Diessenhofen

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Diessenhofen
Wappen von Diessenhofen
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Frauenfeldw
BFS-Nr.: 4545i1f3f4
Postleitzahl: 8253
Koordinaten: 698464 / 28223547.6833368.749994397Koordinaten: 47° 41′ 0″ N, 8° 45′ 0″ O; CH1903: 698464 / 282235
Höhe: 397 m ü. M.
Fläche: 10.0 km²
Einwohner: 3614 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 361 Einw. pro km²
Website: www.diessenhofen.ch
Stadtkirche, Schifflände und Unterhof

Stadtkirche, Schifflände und Unterhof

Karte
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Diessenhofen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Frauenfeld des Kantons Thurgau in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Das Städtchen Diessenhofen liegt am Südufer des Hochrheins zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen und zeigt sich in seiner ursprünglichen, mittelalterlichen Struktur, die bis heute erhalten ist. Bei der Schifflände mündet der Geisslibach in den Rhein.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen Diessenhofens geht auf die Kyburger zurück (für einen geschichtlichen Abriss siehe den Artikel Wappen des Kantons Thurgau).

Grenzwachtposten kontrolliert den Grenzverkehr an der Brücke Diessenhofen, Kompanie III/65, 1914-1918

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der Ansiedlung reichen bis ins Jahr 757 zurück (älteste erhaltene urkundliche Erwähnung als alemannische Siedlung Deozincova). Priester Lazarus schenkte damals dem Kloster St. Gallen seinen Weiler Deozincova. 839 hiess es Theozinhovun, was mit «bei den Höfen des Die(o)zzo» übersetzen werden kann. Der Ort wurde durch Graf Hartmann III. von Kyburg 1178 mit 60 Hofstätten zur Stadt erhoben.[2] Die Stadtrechte wurden in der 1260 verliehenen Handfeste bestätigt und erweitert.[3] Im 13. Jahrhundert erschien dann erstmals der Name Diessinhovin.

In der Zeit der Helvetischen Republik wurde der Bezirk Diessenhofen 1798 dem Kanton Schaffhausen angegliedert. Bereits 1800 kam der Bezirk dann definitiv zum Kanton Thurgau.[4] Im Jahr 2000 fusionierte die Gemeinde Willisdorf mit Diessenhofen (Mutation Nr. 47 des Amtlichen Gemeindeverzeichnisses der Schweiz, 1986).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Wahrzeichen Diessenhofens im Zentrum ist der Siegelturm, in welchem Siegel und Urkunden seit dem Mittelalter aufbewahrt wurden. Bemerkenswert ist die Monduhr und das Zifferblatt mit den astronomischen Symbolen für die zwölf Tierkreiszeichen. Die Hauptstraße des Orts führt unter dem Torbogen des Siegelturms hindurch.

Holzbrücke über den Rhein nach Diessenhofen

Die gedeckte Holzbrücke über den Rhein wurde 1816 eröffnet und ist Lebensader zwischen den Ortschaften Gailingen am Hochrhein und Diessenhofen. Der Oberbau der Brücke wurde in den Jahren 1996 und 1997 renoviert, die Sanierung der Jochpfähle im Jahre 2002 abgeschlossen.

Die Burg Unterhof liegt bei der Anlegestelle der Schiffahrtsgesellschaft URh. Sie wird zumindest bis Ende 2014 als Ausbildungszentrum und Seminarhotel genutzt.[5]

Im Oberen Amtshaus zeigt die permanente Kunstausstellung das Werk des Schweizer Malers und Mosaizisten Carl Roesch. Das Museum zeigt auch die Entwicklung des Ortes vom alemannischen Weiler zum mittelalterlichen Städtchen.

Kloster St. Katharinental[Bearbeiten]

Eine knappe Viertelstunde zu Fuss Richtung Kloster Paradies liegt direkt am Rhein das ehemalige Kloster St. Katharinental. Ein in mehreren Handschriften überliefertes Schwesternbuch des 14. Jahrhunderts berichtet über das begnadete Leben von mehr als 50 Konventsangehörigen.[6] Das Graduale von St. Katharinental (um 1312), das 1958 in einer aufsehenerregenden Aktion zurückgekauft werden konnte, zählt mit seinen Miniaturen zu den bedeutendsten gotischen Kunstwerken der Schweiz.[7] Das Innere der Klosterkirche gilt als eine der schönsten Raumschöpfungen des späten Barock in der Schweiz. Die Klosteranlage dient heute als kantonale Rehabilitationsklinik sowie als Alterspflegeheim.

Diessenhofener Liederblatt[Bearbeiten]

Beim Diessenhofener Liederblatt handelt es sich um die älteste Einzelblattüberlieferung eines mittelalterlichen Liedes. Geschrieben wurde das Liederblatt (zwei Liebeslieder mit Text und Melodie) ca. 1400. Gefunden wurde es bei Renovationsarbeiten im Unterhof im Jahr 1904. Seitdem befindet es sich im Privatbesitz der Familie des Finders und damaligen Besitzer des Unterhofes.[8]

Wirtschaft[Bearbeiten]

SWIFT hat in Diessenhofen Anfang 2013 sein weltweit drittes eigenes Operationszentrum für sein Banken-Telekommunikationsnetz in Betrieb genommen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Armand Baeriswyl/Marina Junges: Der Unterhof in Diessenhofen. Von der Adelsburg zum Ausbildungszentrum. Frauenfeld 1995, ISBN 3-905405-02-4. (= Archäologie im Thurgau 3.)
  • Heinrich Waldvogel: Diessenhofen. Mit Fotografien von Hans Baumgartner. Paul Haupt, Bern 1958. (= Schweizer Heimatbücher, Nr. 84.)
  • Alfons Raimann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band V: Der Bezirk Diessenhofen. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1992 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 85). ISBN 3-909158-73-0. S. 33–228.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diessenhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Diessenhofen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters, mit rechtsgeschichtlichen Erläuterungen. Zweiter Band, Breslau 1852, S. 274. online.
  3. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863. S. 760-771.
  4. Simon Netzle: Diessenhofen im Historischen Lexikon der Schweiz
  5. Axa verkauft den Unterhof. St. Galler Tagblatt, 16. April 2014.
  6. Siehe Wikisource: St. Katharinentaler Schwesternbuch
  7. Siehe Das Graduale von St. Katharinental auf der Website des Faksimile Verlags, abgerufen am 9. Oktober 2011.
  8. Eckart Conrad Lutz und René Pfammatter: Das Diessenhofener Liederblatt. Ein Zeugnis späthöfischer Kultur. Mit Einspielung der Lieder durch das Salzburger Ensemble Dulamans Vröudenton. Schillinger, Freiburg 1993. (= Literatur und Geschichte am Oberrhein. Bd. 3.)