MGM-52 Lance

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MGM-52 Lance

Start einer Lance von einem M667
Start einer Lance von einem M667

Allgemeine Angaben
Typ: ballistische Kurzstreckenrakete
Heimische Bezeichnung: MGM-52 Lance
Herkunftsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Lockheed Martin (LTV)
Entwicklung: 1960er-Jahre
Indienststellung: 1973
Technische Daten
Länge: 6,17–6,41 m (je nach Version)
Durchmesser: 560 mm
Gefechtsgewicht: 1250–1527 kg (je nach Version)
Antrieb: Flüssigtreibstoff
Geschwindigkeit: Mach 3,0
Reichweite: 130 km
Ausstattung
Lenkung: Trägheitsnavigationsplattform
Gefechtskopf: W70 Nukleargefechtskopf mit 1–100 kt
Waffenplattformen: Fahrzeug
Listen zum Thema
Lance-Rakete im White Sands Missile Range Museum

Die Lance ist eine ballistische militärische Kurzstreckenrakete aus US-amerikanischer Produktion. Der Systemindex der US-Streitkräfte lautet MGM-52.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die MGM-52 Lance wurde als Nachfolgemodell der Honest John konzipiert. In den späten 1950er-Jahren begann man bei Lockheed Martin (LTV) mit der Systementwicklung. Die MGM-52 Lance wurde im Frühjahr 1973 bei den US-Streitkräften eingeführt. In den darauffolgenden Jahren wurden rund 2100 Raketen hergestellt.

Technik[Bearbeiten]

Die Lance wird mit dem M667 Kettenfahrzeug transportiert und ab diesem gestartet. Angetrieben wird die Rakete von einem Flüssigtreibstoff-Raketentriebwerk. Als Treibstoff wird 499 kg RFNA und 170 kg UDMH verwendet. Zusätzlich besitzt die Rakete Rotationstriebwerke. Diese liegen in der mittleren Rumpfsektion. Die Abgase der Rotationstriebwerke treten aus vier Düsen aus, die senkrecht zu Längsachse und tangential zum Umfang der Rakete angeordnet sind. Dadurch wird die Rakete in eine Umdrehung um ihre Längsachse versetzt, was den Flug stabilisiert. Die Steuerung erfolgt mittels einer Trägheitsnavigationsplattform. Mit diesem System wird eine Treffergenauigkeit (CEP) von 150 bis 460 Meter erreicht (je nach Schussdistanz). Um die maximale Schussdistanz von 130 km zurückzulegen benötigt die Rakete 200 Sekunden. Das Apogäum liegt hierbei bei 40.000 m.

Varianten[Bearbeiten]

  • MGM-52A Lance: 1. Serienversion mit einem W70 Nukleargefechtskopf mit einer wählbaren Sprengleistung von 1-100 kt Reichweite 130 km.
  • MGM-52B Lance: 2. Serienversion mit einem verbessertem Raketenantrieb.
  • MGM-52C Lance: mit einem Gefechtskopf mit 825 Stk. BLU-63B Bomblets.
  • MGM-52C Lance: mit dem M251 Gefechtskopf mit 836 Stk. M40 Bomblets. Reichweite 80 km.
  • MGM-52C Lance: mit einem Gefechtskopf mit 822 Stk. M74 Bomblets. Reichweite 90 km.
  • MGM-52C Lance: mit einem Gefechtskopf mit 300 Stk. M74 Bomblets.
  • MGM-52C Lance: mit dem M118 Splittergefechtskopf mit 463 kg. Reichweite 60 km.
  • MGM-52C Lance: mit einem Splittergefechtskopf mit 227 kg. Reichweite 95 km.
  • MGM-52C Lance: mit E27 Gefechtskopf mit 1137 Stk. E139 Sarin-Bomblets.
  • MGM-52D Lance: mit einem W70-3 Nukleargefechtskopf mit erhöhter Neutronenstrahlung mit einer wählbaren Sprengleistung von 1–10 kt. Reichweite 130 km.

Lance in Deutschland[Bearbeiten]

Neben den USA beschafften verschiedene NATO-Staaten das System, darunter Mitte der 1970er auch die Bundesrepublik Deutschland. Vier Raketenartilleriebataillonen (RakArtBtl) der Korpsartillerie der Bundeswehr erhielten Lance als Nachfolger der Sergeant. Diese Bataillone waren zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg folgendermaßen verteilt:

Bei der Bundeswehr kam zum Einsatz der Lade- und Transportpanzer M668 (Kettenfahrzeug), das Starterfahrzeug M752 bzw. das abnehmbare Startgestell M 782. Die Kettenfahrzeuge basierten auf den amerikanischen Typ M667, weiterentwickelt aus dem Transportpanzer M113.

Die Verfügungsgewalt über die in speziell befestigten sogenannten Sondermunitionslagern (Special Ammunition Sites) deponierten Nuklearsprengköpfe lag innerhalb der NATO bei den USA, und wurde bei den einzelnen Einheiten durch ein US Army Field Artillery Detachment wahrgenommen. Die Bewachung erfolgte in Kooperation der US-amerikanischen Detachments und Bewachungseinheiten (Begleitbatterien) der Bundeswehr. Das Waffensystem musste aufgrund des INF-Vertrages von 1987 außer Dienst gestellt werden. Die deutschen Lance-Einheiten wurden bis 1993 aufgelöst.

Verbreitung[Bearbeiten]

Innerhalb der USA und einigen Ländern der NATO wurden die letzten Lance-Systeme Anfangs der 1990er-Jahre durch das ATACMS-System abgelöst. In Südkorea und Taiwan befindet sich die Lance in einer modifizierten Ausführung immer noch im Einsatz.

Quellen[Bearbeiten]

  • JANE'S STRATEGIC WEAPON SYSTEMS Edition 1998 Jane's Verlag

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: MGM-52 Lance – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien