Dietmar Bartsch

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Dietmar Bartsch (2014)

Dietmar Gerhard Bartsch (* 31. März 1958 in Stralsund) ist ein deutscher Politiker (Die Linke).

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Abitur mit Auszeichnung[1] 1976 an der EOS Franzburg leistete Bartsch zunächst von 1976 bis 1978 seinen Grundwehrdienst bei einem Fallschirmjägerbataillon[2] in der Nationalen Volksarmee ab und absolvierte anschließend ab 1978 ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst, welches er 1983 als Diplom-Wirtschaftswissenschaftler beendete. Danach war er im kaufmännischen Bereich bei der Zeitung Junge Welt tätig. Von 1986 bis 1990 war er als Aspirant an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU in Moskau. 1990 erfolgte seine Promotion zum Dr. rer. oec. an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften Moskau mit der Arbeit Verteilungsverhältnisse unter den Bedingungen einer Intensivierung der sozialistischen Wirtschaft («Распределительные отношения в условиях интенсификации социалистической экономики»).[3][4] Im März 1990 kehrte Bartsch als Geschäftsführer zur Jungen Welt zurück.

Von Mai 2004 bis Dezember 2005 war Bartsch Geschäftsführer der Tageszeitung Neues Deutschland.

Dietmar Bartsch ist verheiratet und hat zwei Kinder.[5]

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

1977 wurde Bartsch Mitglied der SED.[6] 1989 gehörte er zu den Mitbegründern der Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen (AGJG) auf dem außerordentlichen Parteitag der SED-PDS. Von 1991 bis 1997 war Bartsch Bundesschatzmeister der PDS und wurde anschließend zum Bundesgeschäftsführer gewählt.

Für die Bundestagswahl 2002 war er Wahlkampfleiter der PDS und zusammen mit Gabi Zimmer, Petra Pau und Roland Claus einer der vier Spitzenkandidaten auf Bundesebene. Als die PDS dann an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und nur mit zwei direkt gewählten Abgeordneten in den Bundestag einzog, forderten seine innerparteilichen Gegner seinen Rücktritt als Bundesgeschäftsführer. Er scheiterte dann auch auf dem Geraer Parteitag im Oktober 2002 mit seiner geplanten Kandidatur als Bundesgeschäftsführer, die er zurückzog, nachdem Gabi Zimmer zuvor als Parteivorsitzende bestätigt wurde. Sein Nachfolger wurde Uwe Hiksch.

Für Aufsehen sorgte direkt im Anschluss die so genannte Wachbuchaffäre, wobei der stellvertretende PDS-Bundesvorsitzende Diether Dehm laut dem Chef eines Sicherheitsunternehmens und einem Eintrag in das Wachbuch eine Anweisung erteilt haben soll, darauf zu achten, dass Bartsch, vorheriger Bundesgeschäftsführer der PDS, keinerlei Unterlagen aus dem Haus schaffe. Dehm bestritt, eine derartige Anweisung erteilt zu haben.[7] Die Affäre trug zum vorzeitigen Rücktritt von Gabi Zimmer im Sommer 2003 bei.

Im Oktober 2005 wurde er vom Parteivorsitzenden Lothar Bisky erneut als Bundesgeschäftsführer vorgeschlagen und im Dezember 2005 vom Bundesparteitag wieder in dieses Amt gewählt. Seit Juni 2007 war er Bundesgeschäftsführer der Partei Die Linke.

Anfang Januar 2010 wurde Dietmar Bartsch von Gregor Gysi unter anderem vorgeworfen, durch gezielte Äußerungen gegenüber dem Spiegel dem Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine geschadet zu haben. Bartsch bestritt dies; er habe sich weder illoyal verhalten noch sich selber als Nachfolger ins Gespräch gebracht.[8] Bartsch kündigte nach folgenden Richtungskämpfen an, vorerst weiterhin Bundesgeschäftsführer zu bleiben, aber auf dem kommenden Parteitag im Mai 2010 nicht wieder als Bundesgeschäftsführer zu kandidieren[9]. Zu seinen Nachfolgern wurden daraufhin Caren Lay und Werner Dreibus gewählt.[10]

Seit dem 21. Januar 2010 ist Bartsch stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag.

Im August 2011 distanzierte er sich von einem Glückwunschschreiben, das Die Linke - unterschrieben von den beiden Parteivorsitzenden Lötzsch und Ernst - dem ehemaligen kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro zu seinem Geburtstag geschickt hatte.

Nachdem einige Mitglieder der Linken eine Schweigeminute für die Mauertoten boykottiert hatten, legte Bartsch Befürwortern des Mauerbaus den Austritt aus der Partei nahe.[11]

Bartsch erklärte Ende 2011 seine Absicht, als Parteivorsitzender zu kandidieren. Nachdem Oskar Lafontaine ebenfalls eine Kandidatur in Erwägung gezogen hatte, Bartsch aber seine Absicht nicht änderte, ließ Lafontaine von seiner Absicht ab.[12] Auf dem Parteitag der Linken im Juni 2012 verlor Bartsch schließlich in einer Kampfkandidatur gegen den baden-württembergischen Gewerkschafter Bernd Riexinger, der Lafontaine nahesteht. Bartsch erhielt 251, Riexinger 297 Stimmen.[13]

Bartsch gehört zum Parteiflügel der sogenannten Reformer und trat im Laufe des Bundestreffens im Juni 2014 dem Forum Demokratischer Sozialismus bei.[14]

Abgeordneter[Bearbeiten]

Bartsch war von 1998 bis 2002 und ist erneut seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist stets über die Landesliste Mecklenburg-Vorpommern in den Bundestag eingezogen.

Im Januar 2012 wurde bekannt, dass Dietmar Bartsch als einer von 27 Bundestagsabgeordneten der Linken unter Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz steht,[15] was von Politikern aller Fraktionen kritisiert wurde.[16] Siehe auch: Beobachtung der Partei Die Linke durch den Verfassungsschutz.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dietmar Bartsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Dietmar Bartsch – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.bundestag.de
  2. „Haben Sie gedient?“, www.focus.de, 20. September 2010, abgerufen am 26. Mai 2013
  3. Website von Dietmar Bartsch: Vita
  4. Eintrag in der Russischen Staatsbibliothek [1]
  5. Website von Dietmar Bartsch: Lebenslauf von Dietmar Bartsch
  6. Website von Dietmar Bartsch: Stationen meiner politischen Biographie
  7. Manfred Behrend über die Geschehnisse und den Geraer Parteitag
  8. „Gysi geht auf Distanz zu Bartsch“, Neues Deutschland 12. Januar 2010
  9. Erklärung durch Dietmar Bartsch am 15. Januar 2010 (PDF; 28 kB)
  10. Parteitag. Ernst und Lötzsch führen Linke an. SPIEGEL ONLINE, 15. Mai 2010. Abgerufen am 15. Mai 2010.
  11. spiegel.de: [2]
  12. FAZ.net: Bartsch hält an seiner Kandidatur für Parteivorsitz fest. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  13. Süddeutsche.de: Parteitag in Göttingen. Linke wählt Kipping und Riexinger an die Spitze. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  14. spiegel.de 2. September 2011: Reformerflügel will Bartsch zum Linken-Chef machen
  15. Geheimdienst: Verfassungsschutz beobachtet 27 Linken-Abgeordnete. In: Spiegel online. 22. Januar 2012, abgerufen am 26. Oktober 2013.
  16. Überwachung von Abgeordneten "unerträglich". In: tagesschau.de. 22. Januar 2012, archiviert vom Original am 16. Januar 2013, abgerufen am 26. Oktober 2013.