Kriegskabinett
Ein Kriegskabinett ist ein vorwiegend in Großbritannien (War Cabinet) und den USA bekannter Ministerausschuss, der von der Regierung in Kriegszeiten gebildet wird. Dabei sind vorwiegend jene Ministerien vertreten, die für die Kriegführung die größte Bedeutung haben. Ergänzt werden diese Minister häufig auch durch führende Offiziere der Streitkräfte, sowie auch durch Vertreter der Opposition.
Im 20. Jahrhundert wurden von der britischen Regierung sowohl im Ersten Weltkrieg als auch im Zweiten Weltkrieg Kriegskabinette gebildet.
Der in Deutschland kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gebildete Ministerrat für die Reichsverteidigung ist in der Anklageschrift für den Nürnberger Prozess ebenfalls als Kriegskabinett bezeichnet worden.
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Vereinigte Staaten [Bearbeiten]
Nach den Terroranschlägen vom 9. September 2001 bildete der damalige US-Präsident George W. Bush ein 'War Cabinet'. Es trat am Wochenende um den 15. September 2001 zusammen, um das zu konzipieren, was später als 'Krieg gegen den Terror' (engl. 'War on Terrorism') bekannt wurde. Der Kreis der Mitglieder stimmte fast (aber nicht ganz) überein mit dem des United States National Security Council.
Das Kabinett umfasste
- Präsident - George W. Bush
- Vizepräsident - Dick Cheney
- Defense Secretary - Donald Rumsfeld
- Assistant to the President for National Security Affairs - Condoleezza Rice
- Secretary of State - Colin Powell
- Director of Central Intelligence - George Tenet
- Chairman of the Joint Chiefs of Staff - Hugh Shelton
- Attorney General - John Ashcroft
- Secretary of the Treasury - Paul O’Neill
- Counselor to the President - Karen Hughes
- White House Press Secretary - Ari Fleischer
- Director of the Federal Bureau of Investigation (FBI) - Robert Mueller
- Deputy Defense Secretary - Paul Wolfowitz
- White House Chief of Staff - Andrew Card
Vereinigtes Königreich [Bearbeiten]
Erster Weltkrieg [Bearbeiten]
Während des Ersten Weltkriegs kam man zu der Ansicht, langatmige Diskussionen im Kabinett seien unpraktikabel. Im Dezember 1916 wurde vorgeschlagen, Premierminister Herbert Asquith sollte Entscheidungsfindungen an ein kleines Drei-Mann-Komitee delegieren, dem der 'Secretary of State for War' David Lloyd George vorsitzen sollte. Asquith stimmte zunächst zu (vorausgesetzt dass er das Recht behielt, dem Komitee vorzusitzen wenn er es wollte), bis er dann seine Meinung wechselte, nachdem er sich über einen Zeitungsartikel in der Times aufgeregt hatte, die die vorgeschlagene Änderung als eine Niederlage für ihn beschrieb. Ab dann kam es zu einer politischen Krise; Asquith sah sich zum Rücktritt als PM gezwungen. Sein Nachfolger wurde David Lloyd George; dieser bildete ein kleines Kriegskabinett. Mitglieder von Anfang an waren darin:
- David Lloyd George
- Lord Curzon of Kedleston (Lord President of the Council)
- Andrew Bonar Law (Chancellor of the Exchequer)
- Arthur Henderson (Dezember 1916 - August 1917)
- Lord Milner (Dezember 1916 - April 1918)
Lloyd George Curzon und Bonar Law waren Mitglieder, so lange das War Cabinet bestand. Unter den späteren Mitgliedern waren
- Jan Smuts (Juni 1917 - Januar 1919)
- George Barnes (Mai 1917 - Januar 1919)
- Austen Chamberlain (April 1918 - Oktober 1919)
- Sir Eric Geddes (Januar 1919 - Oktober 1919)
Zweiter Weltkrieg [Bearbeiten]
Am 3. September gab Neville Chamberlain sein 'War Cabinet' bekannt:
- Premierminister: Neville Chamberlain (Conservative)
- Lordsiegelbewahrer: Sir Samuel Hoare (Conservative)
- Schatzkanzler: Sir John Simon (Nat. Liberal)
- Foreign Secretary: Viscount Halifax (Conservative)
- Secretary of State for War: Leslie Hore-Belisha (Nat. Liberal)
- Secretary of State for Air: Sir Kingsley Wood (Conservative)
- First Lord of the Admiralty: Winston Churchill (Conservative)
- Minister for the Coordination of Defence: Lord Chatfield (Nat.)
- Minister ohne Geschäftsbereich ("without Portfolio"): Lord Hankey (Nat. )
Da das Kabinett von Ministern der Konservativen dominiert wurde, die Mitglied von Chamberlains 'National Government' (1937 - 1939) gewesen waren, schienen die Mitglieder Lord Hankey (ein ehemaliger 'Cabinet Secretary' während des Ersten Weltkriegs) and Winston Churchill (entschieden gegen Appeasement-Politik) das Kabinett ausgewogener zu machen. Anders als im Kriegskabinett von Lloyd George, waren die Mitglieder diesmal auch Leiter von 'Government Departments' (Ministerien o. ä.).
Hore-Belisha trat im Januar 1940 nach Meinungsverschiedenheiten mit den 'Chiefs of Staff' aus dem 'National Government' aus; er weigerte sich, den Posten des 'President of the Board of Trade' zu übernehmen. Sein Nachfolger im Kriegskabinett wurde Oliver Stanley.
Als Churchill Premierminister wurde, bildete er ein Kriegskabinett, das zu Beginn aus den fgolgenden Mitgliedern bestand:
- Premierminister & Minister of Defence: Winston Churchill (Conservative)
- Lord President of the Council: Neville Chamberlain (Conservative)
- Lordsiegelbewahrer: Clement Attlee (Labour)
- Foreign Secretary: Lord Halifax (Conservative)
- Minister ohne Geschäftsbereich ("without Portfolio"): Arthur Greenwood (Labour)
Falklandkrieg 1982 [Bearbeiten]
Im Frühjahr 1982 kämpften im Falklandkrieg Großbritannien und Argentinien um die Falklandinseln; Argentinien verlor diesen Krieg.
- Premierminister - Margaret Thatcher
- Deputy Prime Minister & Home Secretary - Willie Whitelaw
- Secretary of State for Foreign & Commonwealth Affairs - Francis Pym
- Secretary of State for Defence - John Nott
- Chief of the Defence Staff - Admiral of the Fleet Terence Lewin
- Attorney General - Michael Havers
Golfkrieg [Bearbeiten]
- Premierminister - John Major
- Secretary of State for Foreign and Commonwealth Affairs - Douglas Hurd
- Secretary of State for Defence - Tom King
- Chancellor of the Exchequer - Norman Lamont
- Chief of the Defence Staff - Marshal of the RAF Sir David Craig[1]
Australien [Bearbeiten]
Auf der Reichskonferenz 1937 in London stimmte die Australische Regierung zu ein Kriegskabinett, im Falle eines Krieges, einzurichten.[2] Das Kabinett stimmte einer Einrichtung, im Zuge des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges, am 26. September 1939 zu.[3] Da weder die Country Party noch die Australian Labor Party eine Koalition mit der Regierenden United Australia Party einging, bestand das Kriegskabinett zunächst aus:
- Robert Menzies (Premierminister and Treasurer)
- Richard Casey (Minister for Supply)
- Geoffrey Street (Minister for Defence)
- George McLeay (Minister for Commerce)
- Henry Somer Gullett (Minister for Information)
- Billy Hughes (Attorney General)[4]
Im November 1939 wurde das Department of Defence aufgeteilt. Der Minister for Defence wurde Minister for Army, der Premierminister wurde zusätzlich Minister for Defence Coordination und drei weitere Minister wurden Mitglieder des Kriegskabinetts:
- James Fairbairn (Minister for Air)
- Frederick Harold Stewart (Minister for Navy)
- Harry Foll (Minister for Interior)[5]
Nachdem Fairbairn, Stewart and Gullett bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen sowie nach Stimmverlusten der Regierungspartei bestand das Kriegskabinett ab Oktober 1940 aus:
- Robert Menzies (Prime Minister and Minister for Defence Coordination)
- Arthur Fadden (Treasurer)
- John McEwen (Minister for Air)
- Percy Spender (Minister for Army)
- Billy Hughes (Attorney General and Minister for Navy)
- Harry Foll (Minister for Interior)
- Philip McBride (Minister for Munitions) (from 26 June 1941)[6]
Nachdem die Australian Labor Party am 3. Oktober 1941 die Regierung übernahm wurde ein neues Kriegskabinett bestellt:
- John Curtin (Prime Minister and Minister for Defence Coordination)
- Frank Forde (Minister for Army)
- Ben Chifley (Treasurer)
- Doc Evatt (Attorney General and Minister for External Affairs)
- Jack Beasley (Minister for Supply)
- Norman Makin (Minister for Navy and Minister for Munitions)
- Arthur Drakeford (Minister for Air)
- John Dedman (Minister for Interior) (from 11 December 1941)[7]
Frederick Shedden war der Generalsekretär des Kriegskabinetts[8], welches sich regelmäßig während des Zweiten Weltkrieges traf. Seine letzte Sitzung fand am 19. Januar 1946 statt.[9]
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ Alain Rouvez: Disconsolate Empires: French, British and Belgian Military Involvement in Post-Colonial Sub-Saharan Africa. University Press of America, 1994, ISBN 978-0-8191-9643-9.
- ↑ Horner 1996, S. 2
- ↑ Horner 1996, S. 3
- ↑ Horner 1996, S. 2–3
- ↑ Horner 1996, S. 4
- ↑ Hasluck 1952, S. 574
- ↑ Hasluck 1952, S. 577
- ↑ Hasluck 1952, S. 421–422
- ↑ Horner 1996, S. 197