Gotthard Graubner

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Gotthard Graubner fotografiert von Lothar Wolleh

Gotthard Graubner (* 13. Juni 1930 in Erlbach, Vogtland, Sachsen; † 24. Mai 2013 in Neuss, Nordrhein-Westfalen[1]) war ein deutscher Maler.

Leben[Bearbeiten]

Graubner studierte von 1947 bis 1948 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. 1948 wechselte er zur Dresdner Kunstakademie, wo er infolge der Entlassung seines Meisters Wilhelm Rudolph exmatrikuliert wurde. 1951 wurde er wieder zugelassen und 1952 erneut exmatrikuliert.[2] 1954 verließ er die DDR und studierte von 1954 bis 1959 an der Kunstakademie Düsseldorf.

Von 1964 bis 1965 war er Kunsterzieher am Lessing-Gymnasium in Düsseldorf. Ab 1965 hatte er einen Lehrauftrag und ab 1969 eine Professur an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. 1968 und 1977 nahm er an der documenta teil.[3] Von 1976 bis 1992 war er Professor für Freie Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.

Er schuf 1988 für den Großen Saal im Amtssitz des Bundespräsidenten (Schloss Bellevue in Berlin) zwei große abstrakte Gemälde, die Farbraumkörper Begegnungen. Sie wurden von Graubner vor Ort gemalt.[4] Ein weiteres bekanntes Gemälde im öffentlichen Eigentum gehört zu den Kunstwerken im Reichstagsgebäude und hängt in einem Sitzungsraum des Reichstages: Es handelt sich um ein großes, querformatiges, so genanntes Kissenbild.[5][6]

Graubner lebte und arbeitete in Düsseldorf und auf der Museumsinsel Hombroich in Neuss-Holzheim. Er starb kurz vor seinem 83. Geburtstag.[7]

Werk[Bearbeiten]

Graubner setzte sich in seinem Werk mit der Farbe als Gegenstand der Malerei auseinander. Seit 1962 schuf er abstrakte Gemälde. Die zweidimensionale Leinwand spannte er auf den Keilrahmen über eine dicke Schicht synthetischer Watte. Es entstanden Objekte, die er Kissenbilder nannte. Zwischen 1968 und 1972 stellte er sogenannte „Nebelräume“ her und seit 1970 nannte Graubner seine Werke Farbraumkörper. Das sind häufig große Formate, wie z. B. die Gemälde seines Zyklus zu Franz von Assisi. Graubner trug viele Schichten Farbe bzw. Lasur auf, wobei die Saugkraft des Untergrunds eine Rolle spielt. Entscheidend für ihre Wirkung ist in unterschiedlicher Weise die Intensität seiner Malweise. Dabei entstanden Farblandschaften mit zu Kontemplation einladender Ruhe; vielfarbigen Werken stehen monochrome Bilder mit feinsten Farbnuancen gegenüber. Das Eigenleben der Farbe zu entwickeln, befreit von dem Anspruch, etwas anderes darstellen zu müssen als sich selbst, war das Thema der Kunst Gotthard Graubners.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ausgewählte Ausstellungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gotthard Graubner: Gotthard Graubner. Richter-Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 978-3-933807-52-6.
  • Ausstellungskatalog: Gotthard Graubner, mit einer Einleitung von Wieland Schmied, Kestner-Gesellschaft, Hannover, Ausstellung Nr. 6, 1969.
  • Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Einblicke. Das 20. Jahrhundert in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2000, ISBN 3-7757-0853-7.
  • Petra Richter: "Ed io anche son' in arcadia" - Deutsche Künstler im Dialog mit Italien. in: Joseph Imorde, Jan Pieper (Hrsg.): Die Grand Tour in Moderne und Nachmoderne. Niemeyer, Tübingen 2008, ISBN 978-3-484-67020-4, S. 225-246.
  • Heinz-Norbert Jocks: Das Ohr am Tatort, Heinz-Norbert Jocks im Gespräch mit Gotthard Graubner, Heinz Mack, Roman Opalka, Otto Piene und Günther Uecker. Hatje Cantz, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7757-2509-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zum Tode von Gotthard Graubner. wdr3.de. 26. Mai 2013. Archiviert vom Original am 7. Januar 2014. Abgerufen am 15. November 2014.
  2. Gotthard Graubner im Munzinger-Archiv, abgerufen am 5. Januar 2012 (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Georg Imdahl: Kolorist von eigenen Gnaden in: Süddeutsche Zeitung, 27. Mai 2013, S. 10
  4. Webseite des Bundespräsidenten, abgerufen am 5. Januar 2012
  5. Internetseite des Bundestags
  6. Biographie von Gotthard Graubner, abgerufen am 5. Januar 2012
  7. Helga Meister: Der Maler Gotthard Graubner ist tot. In: Westdeutsche Zeitung vom 24. Mai 2013, abgerufen am 24. Mai 2013
  8. Sabine Oelze: Visionär der Farbe: Gotthard Graubner ist tot., dw.de, 25. Mai 2013, abgerufen am 28. Mai 2013
  9. XI Bienal de São Paulo, Catálogo, 1971, S. 22.
  10. Die Werke im deutschen Pavillon schuf er dort, so Petra Richter: Ed io..., S. 229
  11. Angaben auf der Seite des Museum Weserburg, abgerufen am 28. Mai 2013