Duluth (Minnesota)

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Duluth
Skyline
Skyline
Lage in Minnesota
St. Louis County Minnesota Incorporated and Unincorporated areas Duluth Highlighted.svg
Basisdaten
Gründung: 1679
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Minnesota
County:

St. Louis County

Koordinaten: 46° 47′ N, 92° 6′ W46.786388888889-92.100277777778214Koordinaten: 46° 47′ N, 92° 6′ W
Zeitzone: Central (UTC−6/−5)
Einwohner:
– Metropolregion:
86.265 (Stand: 2010)
279.452 (Stand: 2012)
Bevölkerungsdichte: 489,6 Einwohner je km²
Fläche: 226,2 km² (ca. 87 mi²)
davon 176,2 km² (ca. 68 mi²) Land
Höhe: 214 m
Postleitzahlen: 55801-55812
Vorwahl: +1 218
FIPS:

27-17000

GNIS-ID: 0661145
Webpräsenz: www.duluthmn.gov
Bürgermeister: Don Ness
Duluth canal.jpg
Hafen von Duluth

Duluth [dəˈluːθ] ist eine Stadt (mit dem Status „City“) und der Verwaltungssitz des St. Louis County im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota. Im Jahr 2010 hatte Duluth 86.265 Einwohner[1] und ist damit die viertgrößte Stadt Minnesotas.

Zusammen mit der sich südlich anschließenden Stadt Superior, die bereits in Wisconsin liegt, bildet Duluth die Twin Ports genannte Metropolregion, die über einen gemeinsamen Hafen verfügt. Dieser ist über den Sankt-Lorenz-Seeweg mit dem Atlantik verbunden und erreicht eine besondere wirtschaftliche Bedeutung. Hauptumschlagsgüter sind Rohstoffe aus dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, vor allem Eisenerz, Getreide, Kohle, Öl und Holz. Duluth ist der westlichste Hafen der USA, der mit seetauglichen Schiffen vom Atlantik her erreichbar ist, liegt doch die Stadt immerhin rund 2000 km (1250 mi.) im Landesinnern – von der Einfahrt in den St.-Lorenz-Strom gemessen.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Besiedlung[Bearbeiten]

Die Ureinwohner Amerikas bewohnten die Gegend um Duluth bereits vor tausenden von Jahren. Es wird vermutet, dass die ursprünglichen Einwohner zu den Paleo-Indianern gehörten. Vor etwa 2000 Jahren bewohnten die Woodland-Völker, die für ihre Hügelgräber und Töpferwaren bekannt waren, die Gegend. Sie bauten auch Wildreis an, eine Frucht, die heute noch von Ojibwa-Stämmen in der Gegend gezogen und verkauft wird. Einer der ersten Europäer in diesem Gebiet war der Franzose Pierre-Esprit Radisson, der in den 1650er und 1660er Jahren den Mittleren Westen der heutigen Vereinigten Staaten erforschte.

1679 kam Daniel Greysolon, Sieur du Lhut in die Gegend des heutigen Duluth. Sein Ziel war es, die Konflikte zwischen den ansässigen Indianervölkern der Dakota und Ojibwa beizulegen, um den Pelzhandel in der Region vorantreiben zu können. Durch sein Verhandlungsgeschick konnte er für Frieden zwischen den Völkern sorgen und seine Pelzgeschäfte absichern. 1692 richtete die Hudson’s Bay Company einen kleinen Handelsposten bei Fond du Lac ein.

Erst 1792 wurde der nächste Handelsposten auf der zu Wisconsin gehörenden Seite des St. Louis River von Jean Baptiste Cadotte von der North West Company eröffnet. Allerdings zerstörte ein Feuer den Posten im Jahre 1800, doch der deutsche Auswanderer Johann Jakob Astor errichtete auf der Flussseite Minnesotas einen neuen. Das Geschäft lief jedoch sehr schlecht, da die Indianer am Pelzhandel mit den bekannten englischen und französischen Partnern festhielten. Allerdings konnte Astor den US-Kongress überzeugen, Ausländern den Handel auf amerikanischem Boden zu verbieten, und somit den Handel für seine American Fur Company wieder rentabel machen.

Mit zwei Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und den Ojibwe (Chippewa) wurden die Besitzverhältnisse geklärt. In der Treaty of Washington (1826) und der Treaty of Fond du Lac (1847) wurden den Ojibwa Indianerreservate zugeteilt.

Entwicklung der Stadt[Bearbeiten]

St. Louis County Courthouse in Duluth

Großes Interesse zog die Region auf sich, als in den 1850er Jahren Gerüchte über Kupfervorkommen aufkamen. Zahlreiche Siedler ließen sich in der noch namenlosen Stadt nieder, obwohl noch kein Abkommen mit den indianischen Völkern über das Anrecht an den Bodenschätzen geschlossen worden war. 1856 erhielt die Siedlung den Namen Duluth und wurde Verwaltungssitz des Countys.

Zur selben Zeit ermöglichten neu errichtete Kanäle und Schleusen zwischen den Großen Seen großen Schiffen die Zufahrt nach Duluth. Darüber hinaus wurde auch eine Straße gebaut, die Duluth mit den Twin Cities verband. Zahlreiche kleine Vororte bildeten sich um die Stadt.

Als gegen 1857 die Kupfervorkommen knapp wurden, konzentrierte sich die Region auf die Forstwirtschaft. Eine US-weite Finanzkrise ließ drei Viertel der frühen Einwohner der Stadt abwandern. 1859 reduzierte eine Scharlach-Epidemie die Bevölkerung weiter.

Ende der 1860er Jahre konnte der Unternehmer Jay Cooke die Lake Superior and Mississippi Railroad von der Erweiterung der Bahnstrecke von St. Paul bis nach Duluth überzeugen. Die neugebaute Bahnstrecke eröffnete auch dem Eisenerzabbau nordwestlich von Duluth neue Transportwege. Zu Beginn des Jahres 1869 lag die Bevölkerung bei vierzehn Familien, am Unabhängigkeitstag (4. Juli) waren es bereits 3.500 Menschen.

Im Jahre 1884 kam der Sohn der deutschen Revolutionäre Fritz und Mathilde Anneke, Percy Shelley Anneke, als Buchprüfer und Verkaufsagent der Schlitz-Brauerei nach Duluth und kaufte sich in die ansässige Fitgers-Brauerei ein. Fitgers war bis 1972 eine der bedeutendsten Brauereien des Mittleren Westens, die Prohibition überlebten sie mit alkoholfreien Erfrischungsgetränken und Boxpromotion. In den Dreißiger-Jahren war Fitgers die erste Brauerei, die Dosenbier im Mittleren Westen verkaufte. Seit 1984 ist Fitgers ein Erlebnishotel mit Gastronomie und ein National Historic Monument.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Beladung von Schiffen mit Eisenerz

Im 20. Jahrhundert wuchs die Stadt weiter, sodass auch die Hänge um die Stadt besiedelt wurden. Der Hafen stieg zu einem der wichtigsten Häfen der Vereinigten Staaten auf und überholte in Bezug auf die verladene Bruttoraumzahl den Hafen von New York City. Zu dieser Zeit waren in der Stadt zehn Zeitungen, sechs Banken und ein elfstöckiger Wolkenkratzer vorhanden. 1907 kündigte US Steel an, in der Region ein neues Stahlwerk errichten zu wollen.

Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts war die Stadt eine industrielle Hafenstadt mit einer Zementfabrik, einer Nagelfabrik, Drahtwalzwerken und der Stahlwerk. Im Ersten Weltkrieg wurde an bis zu acht Schiffen gleichzeitig gearbeitet. Um die Docks am St. Louis River siedelten sich zahlreiche Bewohner an. Bis heute ist die Gegend als Riverside bekannt. Weitere industrielle Vorhaben wurden während des Zweiten Weltkrieges verwirklicht.

Am 15. Juni 1920 kam es in Duluth zum Duluth Lynching, bei dem ein Mob drei Schwarze, die auf Zirkustour durch Duluth waren, tötete, weil sie unter Verdacht gestanden hatten, ein einheimisches Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Die Tat erregte landesweit Aufsehen, das angebliche Opfer wurde später unversehrt gefunden.

Das Bevölkerungswachstum schritt während und nach dem Zweiten Weltkrieg voran. Die Einwohnerzahl erreichte 1960 mit 106.884 Einwohnern ihren Höchststand.

Wegen ausländischer Konkurrenz schloss die Stahlfabrik 1971, was einen heftigen Rückschlag für die Stadt bedeutete. Andere Industrien, wie auch die Air Force-Basis, folgten mit weiteren Schließungen. Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die Arbeitslosenquote auf 15 Prozent.

Mit der Schwächung des industriellen Kerns der Stadt verlagerte sich die wirtschaftliche Tätigkeit auf den Tourismus. Die Innenstadt wurde neu gestaltet; alte Warenhäuser am Flussufer wurden in Cafés, Einkaufsläden und Restaurants umgewandelt und bildeten den Canal Park, einen vor allem auf den Tourismus ausgerichteten Bezirk.

Gegenwart[Bearbeiten]

Die Region Duluth-Superior hat die wirtschaftliche Krise größtenteils überwunden und bildet heute das Zentrum des nordöstlichen Minnesota. Es ist ein Haupttransportort für die Verschiffung von Kohle, Eisenerz und landwirtschaftliche Produkte.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am westlichsten Punkt des Oberen Sees auf 46°47′11″ nördlicher Breite und 92°06′01″ westlicher Länge. Nach den Angaben des United States Census Bureau beträgt die Fläche der Stadt 226,2 Quadratkilometer und damit ist Duluth flächenmäßig nach Hibbing die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates. Rund 22,1 Prozent (50,0 km²) davon sind Wasserflächen.

Klima[Bearbeiten]

Duluth unterliegt dem Kontinentalklima. Die kalten und langen Winter sowie kühle Sommer gaben der Stadt den Spitznamen „klimatisierte Stadt“ („the air-conditioned city“). Während der Wintermonate liegen die Temperaturen oft wochenlang unterhalb der Frostgrenze. Durchschnittlich liegt von Dezember bis März eine dauerhafte Schneedecke. Winterstürme werden durch die Lage der Stadt, die zum einen vom See, zum anderen von den Berghängen im Norden und Westen begrenzt wird, begünstigt. Oftmals bringen diese Stürme innerhalb kurzer Zeit 30 cm oder mehr Schnee in die Stadt, während weiter im Binnenland bedeutend weniger Schnee fällt.

Sommer sind mit Tagestemperaturen von durchschnittlich 20 bis 30 Grad durch die Ostwinde des Sees kühl und angenehm. Weiterhin wird Duluth auch durch das Seeklima des Oberen Sees beeinflusst, wodurch die Jahreszeiten erheblich verzögert auftreten.

Duluth, Minnesota
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
31
 
-9
-19
 
 
20
 
-6
-16
 
 
49
 
1
-9
 
 
57
 
9
-2
 
 
77
 
17
4
 
 
97
 
22
9
 
 
92
 
25
13
 
 
101
 
23
12
 
 
98
 
18
7
 
 
63
 
11
2
 
 
46
 
2
-6
 
 
32
 
-6
-15
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: National Weather Service, US Dept of Commerce; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Duluth, Minnesota
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −8,8 −5,7 0,5 9,0 16,6 21,7 25,1 23,3 17,7 11,3 1,8 −6,3 Ø 8,9
Min. Temperatur (°C) −19,0 −16,2 −9,1 −1,7 4,2 9,2 12,8 11,8 6,9 1,7 −5,8 −15,1 Ø −1,6
Niederschlag (mm) 31,0 20,3 48,5 57,2 77,0 97,0 91,7 101,3 97,5 63,2 45,7 31,5 Σ 761,9
Sonnenstunden (h/d) 4,4 5,5 6,7 7,3 8,4 9,2 10,2 8,8 6,5 5,2 3,3 3,3 Ø 6,6
Regentage (d) 6,2 5,2 7,4 7,6 9,1 9,7 8,9 9,1 9,2 7,2 6,7 6,5 Σ 92,8
Luftfeuchtigkeit (%) 72 70 69 64 63 70 71 75 76 71 75 76 Ø 71
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−8,8
−19,0
−5,7
−16,2
0,5
−9,1
9,0
−1,7
16,6
4,2
21,7
9,2
25,1
12,8
23,3
11,8
17,7
6,9
11,3
1,7
1,8
−5,8
−6,3
−15,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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c
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l
a
g
31,0
20,3
48,5
57,2
77,0
97,0
91,7
101,3
97,5
63,2
45,7
31,5
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Demografische Daten[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Census Einwohner ± in %
1860 71
1870 3129 4.000 %
1880 3483 10 %
1890 33.115 900 %
1900 52.969 60 %
1910 78.466 50 %
1920 98.917 30 %
1930 101.453 3 %
1940 101.065 -0,4 %
1950 104.511 3 %
1960 107.312 3 %
1970 100.578 -6 %
1980 92.811 -8 %
1990 85.493 -8 %
2000 86.918 2 %
2010 86.265 -0,8 %
Schätzung 2011 86.277 -0,7 %
1860-2000[2] 2010[1] 2011[3]

Nach der Volkszählung im Jahr 2010 lebten in Duluth 86.265 Menschen in 35.705 Haushalten. Die Bevölkerungsdichte betrug 489,6 Einwohner pro Quadratkilometer. In den 35.705 Haushalten lebten statistisch je 2,23 Personen.

Ethnisch betrachtet setzte sich die Bevölkerung zusammen aus 90,4 Prozent Weißen, 2,3 Prozent Afroamerikanern, 2,5 Prozent amerikanischen Ureinwohnern, 1,5 Prozent Asiaten sowie 0,3 Prozent aus anderen ethnischen Gruppen; 3,0 Prozent stammten von zwei oder mehr Ethnien ab. Unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit waren 1,5 Prozent der Bevölkerung spanischer oder lateinamerikanischer Abstammung.

18,5 Prozent der Bevölkerung waren unter 18 Jahre alt, 67,7 Prozent waren zwischen 18 und 64 und 13,8 Prozent waren 65 Jahre oder älter. 51,0 Prozent der Bevölkerung war weiblich.

Das mittlere jährliche Einkommen eines Haushalts lag bei 41.116 USD. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 24.174 USD. 21,4 Prozent der Einwohner lebten unterhalb der Armutsgrenze.[1]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister von Duluth ist Don Ness (DFL). Er wurde im November 2007 zum 37. Bürgermeister von Duluth gewählt und trat mit Beginn des Jahres 2008 sein Amt an. Sein Vorgänger Herb W. Bergson war nicht erneut zur Wahl angetreten.

Duluth liegt im achten Kongresswahlbezirk von Minnesota. Dieser wird im Repräsentantenhaus durch Jim Oberstar (DFL) vertreten. Oberstar ist seit 1975 Mitglied des Repräsentantenhauses und wurde 2006 mit rund 64 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt.

Bildung[Bearbeiten]

Duluth ist Sitz verschiedener Hochschuleinrichtungen. Dazu gehört auch die University of Minnesota Duluth, mit 10.500 Studenten die zweitgrößte Universität im University of Minnesota System.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Hudelson and Carl Ross: By the Ore Docks: A Working People's History of Duluth. Minneapolis 2006, ISBN 978-0-8166-4637-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c American Fact Finder Abgerufen am 5. Mai 2013
  2. U.S. Decennial Census Abgerufen am TT. MMMM 2013
  3. State & County QuickFacts - Duluth, MN Abgerufen am 5. Mai 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Duluth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien