Mainz-Bretzenheim

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Wappen von Bretzenheim
Wappen von Mainz
Bretzenheim
Ortsbezirk von Mainz
Lage von Bretzenheim in Mainz
Koordinaten 49° 58′ 50″ N, 8° 14′ 30″ O49.9805555555568.2416666666667Koordinaten: 49° 58′ 50″ N, 8° 14′ 30″ O.
Fläche 10,651 km²
Einwohner 19.156 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte 1799 Einwohner/km²
Ausländeranteil 11,7 % (31. Dez. 2012)
Eingemeindung 1. Jan. 1930
Postleitzahl 55128
Vorwahl 06131
Adresse der
Verwaltung
An der Wied 2
55128 Mainz
Website www.mainz.de
Politik
Ortsvorsteher Claudia Siebner (CDU)
Sitzverteilung (Ortsbeirat)
3
1
3
5
1


CDU SPD Grüne ÖDP FDP
5 3 3 1 1
Verkehrsanbindung
Straßenbahn MVG-Linie 52
Bus MVG-Linien 70, 71, 69, 90, MVG/ESWE-Gemeinschaftslinien 6, 6A, MVG/ORN-Gemeinschaftslinien 68, 75, ORN-Linien 650, 652
Einfahrt von Mainz-Bretzenheim auf der K 1 vom Westen kommend

Bretzenheim ist ein Ortsbezirk der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Bretzenheim wurde am 1. Januar 1930 durch Karl Külb nach Mainz eingemeindet und ist heute mit über 19.000 Einwohnern nach der Neustadt (fast 27.000), Gonsenheim (rund 22.000) und der Oberstadt (rund 20.500) der viertgrößte Stadtteil von Mainz.

Nachbarstadtteile[Bearbeiten]

Folgende Mainzer Stadtteile grenzen im Uhrzeigersinn an Bretzenheim:

im Norden (zu einem kleinen Teil) Mainz-Hartenberg-Münchfeld, im Nordosten Mainz-Oberstadt, im Südosten Mainz-Hechtsheim, im Südwesten Mainz-Marienborn und Mainz-Lerchenberg, im Westen Mainz-Drais und im Nordwesten Mainz-Gonsenheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Bretzenheim ist einer der ältesten Orte in der Umgebung von Mainz. Funde aus vorgeschichtlicher, römischer und fränkischer Zeit beweisen, dass das Gebiet des heutigen Mainzer Stadtteils um die Quellen und den Oberlauf des Zaybachs bereits sehr früh besiedelt war.

235 wurde der römische Kaiser Severus Alexander in der Nähe von Mogontiacum (Mainz), der Hauptstadt Obergermaniens, wo sich damals sein Hauptquartier befand, von aufständischen Soldaten ermordet. Als Todesort nennt der Geschichtsschreiber Aurelius Victor einen vicus Britanniae, der in der Forschungsliteratur oft mit Bretzenheim identifiziert wird. Wenn diese Annahme zutrifft, handelt es sich um die älteste Bezeugung von Bretzenheim; der Name ist dann von dort siedelnden Briten abgeleitet. Den Namen des fränkischen Dorfs nennen einige Urkunden des 8. und 9. Jahrhunderts: Brittinheim, Brizzenheim u.ä. Im Mittelalter ist Bretzenheim erstmals in einer Urkunde vom 18. Januar 752 als villa nominata Prittonorum bezeugt.

Die Gleichsetzung des antiken vicus Britanniae mit Bretzenheim ist in der Forschung umstritten.[1] Die Gegner dieser Hypothese argumentieren archäologisch; sie bestreiten die Existenz einer antiken Siedlungsverdichtung, die als vicus bezeichnet werden könnte, in Bretzenheim.[2] Ihrer Ansicht zufolge ist villa Prittonorum eine Sprachspielerei eines gelehrten Urkundenschreibers und der Ortsname in Wirklichkeit von dem Personennamen Bretzo abgeleitet. Demnach spielte ein Mann namens Bretzo in der Frühzeit der fränkischen Besiedlung eine wichtige Rolle.

Im Jahr 1296 fiel die Ortsherrschaft von Bretzenheim an das nahe gelegene Nonnenkloster Dalheim, welches gleichzeitig größter Grundbesitzer im Ort war. Fortan konnte die Äbtissin in Bretzenheim Gericht sprechen lassen, Verordnungen verkünden und Abgaben erheben. Die Bretzenheimer waren Leibeigene des Klosters und zu Frondiensten verpflichtet. Die Herrschaft des Klosters dauerte mehrere Jahrhunderte und endete erst im Zuge der Revolutionskriege gegen Frankreich. 1797 wurde Bretzenheim mitsamt dem linken Rheinufer französisch, nach der Niederlage Napoleons und dem Wiener Kongress 1815 hessisch.

Im Jahr 1930 wurde Bretzenheim gemeinsam mit Weisenau und den rechtsrheinischen Orten Bischofsheim, Ginsheim und Gustavsburg nach Mainz eingemeindet.

Weinbau in Bretzenheim[Bearbeiten]

Die älteste bekannte Urkunde über Weinbau in Mainz berichtet über eine Schenkung:

«Diesen königlichen Dominialhof in Dalheim und die dazu gehörigen Güter erhielt durch eine königliche Schenkung die Abtei St. Maximin bei Trier. Ihre Besitzungen im Orte Brezenheim beweisen die Fulderschenkungen, worin es zum Jahre 754 heißt: „Ich Adalbrecht schenke einen' andern Weinberg vor den Mauern der Stadt Mainz in dem „Dorf Brezzenheim“, dessen Rebenläger sind von der einen Seite St. Maximin»
aus Geschichte der Stadt Mainz von Karl Anton Schaab, zweiter Band, 1844.

Ortsbeirat[Bearbeiten]

Das Rathaus in Bretzenheim
Ortsbeiratswahl 2014
Wahlbeteiligung: 56,3 %
 %
40
30
20
10
0
35,4 %
24,7 %
19,2 %
7,2 %
4,5 %
3,2 %
3,2 %
2,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,3 %p
+1,1 %p
-0,9 %p
-5,3 %p
-3,7 %p
+3,2 %p
+3,2 %p
+2,5 %p

Im Ortsbeirat sind fünf Parteien vertreten. Stärkste Fraktion ist die CDU mit fünf Sitzen, gefolgt von der SPD und den Grünen mit jeweils drei Sitzen. Ebenfalls vertreten sind die ÖDP und die FDP mit jeweils einem Sitz. Ortsvorsteherin ist seit 2014 Claudia Siebner (CDU).

Wappen[Bearbeiten]

Eine Äbtissin des Klosters Dalheim führte in ihrem Familienwappen drei Ringe, diese benutzte sie auch, um ihren persönlichen Besitz und Urkunden zu siegeln. Diese Ringe wurden als Ortswappen bis ins 18. Jahrhundert geführt. Ab ca. 1790 erscheint zum ersten Mal die Brezel im Ortswappen. Vermutlich nahm man damals an, Bretzenheim und die Brezel würden gut zueinander passen. Erst um 1920 entstanden die heutigen Mainzer Ortswappen.

Nicht von der Äbtissin Anna von Reiffenberg, die während des Rathausbaues (1575) und der Neufassung des Bretzenheimer Weistums (1578) dem Kloster Dalheim vorstand, stammt das Bretzenheimer Brezelwappen, sondern vom Bretzenheimer Gerichtssiegel, das bereits 1579 auf dem Bestandsbrief des Cuntz Müller für ein Präsenzgut mit einer eindeutig erkennbaren Brezel verwendet wird. Dieses Gerichtssiegel wurde durchgehend bis 1798 (Einnahme der linksrheinischen Gebiete durch die Franzosen) verwendet. In der Zeit, als die Bretzenheimer einen Maire hatten, erscheint die Brezel überhaupt nicht, erst in der kurzen Zeit der Provisorischen Administration (1814-1816) erscheint wieder eine Brezel im Gemeindestempel. Danach wird Bretzenheim eine großherzogliche Gemeinde - wiederum ohne Brezel, aber mit Krone und hessischem Löwen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtteil AG[Bearbeiten]

  • Heißer Draht für Bretzenheim
  • Seit 1998 besteht die Stadtteil AG als Forum für Bürgerbeteiligung. Sie ist verwaltungs- und parteiunabhängig, arbeitet mit Ortsvorsteher, Ortsbeirat, Vereinen, Institutionen sowie Kirchengemeinden zusammen. In mehreren Gruppen werden Probleme aufgegriffen, Verbesserungsvorschläge entwickelt und Initiativen und Akteure koordiniert.

Naturschaugarten Lindenmühle[Bearbeiten]

  • In ehrenamtlicher Arbeit ist am Mühlweg ein Naturschaugarten mit ausschließlich heimischen Pflanzen entstanden. Die Anlage ist jederzeit begehbar. Sie soll Mitbürger anregen, wieder mehr heimischen Wildpflanzen Raum in Gärten und Grünanlagen zu geben und damit ein Beitrag zum Erhalt der Pflanzenvielfalt zu leisten. Für das Projekt erhielt der Arbeitskreis Naturnahes Grün im Dezember 2005 einen Naturschutzpreis. Im September 2009 wurde dem Naturschaugarten ein Umweltpreis verliehen. Das Motto des Wettbewerbes war: Die besten Ideen für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz.[3]. 2012 wurde der Schaugarten UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt.

Vereine[Bearbeiten]

Die TSG 1846 Mainz-Bretzenheim lud im März 1969 die DDR-Frauenturnnationalmannschaft zum Schauturnen nach Mainz ein und löste mit der Anerkennung der DDR-Symbole einen Skandal aus
  • Comité Katholischer Vereine 1946 e. V. (CKV)
  • CKV-Frauenkomitee (Bretzenummer Böbbcher)
  • Pferdesportverein Mainz-Bretzenheim: Reitausbildung und Große Reitturniere
  • Verein der Ziegeleifreunde e. V.
  • Verein der Lehrergemeinschaft GOE
  • Verein der Dresden Gemeinschaft e. V.
  • Verein für Heimatgeschichte Bretzenheim und Zahlbach e. V.[4]
  • DJK Moguntia Bretzenheim Handball, Gymnastik, Walking, Tennis, Tischtennis
  • TSG 1846 Mainz-Bretzenheim e. V. Fußball, Handball, Volleyball, Ringen, Turnen, Tennis
  • Musikcorps Die Jakobiner 1973 e. V. Trommlerzug und Fastnacht
  • CVJM Mainz-Bretzenheim
  • Freiwillige Feuerwehr Mainz-Bretzenheim
  • Pfadfinderstamm St. Willigis
  • Arbeitskreis Naturnahes Grün, Lokale AGENDA 21 Mainz
  • Männerchor 1839 Mainz-Bretzenheim e.V.
  • SV Vitesse Mayence e.V. 1986

Fußballstadion[Bearbeiten]

Am 4. Mai 2009 wurde der Grundstein für die Coface Arena auf Bretzenheimer Gemarkung gelegt. Seit der Fußball-Bundesliga-Saison 2011/12 bestreitet der 1. FSV Mainz 05 dort seine Heimspiele. Das Trainingszentrum des Vereins ist im Stadion am Bruchweg verblieben.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bretzenheim verfügt über ein ausgedehntes Gewerbegebiet im Südosten, direkt im Dreieck der Autobahnen 60, A 63 und der Bundesstraße 40. Dort angesiedelt ist auch eines der größten Einkaufszentren in der Stadt, das Gutenberg-Center.

Ein Expansionsversuch der Carrefour Gruppe nach Mainz im Jahr 1977 scheiterte.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenanbindung[Bearbeiten]

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Bretzenheim ist durch die Buslinien 6, 6A, 68, 69, 70, 71, 75, 90 und die Straßenbahnlinie 52 der MVG im ÖPNV-Netz der Stadt Mainz integriert. Es bestehen so direkte Busverbindungen zu den beiden größten Bahnhöfen von Mainz, Hauptbahnhof und Römisches Theater. Durch den Ortsbezirk soll zukünftig auch die neue Straßenbahnlinie, die unter dem Projektnamen Mainzelbahn bekannt ist, führen und diesen dadurch sowohl mit der Universität, dem Campus der Fachhochschule als auch mit den Ortsbezirken Marienborn und Lerchenberg verbinden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter Bretzenheims[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus Wolf: Die Mainzer Stadtteile. Emons Verlag, Köln 2004, ISBN 3897053616
  • Verein für Heimatgeschichte Bretzenheim und Zahlbach: "1250 Jahre Bretzenheim" (Bretzenheimer Beiträge zur Geschichte, Heft 2). Mainz 2002

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mainz-Bretzenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Siehe dazu die ausführlichen befürwortenden Erörterungen mit Zusammenstellung und Diskussion der älteren Literatur bei Leonhard Schumacher: Römische Kaiser in Mainz, Bochum 1982, S. 89−92; vgl. Auguste Jardé: Etudes critiques sur la vie et le règne de Sévère Alexandre, Paris 1925, S. 85 und Anm. 4, S. 86 Anm. 1.
  2. Ronald Knöchlein: Bretzenheim – Zahlbach – Dalheim. Die archäologischen Zeugnisse bis in die fränkische Zeit, Mainz 2009, S. 28 und Anm. 21 (mit Literaturangaben) und S. 45.
  3. mainz.de: Arbeitskreis Naturnahes Grün erhält Umweltpreis 2009: Lokale AGENDA 21 Mainz für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz
  4. Verein für Heimatgeschichte Bretzenheim und Zahlbach e. V.