Ganz weit hinten

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Filmdaten
Deutscher Titel Ganz weit hinten
Originaltitel The Way, Way Back
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 0[1]
JMK 8[2]
Stab
Regie Nat Faxon,
Jim Rash
Drehbuch Nat Faxon,
Jim Rash
Produktion Tom Rice,
Kevin J. Walsh
Musik Rob Simonsen
Kamera John Bailey
Schnitt Tatiana S. Riegel
Besetzung
Synchronisation

Ganz weit hinten (Originaltitel: The Way, Way Back) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2013. Der Coming-of-Age-Film ist das Regiedebüt von Nat Faxon und Jim Rash, die ebenfalls das Drehbuch schrieben. In den Hauptrollen sind Liam James, Steve Carell, Toni Collette, Allison Janney, AnnaSophia Robb und Sam Rockwell zu sehen. Der Film hatte seine Premiere am 21. Januar 2013 beim Sundance Film Festival.

Handlung[Bearbeiten]

Der introvertierte 14-jährige Duncan verbringt seinen Sommer zusammen mit seiner Mutter Pam, ihrem Freund Trent und dessen Tochter Steph in einer kleinen Küstenstadt auf der Halbinsel Cape Cod, wo Trent ein Strandhaus besitzt. Auf der Fahrt dorthin macht Trent herabsetzende Kommentare gegenüber Duncan, der auf einer Art Notsitz „ganz weit hinten“ im Station Wagon von Trent sitzt. Am Haus angekommen werden sie von ihren Nachbarn, der angetrunkenen Betty und ihren Kindern, Susanna und Peter, begrüßt. Später am Abend führen Duncan und Susanna ein unbeholfenes Gespräch von ihren benachbarten Veranden aus.

Am nächsten Morgen findet Duncan in der Garage des Strandhauses ein pinkes Mädchenfahrrad und erkundet mit ihm die Stadt. In einer Pizzeria trifft er auf das Personal des lokalen Wasserparks Water Wizz und führt ein kurzes Gespräch mit dem Manager des Parks, Owen, während dieser Pac-Man spielt. Der sorglose Owen nimmt Duncan unter seine Fittiche und zeigt ihm den Park. Dabei lernt er andere Mitarbeiter des Parks kennen, eine wild zusammengewürfelte Gruppe, bestehend aus Caitlin, Lewis und Roddy. Auf der Rundführung wird Owen von mehreren Kindern nach einem legendären Überholmanöver in der Röhrenrutsche ausgefragt, sie erhalten aber keine richtige Antwort darauf. Am Ende des Tages als der Park schließt, wird Duncan von Owen für Gelegenheitsarbeiten im Water Wizz engagiert.

Außerhalb des Parks wird Duncan von seiner Mutter vernachlässigt, die sich dem Trinken hingibt, die ganze Nacht wegbleibt und zusammen mit anderen Urlaubern Marihuana raucht. Beim Fest zum Unabhängigkeitstag beobachtet Duncan wie Trent und Joan einander an der Seite des Strandhauses küssen, erzählt es aber niemandem. Susanna merkt, dass Duncan sauer ist und lädt ihn dazu ein, mit ihr und Peter Geisterkrabben jagen zu gehen. Sie erzählt dabei von ihrem abwesenden Vater und hilft Duncan dabei, sich zu öffnen.

Pam beginnt an eine Affäre zwischen Trent und Joan zu glauben, wird aber von Trent überzeugt, dass zwischen ihnen beiden nichts läuft. Später konfrontiert Duncan Pam vor Freunden und Nachbarn und erzählt, dass er von Trents Affäre weiß. Trent hingegen offenbart, dass Duncan den Sommer mit seiner Mutter verbringen muss, da ihn sein Vater nicht haben möchte, woraufhin er wegrennt. Susanna folgt ihm und versucht ihn am Strand aufzuheitern. Duncan versucht sie zu küssen, aber sie weicht ihm aus, was ihn nur noch mehr betrübt. Begleitet von Peter schleicht sich Duncan zu Water Wizz, wo Owen für Lewis eine Abschiedsparty gibt.

Duncan verbringt die ganze Nacht mit seinen Freunden im Water Wizz und weigert sich am nächsten Morgen zu gehen. Owen fragt ihn, warum er den Park nicht verlassen möchte. Duncan öffnet sich Owen und erzählt ihm von seiner Beziehung zu Trent und warum der Wasserpark der einzige Ort ist, wo er glücklich sein kann. Owen kann Duncans Probleme nachempfinden, da er auch mit einem emotional gewalttätigen Vater aufwuchs, was zu seiner Verachtung für Regeln geführt hat.

Als Duncan zum Strandhaus zurückkehrt, erzählt ihm seine Mutter, dass sie zusammen mit Trent zurückfahren. Betty und ihre Kinder verabschieden sich und Susanna küsst Duncan zum Abschied und sagt, dass sie nur zu überrascht gewesen sei, als er sie zuvor versuchte zu küssen. Auf ihrem Weg aus der Stadt fährt Trent eine Tankstelle an, wo Duncan aufspringt und zum Wasserpark rennt, gefolgt von Pam, Trent und Steph. Im Park erzählt er Owen und den anderen Mitarbeitern, dass er zurückfahren muss und bittet Owen ihm zu folgen. Die beiden gehen zur Röhrenrutsche, bei der Duncan es schafft, als erste Person in der Röhre eine andere Person zu überholen. Nachdem er Owen schließlich seiner Mutter vorgestellt hat, verabschiedet er sich von den Mitarbeitern des Parks. Anschließend finden sich Duncan, Pam, Trent und Steph wieder im Auto auf der Rückreise. Während der Fahrt klettert Pam auf den Rücksitz des Autos zu Duncan und sie lächeln sich gegenseitig an, während man im Hintergrund Trents Protest hört.

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Marius Clarén durch die Synchronfirma Arena Synchron in Berlin.[3]

Rollenname Schauspieler/in Synchronsprecher/in[3]
Duncan Liam James Finlay Kühn
Trent Steve Carell Uwe Büschken
Pam Toni Collette Christin Marquitan
Betty Allison Janney Karin Buchholz
Susanna AnnaSophia Robb Marie Christin Morgenstern
Owen Sam Rockwell Dietmar Wunder
Caitlin Maya Rudolph Maja Maneiro
Kip Rob Corddry Olaf Reichmann
Joan Amanda Peet Bianca Krahl
Lewis Jim Rash Christian Weygand
Roddy Nat Faxon Norman Matt
Kyle Robert Capron Paul-Lino Krenz
Peter River Alexander Nicolas Rathod
Steph Zoe Levin Luisa Wietzorek

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Idee zum Film entstand nach Erinnerungen von Nat Faxon und Jim Rash an ihre Jugendzeit an der Ostküste der USA.[4] Das Drehbuchdebüt der beiden erhielt 2005 grünes Licht von der Produktionsfirma Fox Searchlight Pictures.[4] Zwei Jahre später las Shawn Levy das Drehbuch und wurde als Regisseur engagiert.[5] Da er jedoch nur ein kurzes Zeitfenster bis zur Produktion von Nachts im Museum 2 hatte und die Besetzung nicht schnell genug gefunden wurde, wurde das Projekt eingestellt.[4] An die Stelle von Fox trat Mandate Pictures, wo sich der Film zwei weitere Jahre in Produktion befand.[4] In dieser Zeit fand sich eine Besetzung, mit der Faxon und Rash jedoch nicht zufrieden waren.[4] Mit dem Drehbuch traten sie auch an die Produktionsfirma „Ad Hominem“ heran, die die beiden aufgrund der ähnlichen Stimmung des Filmes mit der Adaption von The Descendants beauftragten.[4] Mit dem Aufsehen, das die beiden durch das Drehbuch von The Descendants erregten (unter anderem gewannen sie den Oscar in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch), wagten sie Anfang 2012 den Film unabhängig zu produzieren und die Regie selbst zu übernehmen.[4]

Das Casting dauerte von April bis Juni 2012, ehe die Dreharbeiten im Juli 2012 in Green Harbor, im Süden von Boston, innerhalb von 25 Tagen stattfanden.[6][7] Als Drehort war zunächst North Carolina geplant, für Steve Carell wurde dieser jedoch in den Süden von Boston verlegt, wo Carell mit seiner Familie lebt. Bei den Dreharbeiten wurde in einem Wasserpark während des laufenden Betriebs gedreht, da das Budget nicht erlaubte, diesen zu schließen.[8]

In den Vereinigten Staaten hatte der Film am 21. Januar 2013 beim Sundance Film Festival Premiere.[9] Einen Tag später kaufte Fox Searchlight Pictures die US-Rechte am Film für 9,75 Millionen US-Dollar.[10]

Zwischen April und Juni 2013 wurde der Film auf einem Dutzend Filmfestivals in den Vereinigten Staaten gezeigt, in Nashville und Newport Beach gewann er im Laufe dessen den Publikumspreis.[8] Auf dem Los Angeles Film Festival schloss der Film.[11] Am 5. Juli 2013 lief der Film in den USA limitiert in 19 Kinos überaus erfolgreich an, am Startwochenende nahm der Film mehr als eine halbe Million US-Dollar ein.[12] Bis zum landesweiten Start in 886 Kinos am 26. Juli 2013 nahm der Film 5,4 Millionen US-Dollar ein.[13] Der Film hielt sich 20 Wochen im Kino. Bei einem Filmbudget von unter 5 Millionen US-Dollar[8] belaufen sich die Gesamteinnahmen auf 23,2 Millionen Dollar, wobei davon über 21,5 Millionen aus den USA kommen.[14] Im deutschsprachigen Raum hatte der Film am 28. September 2013 auf dem Zurich Film Festival Premiere. Auf dem Filmfest Hamburg war der Film am 2. Oktober 2013 zu sehen und wurde dabei für den Art Cinema Award nominiert.[15] In Deutschland war Ganz weit hinten weniger erfolgreich. Der Film erschien am 5. Dezember 2013 für eine Woche in 54 deutschen Kinos und nahm 150.000 US-Dollar ein.[16]

Die Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray erfolgte in den USA am 22. Oktober 2013. In Deutschland folgte diese am 4. April 2014.

Rezeption[Bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten]

Der Film erhielt überwiegend positive Kritiken. Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 67/100 basierend auf 41 Rezensionen, bei Rotten Tomatoes waren 85 Prozent der 167 Rezensionen positiv. Zusammenfassend schreibt man dort, der Film nutze „trotz seiner vertrauten Themen […] seine talentierte Besetzung, ein fein abgestimmtes Drehbuch und viel Charme, um eine lustige und überzeugende Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen“.[17] Chris Nashawaty von Entertainment Weekly fand den Coming-of-Age-Film charmant und teils überaus lustig. Peter Debruge, Kritiker des Variety, meint, dass man sich mehr auf die Besetzung, als auf die Handlung verlassen habe. Beide Kritiker bemerken, dass einem vieles durch ähnliche Filme, etwa Adventureland, bekannt vorkomme.[18][19] In mehreren Kritiken wurde das Schauspiel der Nebendarsteller positiv erwähnt, besondere Beachtung erhielten hierbei Allison Janney und Sam Rockwell.[20][21]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“ und beschreibt den Film als eine „leichtfüßig erzählte Geschichte rund um das Erwachsenwerden und das Erwachsensein – charmant, herrlich komisch und ergreifend“.[22] Auch die dpa sieht in Ganz weit hinten einen einfühlsamen Film, der ein großes Identifikationspotential bietet. Der Wandel Duncans werde im Film „angenehm unaufgeregt“ in Szene gesetzt, während die Geschichte eine „schöne Mischung aus Drama und Komödie“ sei, die nie albern überdreht, sondern überaus realistisch wirke.[23] Susan Vahabzadeh lobt in der Süddeutschen Zeitung das Gespür für emotionale Szenen und den „stillen Humor“ des Filmes. Neben der Teenagergeschichte erzähle der Film, der teilweise in einem unrenovierten Wasserpark spielt, „darüber, was dabei herauskommt, wenn man auf Modernisierungswahn und Profitmaximierung verzichtet.“ Der Film passe in keine Schublade, sei „komisch und melancholisch und dann doch wieder hoffnungsvoll – genau so soll es sein.“[24] Daniel Sander vergleicht den Film im Spiegel mit The Descendants, auch Ganz weit hinten habe die sommerliche Melancholie und den vorsichtigen Witz; der junge Duncan müsse jedoch mit weniger Charisma als George Clooney auskommen, denn er tue im „ganzen Film eigentlich nichts, außer sich selbst leidzutun und missmutig bis traurig in die Ferne zu schauen.“ Der Rest des Ensembles sei hingegen überzeugend. Abschließend meint Sander, Ganz weit hinten sei „ein leiser, erwachsener Film über das Erwachsenwerden, manchmal banal, oft weise und immer unaufgeregt witzig.“[25]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten]

Der Film wurde von Kritikerverbänden für mehrere Auszeichnungen nominiert, so von der San Diego Film Critics Society und der Washington D.C. Area Film Critics Association. Auf dem Newport Beach Film Festival gewann er den Publikumspreis als bester Spielfilm.[26] Bei den Critics’ Choice Movie Awards der Broadcast Film Critics Association wurde der Film in drei Kategorien (Beste Komödie, Beste/r Jungdarsteller/in für Liam James und Bester Schauspieler in einer Komödie für Sam Rockwell) nominiert.[27]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung. In: fsk.de. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. 15. Oktober 2013. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. a b Ganz weit hinten in der Deutschen Synchronkartei, abgerufen am 22. November 2013.
  4. a b c d e f g Jim Rash & Nat Faxon: Writer-directors detail how 'The Way Way Back' was a long, long road. In: LosAngelesTimes.com. 21. November 2013. Abgerufen am 24. November 2013.
  5. Pamela McClintock & Peter Gilstrap: Levy to direct ‘Way Back’. In: Variety.com. 30. April 2007. Abgerufen am 24. November 2013.
  6. Patrick Ronan: Local favorite Steve Carell to film movie in Marshfield next month. In: PatriotLedger.com. 7. Juni 2012. Abgerufen am 24. November 2013.
  7. Todd Longwell: Sets Provide on-the-Job Training for Actors-Turned-Directors. In: variety.com. Variety. 14. August 2013. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  8. a b c Specialty Box Office: ‘The Way, Way Back,’ Others Counter Fourth Of July Tentpoles. In: deadline.com. Deadline. 3. Juli 2013. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  9. Sundance Film Festival: The Way, Way Back. In: Sundance.org. Abgerufen am 24. November 2013.
  10. Daniel Miller, Tatiana Siegel: Sundance 2013: Fox Searchlight Buys 'The Way, Way Back' for $9.75 Million. In: hollywoodreporter.com. The Hollywood Reporter. 22. Januar 2013. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  11. Closing Night: The Way, Way Back. In: LAFilmfest.com. Abgerufen am 24. November 2013.
  12. Peter Knegt: Specialty Box Office: 'Way, Way Back' Scores Strong Debut; 'Midnight' Tops 'Sunrise' and 'Sunset'. In: indiewire.com. IndieWire. 8. Juli 2013. Abgerufen am 24. November 2013.
  13. Ray Subers: Forecast: 'Wolverine' To Go Berserk On Box Office This Weekend. In: BoxOfficeMojo.com. 25. Juli 2013. Abgerufen am 24. November 2013.
  14. The Way, Way Back. In: BoxOfficeMojo.com. Abgerufen am 18. März 2014.
  15. Ganz weit hinten – Awards. In: IMDb.com. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  16. The Way, Way Back – International Box Office Result. In: BoxOfficeMojo.com. Abgerufen am 18. März 2014.
  17. The Way Way Back Movie Reviews. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 6. Dezember 2013.
  18. Chris Nashawaty: The Way, Way Back. In: EW.com. 26. Juli 2013. Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  19. Peter Debruge: Review: ‘The Way, Way Back’. In: Variety.com. 21. Januar 2013. Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  20. Catherine Shoard: The Way, Way Back – review. In: TheGuardian.com. 1. September 2013. Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  21. David Gritten: The Way, Way Back, review. In: Telegraph.uk. 29. August 2013. Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  22. Ganz weit hinten. In: FBW.com. Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  23. „Ganz weit hinten“: Einfühlsamer Coming-of-Age-Streifen. In: focus.de. Focus. 30. November 2013. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  24. Bisschen schäbig, aber schön. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung. 6. Dezember 2013. Abgerufen am 7. Dezember 2013.
  25. Coming-of-Age-Komödie "Ganz weit hinten": Schweres, leichtes Leben. In: spiegel.de. Spiegel Online. 5. Dezember 2013. Abgerufen am 6. Dezember 2013.
  26. Ganz weit hinten – Awards. In: IMDb.com. Abgerufen am 25. Dezember 2013.
  27. Pete Hammond: ‘American Hustle’, ‘12 Years A Slave’ Lead BFCA’s Critics Choice Movie Awards Nominations. In: Deadline.com. 16. Dezember 2013. Abgerufen am 25. Dezember 2013.