Luchs (Spähpanzer)

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Spähpanzer 2 Luchs
Spähpanzer 2 Luchs A2.JPG
Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 4 Mann
Länge 7,34 m
Breite 2,98 m
Höhe 2,50 m
Masse 19,6 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung SmK-sicher
Hauptbewaffnung 1 × 20-mm-MK
Sekundärbewaffnung 1 × 7,62-mm-MG3
Beweglichkeit
Antrieb Daimler-Benz 10-Zylinder-Vielstoffmotor mit 390 PS
Federung Schraubenfedern mit Stoßdämpfer
Höchstgeschwindigkeit 90 km/h (Straße)
Leistung/Gewicht 20 PS/t
Reichweite 800 km (Straße)

Der Spähpanzer 2 (SpPz 2) Luchs ist ein achträdriger, amphibischer Spähpanzer aus deutscher Produktion.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Spähpanzer Luchs der Bundeswehr ist ein Radpanzer und basiert auf dem Konzept der Panzerspähwagen Sd.Kfz. 234 und dessen Vorgänger, dem Panzerspähwagen Sd.Kfz. 231, von dem er die 8-Rad-Lenkung und als zusätzliches Besatzungsmitglied den Rückwärtsfahrer beibehalten hat. Zusätzlich ist der Luchs schwimmfähig (er wird bei Wasserfahrt durch zwei im Heck befindliche Ruderpropeller angetrieben), kaum hörbar und mit beschussfesten Reifen ausgestattet. Auch das Besatzungsmodell ist identisch: Fahrer, Kommandant, Richtschütze und Rückwärtsfahrer (Funker). Mit dem in der deutschen Wehrmacht eingeführten Panzerkampfwagen II Ausf. L (Sd.Kfz. 123) „Luchs“ hat der heutige „Luchs“-Panzer lediglich den Namen gemein.

Entwicklung und Einsatz[Bearbeiten]

Spähpanzer Luchs (Vorserie)
Spähpanzer Luchs beim Herbstmanöver „Fränkischer Schild“ der Bundeswehr im Jahr 1986 im Raum Würzburg. Die Kennzeichen, Lichteinrichtungen und taktische Zeichen wurden mit Schlamm getarnt. Die Seitenspiegel sind zur Tarnung abgeklappt.
Draufsicht auf das Fahrwerk eines umgestürzten Luchs. Die hervorstehende Unterbringung der Achsen und des Antriebsstranges außerhalb der Wanne machte den Luchs anfällig für Schäden am Fahrwerk während der Geländefahrt und war mit Anfang der Auslandseinsätze ein negativer Punkt zur Minensicherheit.

Entwickelt wurde das Fahrzeug 1968–1974 bei Porsche (als Auftragsarbeit für Daimler Benz), endgefertigt ab 1975 von Thyssen-Henschel in Kassel. Die Serienfertigung begann im Mai 1975, die Einführung in die Truppe ab September 1975.[1] Bis 1977 wurden insgesamt 408 Exemplare ausgeliefert. Der Luchs ersetzte den französischen Hotchkiss SPz kurz 11-2, der damals bereits auf eine 20-jährige Einsatzzeit in der Bundeswehr zurückblicken konnte. Zugleich wurde der Transportpanzer Fuchs entwickelt, mit dem er viele Komponenten teilt.

Die Wanne des Luchs besteht aus geschweißtem Stahl. Das Antriebsaggregat, bestehend aus Motor, Automatikgetriebe und diversen Luft- und Ölfiltern, liegt „klassisch“ im hinteren Teil des Fahrzeugs und kann in einem Block ausgetauscht werden. Dies macht den Luchs zu einem wartungsfreundlichen Waffensystem. Eine weitere Besonderheit stellt die Kraftstoffversorgung des Motors dar. Dieser läuft mit einer ganzen Reihe von Treibstoffen – einschließlich Diesel und Benzin. Mit Diesel betrieben entwickelt der Zehn-Zylinder-Motor rund 285 kW bei 2500/min. Es werden alle acht Räder angetrieben, die Steuerung wirkt entweder auf die vier vorderen Räder, die vier hinteren Räder oder auf alle acht Räder. Die acht großvolumigen Niederdruckreifen weisen Notlaufeigenschaften auf; für Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h können alle vier Achsen gelenkt werden. Das macht den Luchs zu einem wendigen und höchstbeweglichen Fahrzeug, obwohl die Fahrzeugabmessungen in Länge und Höhe einen Kampfpanzer Leopard 1A5 übertreffen. Das Erreichen der Höchstgeschwindigkeit ist theoretisch auch bei Rückwärtsfahrt möglich, wird aber unter normalen Umständen nicht praktiziert.

Der Vielstoffmotor ist auch aus unmittelbarer Nähe praktisch nicht zu hören, so dass für den Betrieb Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen: Wenn sich SpPz Luchs im Manöver befinden, darf nur in vorher bestimmten Bereichen auf dem Boden geschlafen werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Personen überrollt werden.

In Verbindung mit einer Bedarfsinstandsetzung wurden die Fahrzeuge im Zeitraum 1980–1983 mit einem Doppelgurt-Zuführer (DGZ) für wahlweise Sprengbrand- und Hartkern-Munition nachgerüstet (LUCHS A1). Ab 1985 erhielten die Fahrzeuge ein Wärmebildgerät (Version SpPz 2), der IR/Weißlicht-Zielscheinwerfer entfiel. Die damit verbundene Gewichtszunahme und Schwerpunkterhöhung führten zum Verlust der Schwimmfreigabe. Das Fahrzeug verfügt über eine integrierte ABC-Schutzbelüftungsanlage.

Der Luchs ist nicht für Kampfeinsätze gedacht – vielmehr soll er unbemerkt feindliche Stellungen und Bewegungen ausspähen. Der SpPz 2 „Luchs“ A2 wurde im Rahmen der IFOR in Kroatien und Bosnien und der KFOR im Kosovo als Konvoibegleitschutz eingesetzt. Er diente auch bei der SFOR in Bosnien und Herzegowina im Rahmen der Friedenssicherung. Ein Teil der dort eingesetzten Fahrzeuge, wie auch ein Teil der in Mazedonien und im Kosovo stationierten, war kampfwertgesteigert worden.

Bewaffnung und Ausrüstung[Bearbeiten]

  • Bordmaschinenkanone Rh 202 Kal. 20 mm von Rheinmetall, Feuergeschwindigkeit: 800–1000 Schuss/min, Kampfentfernung bis 2000 m, Hauptkampfentfernung 800 m, Doppelgurtzuführung (ab Version A1)
  • MG3 Kal. 7,62 mm auf Drehringlafette
  • Integrierte ABC-Schutz und -Belüftungsanlage
  • Seit Mitte der 1980er Jahre Kampfwertsteigerung mit Einbau eines Wärmebildziel- und Beobachtungsgerätes (Version A2), (seitdem durch erhöhtes Gewicht Verlust der selbstständigen Schwimmfähigkeit)
  • Kampfwertsteigerung einiger Modelle durch Einbau einer GPS-Navigationsanlage, eines Kreiselkompasses und einer zusätzlichen Datenfunkantenne
  • Sprechfunkgeräte SEM 25/35, HF-Kurzwellengerät XK 405, Sprechfunkgeräte SEM 80/90 (ab 1986)

Verwendung und Ausblick[Bearbeiten]

Der Luchs wurde zuletzt noch in den Brigaden der Stabilisierungskräfte des Heeres eingesetzt. Dort diente er – neben dem Spähwagen Fennek – bei den aus den Panzeraufklärern hervorgegangenen Bataillonen der 2008 neu aufgestellten Heeresaufklärungstruppe. Darüber hinaus wurde er im Rahmen der EUFOR (ehemals IFOR danach SFOR) in Kroatien und Bosnien und der KFOR im Kosovo als Konvoibegleitschutz eingesetzt. Die letzten 68 Stück dieser Spähpanzer (Stand Juni 2008)[2] wurden ab Januar 2009 außer Dienst gestellt.

Technische Daten[Bearbeiten]

Spähpanzer Luchs
Technische Daten
Einführungsjahr: 1975
Besatzung: Kommandant, Richtschütze, Fahrer, Funker (= Rückwärtsfahrer)
Maße
Länge: 7340 mm, Breite: 2980 mm Höhe: 2500 mm
Gefechtsmasse: 19,6 t
Turmmasse: 2,15 t
Achslast vorn: 2 x 4,8 t
Achslast hinten: 2 x 5,0 t
Bodenfreiheit: 440 mm
Antrieb
Motorleistung: 286 kW (390 PS) bei 2500 1/min
Spezif. Antriebsleistung: 14,6 kW/t
Fahrbereich (Straße): ca. 800 km
Lenkung: Allradantrieb mit Allradlenkung, Propellerantrieb im Wasser
Geschwindigkeit: 90 km/h auf Straßen (100 km/h, frühe Version), 11 km/h im Wasser
vorwärts und rückwärts fahrfähig
Kletterfähigkeit: ca. 0,6 m
Grabenüberschreitfähigkeit: ca. 1,90 m
Wendekreis: 12,05 m
Bewaffnung:
Hauptwaffe: Bordmaschinenkanone 20 mm Rheinmetall MK 20 Rh 202
Feuergeschwindigkeit: 800–1000 Schuss/min
Kampfentfernung: bis 2000 m.
Sekundärwaffe: MG 3 7,62 mm
Nebelwurfanlage: 2 x 4 Becher
Munitionsarten:
AP-T, HE-T
Munitionsvorrat Hauptwaffe: 500 Stück einschl. Reserven in Halterungen hinter dem Panzerturm
Richtanlage:
Feuerleitrechner: mechanisch
Richtanlage: elektrohydraulisch
Stabilisierung: nein
Optik:
Richtschütze: Wärmebildgerät
Kommandant: WBG über light-pipe
Nachtsehgeräte Kraftfahrer: Restlichtverstärker
Lenzpumpen: 3 Stück
Feuerlöschanlage: im Triebwerksraum

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Soldat und Technik 10/1975 S. 493
  2. Bundeswehrplan 2009