Maasländische Kunst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Maastricht, Liebfrauenbasilika. Ostchor mit romanischen Kapitellen
Taufbecken von Reiner von Huy in der Saint-Barthélemy-Kirche in Lüttich

Maasländische Kunst oder Arte mosana ist ein regionaler Kunst- und Architekturstil im Flussgebiet der Maas in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Obwohl die Kunst des Maaslandes wichtige Kunstwerke aus vielen Zeiträumen hinterlassen hat, wird damit meist die romanische Kunst gemeint. Der Stil erreichte seinen Höhepunkt im maasländischen Kirchenbau sowie der Steinplastik, der Goldschmiedekunst, der Emaillekunst und der Buchmalerei des 11.–13. Jahrhunderts.

Entwicklung der maasländischen Kunst und Verbreitung[Bearbeiten]

Das Flussgebiet der Maas liegt im Herzen des Karolingerreiches. Die maasländische Kunst geht deshalb zurück auf die karolingische Renaissance mit vielen von der Antike inspirierten Elementen und unterscheidet sich damit vom romanischen Stil anderer Länder wie Deutschland, Frankreich, England und Italien.

Obwohl die Ikonografie der maasländischen Kunst des 11. und 12. Jahrhunderts, wie überall, hauptsächlich von der Bibel inspiriert war, zeigen die skulptierten Kapitelle in den Maastrichter Hauptkirchen viele Szenen aus dem Alltagsleben sowie Visionen einer fremden Fantasiewelt.

Die Kunst des Maaslandes bezieht sich vorwiegend auf das ehemalige Fürstbistum Lüttich in den heutigen belgischen Provinzen Lüttich und Limburg, im südlichen Teil der niederländischen Provinz Limburg und in der deutschen Regio Aachen. Die wichtigsten künstlerischen Zentren des Fürstbistums Lüttich waren die Städte Lüttich, Huy, Dinant, Namur, Tongern, Maastricht und Aachen, sowie einige Abteien (Sint-Truiden, Herkenrode, Averbode, Munsterbilzen, Susteren, Sint Odiliënberg, Rolduc, Burtscheid, Kornelimünster, Stavelot, Floreffe, Nivelles, Aulne, Flône, Celles, Gembloux und Lobbes).

Die maasländische Kunst hatte einen großen Einfluss auf Nachbarregionen, wie die Erzbistümer Utrecht und Köln, und die Landgrafschaft Thüringen.

Höhepunkte der maasländischen Kunst[Bearbeiten]

Die romanische Kunst des Maaslandes wurde als das erste goldene Zeitalter der Niederlande [1] bezeichnet (vor dem süd-niederländischen und nord-niederländischen goldenen Zeitalter). Meistens wird auch die mittelalterliche niederländische Literatur zu den Höhepunkten der maasländischen Kunst gerechnet, obwohl man nur den Namen von einem Schriftsteller kennt, Heinrich von Veldeke.

Architektur[Bearbeiten]

Die Architektur im Lütticher Fürstbistum stellt eine besondere Richtung der Romanik dar. Die Architektur des 12. Jahrhunderts ist ein Kompromiss zwischen älteren maasländischen Traditionen und auswärtigen Einflüssen, vorwiegend aus dem Rheinland und Italien. Geschlossene Westwerke, Zwerggalerien und Chortürme kennzeichnen die reifere maasländische Baukunst.

Romanische Bauskulptur[Bearbeiten]

Die maasländische Bauskulptur erreichte im 12. Jahrhundert in Maastricht, Lüttich und Nivelles einen Höhepunkt. Maastrichter 'Metsen' (Steinmetze) arbeiteten an Kapitellen und Reliefs in Utrecht, Bonn und Eisenach.

  • Kapitelle in der Krypta der Abteikirche, Rolduc (±1138–1143)
  • Kapitelle in den Emporen des Westwerks St-Servatiuskirche, Maastricht (±1140–1150)
  • Kapitelle im Ostchor der Liebfrauenkirche, Maastricht (nach 1150)
  • Kapitelle im Landgrafenhaus in der Wartburg bei Eisenach (±1160)
  • Vierge de Dom Rupert, Relief (±1150), Curtius-Museum, Lüttich
  • Pierre Boudon, Relief (12. Jahrhundert), Curtius-Museum, Lüttich
  • Samson-Portal, Stiftskirche St. Gertrud, Nivelles
  • Taufbecken, Furnaux (Namur)
  • Eid auf den Reliquien, Relief (±1160), Liebfrauenkirche, Maastricht
  • Majestas Domini Tympanum (12. Jahrhundert), St-Servatiuskirche, Maastricht
  • Doppeltrelief (±1160), St-Servatiuskirche, Maastricht
  • Relief aus 4 teilen (±1150), St-Peterskirche, Utrecht

Goldschmiedekunst[Bearbeiten]

In der Goldschmiedekunst von Nikolaus von Verdun erreichte die maasländische Kunst einen Höhepunkt. Seine vergoldeten Reliquienschreine von Köln, Siegburg und Tournai sind Hauptwerke der mittelalterlichen Kunst.

Wandmalerei, Buchmalerei und andere Kunstarten[Bearbeiten]

Von der ehemals berühmten maasländischen Wandmalerei ist nur sehr wenig erhalten. Wolfram von Eschenbach spricht in seinem Parzival lobend von den Maastrichter (und Kölner) Malern (Parzival, 158, 13–16). Die Buchmalerei im ehemaligen Fürstbistum Lüttich war in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hoch entwickelt. Die wichtigsten Zentren waren die Abtei von St-Laurent in Lüttich und die Abteien von Stavelot und Lobbes. Auch die Emailkunst erreichte in dieser Zeit ein hohes Niveau.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle: Prof. J.J.M. Timmers, "De Kunst van het Maasland"

Literatur[Bearbeiten]

  • Chapman, Gretel (1987). „Mosan art“. Dictionary of the Middle Ages. 8. Teil. Seite 495–6
  • Hartog, Elizabeth den (2002). "Romanesque Sculpture in Maastricht"
  • Timmers, J.J.M. (1971). „De Kunst van het Maasland“
  • [2] „Mosan school“. In Encyclopedia Britannica