Kriegskabinett

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Ein Kriegskabinett ist ein vorwiegend in Großbritannien (War Cabinet) und den USA bekannter Ministerausschuss, der von der Regierung in Kriegszeiten gebildet wird. Dabei sind vorwiegend jene Ministerien vertreten, die für die Kriegführung die größte Bedeutung haben. Ergänzt werden diese Minister häufig auch durch führende Offiziere der Streitkräfte, sowie auch durch Vertreter der Opposition.

Im 20. Jahrhundert wurden von der britischen Regierung sowohl im Ersten Weltkrieg als auch im Zweiten Weltkrieg Kriegskabinette gebildet.

Der in Deutschland kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gebildete Ministerrat für die Reichsverteidigung ist in der Anklageschrift für den Nürnberger Prozess ebenfalls als Kriegskabinett bezeichnet worden.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bildete US-Präsident George W. Bush ein 'War Cabinet'. Es trat am Wochenende um den 15. September 2001 zusammen, um das zu konzipieren, was später als 'Krieg gegen den Terror' (engl. 'War on Terrorism') bekannt wurde. Der Kreis der Mitglieder stimmte fast (aber nicht ganz) überein mit dem des United States National Security Council.

Das Kabinett umfasste

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkriegs kam man zu der Ansicht, langatmige Diskussionen im Kabinett seien unpraktikabel. Im Dezember 1916 wurde vorgeschlagen, Premierminister Herbert Henry Asquith sollte Entscheidungsfindungen an ein kleines Drei-Mann-Komitee delegieren, dem der 'Secretary of State for War' David Lloyd George vorsitzen sollte. Asquith stimmte zunächst zu (vorausgesetzt dass er das Recht behielt, dem Komitee vorzusitzen wenn er es wollte), bis er dann seine Meinung wechselte, nachdem er sich über einen Zeitungsartikel in der Times aufgeregt hatte, die die vorgeschlagene Änderung als eine Niederlage für ihn beschrieb. Ab dann kam es zu einer politischen Krise; Asquith sah sich zum Rücktritt als PM gezwungen. Sein Nachfolger wurde David Lloyd George; dieser bildete ein kleines Kriegskabinett.

Mitglieder von Anfang an waren darin:

Lloyd George Curzon und Bonar Law waren Mitglieder, so lange das War Cabinet bestand. Unter den späteren Mitgliedern waren

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 3. September gab Neville Chamberlain sein War Cabinet bekannt:

Da das Kabinett von vormaligen Vertretern der Appeasement-Politik dominiert wurde, die Mitglied von Chamberlains „National Government“ (1937 - 1939) gewesen waren, schienen die Mitglieder Lord Hankey (ein ehemaliger Cabinet Secretary während des Ersten Weltkriegs) und Winston Churchill (entschiedener Gegner der Appeasement-Politik) das Kabinett ausgewogener zu machen. Anders als im Kriegskabinett von Lloyd George waren die Mitglieder diesmal auch Leiter von Government Departments (Ministerien o. ä.).

Hore-Belisha trat im Januar 1940 nach Meinungsverschiedenheiten mit den Stabschefs der Streitkräfte aus dem National Government aus; er weigerte sich, den Posten des President of the Board of Trade zu übernehmen. Sein Nachfolger im Kriegskabinett wurde Oliver Stanley.

Als Churchill Premierminister wurde, bildete er ein Kriegskabinett, das zu Beginn aus den folgenden Mitgliedern bestand:

Falklandkrieg 1982[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1982 kämpften im Falklandkrieg Großbritannien und Argentinien um die Falklandinseln; Argentinien verlor diesen Krieg.

Golfkrieg[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

Das australische Kriegskabinett bei einem Treffen in Melbourne 1943: (von links) John Curtin, Sir Frederick Sheddon, Ben Chifley, 'Doc' Evatt, Norm Makin, Arthur Drakeford

Auf der Reichskonferenz 1937 in London stimmte die Australische Regierung zu ein Kriegskabinett, im Falle eines Krieges, einzurichten.[2] Das Kabinett stimmte einer Einrichtung, im Zuge des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges, am 26. September 1939 zu.[3] Da weder die Country Party noch die Australian Labor Party eine Koalition mit der Regierenden United Australia Party einging, bestand das Kriegskabinett zunächst aus:

Im November 1939 wurde das Department of Defence aufgeteilt. Der Minister for Defence wurde Minister for Army, der Premierminister wurde zusätzlich Minister for Defence Coordination und drei weitere Minister wurden Mitglieder des Kriegskabinetts:

Nachdem Fairbairn, Stewart and Gullett bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen sowie nach Stimmverlusten der Regierungspartei bestand das Kriegskabinett ab Oktober 1940 aus:

Nachdem die Australian Labor Party am 3. Oktober 1941 die Regierung übernahm wurde ein neues Kriegskabinett bestellt:

Frederick Shedden war der Generalsekretär des Kriegskabinetts[8], welches sich regelmäßig während des Zweiten Weltkrieges traf. Seine letzte Sitzung fand am 19. Januar 1946 statt.[9]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Alain Rouvez: Disconsolate Empires: French, British and Belgian Military Involvement in Post-Colonial Sub-Saharan Africa. University Press of America, 1994, ISBN 978-0-8191-9643-9.
  2. Horner 1996, S. 2
  3. Horner 1996, S. 3
  4. Horner 1996, S. 2–3
  5. Horner 1996, S. 4
  6. Hasluck 1952, S. 574
  7. Hasluck 1952, S. 577
  8. Hasluck 1952, S. 421–422
  9. Horner 1996, S. 197