Tag der Befreiung

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Internationaler Befreiungstag (Briefmarkenblock der DDR, 1955)

Der 8. Mai ist als Tag der Befreiung (Bezeichnung in der DDR als Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus[1]) in verschiedenen europäischen Ländern ein Gedenktag, an dem der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und damit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa gedacht wird (siehe auch V-E-Day). In der DDR war er von 1950 bis 1966 und 1985 gesetzlicher Feiertag.

Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten]

Bei den Veranstaltungen zu diesem 1950 auf Beschluss der Volkskammer eingeführten Feiertag wurde die besondere Bedeutung der Roten Armee am Kriegsende in Deutschland hervorgehoben, während der Beitrag der westlichen Alliierten dazu kaum Beachtung fand. 1967 wurde, im Zuge der Einführung der Fünf-Tage-Woche, der Tag zusammen mit anderen Feiertagen wieder zum Werktag. Allerdings fanden auch weiterhin jedes Jahr bis zum Ende der DDR offizielle Veranstaltungen statt. Zum 30. Jahrestag des Kriegsendes (1975) wurde nach sowjetischem Vorbild der Tag des Sieges (also der 9. Mai) vom Zentralkomitee der SED zum arbeitsfreien Feiertag erklärt. 1985 wurde zum 40. Jahrestag noch einmal der 8. Mai als echter Feiertag begangen.

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland ist der 8. Mai kein Feiertag, dennoch finden bis heute insbesondere zu „runden“ Jahrestagen des 8. Mai 1945 entsprechende Veranstaltungen statt. Große Beachtung fand 1985 die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vor dem Deutschen Bundestag zum 40. Jahrestag.[2]

Seit 1985 wurde in der Bundesrepublik verstärkt darüber diskutiert, wofür der 8. Mai 1945 steht: für die totale militärische Niederlage Deutschlands oder für seine Befreiung vom Nationalsozialismus. Während in der Nachkriegszeit der Aspekt der Niederlage im Vordergrund stand, hat der Aspekt der Befreiung zunehmend an Gewicht gewonnen. Historisch haben die Alliierten allerdings nicht gegen das Deutsche Reich Krieg geführt, um es zu befreien, sondern um es militärisch zu besiegen. Befreit im Wortsinne durch alliierte Truppen wurden Hunderttausende aus politischen, rassischen, religiösen u. a. Gründen Gefangene in den Zuchthäusern, Konzentrations- und Vernichtungslagern und auch nichtinhaftierte Menschen, welche mit der NSDAP-Diktatur nicht konform gingen und teilweise aus dem Untergrund gegen diese kämpften.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am 8. Mai 2000: „Niemand bestreitet heute mehr ernsthaft, dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung gewesen ist – der Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, von Völkermord und dem Grauen des Krieges“[3]

Nach Einschätzung des Historikers Hubertus Knabe muss bei der Anwendung des Begriffs Tag der Befreiung zudem zwischen Ost- und Westdeutschland unterschieden werden, da die Ostdeutschen erst ab 1989 die Chance erhalten hätten, eine Demokratie aufzubauen. Josef Stalin habe zwar entscheidend dazu beigetragen, den Nationalsozialismus militärisch zu besiegen, den Sieg aber dazu benutzt, seine eigene Diktatur zu errichten.[4]

Seit dem 8. März 2002 ist der 8. Mai im Land Mecklenburg-Vorpommern staatlicher Gedenktag als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges[5]. 2005 fand in Berlin anlässlich des 60. Jahrestags ein „Tag der Demokratie“ statt.

Niederlande[Bearbeiten]

In den Niederlanden wird der „Bevrijdingsdag“ schon am 5. Mai begangen, dem Tag, an dem der kanadische General Charles Foulkes und der deutsche Oberbefehlshaber Johannes Blaskowitz im Beisein des Prinzen Bernhard im Hotel De Wereld in Wageningen die Kapitulation der deutschen Truppen in den Niederlanden besiegelt haben. Im Jahr 2012 sprach Bundespräsident Joachim Gauck als erster Deutscher anlässlich des Tags der Befreiung in den Niederlanden.[6]

Andere Staaten[Bearbeiten]

Feierlichkeiten am 8. Mai 2010 in Reims (Frankreich)

Auch in anderen am Zweiten Weltkrieg beteiligten Staaten wird der Jahrestag des Kriegsendes in Europa als Feiertag begangen, so in Frankreich, Tschechien und der Slowakei. In der Sowjetunion wurde am 9. Mai der Tag des Sieges als gesetzlicher Feiertag begangen, da die Kapitulation gegenüber der Roten Armee erst nach Mitternacht MEZ erfolgte und zudem der Waffenstillstand nach Moskauer Ortszeit erst am 9. Mai in Kraft trat. Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde der 9. Mai – als Tag des Sieges – in einigen ihrer Nachfolgestaaten als gesetzlicher Feiertag beibehalten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Huneke: „Vorher war der 8. Mai 1945 ein bloßes Datum …“ Erinnerungskultur im Unterricht. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Jg. 57 (2006), H. 2, S. 115-132. ISSN 0016-9056 – 23254.
  • Peter Hurrelbrink: Befreiung als Prozess. Die kollektiv-offizielle Erinnerung an den 8. Mai 1945 in der Bundesrepublik, der DDR und im vereinten Deutschland. in: Gesine Schwan u. a. (Hgg): Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006 ISBN 3-531-14555-X S. 71-119
  • Hubertus Knabe: Tag der Befreiung? Das Kriegsende in Ostdeutschland, Propyläen 2005, ISBN 3-549-07245-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Hintergrund aktuell: 8. Mai 1945
  2. Schallplattenaufnahme der genannten Weizsäcker-Rede von 1985 auf youtube.com (Tondokument in 4 Teilen, insgesamt zirka 45 Minuten)
  3. Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder anlässlich der Ausstellungseröffnung „Juden in Berlin 1938–1945“ im Centrum Judaicum
  4. Hubertus Knabe: Tag der Befreiung? Das Kriegsende in Ostdeutschland, Propyläen, 2005, ISBN 3-549-07245-7.
  5. Gesetz über Sonn- und Feiertage des Landes Mecklenburg-Vorpommern
  6. Gauck in den Niederlanden: Respekt vor der Rechtsordnung, Europe Online Magazine. 6. Mai 2012.