VW Typ 3

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Dieser Artikel befasst sich unter anderem mit dem europäischen Automobil VW 1500. Die Volkswagen-Version des Dodge 1500 wurde in Argentinien ab 1982 als VW 1500 verkauft und basierte auf dem Hillman Avenger.
Volkswagen Typ 3
Produktionszeitraum: 1961–1973
Klasse: Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: VW Passat B1

Der Typ 3 ist ein PKW-Modell von Volkswagen, das es als Limousine mit Stufen- sowie Schrägheck (TL, stand für Touren-Limousine) und als Kombi (Variant) gab. Es war zudem das erste Mittelklasse-Modell von VW.

Der Wagen wurde als VW 1500 auf der 40. Internationalen Automobilausstellung im September 1961[1] in Frankfurt vorgestellt. Bis Juli 1973 wurden fast 2,6 Millionen Wagen hergestellt.

Die Nummerierung erfolgte chronologisch:

Der Typ 1 ist der VW Käfer, Typ 2 ist das Kürzel für den VW Transporter, und der letzte VW mit luftgekühltem Heckmotor ist der 1979 vorgestellte Typ 2 Transporter, der bis Baujahr 1982 mit luftgekühltem Boxermotor (LBX) erhältlich war.

Allgemeines[Bearbeiten]

In der Grundkonzeption und dem Radstand mit dem VW Käfer identisch, hob sich der Mittelklasse-VW 1500/1600 durch seine moderne und größere Karosserie mit einem besseren Platzangebot vom Käfer ab. Insbesondere der Variant, der erste VW-Kombi mit diesem Namen, war mit einem Anteil von 43 % der Typ-3-Zulassungen (1970) sehr beliebt.

Die Hauptunterschiede des Motors im Vergleich zu dem des Käfers waren der vergrößerte Hubraum und die geänderte Luftkühlung des als Flachmotor bezeichneten Antriebs: Das Radialgebläse war am hinteren Ende der Kurbelwelle angeflanscht und „stand“ nicht mehr auf dem Motor. Der Ölkühler war jetzt liegend eingebaut und behinderte nicht mehr die Kühlung des dritten Zylinders (links vorn), der bei den früheren Motoren zur Überhitzung neigte und damit einen schweren Motorschaden verursachen konnte (Kolbenfresser). Der Flachmotor war etwas länger, aber mit 40 cm Höhe deutlich niedriger und ermöglichte damit erst das Kombi-Modell Variant sowie bei der Limousine und dem TL den von außen zugänglichen hinteren Kofferraum. Zu Wartungszwecken war der Motor durch eine Klappe im Kofferraumboden zu erreichen; also erst nach Ausladen des Gepäcks.

Alle Versionen hatten den vom Käfer bekannten vorderen Kofferraum, der größer und in einer besser nutzbaren Form gestaltet war. Ab Ende 1967 wurde der VW 1600 E als erstes deutsches Serienauto mit einer elektronischen Kraftstoffeinspritzung (Bosch D-Jetronic) angeboten.

Der Typ 3 kostete als Limousine bei seinem Erscheinen 6400 DM[2] und damit knapp 1100 DM mehr als der Käfer.

VW 1500 / 1600 (1961–1969)[Bearbeiten]

VW 1500 / 1600
VW 1500 Stufenheck (1962)

VW 1500 Stufenheck (1962)

Produktionszeitraum: 1961–1969
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
1,5–1,6 Liter
(33–39,7 kW)[3]
Länge: 4225[3] mm
Breite: 1605–1640[3] mm
Höhe: 1465–1475[3] mm
Radstand: 2400[3] mm
Leergewicht: 880–975[3] kg
  • 09.1961 – Der VW 1500 erscheint als Stufenheck und Variant (Kombi).
  • 08.1963 – VW 1500 S mit Zweivergaser-Motor und 54 PS, Änderungen an Blinkern und Heckleuchten, „S“- Modelle mit Chromzierrat, VW 1500 in 1500 N umbenannt, „N“- Modelle ohne Chromzierrat und mit einfacherer Ausstattung.
  • 08.1965 – VW 1600 TL (Touren-Limousine, im Volksmund zuweilen als „Traurige Lösung“ oder „Traurige Linie“ verballhornt) mit Fließheck, größerer Fahrzeugbreite, größerem Motor, Fußraumheizung und einem Gepäckraum von 260 Liter für 6.690 DM ab Werk, weiterhin mit 54 PS, 1500 N in 1500 A umbenannt, mit Flachstrom-Einvergaser und 45 PS, Stufenhecklimousine anfangs nur als Standardmodell lieferbar.
  • 1966 – Elektrische Anlage in 12-Volt-Ausführung, Stufenhecklimousine mit besserer Ausstattung auch als VW 1600 L lieferbar, da der 1600 TL mit Fließheckkarosserie nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß. Alle Modelle wurden nun als VW 1600 bezeichnet; der VW 1600 A mit 45 PS hat weiterhin einen Motor mit 1,5 Litern Hubraum.
  • 1967 – Automatik-Modell mit moderner Schräglenker-Hinterachse. Der 54-PS-Motor war wahlweise auch mit der Bosch-Einspritzanlage D-Jetronic erhältlich: erste serienmäßige elektronische Kraftstoffeinspritzung der Welt. Ab August 1967 (Modelljahr 1968) ist der Einfüllstutzen des Kraftstofftanks ebenso wie beim Käfer (Typ 1) über eine Außenklappe zu erreichen und nicht erst nach Öffnen der vorderen Haube.

VW 1600 (1969–1973)[Bearbeiten]

VW 1600
VW 1600 TL (Fließheck) (1969–1973)

VW 1600 TL (Fließheck) (1969–1973)

Produktionszeitraum: 1969–1973
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
1,5–1,6 Liter
(33–39,7 kW)[3]
Länge: 4340–4368[3] mm
Breite: 1605–1640[3] mm
Höhe: 1470[3] mm
Radstand: 2400[3] mm
Leergewicht: 1010–1035[3] kg
  • 08.1969 – Optische Überarbeitung der Karosserie („Langschnauzer“), Breitstoßstangen, große Frontblinker und Heckleuchten, andere Position des Kennzeichens beim TL. Entfall der hinteren Pendelachse; auch die Schaltgetriebe-Wagen bekamen das Schräglenker-Fahrwerk.
  • 07.1973 – Produktion der 1600er-Baureihe wird eingestellt.

2.583.015 Stück des Typs 3 wurden gebaut, davon fast die Hälfte (1.202.483) als Variant.

Vom Typ 3 war ab Anfang 1962 auch ein zweisitziges Karmann-Ghia-Coupé lieferbar, siehe VW Typ 34. Cabrio-Versionen, von der Limousine und vom Karmann-Ghia abgeleitet, wurden zwar zur Erprobung gebaut, jedoch nicht zur Serienproduktion freigegeben. Das Gleiche geschah mit einer Viertürer-Entwicklung, die nicht in Serie ging. Ein Versuchsexemplar steht in der „Autostadt Wolfsburg“ im Werksmuseum.

Technische Daten VW 1500/1600[Bearbeiten]

1500, 1500 N 1500 S 1500 A, 1600 A 1600, 1600 L, 1600 TL 1600 LE, 1600 TLE
Motor flachgebauter Vierzylinder-Viertakt-Boxer-Heckmotor; luftgekühlt; zentrale Nockenwelle; über Stoßstangen und Kipphebel betätigte hängende Ventile; Ölbadluftfilter; Zündfolge 1-4-3-2
Hubraum 1493 cm3 1584 cm3
Bohrung x Hub 83 x 69 mm 85,5 x 69 mm
Leistung bei 1/min 45 PS (33 kW) bei 3800 54 PS (40 kW) bei 4200 45 PS (33 kW) bei 3700 54 PS (40 kW) bei 4000
Vergaser / Einspritzung ein Flachstrom zwei Fallstrom
Solex 32 PDSIT
ein Flachstrom zwei Fallstrom Bosch
D-Jetronic
Drehmoment bei 1/min 106 Nm bei 2000 106 Nm bei 2400 106 Nm bei 2400 110 Nm bei 2200
Getriebe Viergang, vollsynchronisiert Viergang, vollsynchronisiert, ab 1967 auch Dreigang-Vollautomatik
Elektrik 6 Volt
Lichtmaschine 200 Watt, Batterie 77 Ah
12 Volt ab 8/1966
Karosserie Ganzmetall-Aufbau auf Plattform-Rahmen verschraubt mit Mittelträger
Vorderachse Einzelrad-Aufhängung an längsliegenden Kurbellenkern, Querstabilisator, gekreuzte Drehfederstäbe, hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer
Bremsen vorn Trommelbremse Scheibenbremse
Hinterachse Pendelachse mit Längslenkern, Drehstäbe und hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer, ab 9/1967 Automatik-Modelle mit Schräglenker, ab 8/1968 Schräglenker in Serie
Bremsen hinten Trommelbremse
Bereifung 6,00 x 15 (ab 1967 auf Wunsch 165 SR 15) auf 4,5 J x15
Radstand 2400 mm
Länge x Breite x Höhe 4225 x 1605 x 1475 mm (Variant Höhe = 1465 mm)
ab 1969 4340 x 1605 x 1470 mm
Höchstgeschwindigkeit 125 km/h 135 km/h 125 km/h 135 km/h 135 km/h
Bauzeit 1961–1965 1963–1965 1965–1973 1965–1973 1968–1973

VW 1600 in Brasilien[Bearbeiten]

In Brasilien wurde von 1968 bis 1980 ein VW 1600 gebaut, der technisch eigentlich nur den Motor mit dem deutschen Modell gemeinsam hatte (Flachmotor). Das Fahrgestell wurde vom VW Käfer übernommen und erhielt die breiteren Bodenplatten des Karmann-Ghia (Pendelachse hinten, Scheibenbremsen vorne). So gab es den brasilianischen VW 1600 auch als Viertürer.

Zeittafel[Bearbeiten]

  • 1968 – Vorstellung des brasilianischen VW 1600 als viertürige Stufenhecklimousine. Recht plumpe Formgebung; insbesondere die Front ähnelt sehr dem im selben Jahr in Deutschland eingeführten VW 411 („Nasenbär“).
  • 1969 – Erweiterung des Programms um einen Kombi mit nur zwei Seitentüren und durchgehenden hinteren Seitenfenstern. Name wie in Deutschland VW 1600 Variant.
  • 1970 – Erweiterung des Programms um eine zweitürige Fließhecklimousine. Name wie in Deutschland VW 1600 TL. Für alle Modelle Doppelscheinwerfer statt der bisher verwendeten Rechteckscheinwerfer.
  • 1971 – Die Produktion der Stufenhecklimousine wird eingestellt. TL und Variant erhalten eine neue, wesentlich elegantere Frontgestaltung, die in Brasilien entworfen wurde und in der Folgezeit auch für den Sportwagen SP 2, den kleineren Brasilia sowie in Deutschland für den überarbeiteten 412 verwendet wird. Die Fließhecklimousine ist jetzt auch mit vier Türen lieferbar.
  • 1974 – Der VW Passat wird, nur ein Jahr nach seiner Einführung in Deutschland, auch in Brasilien produziert. Damit steht in der Mittelklasse ein ungleich moderneres Auto zur Verfügung. Der VW 1600 wird weitergebaut, doch lässt die Nachfrage in der Folgezeit stark nach.
  • 1976 – Der Bau der Fließhecklimousine wird eingestellt. Nur der 1600 Variant bleibt im Angebot; der Passat Variant der ersten Generation wird in Brasilien nicht angeboten.
  • 1977 – Stattdessen wird der VW 1600 Variant durchgreifend überarbeitet. Völlig neue, wesentlich modernere Karosserie, die auf den ersten Blick mit dem Brasilia verwechselt werden kann; der Brasilia ist aber kleiner. Name VW Variant II. Technisch unterscheidet er sich hauptsächlich von seinem Vorgänger durch die Federbeinvorderachse.
  • 1980 – Die Produktion des Variant II wird eingestellt.
  • 1982 – Die Produktion des Brasília wird ebenfalls eingestellt. Mit den Typen Gol, Voyage, Parati, Passat sowie (ab 1984) Santana setzt VW nunmehr auch in Brasilien auf Frontmotor und Frontantrieb.

Produktionszahlen[Bearbeiten]

  • Stufenhecklimousine (1968–1971) 24.475
  • Fließhecklimousine TL (1970–1976) 109.515
  • Variant (1969–1977) 256.760
  • Variant II (1977–1980) 41.002
  • Insgesamt: 431.752

Technische Daten[Bearbeiten]

VW 1600: Limousine/Variant TL Variant II
Motor:  4-Zylinder-Boxermotor (Viertakt)
Hubraum:  1584 cm³
Bohrung x Hub:  85,5 x 69 mm
Leistung bei 1/min:  37 kW
(50 DIN-PS)
bei 4600
40 kW
(54 DIN-PS)
bei 4600
41 kW
(56 DIN-PS)
bei 4200
Max. Drehmoment bei 1/min:  112 Nm bei 2200 112 Nm bei 2600 108 Nm bei 3000
Verdichtung:  7,2:1
Gemischaufbereitung:  1 Fallstromvergaser Solex H30IC 1 Fallstromvergaser Solex 32 PDSIT
Ventiltrieb:  Zentrale Nockenwelle, Antrieb über Zahnräder, Leichtmetall-Zylinderköpfe und -Motorblock
Kühlung:  Luftkühlung (Gebläse)
Getriebe:  4-Gang-Getriebe, Mittelschaltung
Hinterradantrieb
Radaufhängung vorn:  Doppel-Kurbellenkerachse, Quertorsionsstäbe Federbeinachse, Dreieckquerlenker, Stabilisator
Radaufhängung hinten:  Pendelachse, Längslenker, Ausgleichsfeder, Quertorsionsstäbe
Bremsen:  Scheibenbremsen vorne (Durchmesser 27,8 cm), Trommelbremsen hinten
Lenkung:  Schneckenlenkung Zahnstangenlenkung
Karosserie:  Stahlblech, auf Zentralrohrrahmen
Spurweite vorn/hinten:  1315/1360 mm 1365/1400 mm
Radstand:  2400 mm 2495 mm
Abmessungen:  4250 x 1580 x 1430 mm 4325 x 1630 x 1430 mm
Leergewicht:  Lim.: 862 kg
Variant: 1025 kg
920 kg 970 kg
Höchstgeschwindigkeit:  135 km/h 140 km/h 138 km/h
0–100 km/h:  nicht angegeben 20,5 s
Verbrauch (Liter/100 Kilometer, DIN):  9,0 N

Quelle: Automobil Revue, Katalognummern 1973, 1979

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hamburger Abendblatt
  2. Hamburger Abendblatt
  3. a b c d e f g h i j k l Werner Oswald: Deutsche Autos 1945–1990. Band 3. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2001. ISBN 3-613-02116-1. S. 52–61

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans G. Mayer-Stein: Die großen VW: Nordhoffs Vermächtnis: VW 1500/1600, 411/412. Verlag Karl Goerner, Karlsruhe 1994, ISBN 3-9803665-0-2
  • OLDTIMER MARKT Heft 12 Dezember 1988, Titel: VW 1500/1600 Typ 3
  • Colin Burnham: Faszination Volkswagen. VW-Raritäten unter kalifornischer Sonne. SERAG AG 1988, ISBN 3-908007-41-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Volkswagen Type 3 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien