Kunsthalle Düsseldorf

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Kunsthalle Düsseldorf
Haupteingang der Kunsthalle, im Vordergrund der Kippdeckel von Lee Thomas Taylor, 2004

Die Kunsthalle Düsseldorf ist eine moderne Ausstellungshalle in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Wegen ihrer Baukonstruktion, bei der die Verwendung von Sichtbeton (französisch: béton brut) eine große Rolle spielt, gehört sie zu den Beispielen der Architektur des Brutalismus. Die Kunsthalle wird getragen von einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung, deren Aufsichtsrat der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf vorsitzt. In dem Gebäude, das der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz gegenüber liegt, befinden sich auch der Sitz des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, die Kabarettbühne Kom(m)ödchen, der Salon des Amateurs sowie eine Buchhandlung. Einen weiteren, besonderen Ausstellungsraum betreibt die Kunsthalle Düsseldorf im Untergeschoss des Pavillons Kunst im Tunnel an der Rheinuferpromenade.

Geschichte, Architektur und Außenobjekte[Bearbeiten]

Das Düsseldorfer Schloss mit der Gemäldegalerie, 1831 (Gemälde von Andreas Achenbach)
Alte Kunsthalle, Foto von 1896

Die Geschichte der Kunsthalle steht im Zusammenhang mit der Gemäldegalerie, die unter Jan Wellem (1658–1716) gegründet wurde und eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Zeit enthielt. 1795 wurden die Gemälde wegen der herannahenden Revolutionsarmee Frankreichs nach Mannheim gebracht. Nach dem Friedensschluss veranlassten die Stände des Herzogtums Berg die Rückführung der Bilder. Wegen eines Ländertausches zwischen Kurpfalz-Bayern, Frankreich und Preußen, bei dem Kurpfalz-Bayern das Herzogtum Berg mit seiner Hauptstadt Düsseldorf Napoléon überließ, wurde die wertvolle Sammlung 1805 dann aber schon wieder abtransportiert, zuerst nach Kirchheim-Bolanden, von dort nach München. Aufgrund des Staatsvertrages zwischen Preußen und Bayern im Jahre 1870 musste Düsseldorf auf die Rückgabe der überführten kurfürstlichen Gemäldegalerie endgültig verzichten. Sie bildet heute das Kernstück der Münchner Pinakothek. Der Wert der Sammlung wurde damals auf 2,1 Mio. Taler geschätzt. Düsseldorf reichte daraufhin im Jahre 1872 eine Petition bei dem Kaiser Wilhelm I. ein, um eine Entschädigung für die verlorenen Galeriebestände zu erhalten. Der Kaiser gab dem Gesuch statt und gewährte eine Summe von 150.000 Talern zur Errichtung der Kunsthalle, die zwischen 1878 und 1881 erbaut sowie am 3. Juli 1881 mit einem historischen Kostümumzug des Künstlervereins Malkasten eingeweiht wurde. Dieses Ausstellungsgebäude, das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden war, wurde 1967 abgerissen.

1967 entstand ein Neubau am Grabbeplatz etwa 150 Meter südwestlich versetzt von der Stelle des im Krieg beschädigten und abgebrochenen Vorgängerbaues. Zu dem Vorschlag des Hochbauamts wurden später die zweiten Preisträger Beckmann und Brockes als ausführende Architekten hinzugezogen.

Neubau, Blick über den Grabbeplatz
Vier Karyatiden des Bildhauers Wilhelm Albermann, 1879–1881, Personifikationen der Musik, der Malerei, der Bildhauerei und der Architektur
Habakuk, 1971 von Hermann Isermann geschaffen nach einer Statuette (1934) von Max Ernst, im Hintergrund das Bronzerelief von Klaus Hartung (1967)[1]

Die 1967 erbaute Halle ist ein einfacher, monolithisch wirkender Block, den Konrad Beckmann und Christoph Brockes mit Betonplatten verkleideten, die in den 1950er Jahren für den massenhaften Einsatz im Fertigteilbau entwickelt worden waren. Der Block ist quaderförmig und ruht auf einem eingezogenen Sockel aus schwarzem Basalt. Das Gebäude hatte zum Grabbeplatz hin zunächst eine geschlossene Terrassenanlage am Haupteingang;[2] aufgrund eines späteren Umbaus verfügt die Kunsthalle heute auf ihrer Nordseite über eine großzügig geöffnete Terrassen- und Treppenanlage, die sie mit dem Grabbeplatz verbindet. Den oberen Abschluss des Baus bildet ein „Zinnenkranz“[3] aus Beton. Die Belichtung der oberen Ausstellungssäle erfolgt über eine Sheddachkonstruktion. Die Hauptansichtsseite hat keine Fenster und ist in sich bis auf den Eingangsbereich vollkommen geschlossen; die Seitenansichten zeigen einige in den Beton eingeschnittene Fenster.

Das Gebäude wurde wegen der „Wucht seiner am Brutalismus ausgerichteten Betonfassaden“[3] stark kritisiert. Der Architekturkritiker Wolfgang Pehnt rückte den Bau wegen seiner Anmutung in die Nähe der Kunsthalle Bielefeld des amerikanischen Architekten Philip Johnson und weiterer „bildstarker Schöpfungen“ der 1960er Jahre, die sich gegenüber ihrer desolaten Umgebung in einer eigensinnigen Sonderexistenz mit einer Ästhetik der „tastbaren, körnigen Gebäudehäute“ als „abweisende Wehrbauten“ trotzig abschlössen, aber „Zuflucht in ihren Leibeshöhlen“ böten.[4] Die vier Karyatidenfiguren – Werke des Bildhauers Wilhelm Albermann,[5] die nach dem Vorbild der Fassade des Louvre-Pavillon Sully (de l’Horloge) das Hauptportal der Alten Kunsthalle von 1881 flankiert hatten – erhielten einen neuen Standort am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz zwischen Kunsthalle und Andreaskirche.[6]

Das Schwarze Loch von Joseph Beuys

Über dem Eingang der Kunsthalle hängt ein Bronzerelief von Karl Hartung, das um 1967 entstanden ist. Die Freitreppe am Eingang der Kunsthalle beherrscht der Habakuk, eine 1970 gegossene, knapp 4 m hohe Vogelfigur von Max Ernst nach einem 52 cm großen Modell von 1934. Ein weiteres Objekt auf der Freitreppe ist der Kippdeckel von Lee Thomas Taylor, ein Werk aus Beton, das zur Ausstellung raumfürraum 2004/2005 in der Kunsthalle gezeigt wurde.[7] Im Rahmen der Ausstellung Prospekt 69 entstand 1969 im Basaltsteinboden der Freitreppe in Gestalt von sieben Rillen die Arbeit Windows and Matchdrops von Michael Heizer.[8] Im September 1973 entstand auf der Terrasse der Kunsthalle Anatol Herzfelds Einbaum Das Blaue Wunder, mit dem am 20. Oktober 1973 durch eine Rheinüberfahrt vom Oberkasseler zum Altstadtufer die Aktion Heimholung des Joseph Beuys verwirklicht und die offizielle Feier zum 200-Jahre-Jubiläum der Kunstakademie Düsseldorf mit einer Gegenveranstaltung konfrontiert wurde. Aus der am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz gelegenen Außenwand der Kunsthalle ragt ein schwarzes Ofenrohr von Joseph Beuys. Dieses Objekt, genannt Das Schwarze Loch, wurde 1981 zur Ausstellung SCHWARZ als Replik eines im Beuys-Atelier am Drakeplatz erhaltenen Kaminrohrs installiert. Durch ein Loch in der Außenwand ist das Objekt mit einem Innenraum auf der zweiten Etage der Kunsthalle verbunden, wo es durch ein knapp über Kopfhöhe gelegenes, im Durchmesser 20 cm breites, dunkles Loch an der Innenseite der Außenwand in Erscheinung tritt.[9][10][11][12][13][14] In einer Fuge der Außenwand zum Grabbeplatz brachte James Lee Byars 1986 mit roter Farbe Die Träne an. Sie entstand im Rahmen der Einzelausstellung Palast der Philosophie.[15]

Zwischen Ende der 1990er Jahre und 2002 erneuerte das Architektenteam rheinflügel das Gebäude. Hierbei war es Ziel, die ursprüngliche Baukonstruktion aus Sichtbetonelementen wieder stärker hervortreten zu lassen.

Das Haus verfügt über keine eigene Sammlung, sondern organisiert Wechselausstellungen. Daneben dienen Vorträge, Performances und Nachtfoyers der Diskussion und Reflexion aktueller Kunstpositionen.

Eigene Räume werden vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen genutzt und im hinteren Bereich ist mit separatem Eingang am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz die Kabarettbühne Kom(m)ödchen untergebracht.[16] Im vorderen Bereich am Grabbeplatz befindet sich seit 2004 der Salon des Amateurs, die Künstlerbar und der alternative Electroclub an der Kunsthalle.

Direktoren waren von 1965 bis 1972 Karl Ruhrberg, von 1972 bis 1998 Jürgen Harten, von 1998 bis 2001 Marie Luise Syring und von 2002 bis 2009 Ulrike Groos, seit 1. Januar 2010 ist es der Kunstwissenschaftler Gregor Jansen.

Die Kunsthalle wird gefördert von der Landeshauptstadt Düsseldorf und den Stadtwerken Düsseldorf.

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten]

„In Düsseldorf zum Beispiel, dieser vielleicht immer noch BRDigsten aller deutschen Städte, mit seiner Boutiquen-Arroganz, seiner Autobrückenherrlichkeit, seiner Hochhaus-Eleganz, in Düsseldorf hat mir neulich ein Museumsleiter erzählt, wie versucht wird, das großartige Gebäude, in dem die Kunsthalle untergebracht ist, eine Art Kunstmonolith aus Beton, Beton, Beton und etwas Glas und Stahl, hübscher, erträglicher, kleiner zu machen, weniger fremd, weniger bedrohlich, weniger modern – die Deutschen hassen Beton, sagte er, und das ist dann eben doch die andere, antimoderne Seite dieser Mein-Dorf-soll-schöner-werden-Ideologie, wie sie etwa von einer so erfolgreichen Zeitschrift wie „Landlust“ ganz unbedarft verbreitet wird.“

Georg Diez[21]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Friedrich Koch: Museums- und Ausstellungsbauten. In:  Eduard Trier, Willy Weyres (Hrsg.): Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Bd. 2. Architektur: II, Profane Bauten und Städtebau. Schwann, Düsseldorf 1980, ISBN 3-590-30252-6, S. 212f.
  • Alexandra König: Kunsthalle. In: Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf. Dietrich Reimer, Berlin 2001, ISBN 3-496-01232-3, Nr. 20 auf S. 15.
  • Dietmar Dath: Kunsthalle Düsseldorf., Hrsg.: Literaturbüro NRW, Stadtwerke Düsseldorf AG, 2006, 2., ergänzte Auflage, 32 S. mit dem Essay von Dietmar Dath „Sind wir bald da? Vorschlag zur späteren Nutzung der Kunsthalle Düsseldorf“, ISBN 978-3-934268-47-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Habakuk, fotos-von-duesseldorf.de, abgerufen am 17. November 2012
  2. Siehe: Geschichte der Kunsthalle Düsseldorf mit historischen Fotos aus dem Zeitraum 1967 bis 2010, Website im Portal kunsthalle-duesseldorf.de, abgerufen am 30. September 2012
  3. a b Alexandra König: Kunsthalle. In: Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf. Dietrich Reimer, Berlin 2001, ISBN 3-496-01232-3, Nr. 20 auf S. 15.
  4. Wolfgang Pehnt: Zwischen Bescheidenheit und Hybris. Zur Architektur der Nachkriegszeit in NRW. In: Sonja Hnilica, Markus Jager, Wolfgang Sonne (Hrsg.): Auf den zweiten Blick. Architektur der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen. transcript Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1482-4, S. 26 f.
  5. Nach neueren Forschungen wurden die zwei 1879 bis 1881 aus Sandstein gehauenen Skulpturenpaare jedoch vom Bildhauer Wilhelm Albermann geschaffen (vgl. Rolf Pupar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. Grupello Verlag, 2. Auflage, Düsseldorf 2009, ISBN 3-89978-044-2, S. 33).
  6. Edgard Haider: Verlorene Pracht. Geschichten von zerstörten Bauten. Gerstenberg, Hildesheim 2006, S. 98ff.
  7. Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. Grupello Verlag, 2. Auflage, Düsseldorf 2009, ISBN 3-89978-044-2, S. 57.
  8. Rolf Purpar, S. 42 (pdf-Datei als Leseprobe; 2,9 MB)
  9. Rolf Purpar, S. 45
  10. Jürgen Hohmeyer: Schreck im Innenraum: Ein Ofenloch von Joseph Beuys – sein Beitrag zur Ausstellung „Schwarz“. Artikel vom 26. Oktober 1981 im Magazin Der Spiegel (44/1981), abgerufen am 14. Februar 2013
  11. Fotografie des Objekts Das Schwarze Loch, Sebastian Riemer, 2005, abgerufen im Portal duesseldorf.de am 14. Februar 2013
  12. Tucholskys und andere Löcher, Beitrag mit weiterführenden Hinweisen vom 14. Januar 2013 im Portal miriskum.de, abgerufen am 14. Februar 2013
  13. Michael Voets: Das Ofenrohr, Beitrag des Kulturamts der Landeshauptstadt Düsseldorf, abgerufen im Portal deutsche-digitale-bibliothek.de am 14. Februar 2013
  14. Christoph Siemes: Was vom Schamanen übrig bleibt. Artikel vom 25. September 2010 im Portal zeit.de, abgerufen am 14. Februar 2013
  15. Rolf Purpar, S. 49
  16. kunsthalle-duesseldorf.de (Geschichte), abgerufen am 14. August 2008
  17. Smart New World. Webseite der Kunsthalle Düsseldorf, abgerufen am 2. Juni 2014
  18. Thea Ballard: Review: „Smart New World“ at Kunsthalle Dusseldorf, Ausstellungskritik vom 2. Juni 2014 im Portal ca.blouinartinfo.com, abgerufen am 2. Juni 2014
  19. YouTube-Video eines Beitrags des Düsseldorfer Lokalfernsehens centertv über die Tal R-Einzelausstellung Mann über Bord, abgerufen am 21. Juli 2012
  20. YouTube-Video der Kunsthalle Düsseldorf über Hans-Peter Feldmanns dortige Einzelausstellung 2010, abgerufen am 21. Juli 2012
  21. Georg Diez. Bye-bye, BRD, Kolumne vom 20. Juli 2012 im Portal Spiegel Online, abgerufen am 29. November 2012

51.2275680555566.7759361111111Koordinaten: 51° 13′ 39″ N, 6° 46′ 33″ O