Johann Ernst (Nassau-Weilburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Ernst zu Nassau-Weilburg

Johann Ernst von Nassau-Weilburg (* 13. Juni 1664 in Weilburg; † 27. Februar 1719 in Heidelberg) war Graf, ab 1688 Fürst von Nassau-Weilburg und kaiserlicher Generalfeldmarschall.

Leben[Bearbeiten]

Johann Ernst war der älteste Sohn von Friedrich von Nassau-Weilburg (* 1640; † 1675) und Christiane Elisabeth von Sayn-Wittgenstein (* 1646; † 1678). Als sein Vater an den Folgen eines Reitunfalls 1675 starb, war er 11 Jahre alt. Johann Ernst erbte gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich Ludwig (* 1665; † 1684) die Grafschaft Nassau-Weilburg, eine Linie des Hauses Nassau.

Zu seinem Vormund wurde Johann von Nassau-Idstein bestellt. Johann Ernst verbrachte seine Kindheit in Weilburg wo er von den Privatlehrern Ph. L. Engel von Darmstadt (ab 1671) und Franz Ertzmann von Korbach (ab 1676) unterrichtet wurde. Beim Tod seiner Mutter 1678 war er 14 Jahre. Da auch Johann von Nassau-Idstein 1678 starb ging die Vormundschaft auf Johann Ludwig von Nassau-Ottweiler über. Johann Ernst und sein Bruder zogen 1679 zu ihrem Vormund nach Ottweiler.

Im Juli 1679 begann Johann Ernst mit dem Studium an der Universität Tübingen. Von 1681 bis 1682 weilte er am Hof des französischen König Ludwig XIV. im Schloss Versailles.

Anfänglich kontrollierte er nur das rechtsrheinische Gebiet von Weilburg. Die linksrheinischen Teile der Grafschaft, Kirchheim und Stauf(Eisenberg (Pfalz)), waren von Frankreich besetzt. Erst durch den Frieden von Rijswijk 1697 gewann er die linksrheinischen Gebiete zurück. Er erwarb darüber hinaus noch weiter Gebiete, unter anderem Bolanden, für das Haus Nassau-Weilburg und ordnete die Primogenitur für sein Haus an.

Im Jahre 1688 wurde den rechtsrheinischen walramischen Linien des Hauses Nassau (Nassau-Weilburg, Nassau-Idstein und Nassau-Usingen) die Fürstenwürde verliehen. Da sich Johann Ernst weigerte seinen Anteil an der Ernennungsgebühr zu zahlen, hielten Walrad von Nassau-Usingen und Georg August von Nassau-Idstein die Ernennungsurkunde zurück. Johann Ernst nahm die Fürstenwürde nie an.

Bei einem Kuraufenthalt starb Johann Ernst 1719 in Heidelberg. Nach seinem Tod übernahm sein zweiter Sohn Karl August die Regierung.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten]

Im Jahr 1684 trat Johann Ernst als Oberstleutnant in den Dienst der Landgrafen von Hessen-Kassel. Er befehligte ein Dragonerregiment. Im Jahr 1686 erfolgte die Beförderung zum Oberst. Im Jahr 1688 war er im Pfälzischen Erbfolgekrieg bei der Verteidigung von Koblenz eingesetzt. 1689 war er an der Belagerung von Mainz beteiligt. Im Jahr 1690 nahm er an der Schlacht von Fleurus teil. Dort stand ihm Ludwig Kraft von Nassau-Saarbrücken gegenüber, der im französischen Dienst stand. 1691 erfolgte die Ernennung zum Generalmajor. 1693 nahm er an der Schlacht bei Neerwinden teil. 1696 erfolgte die Ernennung zum hessischen Generalleutnant.

Noch September 1696 wechselte Johann Ernst in den Dienst des Kurfürstentums Pfalz als General des Oberrheinischen Kreis. Landgraf Karl von Hessen-Kassel verübelte Johann Ernsts Wechsel, und wurde zu seinem schärfsten Gegner. Nach dem Frieden von Rijswijk 1697 wurde Johann Ernst auch Gouverneur der Pfälzer Residenzstadt Düsseldorf.

Im Jahr 1701 organisierte Johann Ernst die Aufstellung der oberrheinischen Reichstruppen für den Spanischen Erbfolgekrieg. Er war an der Belagerung und Erstürmung der Festung Landau in der Pfalz 1702 beteiligt und vertrieb im Anschluss ein französisches Heer unter dem Marschall von Frankreich Tallard aus dem Hunsrück. Hierfür wurde er zum kurpfälzischen Feldmarschall ernannt.

Während der kaiserliche Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen in Bayern gegen den französischen Marschall Villars zog, blieb Johann Ernst am Rhein, um Landau gegen Tallard zu verteidigen. Am 15. November 1703 kam es zur Schlacht am Speyerbach. Die kaiserlichen Truppen unterlagen den Franzosen. Unter den etwa 8000 Gefallenen war auch Johann Ernsts ältester Sohn, Oberst Friedrich Ludwig von Nassau-Weilburg. Danach nahm Johann Ernst an keiner größeren Schlacht mehr teil. 1706 zog er sich ganz aus dem aktiven militärischen Dienst zurück und wurde Großhofmeister des Pfälzer Kurfürsten. 1716 endete sein Amt als Gouverneur von Düsseldorf und Großhofmeister. Johann Ernst kehrte nach Weilburg zurück. Für seine Leistungen wurde er in den Hubertusorden aufgenommen.

Baupolitik[Bearbeiten]

Unter seiner Regierung wurde in Weilburg 1702 mit der Umgestaltung des Schlosses und der Schlosskirche begonnen. Für die Bauleitung wurde Julius Ludwig Rothweil als Baumeister verpflichtet. Johann Ernst erlebte die Fertigstellung des Schlosses 1721 nicht mehr. Neben den Schlossbauten wurde auch der Marktplatz angelegt, die barocken Gartenanlagen und Verwaltungsgebäude wie die Kanzlei (heute Bergbau- und Stadtmuseum [1]).

Weiterhin wurde unter Johan Ernst in Weilburg der Tiergarten neu angelegt, die Wirtschaftshöfe Windhof und Wehrholz erbaut und eine aufwendige Wasserleitung hergestellt. Außerdem wurde die alte Stadtmauer niedergelegt und die wichtigen Straßen und Plätze im barocken Stil neu gestaltet (u.a. Mauerstraße, Neugasse, Marktplatz, Frankfurter- und Limburger Straße).

Die Kosten der Baumaßnahmen zahlte Johann Ernst überwiegend aus den Gehältern seiner militärischen Laufbahn.

Münzwesen[Bearbeiten]

Johann Ernst machte wieder vom Münzrecht der Nassauer Grafen Gebrauch. Hierzu ließ eine Münzprägeanstalt in Weilburg erbauen, und übertrug sie am 19. Mai 1690 dem Münzmeister J. U. Böttger.

Am 15. November 1692 wurde die Münzprägeanstalt per Vertrag an D. Schlüter übertragen. Schlüter wurde verpflichtet, mit einem selber hergestellten Prägestempel minderwertige Gulden zu prägen; Johann Ernst verpflichtete sich zur Gefahrtragung. Es wurde vor allem kurpfälzer und brandenburger Geld gefälscht.

Johann Wilhelm von der Pfalz verklagte Johann Ernst vor der Münzkommission und dem Reichshofrat. Johann Ernst konnte im Dezember 1695 den Prozess durch Zahlung von 5.000 Gulden abwenden. Am 15. April 1696 kamen Truppen aus Pfalz-Neuburg nach Weilmünster, und mussten ohne Beweise wieder abziehen. Nach dem Wechsel von Johann Ernst in den Pfälzer Dienst kamen am 6. Dezember 1696 Truppen von Hessen-Kassel nach Weilburg. Maria Polyxena flüchtete nach Frankfurt. Die hessischen Truppen verhafteten den Kammerschreiber Boller, den Münzmeister Schlüter und den Büchsenmacher Conradi. Boller und Conradi kamen wieder frei, Schlüter wurde brandenburgischen Soldaten übergeben. Er gestand, dass er etwa 90.000 Gulden gefälscht hatte, von denen 600 in Umlauf gekommen waren. Schlüter wurde zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. Johann Ernst leistete beim Brandenburger Kurfürst Abbitte. Johann Wilhelm von der Pfalz vergab seinem verdienten General.

Eine zweite Falschmünzerwerkstatt bestand in Weilmünster. Vermutlich war diese Johann Ernst bekannt. Im Mai 1695 rückten unvermutet brandenburgische Dragoner in Weilmünster ein, konnten jedoch keine Spuren der Falschmünze mehr finden. Die verdächtigten Juden Jakob und Beer waren spurlos verschwunden. Eine Beteiligung Johann Ernst an dieser Falschmünze konnte nie nachgewiesen werden.

Familie[Bearbeiten]

Johann Ernst heiratete am 3. April 1683, noch unter Vormundschaft, Maria Polyxena Leiningen-Dagsburg-Hartenburg (* 7. Februar 1662; † 22. April 1725). Mit der Eheschließung endete die Vormundschaft. Johann Ernst soll die Ehe gegen den Willen seines Vormundes durchgesetzt haben. Zum Andenken daran soll er im Schlossgarten Weilburg die ’’Kusslinde’’ gepflanzt haben. Aus der Ehe sind vier Söhne und fünf Töchter hervorgegangen:

  • Friedrich Ludwig (1683–1703), gefallen in der Schlacht am Speyerbach
  • Karl August (1685–1753) ∞ 17. August 1723 Auguste Friederike von Nassau-Idstein (* 17. August 1699;† 8. Juni 1750)
  • Maria Polyxena (1686–1687)
  • Johanna Louise (1687–1688)
  • Karl Ernst (1689–1709)
  • Heinrich Ludwig (1690–1691)
  • Magdalena (1691–1725) ∞ 15. April 1719 Friedrich Wilhelm Graf (später Fürst) zu Solms-Braunfels (* 11. Januar 1696; †24. Februar 1761)
  • Albertina (1693–1748)
  • unbenannte Tochter, starb bei der Geburt. (1694)

Nach dem Tod seines Bruder Friedrich Ludwig 1684 übernahm Johann Ernst die Alleinherrschaft der Grafschaft Nassau-Weilburg.

Literatur[Bearbeiten]

Dr. C. Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg, 1896, Neuauflage 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bergbau- und Stadtmuseum (Zugegriffen 10. April 2014)

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich Graf von Nassau-Weilburg
ab 1688 Fürst

1675–1719
Karl August