La Neuveville

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde La Neuveville im Kanton Bern, Schweiz, für weitere Orte siehe La Neuveville (Begriffsklärung).
La Neuveville
(dt. Neuenstadt)
Wappen von La Neuveville(dt. Neuenstadt)
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Berner Jura
BFS-Nr.: 0723i1f3f4
Postleitzahl: 2520
Koordinaten: 573855 / 21275347.065287.094449434Koordinaten: 47° 3′ 55″ N, 7° 5′ 40″ O; CH1903: 573855 / 212753
Höhe: 434 m ü. M.
Fläche: 6.8 km²
Einwohner: 3666 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 539 Einw. pro km²
Website: www.neuveville.ch
Blick auf die Stadt und den Bielersee

Blick auf die Stadt und den Bielersee

Karte
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La Neuveville (bis 1948 offiziell Neuveville genannt), deutsch Neuenstadt, ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Berner Jura des schweizerischen Kantons Bern.

Geographie[Bearbeiten]

La Neuveville liegt auf 434 m ü. M., 14 km südwestlich von Biel/Bienne (Luftlinie), etwa auf halbem Weg zwischen Biel und Neuenburg. Das Städtchen erstreckt sich am Nordwestufer des Bielersees und an den angrenzenden Hängen des Jurasüdfusses unterhalb der Hochfläche der Montagne de Diesse (deutsch Tessenberg).

Die Fläche des 6,8 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des steilen Südhangs La Côte unterhalb des Plateau de Diesse und einen 4,5 km langen Uferstreifen am Bielersee zwischen Le Landeron und Ligerz. Die westliche Abgrenzung bildet der Ruisseau de Vaux, ein Bach, der vom Plateau de Diesse in den Bielersee fliesst. Nach Norden erstreckt sich das Gemeindegebiet auf die bewaldete Antiklinale, welche das ehemalige Moor der Montagne de Diesse vom Bielersee trennt. Auf der Höhe Sur la Roche wird mit 926 m ü. M. der höchste Punkt von La Neuveville erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 15 % auf Siedlungen, 63 % auf Wald und Gehölze, 21 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.

Zu La Neuveville gehören der Weiler Schafis (französisch Chavannes), 440 m ü. M. am Ufer des Bielersees südwestlich an Ligerz anschliessend, sowie mehrere Einzelhöfe. Nachbargemeinden von La Neuveville sind Ligerz und Prêles im Kanton Bern sowie Lignières und Le Landeron im Kanton Neuenburg.

Geschichte[Bearbeiten]

La Neuveville wurde 1312 vom Basler Fürstbischof Gérard de Vuippens als neue Stadt an der Grenze zum Fürstentum Neuenburg gegründet, um Flüchtlinge aus dem Ort La Bonneville im Val de Ruz aufzunehmen, das kurz zuvor durch Rudolf IV. zerstört wurde. Deshalb trug La Neuveville in der Anfangszeit auch den Namen La Bonneville. Erste Rechte erhielt der Ort im Jahr 1318, ein Friedensbündnis wurde 1342 unterschrieben. Das Städtchen schloss 1388 einen Burgrechtsvertrag mit der Stadt Bern, 1395 auch mit Biel, weil es seine Eigenständigkeit gegenüber dem Fürstbistum wahren und erweitern wollte. Im 16. Jahrhundert übte der Herr von Burg Schlossberg neben seiner militärischen Funktion zugleich auch das Amt des Bürgermeisters von La Neuveville aus.

Von 1798 bis 1815 gehörte La Neuveville zu Frankreich und war anfangs Teil des Département du Mont-Terrible, das 1800 mit dem Département Haut-Rhin verbunden wurde. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern zum Amtsbezirk Erlach. 1846 wurde es Hauptort des neu gegründeten Distrikts La Neuveville.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 1719
1900 2248
1910 2296
1930 2535
1950 2709
1960 3216
1970 3917
1980 3519
1990 3324
2000 3445

Obwohl La Neuveville nur 3666 Einwohner zählt (Stand 31. Dezember 2012), gilt der Ort aus historischen Gründen als Stadt. Von den Bewohnern sind 76,8 % französischsprachig, 15,7 % deutschsprachig und 2,9 % italienischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von La Neuveville nahm bis 1970 kontinuierlich zu. Aufgrund der Wirtschaftskrise während der 1970er Jahre wurde ein deutlicher Rückgang verzeichnet. Seither gibt es nur noch relativ geringe Schwankungen.

Politik[Bearbeiten]

8
12
11
4
12 11 
Von 35 Sitzen entfallen auf:

Exekutive von La Neuveville ist der conseil municipal (dt. Gemeinderat). Er umfasst sieben Personen darunter den Gemeindepräsidenten. Zur Zeit (Stand Januar 2013) hat er folgende parteipolitische Zusammensetzung: FDP 3 Sitze, SP 2 Sitze, Forum neuvevillois 2 Sitze. Gemeindepräsident ist Roland Matti (FDP).[2]

Die Legislative heisst conseil général (dt. Generalrat) und umfasst 35 Mitglieder. Sie werden vom Volk im Proporz gewählt. Die rechts stehende Grafik zeigt die momentane Sitzverteilung des Generalrates (Stand Januar 2013).[3]

Die Wähleranteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2011 betrugen: SP 29.1 %, FDP 19.2 %, SVP 17.4 %, GPS 13.0 %, BDP 5.1 %, glp 3.5 %, EVP 2.4 %, CVP 2.3 %, AL 1.6 %, Les Rauraques 1.6 %, EDU 1.4 %.[4]

La Neuveville ist seit 2006 Sitz des Regionalparlaments für den Berner Jura, des Conseil du Jura bernois.

Wirtschaft[Bearbeiten]

La Neuveville hat sich im Laufe des 19. Jahrhunderts vom Agrarstädtchen zur Industriegemeinde entwickelt. Heute gibt es zahlreiche Arbeitsplätze im Bereich der Feinmechanik, der Herstellung von Präzisionsgeräten, im Baugewerbe sowie in kleineren Betrieben verschiedener Industriezweige. Auch der Dienstleistungssektor hat mit 50 % der Erwerbstätigen grosse Bedeutung. Wichtig für La Neuveville ist der Weinbau; der Hang am Nordwestufer des Bielersees, der eine optimale Exposition zur Sonneneinstrahlung aufweist, ist mit Reben bestanden.

Schulen[Bearbeiten]

Bekannt ist die Höhere Handelsschule in La Neuveville. An dieser Schule hat unter anderem Adolf Ogi ein Diplom erworben. Bis Juli 2011 war Jean-Pierre Graber der Direktor.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Sie liegt an der Autostrasse A5, die Biel mit Neuenburg verbindet und das Städtchen vom Durchgangsverkehr entlastet.

Am 3. Dezember 1860 wurde die Eisenbahnlinie von Biel nach Le Landeron eingeweiht, die ein Teil der heutigen Jurasüdfusslinie bildet.

Ein Postautokurs führt von La Neuveville zu den Gemeinden auf der Montagne de Diesse. Ferner ist La Neuveville an das Schiffsverkehrsnetz auf dem Bielersee angeschlossen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Tour de Rive

Stadtkern / Altstadt[Bearbeiten]

Die gut erhaltene, nahezu quadratische historische Stadtanlage aus dem 14. Jahrhundert weist drei parallele Gassen (quer zum See und zum Hang angelegt) sowie eine moderne Querstrasse auf. Durch letztere wurde vor dem Bau der Ortsumfahrung A5 der Durchgangsverkehr geleitet.

Die Bausubstanz der Altstadt von La Neuveville stammt aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Das Rathaus, das neben der Tour Carrée steht, wurde 1541–1569 erneuert und beherbergt heute das Historische Museum, in dem unter anderem Ausgrabungen von Pfahlbauten am Ufer des Bielersees und die 1476 in der Schlacht bei Murten erbeuteten Burgunderkanonen ausgestellt sind. Die Präfektur befindet sich seit 1954 im Maison de Gléresse, das 1555 erbaut, im 18. und 19. Jahrhundert erweitert wurde und mit einem Portal im Renaissancestil sowie einem Treppenturm ausgestattet ist. Das Maison de Berne, 1631 erbaut, gehörte den Äbten von Bellelay und diente als Weinlesehaus; 1804 wurde es Sitz des Weingutes der Stadt Bern. Nach seinen drachenköpfigen Wasserspeiern ist das barocke Maison des Dragons benannt. Es stammt wie die Grenette (Kornhaus) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Stadtmauer und -türme[Bearbeiten]

Die Stadtmauer besitzt sieben Türme, die meisten entstanden zur Zeit der Stadtgründung 1312. Im Südosten befindet sich die Tour de Gléresse (auch Tour Wyss), gegen den See die Tour de Rive, im Südwesten die Tour Baillif, die Tour Hildebrant, die Tour Jaggi im Nordwesten und im Norden die Tour Rouge (Zytgloggeturm), die 1592–1596 verändert wurde. Der massive Bau der Tour Carrée (auch Tour des Cloches) nordöstlich der Altstadt entstand erst 1520.

Kirchen[Bearbeiten]

Die älteste Kirche ist die Blanche Eglise östlich der Altstadt. Sie wurde bereits 866 erstmals erwähnt. Der heutige Bau stammt von 1345, im 15. Jahrhundert wurde er vergrössert. Er zeigt eine Holzdecke und bedeutende gotische Wandmalereien aus der Entstehungszeit. Die reformierte Kirche Temple du Lac trägt auch die Namen Temple neuf oder Temple du Bas. Sie wurde 1720 in Anlehnung an den Temple du Bas in Neuenburg errichtet.

Vorstadt[Bearbeiten]

Nördlich der Altstadt befindet sich die Vorstadt (Faubourg) mit Häuserzeilen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Sie gehörten zumeist Handwerkern und Weinbauern und hatten deshalb an den Giebeln oder Dachlukarnen Vorrichtungen für den Lastenaufzug.

Auf einem Vorsprung oberhalb des Städtchens steht die Ende des 13. Jahrhunderts auf Veranlassung des Fürstbischofs von Basel erbaute Burg Schlossberg. Der Hof Le Forel, ein ehemaliges Weinbauerngut aus dem 16. Jahrhundert, beherbergt das Rebbaumuseum.

Bilder[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Jean Preudhomme (1732–1795), Maler, hier begraben
  • Charles Albert Gobat (1843–1914), Politiker und Nobelpreisträger, besuchte hier das Progymnasium
  • Carl Spitteler (1845–1924), Schriftsteller, unterrichtete zeitweise hier
  • Erica Pedretti (* 1930), Schriftstellerin, Objektkünstlerin und Malerin; lebt seit 1985 hier
  • Jean-Pierre Graber (* 1946), Politiker, bis 2011 Direktor der hiesigen Handelsschule, hier wohnhaft

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: La Neuveville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://www.laneuveville.ch/fr/politique/conseilmunicipal/ abgerufen am 18. Januar 2013
  3. http://www.laneuveville.ch/fr/politique/conseilgeneral/ abgerufen am 18. Januar 2013
  4. http://www.wahlarchiv.sites.be.ch/wahlen2011/target/NAWAInternetAction.do@method=read&sprache=d&typ=21&gem=723.html abgerufen am 15. März 2012