Puma (Schützenpanzer)

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Puma
SPz Puma Mobilitätsversuchfahrzeug VS2.jpg

Mobilitätsversuchfahrzeug-VS2 mit Gewichtssimulatoren in der WTD 41. Der Schützenpanzer besitzt seit 2008 sechs Laufrollen

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 3 (Fahrer, Kommandant, Richtschütze) + 6 (Schützentrupp)
Länge 7,60 m
Breite 3,43 m Schutzstufe A
3,90 m Schutzstufe C
Höhe ca. 3,60 m
Masse Schutzstufe A = 31,45 Tonnen
Schutzstufe C = 41 Tonnen
maximal 43 Tonnen
Bewaffnung
Hauptbewaffnung 1 × 30-mm-MK 30-2/ABM
Sekundärbewaffnung 1 × 5,56-mm-MG4
Sprengkörperwurfanlage 76 mm
Schutzsysteme
Panzerung modular, Verbundpanzerung (AMAP)
Abstandsaktive Systeme MUSS
Minenschutzstärke STANAG 4569 Level IVa, 10-kg-Panzerabwehrmine und EFP-Mine unter Kette
Beweglichkeit
Antrieb V10 892 High Power Density von MTU Friedrichshafen
920 kW (1250 PS)
Federung hydropneumatisch
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h (Straße)
Leistung/Gewicht 25 kW/Tonne (Schutzstufe A)
19,5 kW/Tonne (Schutzstufe C)
Reichweite 600 km (Straße)

Der Puma ist ein Schützenpanzer, der von den deutschen Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall-Landsysteme (RLS) entwickelt und produziert wird. Die Ausführung erfolgt durch die Projekt System & Management GmbH (PSM), ein Gemeinschaftsunternehmen von KMW und RLS. Der Puma soll für das Deutsche Heer in einer Stückzahl von 350 Fahrzeugen beschafft werden und den Schützenpanzer Marder ersetzen. Die ursprüngliche Planung lag bei 405 Einheiten für die Truppe plus 5 Vorserienfahrzeugen.[1][2][3] Die ersten Pumas wurden am 6. Dezember 2010 geliefert.[4] Die Auslieferung der Serienmodelle soll im Sommer 2014 beginnen. (Stand: März 2014).[5]

Entwicklung[Bearbeiten]

Projektierung und Realisierung[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Puma reichen bis in das Jahr 1996 zurück. Er basiert auf dem Projekt Neue Gepanzerte Plattform (NGP), das eine Universalplattform für verschiedene Waffensysteme vorsah. Da hierbei der Schützenpanzer über den gleichen Panzerschutz wie der Kampfpanzer verfügen sollte, zeigten erste Konzeptstudien für den NGP-SPz ein Gefechtsgewicht von 55–72 Tonnen auf. Durch die angespannte Haushaltslage war bereits 1998 absehbar, dass eine parallele Entwicklung von drei Systemen (KPz, SPz, FlaPz) nicht realisierbar wäre. So wurde am 26. Februar 1998 die Weiterentwicklung des Schützenpanzers beschlossen und das taktische Konzept Neuer Schützenpanzer (NeSPz) genehmigt, welcher zeitweise unter den Projektnamen Panther und Igel geführt wurde.[6][7]

Die Lage änderte sich vollkommen, als nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 Streitkräfte mit Fähigkeit zur Luftverlegbarkeit bevorzugt wurden. Durch die Forderung nach Lufttransportierbarkeit des neuen Schützenpanzers im Airbus A400M wurde das Lufttransportgewicht auf 32 Tonnen festgesetzt. Trotzdem wurde an den Planungen für einen neuen Schützenpanzer festgehalten. Nachdem die Beschaffung eines kampfwertgesteigerten Combat Vehicle 90 verworfen wurde, konnte schließlich nach mehreren Krisensitzungen im Herbst 2002 der Entwicklungsvertrag mit der Firma PSM (ursprünglich PANTHER System & Management GmbH, später Projekt System & Management GmbH) für einen in Deutschland entwickelten Schützenpanzer abgeschlossen werden. Der Vertrag umfasste die Lieferung eines Gesamtsystemdemonstrators (GSD) im Dezember 2005. Neben dem GSD sind im Vertrag drei Teilsystemdemonstratoren (TSD) für Waffen/Munition sowie Mobilität und Schutz enthalten. Sie dienen als Nachweis der Erfüllbarkeit des Projektes gegenüber dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB).

Im Dezember 2004 unterschrieb das BWB einen Vertrag zur Lieferung von fünf vorgezogenen Vorserienfahrzeugen mit einer Option für 405 weitere Schützenpanzer. Die Vorserienfahrzeuge wurden planmäßig im Jahr 2006 geliefert. Sie werden genutzt, um an den Wehrtechnischen Dienststellen des BWB die Tauglichkeit des Systems nachzuweisen sowie Schwachstellen aufzudecken.

Die Option sollte am 8. November 2007 bestätigt werden, verschob sich jedoch aufgrund technischer Probleme in das Jahr 2009. So wurden im 6. Sachstandsbericht zum Vorhaben Schützenpanzer (SPz) PUMA des Bundesministerium der Verteidigung vom 6. Mai 2009 Probleme mit dem Antriebsstrang und dem Laufwerk gemeldet. Trotz erheblicher Bedenken des Bundesrechnungshofes genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Bestellung der Schützenpanzer und der Vertrag wurde Anfang Juli 2009 unterschrieben.[8] Insgesamt wurden 405 Stück zu einem Gesamtpreis von 3,1 Milliarden Euro bestellt.[9] Am 11. Juli 2012 wurde ein Änderungsvertrag zwischen Herstellern und dem BMVg geschlossen, der eine Reduzierung der Stückzahl auf 350 vorsieht.[3]

Aufgrund der technischen Probleme werden jedoch bis 2012 zunächst nur zehn Puma ausgeliefert, an denen die Einsatzfähigkeit getestet und gegebenenfalls verbessert werden soll. Am 6. Dezember 2010 wurden die ersten beiden Serienfahrzeuge des Puma an das zuständige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zur Nachweisführung übergeben.[4] Der Abschluss der Auslieferung ist weiterhin für das Jahr 2020 geplant.[10] Nachdem einige Mängel abgestellt worden sind, wird der Panzer erneuert getestet. Diesmal soll die Fernmeldeanlage in der WTD 41 in Trier und WTD 81 Greding überprüft werden. In Munster soll dann die abschließende Prüfung statt finden.[11]

Puma als Plattform[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum NGP-Projekt ist der Puma nicht dafür konzipiert, eine modular aufgebaute Fahrzeugfamilie zu schaffen. Aufgrund des Frontmotors und eines Innenraumvolumens von 10 m³ können auf Basis des Puma aber auch andere Gefechtsfahrzeuge verwirklicht werden. So ist nach dem neuen Beschaffungsplan der Bundeswehr eine weitere Nutzung als Berge-, Transport- oder Flugabwehrpanzer möglich.

Ein von SAIC geführtes Konsortium hatte im US-amerikanischen Rüstungsprogramm GCV IFV ein auf dem Puma basierendes Fahrzeug angeboten. Das GCV-Gefechtsfahrzeug war für eine Besatzung von insgesamt zwölf Soldaten ausgelegt und sollte wie der NGP-SPz über ein Gesamtgewicht von rund 50 Tonnen verfügen, mit einem Aufwuchspotential auf mehr als 60 Tonnen. Als Bewaffnung war ein unbemannter Turm mit einer 40-mm-Maschinenkanone vom Typ MK44 mit „Super 40“-Patronen und ein 7,62-mm-Koaxial-MG vorgesehen.[12]Der Fertigungsstandort sollten die Vereinigten Staaten sein.[13]Nach der Ablehnung des Konzeptes reichte SAIC beim Government Accountability Office Klage ein, welche aber als unberechtigt abgewiesen wurde.

Das Getriebe und die Gleisketten des Puma sollen auch im britischen Future Rapid Effect System verwendet werden.

Beteiligte Unternehmen[Bearbeiten]

Neben Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall Landsysteme als Hauptauftragnehmer arbeiten eine Reihe weiterer Unternehmen an dem Projekt. Hierzu gehören unter anderem Autoflug (Sitze, Kraftstoffanlage), Diehl Remscheid (Gleisketten, Triebkränze), Dräger Safety (ABC-Schutzanlage), ESW (Generator, Bordnetzversorgung, elektrische Lüfter, Waffenrichtanlage), Heckler und Koch, Kidde Deugra Löschsysteme, MTU Friedrichshafen (Triebwerk), Oerlikon Contraves, Renk (Getriebe), Rexxon (Klimaanlage), Schleifring und Apparatebau und Cassidian Optronics (ehemals Carl Zeiss Optronics) (Optiken).

Überblick[Bearbeiten]

Kampfraum des Mobilitätsversuchfahrzeug VS2

Der Puma ist ein Schützenpanzer mit einem fernbedienbaren und besatzungslosen Turm, der in seiner Grundausstattung mit dem zukünftigen taktischen Lufttransportfahrzeug der Bundeswehr, dem Airbus A400M, luftverladbar ist. Die Besatzung besteht aus neun Personen, die in einem durchgängigen Kampfraum untergebracht sind. Sie unterteilt sich in einen aus sechs Soldaten bestehenden Schützentrupp, und eine aus Gruppenführer (GrpFhr), Truppführer-Waffensystem (TrpFhrWaSys) und Fahrer (MKF) bestehende feste Fahrzeugbesatzung. Der Schützentrupp besteht aus dem Truppführer und fünf Schützen. In Ausnahmefällen erhöht sich die Absitzstärke mit dem Gruppenführer auf sieben. Das Fahrzeug wird dann vom Truppführer-Waffensystem (Richtschütze) geführt.

Die Anordnung der Besatzung im Fahrzeug sind ein vorne links sitzender Fahrer und hinter diesem der Richtschütze. Dieser bedient die Waffenanlage und sitzt vor dem Drehträger des Turmes. Schleifringe übertragen die Steuersignale. Der Gruppenführer sitzt rechts neben dem Richtschützen und verfügt über eine eigene Schiebeluke. Er unterstützt den Fahrer beim Führen des Panzers im Straßenverkehr. Aufgrund der asymmetrischen Anordnung des Turmes auf der linken Fahrzeugseite hat der Gruppenführer direkte Sicht auf die Soldaten im hinteren Kampfraum und zum Truppführer.

Im Gegensatz zum Schützenpanzer Marder sitzen sich die Schützentruppsoldaten gegenüber mit dem Rücken zu den Außenwänden. Dabei sitzen vier Soldaten auf der rechten und zwei Soldaten auf der linken Seite. Ein zentrales Regal unter dem Turm dient als Stauraum für die Ausrüstung. Als Brandschutz verfügt der Kampfraum über eine Brandunterdrückungsanlage (BUA). Ausgestattet mit Infrarot-Detektoren löscht die Anlage auftretende Brände in 150 Millisekunden. Das gasförmige Löschmittel DeuGen-N ist laut Hersteller gesundheitlich unbedenklich. Die gesamte Inneneinrichtung ist „minensicher” ausgeführt und hat keinen Kontakt zum Boden der Wanne. Ein geplanter Kampfstand für zwei Soldaten in der teilgeöffneten Heckklappe wurde wegen der erhöhten Selbstgefährdung verworfen. Die konventionell ausgelegte Heckklappe führte zu einer Vergrößerung des Innenraums und ermöglichte eine Zwei-Mann-Klappluke auf dem Dach sowie eine Verbesserung des Schutzes im Heckbereich. Der Truppführer verfügt über eine eigene Schiebeluke.[14]

Neben dem Einsatz bei den Panzergrenadieren findet der Puma zudem als Ausbildungs- und Schulungsfahrzeug Verwendung. Die Möglichkeit als Plattform für die Joint Fire Support Teams (JFST) der mechanisierten Kräfte wurde zugunsten des GTK Boxer verworfen. Joint Fire Support Teams sind der Systemverbund aus Artilleriebeobachtern und vorgeschobenen Beobachtern der Mörser sowie dem Fliegerleitoffizier der Luftwaffe. Ihre Aufgabe ist es, im Rahmen der Streitkräftegemeinsamen taktischen Feuerunterstützung, das Feuer der Artillerie, Mörser und der Luftnahunterstützung in das Ziel zu lenken.[15]

Technik[Bearbeiten]

Antrieb und Laufwerk[Bearbeiten]

Puma-Triebwerk. Im Vordergrund das Sechsgang-Getriebe HSWL 256.
Versuchsträger Mobilität (VT-Mob). Das komplette Fahrgestell ohne Turm diente gegenüber dem BWB als Nachweis der Erfüllbarkeit. Am Fahrgestell sind Ballastgewichte angebracht, um den nicht vorhandenen Turm und Zusatzpanzerung zu simulieren.

Durch ein 10-Zylinder-Kompakttriebwerk von MTU Friedrichshafen mit 920 kW Leistung und das Sechsgang-Getriebe HSWL 256 mit elektrohydraulischer adaptiver Steuerung von Renk soll eine mit dem Kampfpanzer Leopard 2 vergleichbare Mobilität erreicht werden. Die Fahrversuche mit den Mobilitätsversuchfahrzeugen zeigten jedoch, dass eine Hubraumvergrößerung auf 11 Liter und eine Überarbeitung des Drehmomentverlaufs des Getriebes notwendig sind. Die Leistung wurde so um 15 % von 800 kW auf 920 kW gesteigert. Ebenfalls überarbeitet wurden die Kühlergrätings, welche auf die obere Bugplatte verlegt wurden.[14] Das Triebwerk, dessen Einbauform einem L gleicht, befindet sich rechts vom Fahrer. Das Lenkschaltgetriebe ist quer vor dem Fahrer eingebaut.

Erstmals in einem Panzer der Bundeswehr verfügt der Motor über einen Schwungrad-Starter-Generator mit einer zentralen Leistungselektronik mit rund 170 kW Nennleistung zur Versorgung der zwei elektrischen Kühlerventilatoren sowie dem Antrieb des Kältemittelkompressors in der Klimaanlage. Das 24-V-Bordnetz wird aus der Leistungselektronik über einen bidirektionalen Wandler mit bis zu 800 A gespeist, über den auch der Dieselmotor aus der Fahrzeugbatterie gestartet wird.

Zum Brandschutz verfügt der Motorraum über eine Feuerlöschanlage der Firma Kidde Deugra Brandschutzsysteme.

Eine weitere Neuheit gegenüber dem Marder ist das von Krauss-Maffei Wegmann gefertigte entkoppelte hydropneumatische Stützrollenlaufwerk. So ist das gesamte Fahrwerk nur über Gummielemente mit der Fahrzeugwanne verbunden. Dies verringert den Körperschallpegel von 120 dBA auf rund 96 dBA und ermöglicht dadurch der Besatzung einen längeren Aufenthalt im Fahrzeug. Die Federung wird mit so genannten „Hydrops” (hydropneumatische Federn) realisiert, die mit komprimierbarem Gas die Federkraft erzeugen. Ein Temperatureffekt-Kompensationssystem verhindert Auswirkungen der Temperaturänderungen in den Gasfedern auf die Laufwerkseigenschaften. Im Gegensatz zu einer Drehstabfederung ist diese Bauweise kompakt und benötigt keinen Raum am Fahrzeugboden. Ebenso wird die Bodenfreiheit bei konstant 450 mm gehalten, unabhängig von der Schutzstufe. Darüber hinaus befinden sich in den Laufwerksträgern die Hauptkraftstofftanks. Ein zentraler Entnahmetank sorgt für eine kontinuierliche Kraftstoffversorgung.

Als Gleiskette verwendet der Puma eine Stahl-Rohrkörperkonstruktion mit Gummilagerung und Gummilaufpolster des Unternehmens Diehl. Aufgrund der Anforderung des Lufttransports ist die Leichtgewichtskette DLT 464D um 40 % leichter als die Gleiskette des Leopard 1, besitzt aber die gleiche Widerstandsfähigkeit. Ursprünglich mit nur fünf Laufrollenpaaren je Seite geplant, wurde während der Fahrversuche deutlich, dass sechs Laufrollen notwendig sind.

Schutz[Bearbeiten]

Die Panzerung des Puma ist modular aufgebaut, er verfügt über zwei Schutzstufen. Er wurde so konzipiert, dass er mit der Panzerung der Schutzstufe A (airportable) mit dem zukünftigen militärischen Transportflugzeug Airbus A400M luftverlegbar sein wird. Um das geforderte taktische Lufttransportgewicht von 31,45 t nicht zu überschreiten, ist die mitgeführte Ausrüstung auf 1 t begrenzt. In Schutzstufe A ist er frontal gegen Panzerabwehrhand- (beispielsweise die RPG-7) und Mittelkaliberwaffen (30 mm), rundherum gegen Artilleriesplitter sowie gegen schwere Blast- und projektilbildende Minen (10 kg) geschützt.

Die Schutzstufe C (combat) wird mit modular anzubringenden Zusatzpanzerungen erreicht. Diese umfasst den Turm-, Bomblet-, Minen-, und Frontschutz. Die Panzerung verstärkt den Schutz an den Seiten und am Dach. Hierdurch wird er gegen Panzerabwehrhand- und Mittelkaliberwaffen sowie Bomblets geschützt. Gegenüber dem Vorserienmodell sind die Serienfahrzeuge in Schutzstufe C mit weiter heruntergezogenen Seitenschutzplatten ausgestattet, welche etwa bis zur Mitte der Laufrollen hinunterreichen.

Die ursprünglich geplante Schutzstufe B (Bahntransport) entfiel, da der Puma auch in Schutzstufe C das Bahnverlademaß einhält. Der Puma hat eine ABC-Sammelschutzanlage von Dräger, zusätzlich ist ein AC-Sensor integriert. Die Abgase werden mit Frischluft vermischt und am Heck ausgestoßen, um die Infrarotsignatur zu reduzieren. Weitere Infrarotreduzierung wird durch einen entsprechenden Tarnanstrich erreicht.

Der Puma wird noch zusätzlich mit einem Softkill-System von EADS ausgerüstet. Dieses multifunktionale Selbstschutz-System (MUSS) erkennt anfliegende Raketen und stört deren Lenksensorik. Zudem ist laut PSM die zusätzliche Installation eines Hardkill-Systems möglich.

Kommunikation[Bearbeiten]

Das Fahrzeug ist mit einer Bordsprechverkehr (BV)- und Funkanlage ausgerüstet. Diese enthält die BV-Anlage Typ 80/90/93 und eine Funkanlage mit einem SEM 80/90 (VHF) sowie einem HRM 7400 (HF). Zur Informationsverarbeitung ist der Schützenpanzer mit einem Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) ausgestattet. Das System soll Freund-Feind-Erkennung und Anbindung an bestehende Systeme der Bundeswehr wie FAUST (Führungsausstattung, taktisch), das Konzept Infanterist der Zukunft oder das Führungsinformationsystem des Heeres (FüInfoSys H) ermöglichen.[16]

Feuerleit- und Zielausrüstung[Bearbeiten]

Der Puma hatte bei seiner Vorführung eine turmunabhängige stabilisierte Hauptoptik (PERI, RTWL-B) für den Gruppen- und Truppführer sowie eine extra geschützte stabilisierte Waffenoptik (WAO) für den Richtschützen. Die beiden von Cassidian Optronics gefertigten Systeme verfügen über einen Tagsichtkanal, Wärmebildgerät ATTICA und Laserentfernungsmesser LDM 38. Bilder der Hauptoptik können mit einer CCD-Kamera auf zwei Displays für den Gruppen- und Truppführer angezeigt werden. Das Periskop besitzt insgesamt vier Sehfelder. Für den Einsatz in bebautem Gelände und im Nahbereich verfügt der Gruppenführer über ein Sehfeld von 60° × 45°. Zum Beobachten, Zielen und Identifizieren sind drei weitere Sehfelder mit bis zu 16-facher Vergrößerung verfügbar. Neben der digitalen Ausgabe verfügt die Optik ebenfalls über einen optischen Kanal inklusive Laserschutz für die Augen. Der zur Entfernungsermittlung eingesetzte nd:YAG-Laser misst Entfernungen bis 40 Kilometer auf 5 Meter genau, wobei Entfernungen ab 200 Metern berücksichtigt werden. Bei Mehrfachechos kann zwischen Erst- und Letztechoverwertung gewählt werden. Darüber hinaus werden dem Beobachter bei Tag- oder Nachtsicht Informationen über Turmstellung, Entfernung, Zielmarke, Navigations- und Systemdaten eingeblendet. Aufgrund der digitalen Signalverarbeitung ist das gesamte System netzwerktauglich, was eine Anbindung an bestehende Systeme der Bundeswehr ermöglicht. Die Waffenoptik in Verbindung mit der Feuerleitanlage des Puma ermöglicht dem Schützen eine Bekämpfung von Zielen während der Fahrt. Insgesamt verfügt die WAO über eine Tagsicht-CCD-Kamera mit Zoom-Objektiv und drei Sehfeldern, entsprechend den taktischen Anforderungen. Der Fahrer ist mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet und hat einen Bildschirm für die Rückwärtskamera.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die Bewaffnung des Schützenpanzer besteht aus einer Primär- und Sekundärbewaffnung, darunter eine Nebelmittel- und eine Sprengkörperwurfanlage. Bordmaschinenkanone und Maschinengewehr sind dabei im vollständig automatisierten Turm untergebracht. Sensoren und Aktoren überwachen die Funktion und den Ladezustand der Hauptwaffe.

Eine Neuerung gegenüber dem Marder ist die Stabilisierung der Waffe und die „Hunter-Killer-Fähigkeit“, bekannt von den Kampfpanzern. Klärt der Kommandant mit seinem Periskop einen Gegner auf, übergibt er das Ziel an den Richtschützen. Der Turm richtet sich darauf automatisch auf das Ziel aus, und der Richtschütze kann es bekämpfen, während der Kommandant nach weiteren Zielen sucht.

Primärbewaffnung[Bearbeiten]

Die MK 30-2/ABM auf dem Versuchsfahrzeug VS-2 Mobilität der WTD 41. Hier ist das MG4 nicht eingerüstet, außerdem fehlt noch die Rohrabstützung.

Die Hauptbewaffnung ist eine 30-mm-Bordmaschinenkanone des Typs MK 30-2/ABM, gefertigt von Rheinmetall, die außermittig rechts im ferngesteuerten Turm eingebaut ist. Sie ist eine Weiterentwicklung der MK30-2, die schon im österreichischen Schützenpanzer Ulan und im spanischen Pizarro Verwendung findet. Mit der Maschinenkanone können gepanzerte Fahrzeuge bis zu einer Entfernung von 2000 Metern und mit der Air-Burst-Munition (ABM) bis zu 3000 Metern bekämpft werden. Die Waffe kann sowohl in Einzel- als auch in schnellem Serienfeuer (200 Schuss/min.) abgefeuert werden. Sie wiegt 198 Kilogramm und besteht aus Waffengehäuse, Rohr, Doppelgurtzuführer (DGZ) und Rücklaufvorrichtung. Wegen der thermischen Belastungen sind das gezogene Innenrohr und das Patronenlager verchromt. Der Höhenrichtbereich beträgt −10° bis +45°.

Neben panzerbrechenden APFSDS-T-Geschossen (Pfeilwuchtgeschoss mit Leuchtspur) besteht auch die Möglichkeit, eine spezielle KETF-Munition (Kinetic Energy Time Fuze), die auch unter der Bezeichnung AHEAD-Munition bekannt ist, zu verschießen. Gefertigt wird diese Air Burst Munition von RWM Schweiz, die wie der Hersteller der Mündungsbremse mit Messbasis (Oerlikon Contraves), eine Tochtergesellschaft von Rheinmetall Defence ist. Die Munition erlaubt den Einsatz gegen Schützenpanzer, Hubschrauber, Infanterie und befestigte Stellungen. Die Wirkung der Munition basiert auf 162 zylindrischen, je 1,24 Gramm schweren Wolfram-Subprojektilen, die – je nach Zeiteinstellung – nach einer vorberechneten Flugzeit oder vor dem Ziel ausgestoßen werden. Die einzelnen Projektile sind drallstabilisiert und fliegen in einem engen Konus dem Ziel entgegen. Die Zeiteinstellung erfolgt dabei erst beim Verlassen des Rohres in der Messbasis, nachdem die Mündungsgeschwindigkeit gemessen wurde. Bei stark gepanzerten Zielen ist ein Einsatz ohne Zeiteinstellung möglich.

Der gesamte Munitionsvorrat beträgt 400 Schuss. Ein Schneckenmagazin mit 200 Schuss ist im Turmheck untergebracht. Ist der Hauptvorrat verschossen, kann von oben manuell die Reserve nachgeladen werden. Ein Beladen aus dem Inneren ist nicht möglich. Durch den Doppelgurtzuführer der Maschinenkanone können beide Munitionssorten im direkten Wechsel verschossen werden. In der Serienkonfiguration umgibt die Kanone eine Rohrabstützung[14], welche die Trefferwahrscheinlichkeit bei Eigen- und Zielbewegung erhöht.

Sekundärbewaffnung[Bearbeiten]

Die Sekundärbewaffnung besteht aus dem MG4 im Kaliber 5,56 Millimeter. Es ist achsparallel angeordnet und befindet sich, bedingt durch den Hülsenauswurf nach rechts und die Munitionszuführung von links, rechts von der Hauptwaffe. Im Gegensatz zur Infanterieversion fehlen diesem Turmmaschinengewehr (TMG) die Schulterstütze, das Zweibein und die Visiereinrichtung. Die maximale Kampfentfernung ist mit 1000 Metern angegeben. Der Munitionsvorrat beträgt 1000 Schuss plus 1000 Schuss Reserve.

Zur Verteidigung im Nahbereich (50 Meter) verfügt der Puma über eine Sprengkörperwurfanlage (SKWA) im Kaliber 76 Millimeter. Diese ist hinten links auf dem Fahrzeug montiert und hat einen Schwenkbereich von 90° um das Fahrzeugheck. Die Bedienung erfolgt durch den Truppführer.

Die Nebelmittelwurfanlage basiert auf eingeführten Systemen. So sind jeweils zwei Gruppen mit je vier Wurfbechern am Turmheck angeordnet und können einzeln oder gemeinsam ausgelöst werden.

Zur Panzer- und Hubschrauberabwehr wird der Puma im deutschen Heer mit dem Lenkflugkörper Spike-LR[17][18] des deutsch-niederländisch-israelischen Rüstungskonsortiums EuroSpike GmbH ausgerüstet. Als Startgerät dient die Waffenanlage MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) aus dem Beschaffungsvorhaben für die Infanterie. Diese wird seitlich am Turm adaptiert und bietet Platz für zwei Lenkflugkörper.[18]

Kritik[Bearbeiten]

Das Konzept des Puma ist in der Öffentlichkeit mehrfach kritisiert worden, unter anderem wegen seines hohen Gewichtes. Der Puma kann voraussichtlich nur in der Schutzstufe A im zukünftigen militärischen Transportflugzeug Airbus A400M transportiert werden. Um für drei Pumas die Module für die Schutzstufe C nachzuliefern, wird ein weiterer Flug benötigt, wodurch der Transportaufwand um ein Drittel höher ist als bei seinem Vorgänger, dem Marder. Dazu kommt auch noch der Aufwand für die Demontage der Module sowie für die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft. Der Aufwand und die nötige Rücksicht beim Transport und der Einsatzplanung, die aus dem höheren Gewicht resultieren, gleicht mehr denen eines Kampfpanzers.

Kritisiert wurde auch die Verwendung eines achsparallelen Maschinengewehrs mit dem Kaliber 5,56 × 45 mm NATO. Dies ist bislang einzigartig und bringt gegenüber der üblichen Zweitbewaffnung im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO Vorteile der Munitionsstandardisierung, aber Nachteile in Reichweite und Durchschlagskraft.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Ausmaße des Panzers. Mit einer Höhe von 3,60 Metern überragt der Puma vergleichbare Vorgängermodelle um bis zu 60 Zentimeter. Mit einer maximalen Breite von 3,90 Metern steht er ebenfalls im Gegensatz zu Neuentwicklungen anderer Staaten, die kleinere Schützenpanzer entwickeln und einsetzen.

Der Puma ist mit seinen Kosten von 8,85 Millionen Euro pro Exemplar der bisher teuerste Schützenpanzer der Welt. Die hohen Stückkosten liegen zum Teil auch an der geringen beauftragten Stückzahl. Es ist wahrscheinlich, dass aufgrund des hohen Preises der Puma im internationalen Markt auf wenig Interesse stoßen wird; zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass die Entwicklungskosten auf den Stückpreis (erwartet 350 Stück) umgelegt werden, was bei weiteren Einheiten nicht mehr der Fall wäre. Traditionelle Kunden von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall-Landsysteme wie die niederländische Armee haben sich gegen den Puma und für den CV9035 entschieden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schützenpanzer Puma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Minister de Maizière billigt Umrüstung. In: bmvg.de. 21. Oktober 2011, abgerufen am 25. Oktober 2011.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThomas Wiegold: Künftig noch 225 Leos bei der Bundeswehr (mit Korrektur). In: Augen geradeaus! (Blog). 18. Oktober 2011, abgerufen am 7. November 2014.
  3. a b Bundeswehr beschafft weniger Puma. In: bmvg.de. 12. Juli 2012, abgerufen am 12. Juli 2012.
  4. a b bwtv-Video zur Herstellung des PUMA bei KMW. In: pressrelations.de. 7. Oktober 2012, abgerufen am 7. November 2014.
  5. Rüdiger Kiani-Kreß: Rheinmetall-Chef: „Der Puma ist kein Problem-Panzer“. In: wiwo.de. 19. März 2014, abgerufen am 7. November 2014.
  6. Bundeswehr: Der Marder geht – der Igel kommt. In: Spiegel Online. 12. September 2002, abgerufen am 7. November 2014.
  7. Rüstungspolitik: Scharping lässt den Panther ausrollen. In: Spiegel Online. 12. Juli 2002, abgerufen am 7. November 2014.
  8. 40 Jahre Schützenpanzer MARDER. In: Spiegel Online. 9. Mai 2009, abgerufen am 7. November 2014.
  9. Thomas Reisener: „Puma“: Ministerium bestellt 405 umstrittene Panzer. In: RP Online. 6. Juni 2009, abgerufen am 7. November 2014.
  10. Jörg Fleischer: Regierung bestellt 405 „Puma”-Panzer – Milliardenauftrag für Rheinmetall. In: derwesten.de. 6. Juli 2009, abgerufen am 7. November 2014.
  11. Neuer Panzer für die Truppe. In: volksfreund.de. 5. Oktober 2014, abgerufen am 7. November 2014.
  12. US GCV to harness Puma technology. In: janes.com. Archiviert vom Original am 17. Juli 2012, abgerufen am 2009.
  13. Pressemitteilungen. In: KMWeg. 25. Mai 2010, archiviert vom Original am 9. Juli 2010, abgerufen am 2010.
  14. a b c Pressemitteilungen. Report Verlag, Dezember 2009, archiviert vom Original am 9. Juli 2010, abgerufen am 2010 (PDF).
  15. Strategie und Technik, Report Verlag, Ausgabe Januar 2009 Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung S. 30–34
  16. Newsletter Verteidigung – Ausgabe 17 / KW 48 Dienstag, 25. November 2008. In: psm-spz.com. Abgerufen am 26. Januar 2009.
  17. GERMANY – Details on EuroSpike’s €35 million MELLS programme for the Bundeswehr. In: Wikileaks. 11. März 2013, abgerufen am 7. November 2014 (englisch).
  18. a b MELLS: Lategt missile technology ror the German army. In: eurospike.com. 29. Juni 2009, abgerufen am 2009.