HS 30

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schützenpanzer, lang HS 30
[Schützenpanzer, lang HS 30 im Panzermuseum Thun]

Schützenpanzer, lang HS 30

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 3 Mann + weiteres Personal je nach Version
Länge 5,56 m
Breite 2,54 m
Höhe 1,85 m
Masse 14,37 t
Panzerung und Bewaffnung
Hauptbewaffnung 20-mm-Maschinenkanone HS 820 L/85
Sekundärbewaffnung keine
Beweglichkeit
Antrieb 8-Zylinder-Ottomotor Rolls-Royce B81 Mk. 80 F
164 kW (198 PS)
Federung Spiralfedern mit Gummifederteller[1]
Höchstgeschwindigkeit 58 km/h
Leistung/Gewicht 15,3 PS/t
Reichweite ca. 270 km

HS 30 ist die Bezeichnung für einen deutschen Panzer, der bei der Bundeswehr eingesetzt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

In Auswertung von Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg wurde für die neu aufgestellte Bundeswehr beschlossen, die Mehrzahl der Panzergrenadierbataillone mit vollmechanisierten Kampffahrzeugen auszurüsten. Hierzu sollte ein Schützenpanzer eingeführt werden, der den Kampf vom Fahrzeug ermöglichte und zudem mit seiner 20-mm-Kanone über eine gewisse Feuerkraft verfügte.

Nach Erstellen eines entsprechenden Lastenheftes ging der Auftrag zur Entwicklung des Fahrzeugs an die Rüstungsfirma Hispano Suiza, die zwar eine lange Tradition in der Herstellung von Maschinenkanonen hatte, aber keinerlei Erfahrung mit Panzerfahrzeugen besaß.

Der HS-30-Entwurf hatte folgende Merkmale:

  • Niedriger Aufzug mit allseits abgeschrägten Wänden.
  • Laufwerk mit Lauf- und Stützrollen.
  • Triebwerksblock im Heck des Fahrzeugs, dadurch musste die Besatzung im hinteren Kampfraum im Gefecht über die Seitenwände absitzen.
  • Im Bug links war der Fahrerplatz, rechts daneben befand sich der gleiche Drehturm wie im Schützenpanzer Kurz mit einer Hispano-Suiza-20-mm-Kanone L/85.

Mängel und Ablösung durch den Marder[Bearbeiten]

Da der Panzer übereilt in den Serienbau gegeben wurde, stellten sich im Truppenbetrieb zahlreiche Mängel ein, die ständige Reparaturarbeiten nach sich zogen. Besondere Schwachstellen waren der unzuverlässige Leyland-Benzinmotor, der den Panzer auf eine Höchstgeschwindigkeit von 58 km/h brachte, das Schalt- und Lenkgetriebe sowie vor allem die Laufwerksfederung und -dämpfung. Da das Fahrzeug insgesamt den Anforderungen an einen echten Schützenpanzer nicht gerecht wurde – zum Beispiel Kampf vom Fahrzeug unter Panzerschutz – und auch sehr wenig Platz bot, wurde es nach gut zehnjähriger Truppenverwendung ab 1971 durch den Schützenpanzer Marder abgelöst. Die letzten Exemplare schieden Anfang der 1980er-Jahre aus dem Truppendienst aus.

Ende der 1960er-Jahre wurden Schmiergeldzahlungen an mehrere Personen im Zusammenhang mit der Beschaffung des HS 30 bekannt. Mit dem HS-30-Skandal, dem bis dahin größten deutschen Rüstungsskandal, beschäftigte sich in den Jahren 1967 bis 1969 ein Untersuchungsausschuss des Bundestages.

HS 30 mit 120-mm-Mörser

Neben der Grundversion HS 30 Typ 12-3 gab es eine Version mit einem rückstoßfreien 106-mm-Leichtgeschütz, das auf dem Deck des Schützenpanzers aufgebaut war, sowie folgende Varianten:

  • Typ 21-3 als Führungs- und Funkfahrzeug für Bataillons- und Brigadestäbe
  • Typ 51-3 mit 81-mm-Mörser, später umgebaut in
  • Typ 52-3 mit 120-mm-Mörser
  • Typ 3-3 Raketenjagdpanzer 1 (RakJPz 1) mit der drahtgelenkten Panzerabwehrlenkrakete SS 11
  • Typ 81-3 Feuerleitpanzer für die Artillerie und Panzermörserzüge bzw. -kompanien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter H. Kollmer: Rüstungsgüterbeschaffung in der Aufbauphase der Bundeswehr. Der Schützenpanzer HS 30 als Fallbeispiel (1953–1961), Steiner, Stuttgart 2002 (= Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 93), ISBN 3-515-08077-5
  • Blume, Peter: Schützenpanzer kurz, Hotchkiss – lang, HS 30., Tankograd Publishing, Erlangen, 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans-Peter Lohmann: Schützenpanzer Marder Die technische Dokumentation des Waffensystems. 1 Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03295-8, S. 21.