Infanterie-Regiment „Hamburg“ (2. Hanseatisches) Nr. 76

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Infanterie-Regiment „Hamburg“ (2. Hanseatisches) Nr. 76
Aktiv 1866 bis 1919
Land Stadtwappen Freie und Hansestadt Hamburg
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Typ Regiment
Grobgliederung siehe Gliederung
Unterstellung siehe Unterstellung
Stationierungsort siehe Garnisonen
Kommandeure
Liste der Kommandeure
Denkmal für die während des Krieges 1870/71 gefallenen Mitglieder des IR 76 von Johannes Schilling

Das Infanterie-Regiment „Hamburg“ (2. Hanseatisches) Nr. 76 war ein Infanterie-Regiment der Preußischen Armee und von 1867 bis 1919 in Hamburg (und Lübeck bis 1897) stationiert.

Inhaltsverzeichnis

Organisation [Bearbeiten]

Hanseatische Besonderheit [Bearbeiten]

Da die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck Probleme mit der Stellung von genügend Wehrpflichtigen hatten, wurden keine Begrenzungen bei Einjährigen gemacht und die Reservepflicht für überseeische Wehrdienstpflichtige ausgesetzt.

Im Jahre 1867 wurde entsprechend dem Reichs-Militärgesetz die Militärhoheit der norddeutschen Stadtstaaten auf das Königreich Preußen übertragen.

Gemäß § 9 dieser Konvention wurden die Militärpflichtigen mit Lübecker Staatsangehörigkeit zu dem in Hamburg stationierten Regiment einberufen, sofern sie nicht den Wunsch äußerten, anderweitig eingesetzt zu werden. Untauglichkeit zum Infanteriedienst konnte zur Einberufung in eine andere Waffengattung wie Kavallerie, Artillerie, Train, usw. der Preußischen Armee führen. Später war auch die Einstellung in die Kontingente der anderen Armeen des deutschen Heeres möglich.

Die zur seemännischen Bevölkerung zählenden Militärpflichtigen dienten erst in der Preußischen, später in der Kaiserlichen Marine.

Unterstellung [Bearbeiten]

Zur Gründung des Regimentes 1866 [Bearbeiten]

seit 7. November 1867 [Bearbeiten]

Vorabend des Ersten Weltkriegs [Bearbeiten]

25. März 1915 [Bearbeiten]

Gliederung [Bearbeiten]

Abtretungen [Bearbeiten]

Bewaffnung und Ausrüstung [Bearbeiten]

Hauptbewaffnung [Bearbeiten]

Gewehr 88

Uniform [Bearbeiten]

Das Regiment trug die preußische Uniform mit den der Hansestadt Hamburg zugestandenen Änderungen. So wurde am Helm und an der Mütze neben der schwarz-weiß-roten Reichskokarde die hanseatische Kokarde (rotes Hanseatenkreuz auf weißem Grund) getragen. Die Achselklappen waren weiß mit roter Nummer (76), die Ärmelpatten weiß mit gelber Paspelierung.

Bereits im August 1914 wurde auf der Fahrt nach Westen feldgraues Tuch zum Verhüllen von unzweckmäßig leuchtenden Uniformteilen ausgegeben.

Im Sommer 1915 verschwanden an der Front die langen Degen der Offiziere und Feldwebel, wodurch die Kleidung und Ausrüstung denen der Mannschaften angepasst wurden, um weiteren hohen Verlusten an Führern vorzubeugen.

Orden [Bearbeiten]

Hauptartikel: Hanseatenkreuz

Kurz nach der Schaffung des Ordens ging vom Senat zu Lübeck die Initiative aus, ein viertes Hanseatenkreuz zu erschaffen. Zu jener Zeit wurden die Kreuze lediglich an Vor dem Feind bewährte Frontkämpfer verliehen und Lübeck beabsichtigte ein Lübecker Kreuz an einen in der Etappe tätigen Konsul zu verleihen. Nach Konsultation zwischen dem Hamburger und Bremer Senat wurde das Ansinnen der Erschaffung eines vierten Hanseatenkreuzes abgelehnt.

Zu den Trägern des Bremerischen Hanseatenkreuzes gehörten u. a.:

Wappen [Bearbeiten]

Das Regiment schmückte sich mit dem Wappen der Freien und Hansestadt Hamburg. Die einzige Ausnahme bildete die Fahne, da auf ihr nicht das Hamburger Wappen, sondern der preußische Adler war.

Fahnen [Bearbeiten]

Waterloosäule auf dem gleichnamigen Platz in Hannover

Ein bedeutender Tag für das Regiment war der 7. Juli 1867, der Tag der feierlichen Verleihung der Bataillonsfahnen. Nachdem bereits am 3. Juli in Gegenwart seiner Majestät des Königs von Preußen in Potsdam die Weihe und Übergabe der Fahnen an den Oberst Conta stattgefunden hatte, wurden am 7. Juli bei einer feierlichen Parade auf dem Waterloo-Platz in Hannover, durch den kommandierenden Generalleutnant des X. Armeekorps von Voigts-Rhetz, die Fahnen an die drei Bataillone übergeben. An diesem feierlichen Tage leisteten alle Soldaten des Regimentes am Fusse der Waterloosäule erneut ihren Eid auf den König und versicherten die Fahnen ihm zu Ehren durch alle Wechselfälle der Zukunft zu tragen.[1]

Durch A. K. O. vom 13. April 1872 wurde den drei Fahnen des Regiments zur bleibenden Erinnerung an den ruhmvollen Feldzug 1870/71 das eiserne Kreuz in der Fahnenspitze verliehen. Die feierliche Dekorierung der Musketierbataillonsfahnen fand am 20. Mai 1872 in der reformierten Kirche zu Hamburg statt. Die Fahne des Füsilierbataillons, welche in den Gefechten am 2. und 4. Dezember 1870 beschädigt wurde, wurde am 23. Mai nach Berlin gebracht und dort seiner Majestät dem Kaiser vorgestellt. Allerhöchstselbst verfügte dieser, dass die Fahne eine neue Spitze mit dem eisernen Kreuze und unter der Spitze einen silbernen Ring mit der Gravierung

„Loigny (Orleans) 2. Dezember 1870”

erhalten solle. Die Weihe dieser Fahne fand am 30. Juni 1872 in der Domkirche zu Lübeck statt. Diese Fahne wechselte 1897 in das neugegründete 3. Hanseatische Regiment.

Die Fahnen wurden um 1915 aus dem Felde nach Hamburg zurückgeführt, weil ihre Verwendung im Kampfe nicht mehr der Kampfführung entsprach und unnötige Opfer forderte.

Geschichte [Bearbeiten]

Gründung [Bearbeiten]

Durch A. K. O. vom 27. September 1866, welches der Stiftungstag der 76er werden sollte, wurde nach dem Deutschen Krieg aus Kompanien der Pommerschen Regimenter Nr. 4, Nr. 6, Nr. 8 und Nr. 9 am 30. Oktober 1866 in Bromberg ein neues Regiment gebildet.

Mit ihrem Beitritt zum Norddeutschen Bundes wurden die Bundeskontingente der Freien Hansestädte aufgelöst. Hamburg verlor mit dem 15. Mai 1867 seine eigene Wehrhoheit und musste als Friedensgarnison zwei Bataillone aufnehmen. Am 1. Oktober 1867 wurden gemäß einer Konvention vom 27. Juni 1867 Mannschaften und Unteroffiziere der aufgelösten Regimenter Hamburgs (des Stadtmilitärs in Garnison) und Lübecks in das Infanterie-Regiment Nr. 76 übernommen. Der Stab sowie das I. und II. Bataillon kamen nach Hamburg und wurden zunächst in Alsterdorf, Groß Borstel und Niendorf untergebracht. Die Füsiliere aus Hameln wurden nach Lübeck verlegt, das durch eine Militärkonvention ebenso seine Wehrhoheit aufgab. Das Lübecker Militär wurde aufgelöst. Den Soldaten dieses stehenden Heeres war es freigestellt, den Dienst bei der preußischen Armee fortzusetzen.

Diese neuen Bedingungen bedeuteten auch das Ende der bürgerlichen Wehrformationen (Miliz) der beiden Hansestädte. Die Lübecker Bürgergarde wurde am 1. November 1867 und das Hamburger Bürgermilitär am 30. Juli 1868 aufgelöst.

Garnisonen [Bearbeiten]

Die Alte Kaserne des einstigen III. Bataillons zu Lübeck
  • 1897
    • Musketiere - Hamburg
    • Füsiliere - Hamburg

Kommandeure [Bearbeiten]

Chefs [Bearbeiten]

Kommandeure [Bearbeiten]

Füsilierbataillon 1871, nach Ende des Krieges wird der Bataillons- zum Regimentskommandeur ernannt

Sonstige Offiziere [Bearbeiten]

Feldzüge [Bearbeiten]

Deutsch-Französischer Krieg [Bearbeiten]

Füsilierbataillon in der Schlacht von Loigny
Einzug des Füselierbataillons am 18. Juni 1871 in Lübeck

Ende August 1870 zog das 2. Hanseatische Infanterie-Regiment Nr. 76 in den Krieg gegen Frankreich.

Mit der Mobilmachung des Regiments verwandte man es als Küstenschutz der Nord- und Ostsee, da im Raum der Ostfriesischen Inseln ein massiver Schlag der französischen Marine samt Invasion befürchtet wurde. Als diese ausblieb wurde das Regiment nach Westen verlegt.

Es kämpfte unter anderem bei der Belagerung von Metz, Schlacht von Loigny und Poupry - bei der die Fahne des III. Bataillons durch einen Treffer beschädigt wurde -, Schlacht von Orléans, Schlacht bei Le Mans sowie der Belagerung von Paris.

Nach Ende des Krieges wurden die Hamburger Bataillone am 17. Juni 1871 mit einem Festakt auf dem Rathausmarkt empfangen. Die beiden Bataillone konnten am 15. Juli 1871 die neue Kaserne an der Bundesstraße (Rotherbaum zwischen Louisenstraße und Papendamm) beziehen. Der 1869 begonnene Kasernenbau hatte zwischenzeitlich als Kriegsgefangenenlager gedient.[3]

1897 wurde das III. Bataillon in Lübeck zum II. Bataillon des neu aufgestellten 3. Hanseatischen Infanterie-Regiments.

Boxeraufstand [Bearbeiten]

Freiwillige des Regiments kämpften im Expeditionskorps nach China 1900. Dabei kam 1 Mann ums Leben.

Auf der Kaiserparade am 5. September 1904 in Altona wurden den drei hanseatischen Infanterie-Regimentern Nr. 75, 76 und 162 vom Kaiser die Namen Bremen, Hamburg und Lübeck verliehen.

Aufstand in Deutsch-Süd-West-Afrika [Bearbeiten]

Freiwillige des Regiments waren 1904 bis 1906 im Expeditionskorps. Dabei wurden 5 Soldaten verwundet und 1 getötet.

Erster Weltkrieg [Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg kämpften neben dem Aktiven (I.-R. 76) auch das Reserve-Regiment Nr. 76 (R.-I.-R. 76).

Die aktiven 76er machten bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 2. August 1914 mobil und kamen an die Westfront. Zunächst war es in Belgien an der Eroberung der Festung Lüttich beteiligt und kämpfte im September in der Schlacht an der Marne bei Esternay.[4] Nach schweren Verlusten wurden die Reste des Regiments am 21. September 1914 zu drei Kompanien zusammengefasst. Sieben Tage später füllte man das Regiment wieder auf und formierte es zu sechs Kompanien sowie einer MG-Kompanie. Daraus wurden Ende des Monat zwei Bataillons mit je drei Kompanien gebildet. Mitte Oktober 1914 bestand das Regiment wieder aus drei Bataillonen. Bis kurz vor heilig Abend lag das Regiment vor Thiescourt

  • Ab 25. März 1915 unterstand das Regiment der 221. Infanterie-Brigade (111. Division)

1914/18

  • Nach dem Vormarsch durch Belgien und Frankreich kämpfte das Regiment den ganzen Krieg über nur im Westen.
  • 1914: Mons, St. Quentin, Marneschlacht,
  • 1915: Les Eparges, Artoin, Arras,

In den Grabenkämpfen um Les Eparges wurden beim Einnehmen der französischen Gräben durch das II/76 13 Offiziere und 423 Mannschaften getötet, das war das erste Gefecht des Regiments mit enormen Verlusten. Des Weiteren wurden ca. 700-800 Gefangene durch das II/76 gemacht.

  • 1916: an der Somme in Guillemont ist das II. Batt. bis auf weniger dutzend Männer aufgerieben worden. Mano-Höhen,
  • 1917: an der Somme, Siegfriedstellung, Arras, Flandern (hier wurde fast das ganze Regiment vernichtet so daß das Regiment nach der Schlacht nur noch eine Kopfstärke von 138 Mann hatte) an der Maas und Mosel, Cambrai,
  • 1918: Kaiserschlacht, Bapaume, Arras, Albert, Monchy, Lens, Hermanstellung, Antwerpen-Maas Stellung.

Insgesamt dienten 19.899 Mann im Laufe des Krieges im Regiment. Von den über 3.000 Mann des Infanterieregimentes 76 die im August 1914 in den Krieg zogen, überlebten nur 647 den Krieg.

Auflösung [Bearbeiten]

Nach Kriegsende kehrte das Regiment nach Hamburg zurück, wo es ab 16. Dezember 1918 demobilisiert und anschließend aufgelöst wurde. Viele der Regimentsangehörigen formierten sich nach den Krieg in der Wachabteilung Bahrenfeld (Stadtteil von Hamburg).

Sonstiges [Bearbeiten]

Denkmäler [Bearbeiten]

1936 errichtetes Kriegerdenkmal des Regiments in Hamburg

Für die Gefallenen im Deutsch-Französischen Krieg wurde von Johannes Schilling ein Denkmal geschaffen, das von 1877 bis 1926 in der Esplanade stand und dann zur Fontenay in Hamburg-Rotherbaum verlegt wurde.

Am Dammtordamm wurde 1936 das sogenannte Kriegerdenkmal nach dem Entwurf von Richard Kuöhl errichtet. Das Kriegerdenkmal gedenkt zum einen der Gefallenen des IR 76 des Ersten Weltkrieges. Es ist mit der viel kritisierten Inschrift „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen“ aus dem Gedicht „Soldatenabschied“ von Heinrich Lersch versehen. Dieses Zitat und der Umgang damit ist in Hamburg viele Jahre Thema hitziger und kontrovers geführter Auseinandersetzungen gewesen. Der Hamburger Senat beschloss Anfang der 1980er Jahre, neben das denkmalgeschützte Ehrenmal einen als „Mahnmal gegen den Krieg“ konzipierten Gegenentwurf von Alfred Hrdlicka zu stellen. Dies wurde ab 1983 in Teilen realisiert. Entstanden sind der "Hamburger Feuersturm" (1985) und die "Fluchtgruppe Cap Arcona" (1986).

Traditionspflege [Bearbeiten]

Nach der Auflösung wurde die Tradition in der Reichswehr zunächst von der 9. Kompanie des 6. Infanterie-Regiments übernommen. Sie ging dann im Jahre 1937 auf das in Hamburg neuaufgestellte „Infanterie-Regiment Nr. 76“ der Wehrmacht über.

Verweise [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

HL Damals – Livonius.jpg
  • O. Ahrends: Mit dem Regiment "Hamburg" in Frankreich (I.R. Nr. 76) 1929 München, Verlag Reinhardt, 226 Seiten.
  • Hans von Albert : Infanterie- Regiment Hamburg ( 2. Hanseatisches ) Nr. 76; 1903 Hamburg Wauke, 31 Seiten.
  • Ad. Birkholz: Das 2te Hanseatische Infanterie-Regiment Nr. 76 im Kriege gegen Frankreich 1870 u. 71.; 1871 Hamburg: Hoffmann & Campe, 60 Seiten.
  • W. Livonius: Chronik des Füsilier-Bataillons, 2. Hanseatischen Inf.-Reg. No. 76 von der Errichtung bis zur Rückkehr aus dem Feldzuge 1870/71; 1891, Lübeck., Bernhard Nörhring, 76 Seiten.
  • Wilfried Niemann: Geschichte des 2. Hanseatischen Infanterie - Regiments Nr. 76; Hamburg, W. Mauke Söhne, 1876, 235 Seiten.
  • Herbert von Sydow: Das Infanterie-Regiment Hamburg <2. Hanseatisches> Nr. 76 im Weltkriege 1914/18 (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Ehem. preuß. Truppenteile; Heft 52), 1922, Oldenburg-Berlin, G. Stalling, 218 Seiten.
  • Oberstleutnant a.D. W.Nau: Beiträge zur Geschichte des Regiments Hamburg; Alster-Verlag Hamburg 1925, 5 Bände
  • Hauptmann Wilfried Niemann: Geschichte des 2. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76; Verlag W. Mauke Söhne 1876

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Niemann S. 4
  2. Otto Wilh. Ph.. v. Ramdohr (1854-1924) sodann Kmdr.36.Inf-Brig., vgl. G.Wegner(1996) Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939, Band 2, S.201
  3. Schütt: Die Chronik Hamburgs, Chronik Verlag, 1991
  4. Hugo Gropp: Hanseaten im Kampf. Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 76.; Erlebnisse bei dem Res.-Inf.-Rgt. 76 im Weltkrieg 1914/18, zusammengestellt im Auftrage des "Vereins ehemal. Angehöriger Reserve 76 e.V." Druck Klindworth & Neuenhaus; Hamburg 1932, 377 Seiten