Liptovský Mikuláš

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Liptovský Mikuláš
Wappen Karte
Wappen von Liptovský Mikuláš
Liptovský Mikuláš (Slowakei)
Liptovský Mikuláš
Liptovský Mikuláš
Basisdaten
Staat: Slowakei
Kraj: Žilinský kraj
Okres: Liptovský Mikuláš
Region: Liptov
Fläche: 69,968 km²
Einwohner: 31.928 (31. Dez. 2011)
Bevölkerungsdichte: 456,32 Einwohner je km²
Höhe: 577 m n.m.
Postleitzahl: 031 01
Telefonvorwahl: 0 44
Geographische Lage: 49° 5′ N, 19° 37′ O49.08111111111119.618055555556577Koordinaten: 49° 4′ 52″ N, 19° 37′ 5″ O
Kfz-Kennzeichen: LM
Kód obce: 510262
Struktur
Gemeindeart: Stadt
Gliederung Stadtgebiet: 12 Stadtteile
Verwaltung (Stand: Januar 2011)
Bürgermeister: Alexander Slafkovský
Adresse: Mestský úrad Liptovský Mikuláš
Štúrova 1989
03142 Liptovský Mikuláš
Webpräsenz: www.lmikulas.sk
Statistikinformation auf statistics.sk

Liptovský Mikuláš ( Aussprache?/i; bis 1952 slowakisch „Liptovský Svätý Mikuláš“; deutsch Liptau-Sankt-Nikolaus oder Sankt Nikolaus in der Liptau, ungarisch Liptószentmiklós) ist eine Stadt in der mittleren Slowakei mit 31.928 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2011). Es ist die größte Stadt des Okres Liptovský Mikuláš und gleichzeitig dessen Hauptstadt und das traditionelle Zentrum der Landschaft Liptau (slowakisch Liptov).

Blick in die Innenstadt

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt ist im Liptauer Becken (slowakisch Liptovská kotlina), einem Teil des größeren Kessels unter der Tatra zwischen der Westtatra nördlich der Stadt und der Niederen Tatra im Süden am Waagfluss gelegen. Im Nordwesten wird sie durch die Chočener Berge (Chočské vrchy) begrenzt. In der Stadt nimmt die Waag die Zuflüsse wie Demänovka, Smrečianka und weitere auf, ehe sie in den Liptauer Stausee mündet. Das Stadtzentrum liegt auf einer Höhe von 576 m n.m. und ist 87 Kilometer von Žilina, 172 Kilometer von Košice und 288 Kilometer von Bratislava entfernt (Straßenentfernung).

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Luftlinie zum nächsten Ortszentrum und die Entfernungen sind auf halbe Kilometer kaufmännisch gerundet. Städte sind fett hervorgehoben.

Liptovský Trnovec, Dolný Kubín
6,5 km, 27 km
Bobrovec, Tvrdošín
4 km, 28 km
Veterná Poruba
5,5 km
Galovany, Ružomberok
9,5 km, 22 km
Nachbargemeinden Beňadiková, Poprad
5,5 km, 50,5 km
Svätý Kríž, Banská Bystrica
7 km, 51,5 km
Demänovská Dolina, Brezno
12,5 km, 31 km
Závažná Poruba
4 km

Stadtteile[Bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in folgende Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche St. Nikolaus
Komitatshaus

Der Talkessel um Liptovský Mikuláš ist seit der Steinzeit besiedelt. Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde wechselten zunächst verschiedene Völker aus der Badener Kultur, Lausitzer Kultur und Kelten; eine dauerhafte Besiedlung gibt es erst nach der Einwanderung der Slawen im 9. Jahrhundert.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt im Jahr 1286 als possessio Scentmiklos. Zu dieser Zeit war sie eine Pfarrsiedlung bei der Kirche des Heiligen Nikolaus, die der Stadt seinen Namen gab. Nach dem Erwerb des Marktrechts im Jahr 1360 begann die Entwicklung als ein Marktflecken, bestätigt im Jahr 1424 durch Sigismunds Verleihung des Rechts, einen Jahrmarkt zu veranstalten. Weite Teile der mittelalterlichen Geschichte sind mit dem Geschlecht Pongrácz eng verbunden, bestätigt durch das noch heute bestehende Herrenhaus.

Der Hochaltar der Franziskanerkirche in Okoličné wurde um die Wende zum 16. Jahrhundert von dem namentlich noch nicht bekannten Meister von Okoličné gestaltet.

Im 16. und 17. Jahrhundert kam es zu einer großen Entwicklung des Handels und es entstanden die ersten Zünfte der Schmiede, Schlosser, Metzger, Müller und anderer, die besonders im 17. Jahrhundert rasch wuchsen. 1573 wurde die erste Schule der Stadt gegründet. Die wachsende Bedeutung wurde durch Tagungen der Gespanschaft Liptau im späten 17. Jahrhundert bestätigt, bevor der Sitz 1712 in ein zum Zweck erworbenes Gespanschaftshaus verlegt wurde. Dort wurde im März 1713 der slowakische „Robin Hood“ Juraj Jánošík zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Bedeutung als Handelszentrum der Gegend wurde durch die Einwanderung von Juden seit dem 18. Jahrhundert bestätigt, die so erfolgreich waren, dass sie Anfang des 20. Jahrhunderts 90 Prozent des städtischen Handels kontrollierten. Die jüdische Gemeinde wurde während des Zweiten Weltkriegs fast vollständig ausgelöscht.

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt zu einem der Zentren der Slowakischen Nationalbewegung und galt als Sitz der slowakischen evangelischen Intelligenz im Gegensatz zu den „katholischen“ Städten Ružomberok oder Martin. Mit der Uraufführung von Ján Chalupkas Komödie Kocúrkovo im Jahr 1830 begann die Geschichte des slowakischen Laienspiels. 1844 wurde der slowakische Verein Tatrín gegründet, der u. a. die neulich kodifizierte slowakische Schriftsprache von Ľudovít Štúr verbreitete. Während den Revolutionen von 1848/49 war die Stadt eines der Zentren des Slowakischen Aufstandes und des slowakischen politischen Lebens. Aber auch bis zur Entstehung der Tschechoslowakei blieb die Stadt für die Slowaken bedeutend.

Die langsam verfallenden Zünfte wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch neu entstehende Manufakturen und Unternehmen ersetzt, insbesondere nach der Fertigstellung der Bahnstrecke Košice–Žilina 1871/72. Zum Ende des 19. Jahrhunderts dominierte die Leder verarbeitende Industrie, aber es gab auch eine Textilfabrik, Druckerei, Likörfabrik und weitere.

Nach der Eingliederung in die Tschechoslowakei im Spätjahr 1919 trug der Ort den offiziellen slowakischen Namen Liptovský Svätý Mikuláš, der aber auch schon vorher verwendet wurde. In der Tschechoslowakei war Liptovský Mikuláš von 1923 bis 1928 Sitz der Grafschaft Podtatranská župa, danach nur noch Sitz eines Okres. In der Ersten Slowakischen Republik (1939–1945) war aus konfessionellen Gründen Ružomberok anstelle von Liptovský Mikuláš Sitz der Grafschaft Tatranská župa. In den Schlussmonaten des Zweiten Weltkriegs war die Gegend von Januar bis März 1945 Schauplatz schwerer Gefechte. Mit der fortgesetzten Industrialisierung und Ausdehnung der Stadt kam es zu einem enormen Bevölkerungszuwachs. 1952 wurde das Attribut Svätý (= "heilig") aus politischen Gründen aus dem Namen entfernt. In den 1970er Jahren entstand unmittelbar westlich der Stadt der Liptauer Stausee (slowakisch Liptovská Mara).

Bevölkerung[Bearbeiten]

Auszug aus den Ergebnissen der Volkszählung 2001 (33.007 Einwohner):

Nach Ethnie:

  • 94,07 % Slowaken
  • 2,30 % Sinti und Roma
  • 2,10 % Tschechen
  • 0,28 % Magyaren
  • 0,14 % Mähren

Nach Religion:

  • 34,88 % römisch-katholisch
  • 32,26 % konfessionslos
  • 26,85 % evangelisch
  • 3,33 % keine Angabe
  • 0,71 % griechisch-katholisch

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Synagoge

Die meisten Sehenswürdigkeiten stehen um den Platz Námestie osloboditeľov (deutsch Platz der Befreier) herum. An der Südseite befindet sich die römisch-katholische Kirche St. Nikolaus (slowakisch Kostol sv. Mikuláša), im 15. Jahrhundert errichtet und spätgotisch gestaltet. Gleich nebenan steht das älteste weltliche Gebäude der Stadt, das Herrenhaus von Pongrácz (slowakisch Pongrácovská kúria), das zwar aus dem 15. Jahrhundert stammt, dessen gotisches Aussehen aber längst verschwand. Im Hof befindet sich noch ein Teil der mittelalterlichen Befestigung der Kirche und des Hauses. An der Westseite des Platzes steht das barocke Erste Gespanschaftshaus (slowakisch Prvý stoličný dom), nach einigen Jahrzehnten ersetzt durch das neuere klassizistische Komitatshaus (slowakisch Župný dom) in der Mitte des Platzes.[1]

Noch im Zentrum der Stadt befinden sich ein Jesuitenkloster, eine evangelische Kirche, eine im 19. Jahrhundert errichtete klassizistische Synagoge, eine der größten der Slowakei, sowie das Sezessionsgebäude des heutigen Gymnasiums M. M. Hodža.

Wegen ihrer Lage ist die Stadt ein Ausgangspunkt für verschiedene lohnende Ziele in der Umgebung. In wenigen Kilometern kann das Höhlensystem im Tal von Demänovka mit Demänováer Freiheits- und Eishöhle sowie das Skigebiet Jasná in der Niederen Tatra erreicht werden,[2] ebenso wie ein Aquapark namens Tatralandia am Nordufer des Liptauer Stausees.

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Liptovský Mikuláš

Verkehr[Bearbeiten]

Autobahn D1 westlich der Stadt

Die Stadt besitzt Anschluss an die Autobahn D1 (Anschlussstelle Liptovský Mikuláš) und liegt an der zweigleisigen Bahnstrecke Košice–Žilina. Der öffentliche Personennahverkehr in der Stadt wird von 13 Buslinien bewältigt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Stadt befindet sich u.a. die Brennerei St. Nicolaus, die neben anderen Produkten den in der Slowakei sehr bekannten Kräuterlikör Demänovka herstellt.

Sport[Bearbeiten]

Der MHk 32 Liptovský Mikuláš spielt seit der Gründung der slowakischen Extraliga in dieser, konnte aber noch nie den Meistertitel gewinnen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Aurel Stodola

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monuments - Liptovský Mikuláš (englisch), abgerufen am 29. April 2012
  2. Liptovský Mikuláš auf slovakia.travel (deutsch), abgerufen am 29. April 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liptovský Mikuláš – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien