Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Museumsgebäude im früheren Offizierskasino

Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst ist ein den deutsch-sowjetischen und deutsch-russischen Beziehungen gewidmetes Museum in Berlin-Karlshorst. Der größte Teil der Dauerausstellung informiert über den Deutsch-Sowjetischen Krieg 1941–1945.

Museumsgebäude[Bearbeiten]

Relief im Museum

Das Museum befindet sich in dem in den 1930er-Jahren errichteten Offizierskasino der Wehrmachtspionierschule in der Zwieseler Straße. In dem großen Raum des Hauses wurde am 9. Mai 1945, kurz nach Mitternacht, die auf den 8. Mai datierte bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet.[1] Mit dem Akt der Ratifizierung der Kapitulationsurkunde in Karlshorst endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Nachdem ab Mai 1945 zunächst der Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) das Haus als Amtssitz nutzte, erhielt die Regierung der DDR hier 1949 die staatliche Vollmacht. Die DDR richtete später in Zusammenarbeit mit der Regierung der Sowjetunion das Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg ein. Dies wurde 1967 eröffnet und war eine Außenstelle des Zentralen Streitkräftemuseum in Moskau.

Nach den deutsch-sowjetischen Vereinbarungen über den Abzug der Streitkräfte einigten sich die Partner, an diesem historischen Ort gemeinsam an die Geschichte des deutsch-sowjetischen Krieges und das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft zu erinnern. Nach einer Umgestaltung wurde im Mai 1995 das Deutsch-Russische Museum eröffnet.

Dauerausstellung[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung, die ca. 40.000 Besucher im Jahr anzieht, vermittelt dem Besucher auf ca. 1000 m² eine Vorstellung von der Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1917 bis 1990. Im Mittelpunkt steht dabei der deutsch-sowjetische Krieg 1941–1945, insbesondere der Kriegsalltag der Soldaten und Zivilisten auf beiden Seiten.

Zentrum des Museums ist weiterhin der im alten Zustand erhaltene Kapitulationssaal, in dem eine Filmaufnahme der Unterzeichnung in Endlosschleife zu sehen ist. Neben den neuen, modern gestalteten Ausstellungsräumen sind auch Teile der alten Ausstellungen sowie Denkmäler aus sowjetischen Zeiten zu sehen. Auf dem Außengelände befinden sich ein Denkmal, in das ein auf einem Podest aufgestellter sowjetischer T34-Panzer integriert ist, sowie eine Ausstellung sowjetischen militärischen Großgerätes aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges sowie der Nachkriegszeit.

Am 24. April 2013 wurde das Museum nach rund einem Jahr Schließung und einer grundlegenden Überarbeitung der Dauerpräsentation wiedereröffnet.

Sonderausstellungen und andere Aktivitäten[Bearbeiten]

In den Ausstellungsräumen

Das Museum zeigt im Jahr zwei bis drei Sonderausstellungen. Hierfür steht seit Ende 1997 ein 100 m² großer Raum zur Verfügung. Schwerpunkte sind die Erinnerung an den Krieg sowie Themen der deutsch-sowjetischen/russischen Beziehungen, wie insbesondere Kriegsfotografie, aber auch künstlerische fotografische Auseinandersetzungen mit der Thematik. Hierfür können die Mitarbeiter des Museums auf eine umfangreiche Sammlung zurückgreifen.

Ein Teil der Sonderausstellungen wurde bereits in anderen deutschen sowie russischen und ukrainischen Städten gezeigt.

Neben der ausstellerischen Arbeit veröffentlicht das Museum zu jeder Sonderausstellung einen (meist) auch im Buchhandel erhältlichen Katalog in deutscher und russischer Sprache und organisiert wissenschaftliche Tagungen bzw. Konferenzen sowie Studienreisen.

Das Museum richtet im Auftrag der Bundesregierung den zentralen Gedenktag zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 aus.[2] Neben einem Gedenkkonzert in der Berliner Philharmonie wird auch eine bis Ende 2012 andauernde Veranstaltungsreihe, eine entsprechende Wanderausstellung in Deutschland, der Europäischen Union und Russland sowie eine internationale Tagung zu Krieg und deutscher Besatzungspolitik in der UdSSR an dieses historische Datum erinnern.

Trägerschaft[Bearbeiten]

Das Deutsch-Russische Museum ist eine bisher einmalige binationale Einrichtung, die von der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation getragen wird. Dem 1994 gegründeten gemeinsamen Trägerverein gehören zu gleichen Teilen deutsche und russische Institutionen an. Der Vorsitz wechselt zwischen dem Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums und dem Direktor des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau. Ergänzt wird der Verein durch die Mitgliedschaft der Museen des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk und Kiew. Mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen schafft das Museum Räume für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte, für Bildung und Begegnung sowie für die Verständigung zwischen Deutschen und Russen. Alljährlich findet zum 8. Mai, dem Tag des Endes des Krieges in Europa, ein Museumsfest statt.

Sammlungen[Bearbeiten]

Aus Wunden entfernte Granatsplitter und Projektile sowie Ausrüstungsgegenstände der sowjetischen Sanitätstruppe aus dem Bestand des militärmedizinischen Museums Sankt Petersburg vermitteln ein Bild von der menschlichen Tragödie des Krieges.

Die Sammlungen des Museums bestehen zum größten Teil aus Objekten des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau. Hinzu kommen Objekte und Leihgaben aus anderen deutschen und osteuropäischen Sammlungen, Schenkungen und Nachlässen. Die Sammlungstätigkeit des Museums umfasst die Bereiche Schriftgut, Plakate, Alltagskultur, Militaria mit einem Schwerpunkt auf Militärmedizin sowie Fotografien. Das wachsende Bildarchiv beinhaltet hauptsächlich Aufnahmen sowjetischer und deutscher professioneller und Amateurfotografen aus der Zeit des Krieges.

Das Museum verfügt über eine rund 3.000 Bände umfassende Spezialbibliothek zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen mit dem Schwerpunkt Krieg an der Ostfront. Sie ist nach Absprache auch für auswärtige Nutzer für wissenschaftliche Zwecke nutzbar.

Bisherige Sonderausstellungen[Bearbeiten]

  • Ilja Ehrenburg und die Deutschen. (27. 11. 1997–1918. 1. 1998)
  • Das mitfühlende Objektiv. Michail Sawin. Kriegsfotografie 1941–1945. (30. 4.–31. 5. 1998)
  • Nach Berlin!Timofej Melnik. Kriegsfotografie 1941–1945. (22. 10.–13. 12. 1998)
  • Mordfelder. Henning Langenheim. Orte der Vernichtung im Krieg gegen die Sowjetunion. (28. 1.–18. 4. 1999 und 5.11.2004–2030.1.2005)
  • Nikolai Bersarin, Generaloberst, Stadtkommandant (Berlin). (7. 9.–21. 11. 1999, 8. 5.–1. 6. 2003 und 1. 4.–9. 5. 2004)
  • Heimatfront. Iwan Schagin. Kriegsfotografie 1941–1945. (10. 12. 1999–6. 2. 2000; 2005 in Schwerin)
  • Foto-Feldpost. Geknipste Kriegserlebnisse 1939–1945. (30. 3.–16. 7. 2000)
  • Moskau-Berlin. Straßenbilder von Valerij Stignejew, Fotos 1996–1998. (26. 12. 2000–2011. 2. 2001)
  • Dokument und Konstrukt. Arkadij Schaichet. Fotografie zwischen N.E.P. und Großem Vaterländischen Krieg. (29. 3.–27. 5. 2001)
  • Juni 1941: Der tiefe Schnitt. (22. 6.–20. 9. 2001; gleichzeitig auch in Moskau und Kiew eröffnet)
  • Moskau im Krieg. 1941–1945. (22. 11. 2001–2017. 2. 2002)
  • Diesseits – jenseits der Front. Michail Trachmann. Kriegsfotografie 1941–1945. (16. 4.–18. 8. 2002)
  • Mascha, Nina und Katjuscha. Frauen in der Roten Armee. (16. 11. 2002–2023. 2. 2003; 2003 in Ravensbrück; 2004 in Nowosibirsk)
  • Beutestücke. Kriegsgefangene in der deutschen und sowjetischen Fotografie 1941–1945. (14. 6.–12. 12. 2003)
  • Stalingrad erinnern. Stalingrad im deutschen und russischen Gedächtnis. (15. 11. 2003–2021. 3. 2004; 2004 Moskau und Wolgograd)
  • Blockade Leningrads. 1941–1944. Dossiers. (15. 5.–5. 9. 2004; 2005 in Hamburg)
  • Triumph und Trauma. Sowjetische und postsowjetische Erinnerungen an den Krieg 1941–1945. (4. 5.–11. 9. 2005)
  • Kriegsspuren. Porträts deutscher und russischer Veteranen von Martin Hertrampf. (17. 11. 2005–2019. 2. 2006)
  • Russland und Deutschland: Kapitel aus der diplomatischen Geschichte, 1955–2005. Fotoausstellung der Presseagentur Nowosti. (8. 3.–18. 4. 2006)
  • Schussfeld. Die Schlacht um die Seelower Höhen 1945. Eine fotografische Spurensuche von Karl Böttcher. (8. 5.–18. 6. 2006)
  • Um zu Überleben – Deutsche und sowjetische Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges. Eine Ausstellung des Memorialmuseums deutscher Antifaschisten in Krasnogorsk bei Moskau (Filiale des Zentralen Museums des Großen Vaterländischen Krieges). (8. 9.–5. 11. 2006)
  • Kunst im Auftrag. Boris Ignatowitsch. Fotografien 1927–1946. (17. 11. 2006–2011. 2. 2007)
  • Das Haus in Karlshorst. Geschichte am Ort der Kapitulation. (20. 4.–8. 7. 2007)
  • Die Suche nach dem Panorama: Wünsdorf – Moskau – Berlin. Installation. (6. 9.–4. 11. 2007)
  • Stalingrad. Eine Fotoausstellung der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. (23. 11. 2007–2014. 2. 2008)
  • Unsere Russen – Unsere Deutschen. Bilder vom Anderen 1800–2000. (Schloss Charlottenburg, 8. 12. 2007–2. 3. 2008; Moskau, Staatliches Historisches Museum, April–Juni 2008)
  • Juni 1941 – der tiefe Schnitt. 20 Biografien aus dem Krieg gegen die Sowjetunion, 17. Juni bis 14. August 2011
  • Krieg, Holocaust, Gedenken. Eine Ausstellung des Weißrussischen Staatlichen Museums des Großen Vaterländischen Krieges 1941–1945, Minsk, 22. September bis 17. November 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Jahn: Konfrontation und Kooperation: Vom Kapitulationsmuseum der sowjetischen Streitkräfte zum Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst. In: Olga Kurilo (Hg.): Der Zweite Weltkrieg im Museum: Kontinuität und Wandel, Berlin 2007, S. 47-61. ISBN 978-3-930064-82-3.
  • Kristiane Janeke: Windows of opportunity. Gedanken zu den deutsch-russischen Kulturbeziehungen. In: Heidrun Hamersky, Heiko Pleines, Hans-Henning Schröder (Hg.): Eine andere Welt? Kultur und Politik in Osteuropa 1945 bis heute. Festschrift für Wolfgang Eichwede, Stuttgart 2007, S. 59-68. ISBN 978-3-89821-751-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsch-Russisches Museum Karlshorst – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

52.48611111111113.539722222222Koordinaten: 52° 29′ 10″ N, 13° 32′ 23″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Info zu Kriegsverlauf Kapitulation, Deutsches Historisches Museum (DHM); siehe weiterhin Die Kapitulation. Ausführliche Darstellung beim Online-Informationsangebot des Deutsch-Russischen Museums
  2. Presseinformation des Deutsch-Russischen-Museums (PDF; 235 kB), Berlin-Karlshorst, 16. März 2011.