegnete Amiet dort dem gleichaltrigen Schweizer Maler Giovanni Giacometti aus Stampa, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Er wurde Patenonkel von dessen ältestem Sohn Alberto Giacometti.

In München gehörten sie zum Schweizer Kreis um Franz Baur, Max Buri, Wilhelm Balmer, Emil Dill, Walter Mettler, Charles Welti u.a. Cuno Amiet und Giovanni Giacometti entschieden sich dafür, ihre Ausbildung in Paris an der Académie Julian an der Seite von Pierre Bonnard, Édouard Vuillard, Maurice Denis und Paul Sérusier fortzusetzen, wo sie im Oktober 1888 eintrafen. Zu seinen Pariser Lehrern zählte unter anderem Tony Robert-Fleury. Zusammen mit Félix Vallotton trat er einer symbolistischen Künstlergruppe bei, die sich die Nabis (auf Hebräisch „die Ausgewählten“ ) nannte. Amiets Familie hatte nur wenig Geld, und der Vater erbrachte grosse Opfer, um seinem Sohn den Aufenthalt in der Bretagne zu ermöglichen.

Pont-Aven[Bearbeiten]

Im Mai 1892 reiste Amiet nach Pont-Aven, ein Fischerdorf in der Bretagne, das durch den Aufenthalt Paul Gauguins ein Anziehungspunkt für junge Künstler geworden war, wo er bis Juni 1893 blieb. Dort kam er mit Werken von Gauguin, der bereits zu seiner ersten Tahiti-Reise aufgebrochen war, in Kontakt. Zu seinen Freunden gehörten die Maler Paul Sérusier und Roderic O'Conor aus Irland, der Amiet in die Kunst Van Goghs, den Divisionismus von Seurat sowie den Gebrauch reiner Farben einführte.

1893 kam die erste Begegnung mit Ferdinand Hodler, den er daraufhin in seinem Atelier in Bern besuchte und von dessen symbolistischer Malerei er beeinflusst wurde. 1895 starb Amiets Vater. Im Jahr 1896 lernte er bei einem Sommeraufenthalt bei Giacometti in Stampa den Maler Giovanni Segantini kennen, dessen Divisionismus ihn neben dem Post-Impressionismus bereits seit 1893 beeinflusst hatte. 1898 fand eine Ausstellung mit Giacometti und Hodler im Künstlerhaus in Zürich statt.

Heirat[Bearbeiten]

Am 16. Juni 1898 heiratete er die Wirtstochter Anna Luder aus Hellsau. Seine Schwester Rosa sowie Giacometti waren Trauzeugen. Im selben Jahr zog Amiet mit seiner Frau auf die Oschwand, wo er sich 1908 ein Haus bauen liess. Das Paar blieb kinderlos, erzog aber fremde Kinder, unter anderem Bruno Hesse, den ältesten der drei Söhne des Dichters und Schriftstellers Hermann Hesse, nachdem dieser sich von seiner ersten Frau Maria Bernoulli getrennt hatte und diese die Söhne aus gesundheitlichen Gründen nicht aufziehen konnte.

1904 war Amiet mit Hodler wieder an der Sezession in Wien beteiligt. 1905 fand eine Ausstellung in der Galerie Richter in Dresden statt. Sie war zwar ein Misserfolg, doch dadurch kam er in Kontakt mit den späteren Mitgliedern der expressionistischen Künstlervereinigung „Die Brücke“.

1919 wurde ihm von der philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern die Ehrendoktorwürde verliehen.[1]

Anschluss an die Künstler der „Brücke“[Bearbeiten]

Einige junge Maler in Deutschland fanden die Werke Amiets ihrem eigenen Schaffen verwandt: Mit anerkennenden Worten forderte Erich Heckel ihn deshalb auf, sich der kurz vorher von Fritz Bleyl, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und ihm in Dresden gegründeten Künstlergruppe anzuschliessen: „Mit Bewunderung und Begeisterung haben wir Ihre Werke gesehen, und wir erlauben uns, Sie zu fragen, ob Sie unserer Gruppe „Brücke“ beitreten wollen. Einstimmig haben wir in Ihnen einen der „Unsern“ erkannt und hoffen, dass Sie unsere Sache als Bestrebung nach gleichen künstlerischen Zielen unterstützen werden“. Amiet sagte zu. Es ist sehr bezeichnend für Amiets einzigartige Stellung, dass er Mitglied sowohl von Gauguins Kreis in Pont-Aven als auch der „Brücke“, dem ersten Gruppenzusammenschluss des deutschen Expressionismus, war.

Letztes Lebensdrittel[Bearbeiten]

Als im Sommer 1931 beim Brand des Münchener Glaspalastes fünfzig Gemälde Amiets, vor allem eine grosse Zahl seiner Frühwerke, ein Raub der Flammen wurden – eine Katastrophe von solchem Ausmaß, wie sie noch nie einen Künstler in ähnlicher Weise getroffen hatte – wurde der Meister von diesem Schicksalsschlag nicht entmutigt, sondern nur in dem Vorsatz bestärkt, durch neue Schöpfungen den Verlust auszugleichen. 1944 wurde er Ehrenmitglied des Kunstvereins Solothurn.

1953 starb Anna Amiet. Die Adoptivtochter Lydia Thalmann, ihrerseits Witwe, kehrte zurück, um sich während der nächsten Jahre um ihren Vater zu kümmern. Amiets 90. Geburtstag im Jahr 1958 wurde mit einer Ausstellung im Kunstsalon Wolfsberg in Zürich und einer umfassenden Retrospektive in der Kunsthalle Bern gefeiert. Amiet zählt zu den Künstlern, die bis ins hohe Alter schöpferisch und aktiv blieben. Am Ende des Jahres wurde Amiet erneut krank. Diesmal erholte er sich nicht mehr, und er verstarb im Sommer 1961.

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 1959 From Hodler to Klee: Swiss Art of the Twentieth Century, Tate Gallery, London[2]
  • 2000 L’Art en Suisse 1910-1920, Musée Rath, Genf[3]
  • 2011/2012 Amiet. "Freude meines Lebens", Sammlung Eduard Gerber, Kunstmuseum Bern, Bern
  • 2011/2012 Ferdinand Hodler und Cuno Amiet. Eine Künstlerfreundschaft zwischen Jugendstil und Moderne, Kunstmuseum Solothurn
  • 2012 Ferdinand Hodler und Cuno Amiet. Eine Künstlerfreundschaft zwischen Jugendstil und Moderne, Bucerius Kunst Forum, Hamburg

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cuno Amiet, prestel-kuenstlerlexikon.de, abgerufen am 18. September 2012
  2.  Pro Helvetia; Arts Council of Great Britain: From Hodler to Klee: Swiss Art of the Twentieth Century. London, Tate Gallery, October 1959 : an Exhibition. Tate Gallery, London 1959.
  3.  George Mauner; Therese Bhattacharya-Stettler, Claude Ritschard (Hrsg.): Cuno Amiet : de Pont-Aven à «die Brücke». Musée d’art et d’histoire, Genf 2000, ISBN 2830601858.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cuno Amiet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien