Monika Griefahn

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Monika Griefahn (* 3. Oktober 1954 in Mülheim an der Ruhr) ist eine deutsche Politikerin (SPD) und Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland.

Sie war von 1998 bis 2009 Mitglied des deutschen Bundestages und in dieser Funktion Fachpolitikerin für Kultur und Medien sowie Auswärtige (Kultur-)Politik. Von 1990 bis 1998 war sie niedersächsische Umweltministerin. Von 1980 bis 1990 war sie bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace aktiv und erste Frau im Vorstand von Greenpeace International (1984–90).

Monika Griefahn (2008)

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1973 an der Luisenschule in Mülheim an der Ruhr absolvierte Monika Griefahn ein Studium der Mathematik und der Sozialwissenschaften in Göttingen und Hamburg, welches sie 1979 als Diplom-Soziologin abschloss. Ab 1973 war sie in der Jugend- und Bildungsarbeit beim Deutsch-Französischen Jugendwerk tätig. Von 1976 bis 1980 war sie Seminarleiterin beim gewerkschaftsnahen Arbeitskreis Arbeit und Leben und war danach als Bildungsreferentin beim CVJM Hamburg tätig.

Ab 1980 war sie mit engagiert im Aufbau des deutschen Greenpeace-Büros in Hamburg, wo sie anschließend drei Jahre Co-Geschäftsführerin war. Dort organisierte sie unter anderem Kampagnen gegen die chemische Verschmutzung der Nordsee (gegen Dünnsäure-Verklappung und Verbrennung von chemischen Abfällen auf Hoher See sowie Einleitungen von giftigen Abwässern in Meere und Flüsse). Von 1984 bis 1990 war sie als erste Frau Mitglied im internationalen Vorstand von Greenpeace. Dort war sie unter anderem zuständig für den Aufbau neuer Büros sowie die Aus- und Fortbildung von Aktiven und Mitarbeitern weltweit.

Im Mai 1990 gewann die SPD die Landtagswahl in Niedersachsen. Gerhard Schröder wurde Ministerpräsident Niedersachsens und berief Griefahn als Umweltministerin in sein erstes Kabinett (siehe Kapitel Öffentliche Ämter und Abgeordnete).

Seit Mai 2012 arbeitet Griefahn als Direktorin für die Bereiche Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung für das Rostocker Kreuzfahrtunternehmen AIDA Cruises.[1][2] Im Juli 2012 gründete Griefahn eine Kapitalgesellschaft für Medien, Umwelt und Kultur, der sie als Geschäftsführerin vorsteht.

Griefahn ist mit dem Chemiker Michael Braungart verheiratet und hat drei Kinder.

Partei[Bearbeiten]

Seit 1992 ist sie Mitglied der SPD.

Abgeordnete[Bearbeiten]

Von 1994 bis 1998 war sie Mitglied des Landtages von Niedersachsen.

Von 1998 bis 2009 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages und hier von Juli 2000 bis September 2005 Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien. Sie zog nach der Bundestagswahl am 27. September 1998 in den Bundestag ein (siehe auch Liste der Mitglieder des Deutschen Bundestages (14. Wahlperiode)). Gerhard Schröder wurde Bundeskanzler und bildete die erste rot-grüne Koalition auf Bundesebene sowie das Kabinett Schröder I.

Sie war Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (Auswärtige Kulturpolitik) und im Unterausschuss Neue Medien, dessen Sprecherin sie von 2002 bis 2005 war.

Von 1999 bis 2000 und von 2005 bis 2009[3] war Griefahn Sprecherin der Arbeitsgruppe Kultur und Medien sowie der Arbeitsgruppe Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik der SPD-Bundestagsfraktion.

In ihrer Funktion als Kulturpolitikerin initiierte sie die Gründung des Deutschen Computerspielpreises maßgeblich mit. Sie engagierte sich weiterhin für die Förderung des deutschen Films, für ein starkes Urheberrecht, für die Buchpreisbindung bzw. den Erhalt einer dezentralen Buchhandlungsstruktur, für kulturelle Vielfalt und für die Stabilisierung und Ausweitung der Goethe-Institute und Deutschen Schulen im Ausland.

In der Außenpolitik engagierte sie sich besonders für die Einführung von alternativen Energien bei bundeseigenen Liegenschaften in aller Welt sowie für die Unterstützung von Projekten von Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Nach der Bundestagswahl am 18. September 2005 zog sie wieder in den Bundestag ein. Sie wurde zur Vorsitzenden der vom Deutschen Bundestag und der Französischen Nationalversammlung (Assemblée Nationale) eingesetzten bilateralen Arbeitsgruppe zur kulturellen Vielfalt gewählt.

Nachdem Griefahn „sexistischen, rassistischen, Drogen und Gewalt verherrlichenden“ Deutsch-Rap kritisiert hatte, attackierte der Rapper Sido sie in seinem Lied Nixxx los heftig. Rapper Bushido schrieb in seinem Lied Endgegner: „Monika Griefahn steht nicht auf mein Humor“. Auch von anderen deutschen Rappern wurde sie anlässlich ihrer Äußerung kritisch erwähnt; dies wurde nur selten in Medien rezipiert. Die taz berichtete im Juli 2007 über eine Razzia bei Mitgliedern des Hip-Hop-Labels Hirntot Records, bei dem unter anderem CDs mit Morddrohungen gegen Griefahn gefunden wurden.[4]

Griefahn ist 1998 als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Harburg, in den Jahren 2002 und 2005 als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Soltau-Fallingbostel – Winsen L. in den Bundestag eingezogen. Vor der Bundestagswahl 2009 wurde der Bundestagswahlkreis Harburg wieder eingerichtet; Griefahn kandidierte in diesem bei der Wahl zum 17. Deutschen Bundestag am 27. September 2009; diese Wahl gewann der CDU-Kandidat Michael Grosse-Brömer (* 1960).

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Monika Griefahn als niedersächsische Umweltministerin im Watt

Von 1990 bis 1998 gehörte sie der von Ministerpräsident Gerhard Schröder geleiteten Landesregierung als Umweltministerin des Landes Niedersachsen an. Ein geplanter Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie auf Landesebene scheiterte damals an der übergeordneten Kompetenz der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Klaus Töpfer (1990–1994) und Angela Merkel (1994–1998). Parallel trieb Griefahn den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Niedersachsen mit einem Ökofonds und einem Windenergieatlas voran. Ihr Engagement trug dazu bei, dass Atomausstiegsgespräche durch die rot-grüne Bundesregierung (1998–2005) möglich wurden und im Jahr 2002 das Atomausstiegsgesetz in Kraft trat.

Als Umweltministerin in Niedersachsen initiierte Monika Griefahn die Umkehr der bis dahin üblichen Beseitigung von Müll auf Deponien und in Müllverbrennungsanlagen hin zu Produkten, die leichter demontiert und wiederverwertet werden konnten, zur Mülltrennung und zur unterschiedlichen Behandlung von Müll, zum Beispiel Kompostierung oder mechanische Vorbehandlung. Rund zehn zuvor geplante Müllverbrennungsanlagen wurden in der Folge nicht gebaut.

Sie setzte darüber hinaus durch, dass die Beschaffungsrichtlinie für die öffentliche Hand in Niedersachsen ökologischer ausgerichtet wurde. Im Naturschutz etablierte sie den Naturpark Harz und das Biosphärenreservat Elbtalaue und brachte die Anerkennung des Wattenmeeres bei der UNESCO (Man and Biosphere-Programm) voran.

Im Aufsichtsrat der Expo 2000 GmbH trat Griefahn für ein von ihrem Mann entwickeltes ökologisches Konzept für die Weltausstellung ein. Dies wurde von der Opposition als „Familienfilz“ bezeichnet. Mit Griefahns Einverständnis beurlaubte sie Schröder vom 10. März bis 5. April 1995 als Umweltministerin. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss ging dem Vorwurf der Begünstigung des Ehemannes nach. Der Vorwurf war nachweislich falsch. Am 5. April 1995 übernahm Griefahn wieder ihre Amtsgeschäfte.

Die Affäre hatte ihren Anfang in der Bild genommen, der offenbar manipulierte Papiere zugespielt worden waren.[5] Der Verfassungsrichter a. D. Helmut Simon, der als Gutachter den Anschuldigungen nachging, erklärte nach Abschluss der Untersuchung dazu: „Aufklärungsbedürftig könnte noch sein, wer und in wessen Interesse die Vorwürfe gegen Frau Griefahn der Bild-Zeitung zugespielt hat. Aufklärungsbedürftig könnten ebenfalls die […] recherchierten Manipulationen an den in der Öffentlichkeit verbreiteten Dokumenten sein. Die politische Kultur leidet sicherlich in erster Linie Schaden durch berufsethisch vorwerfbares Verhalten von Amtsinhabern, aber auch dann, wenn durch ungerechtfertigte Vorwürfe unter Irreführung der Öffentlichkeit die Menschenwürde verletzt wird. Für einen engagierten Umweltpolitiker muss es besonders kränkend sein, wenn auf diese Weise die Glaubwürdigkeit untergraben wird.“

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Seit 1986 ist sie bei der Right Livelihood Award Foundation („Alternativer Nobelpreis“), Stockholm, Mitglied der Jury und nach vielen Jahren im Vorstand seit 2010 Co-Vorsitzende an der Seite des Stiftungsgründers Jakob von Uexküll.[6] Sie ist Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und gehört seit 2008 dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages an. Sie war bis Mai 2014 Mitglied des Vorstands des Kulturforums der Sozialdemokratie. Im Juli 2014 wurde sie, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Chemiker und Cradle-to-cradle-Begründer, Michael Braungart, dem Pädagogen und Buchautor Philipp Möller und dem Physiker Helmut Fink in den Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung aufgenommen.[7]

Kabinette[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Natürlich wachsen. Erkundungen über Mensch, Natur und Wachstum aus kulturpolitischem Anlass. Monika Griefahn, Edda Rydzy. Springer-VS, Wiesbaden 2013. , ISBN 978-3-658-02849-7.
  • Computerspiele als Kulturgut? In: S. Ganguin, B. Hoffmann (Hrsg.): Digitale Spielkultur. Kopaed Verlag, München 2010, ISBN 978-3-86736-343-3.
  • Kulturwirtschaft und kulturelle Intelligenz. In: B. Wagner: Jahrbuch für Kulturpolitik 2008. Thema: Kulturwirtschaft und kreative Stadt. Bonn/Essen, S. 221-226.
  • Kreativität – ein Wirtschaftsfaktor? In: Kulturforum der Sozialdemokratie (Hrsg.): Kulturnotizen. 11/2006, Berlin.
  • Nachhaltigkeitspolitik und Kulturpolitik. In: Kulturpolitische Gesellschaft KuPoGe (Hrsg.): Kulturpolitische Mitteilungen II/2002, Bonn.
  • Nachhaltigkeitspolitik und Kulturpolitik – eine Verbindung mit Zukunft? In: H. Kurt, B. Wagner (Hrsg.): Kultur-Kunst-Nachhaltigkeit. Die Bedeutung von Kultur für das Leitbild Nachhaltige Entwicklung. Bonn/Essen, 2002, S. 59-68.
  • (Hrsg.): Greenpeace. Wir kämpfen für eine Umwelt, in der wir leben können. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1983, ISBN 3-498-02434-5.
  • Weil ich ein Lied hab'. Die Politik einer Umweltministerin. Piper, München 1994, ISBN 3-492-03688-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. AIDA Cruises: Monika Griefahn übernimmt den Bereich Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises. Pressemeldung vom 2. Mai 2012
  2. Antje Blinda: Taufe der „Aida Mar“: Greenpeace-Gründerin ist mit im Boot. In: Spiegel Online. 11. Mai 2012
  3. www.spd-lkharburg.de
  4. Andreas Bachmann: Razzien: Kein Ruhm für Hirntot-Rapper. In: die tageszeitung. 10. Juli 2007
  5. Petra Sorge: Wulff in Niedersachsen: Die Wahrheit ausgeblendet. In: Cicero. 18. Januar 2012
  6. www.rightlivelihood.org/board
  7. Mitteilung der gbs

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Streich: Monika Griefahn. Politik, Positionen, Perspektiven. Zebulon, Köln 1997, ISBN 3-928679-60-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Monika Griefahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien