Hahnenfuß

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Hahnenfuß
Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis), Illustration

Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis), Illustration

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Ranunculeae
Gattung: Hahnenfuß
Wissenschaftlicher Name
Ranunculus
L.

Die artenreiche Pflanzengattung Hahnenfuß (Ranunculus) gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Sie kommt fast weltweit vor.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Hahnenfuß-Arten wachsen als einjährige oder ausdauernde krautige Pflanze. Die meisten Arten gedeihen terrestrisch, einige Arten als Sumpfpflanzen und wenige Arten als flutende Wasserpflanzen. Es können je nach Art knollige Speicherwurzeln, Rhizome, Stolonen oder eine knollige Stängelbasis ausgebildet werden. Der aufrechte, aufsteigende bis niederliegende, selten flutende Stängel ist meist beblättert.

Die meist wechselständig, sowohl grundständig als auch am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter können gestielt sein. Selten ist das oberste Blattpaar gegenständig (Ranunculus sect. Flammula). Der Blattstiel besitzt an seiner Basis eine Blattscheide. Die Blattspreite kann ungeteilt sein, meist ist sie mehr oder weniger tief geteilt. Der Blattrand ist glatt, gekerbt, gezähnt oder gesägt.

Blütenstand und Blüten[Bearbeiten]

Die Blüten stehen einzeln oder zwei bis fünfzig in end- oder seitenständigen, einfachen oder verzweigten, bis zu 25 cm großen, zymösen Blütenständen zusammen. Es können kleine bis große laubblattähnliche Hochblätter vorhanden sein.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch. Der Blütenboden (Receptaculum) ist mehr oder weniger konvex. Der Blütenboden bildet manchmal, beispielsweise bei Ranunculus angustisepalus ein Androgynophor. Es sind meist fünf (drei bis sieben) freie, 1 bis 15 mm lange Kelchblätter vorhanden, die meist grün, manchmal dunkelrot bis purpurfarben, gelb oder weiß sind; sie sind meist flach und meist schneller hinfällig als die Kronblätter. Sehr selten, bei Ranunculus angustisepalus besitzen die Kelchblätter Anhängsel, oder bei Ranunculus ficaria ist die Basis sackförmig. Die meist fünf (drei bis zehn) freien Kronblätter werden oft als Nektarblätter bezeichnet, sie sind genagelt, flach, mit einer Länge von 1 bis 26 mm lineal bis kreisförmig und besitzen an ihrer Basis eine Nektardrüse, die meist von einer Schuppe bedeckt ist. Die Nektarblätter sind oft gelb und durch Öltropfen in der äußersten Oberhaut innen lackglänzend, bei manchen Arten auch weiß, dann jedoch mit einem gelben Zentrum, sehr selten sind sie rot. Es sind meist viele, selten nur fünf bis zehn fertile Staubblätter vorhanden. Die meist vielen (4 bis 250) freien Fruchtblätter sind nur selten, beispielsweise bei Ranunculus podocarpus gestielt. Jedes Fruchtblatt enthält nur eine basale Samenanlage. Meist ist auch noch auf der Frucht ein Griffel erkennbar, selten ist keiner ausgebildet. Meist ist auf dem Griffel stigmatisches Gewebe verteilt, selten ist eine erkennbare Narbe ausgebildet.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Es stehen viele Achänen zusammen. Die kugeligen, eiförmigen oder zylindrischen, mehr oder weniger abgeflachten Achänen besitzen eine meist glatte, manchmal warzige oder stachelige Oberfläche und oft einen geraden oder gebogenen 0 bis 4,5 mm langen Fruchtschnabel (= der haltbare Griffel), manchmal sind sie an der Naht gerandet oder kantig. Die Achänen sind meist grün, nur bei Ranunculus melanogynus sind sie schwarz. Die Samen besitzen viel Endosperm und einen kleinen Embryo.

Vererbung[Bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = selten 7, meist 8. Bei Ranunculus kommen unterschiedliche Polyploidie-Stufen vor. Apomixis und interspezifische Hybridisierung kommt bei vielen Gruppen vor (Beispielsweise Ranunculus polyanthemos-Gruppe, Ranunculus subg. Batrachium, Ranunculus sect. Pseudadonis).

Inhaltsstoffe und Giftigkeit[Bearbeiten]

Alle Ranunculus-Arten sind giftig (Protoanemonin). Aufgrund ihres beißenden Geschmacks werden sie vom Vieh gemieden. Die Giftstoffe werden jedoch durch Trocknen abgebaut, so dass Heu, welches getrocknete Hahnenfuß-Arten enthält, unschädlich ist. Abgemähte Stängel können bei Kontakt Hautreizungen hervorrufen (Wiesendermatitis) [1].

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Ranunculus ist mit über 600 Arten fast weltweit verbreitet und kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. Ranunculus-Arten gedeihen von tropischen bis in hocharktische Gebiete. Hauptverbreitungsgebiet sind die gemäßigten Gebiete der Nordhalbkugel. In Nordamerika kommen etwa 76 Arten vor. In Mitteleuropa kann man über 60 Arten finden. In China kommen 125 Arten vor, 66 davon nur dort.

Ranunculus-Arten gedeihen an trockenen bis feuchten Standorten und als flutende Wasserpflanzen. Sie kommen vom Tiefland bis in die hochalpine Höhenstufe vor. In den Tropen gedeihen allerdings sie nur in höheren Berglagen, fehlen jedoch im Tiefland.

Systematik[Bearbeiten]

Sturmhutblättriger Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius)
Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris)
Weißer Hahnenfuß (Ranunculus amplexicaulis)
Asiatischer Hahnenfuß (Ranunculus asiaticus)
Gebirgs-Hahnenfuß (Ranunculus breyninus)
Blüte vom Knolligen Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus) mit zurückgeschlagenen Kelchblättern
Kärntner Hahnenfuß (Ranunculus carinthiacus)
Spreizender Wasserhahnenfuß (Ranunculus circinatus)
Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula)
Flutender Hahnenfuß (Ranunculus fluitans)
Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis)
Grasblättriger Hahnenfuß (Ranunculus gramineus)
Efeublättriger Wasserhahnenfuß (Ranunculus hederaceus)
Bastard-Hahnenfuß Ranunculus hybridus
Blüte vom Illyrischen Hahnenfuß (Ranunculus illyricus) mit nach unten zurückgeschlagenen Kelchblättern
Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua)
Ranunculus lyallii, eine neuseeländische Art
Herzblättriger Hahnenfuß (Ranunculus parnassiifolius)
Schild-Wasserhahnenfuß (Ranunculus peltatus)

Die Erstveröffentlichung des Gattungsnamens Ranunculus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 548-556 [2]. Als Lectotypus wurde 1913 Ranunculus auricomus L. festgelegt. [3] Die Gattung Ranunculus gehört zur Tribus Ranunculeae in der Unterfamilie Ranunculoideae innerhalb der Familie Ranunculaceae. [4]

Die Gliederung der Gattung Ranunculus wird kontrovers diskutiert, bei manchen Autoren werden die Untergattungen als eigenständige Gattungen geführt; dies ist auch ein Grund für die große Bandbreite bei Angabe der Artenzahlen (von 300 bis über 600. Synonyme für Ranunculus L. s.l. sind: Aphanostemma A. St.-Hil., Arcteranthis Greene, Batrachium (DC.) Gray, Beckwithia Jeps., Callianthemoides Tamura, Casalea A. St.-Hil., Coptidium (Prantl) Beurl. ex Rydb., Cyrtorhyncha Nutt., Ficaria Schaeff., Gampsoceras Steven, Halerpestes Greene, Oxygraphis Bunge, Peltocalathos Tamura [4]. Nach K. Emadzade et al. 2010 enthält die Tribus Ranunculeae eine große Gattung Ranunculus mit über 600 Arten und viele kleine, aus ihr, neu oder wieder ausgegliederte Gattungen mit insgesamt etwa 50 Arten.

Der botanische Gattungsname Ranunculus leitet sich vom lateinischen Wort ranunculus für „Fröschlein“ ab, entweder, da viele der Arten besonders an feuchten Standorten gedeihen – dort, wo auch Frösche leben, oder wegen ihrer kaulquappenförmigen Früchte („Fröschlein“ = „Kaulquappe“). Der Trivialname Hahnenfuß bezieht sich auf die vogelfußähnlichen Laubblätter.

Es gibt über 600 Ranunculus-Arten (Auswahl) [5]:

Nicht zur Gattung gehört beispielsweise:

  • Ranunculus ficarioides Bory & Chaub. → Ficaria ficarioides (Bory & Chaub.) Halácsy
  • Ranunculus ficariaScharbockskraut (Ficaria verna Huds.)

Ergänzende Literatur[Bearbeiten]

  • M. A. Fischer, W. Adler, K. Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, Linz, 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  • Jürgen Damboldt, Walter Zimmermann: Ranunculaceae, In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, 2. Aufl., Band III, Teil 3. München, Carl Hanser 1974.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hahnenfuß (Ranunculus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • Wang Wencai, Michael G. Gilbert: Ranunculus in der Flora of China, Volume 6, 2001, S. 391: Online. (Abschnitt Beschreibung)
  • Alan T. Whittemore: Ranunculus in der Flora of North America, Volume 3, 1997: Online. (Abschnitt Beschreibung und Systematik)
  • Khatere Emadzade, Carlos Lehnebach, Peter Lockhart, Elvira Hörandl: A molecular phylogeny, morphology and classification of genera of Ranunculeae (Ranunculaceae), In: Taxon, Volume 59, 3, 2010, S. 809–828. PDF Fulltext-Online. (Abschnitt Systematik)
  • Khatere Emadzade: Molecular phylogeny, evolution and biogeography of Ranunculus (Ranunculaceae) and related genera, Dissertation an der Universität Wien, Januar 2010: Fulltext-Online. (Abschnitt Verbreitung; PDF; 6,5 MB)
  • Walter Erhardt u. a.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller: Exkursionsflora von Deutschland. Band 5. Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag. Berlin, Heidelberg 2008. ISBN 978-3-8274-0918-8
  • Werner Greuter, H.M. Burdet, G. Long: “MED-Checklist“. Band 4, Seite 417-441. Conservatoire et Jardin botaniques, Genève 1989. ISBN 2-8277-0154-5
  • Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8 (Nymphaeaceae to Ranunculaceae). Seite 117-221, Helsinki 1989. ISBN 951-9108-07-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ranunculus in BoDD – Botanical Dermatology Database
  2. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  3. Ranunculus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  4. a b Ranunculus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  5. Eintrag bei ThePlantList.
  6. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8 (Nymphaeaceae to Ranunculaceae). Seite 119, Helsinki 1989. ISBN 951-9108-07-6
  7. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8 (Nymphaeaceae to Ranunculaceae). Seite 120, Helsinki 1989. ISBN 951-9108-07-6
  8. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8 (Nymphaeaceae to Ranunculaceae). Seite 122, Helsinki 1989. ISBN 951-9108-07-6
  9. Jürgen Damboldt, Walter Zimmermann: Ranunculaceae, In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, 2. Aufl., Band III, Teil 3. München, Carl Hanser 1974.