Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

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Staatliche Ebene Bund
Stellung Oberste Bundesbehörde
Gründung 6. Juni 1986
(Umwelt)
20. September 1949
(Bau)
Hauptsitz Bonn, Nordrhein-Westfalen
Behördenleitung Barbara Hendricks (SPD), Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Bedienstete 814
Website www.bmub.bund.de
Barbara Hendricks, amtierende Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (2013).

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), kurz Bundesumwelt- und ‑bauministerium, ist eine Oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Sein erster Dienstsitz befindet sich in der Bundesstadt Bonn, sein zweiter in Berlin.

Mit der Ernennung des Kabinetts Merkel III wurde das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) kraft Organisationserlass per 17. Dezember 2013 um den Bereich Bau erweitert und in Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) umbenannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptsitz in Bonn

Bundesrepublik[Bearbeiten]

Der Entstehung eines eigenen Bundesministeriums waren schon zu Beginn der 1970er Jahre einige Aktivitäten in Sachen Umweltschutz vorausgegangen. Dazu gehörten das 1971 beschlossene Umweltprogramm der Bundesregierung sowie zentrale Gesetzeswerke wie das Abfallbeseitigungsgesetz von 1972 und das Bundesimmissionsschutzgesetz von 1974. Im selben Jahr wurde auch im damaligen West-Berlin das Umweltbundesamt gegründet und der Sachverständigenrat für Umweltfragen als wissenschaftliches Beratungsgremium der Bundesregierung eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt war der Umweltschutz auf die Ressorts von Innen-, Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium verteilt.

Auslöser für ein Umweltministerium war jedoch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. So wurde das Ministerium am 6. Juni 1986 gegründet, etwa fünf Wochen nach Tschernobyl. Die damalige Bundesregierung wollte mit diesem Schritt die Zuständigkeiten auf diesem Sektor unter einem neuen Minister zusammenfassen, um den umweltpolitischen Herausforderungen besser entgegentreten zu können.

Von der Gründung bis 1998 wurde das Haus von CDU-Ministern geführt. Der erste, Walter Wallmann, verließ den Posten nicht einmal ein Jahr später, als er hessischer Ministerpräsident wurde. Insbesondere unter seinem Nachfolger Klaus Töpfer, dem späteren Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, wurden zahlreiche Änderungen der Umweltgesetzgebung durchgesetzt. Angela Merkel agierte in dieser Beziehung eher glücklos, das BMU konnte in ihrer Amtszeit nur wenige seiner Anliegen in der Bundesregierung durchsetzen, da der Umweltschutz zusehends als ein Hemmnis für die ohnehin krisengeschüttelte wirtschaftliche Entwicklung angesehen wurde.

Mit der rot-grünen Koalition von 1998 wurde Jürgen Trittin (Grüne) das Ministeramt übertragen. Damit einher ging wieder eine stärkere Fokussierung auf den Umweltschutz und in bestimmten Bereichen ein Wechsel der umweltpolitischen Ausrichtung, der sich beispielsweise bei den Themen Atomausstieg, Endlagerung radioaktiver Abfälle (siehe AkEnd), Einwegpfand (ab 1. Januar 2003) und Ökosteuer zeigte.

Am 16. Mai 2012 gab Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt, den Bundespräsidenten gebeten zu haben, den damaligen Umweltminister Norbert Röttgen zu entlassen. Röttgen wurde die Schuld für die schlechten Wahlergebnisse für die CDU in der Landtagswahl 2012 in Nordrhein-Westfalen gegeben. Damit zwang sie das erste Mal in ihrer Zeit als Bundeskanzlerin einen Minister, seinen Posten unfreiwillig zu verlassen. Zum Nachfolger wurde Peter Altmaier ernannt.[1]

Im Bundeshaushalt für 2009 standen dem BMU insgesamt 1,418 Milliarden Euro zur Verfügung.[2] Allerdings wurden auch anderen Ministerien Gelder für umweltpolitische Aufgaben zur Verfügung gestellt, so dass die Umweltausgaben des Bundes insgesamt 8,256 Milliarden Euro betrugen.[2]

Der Etat 2013 wurde am 20. November 2012 im Bundestag beraten; er veranschlagte Ausgaben in Höhe von 1,65 Milliarden Euro – ein leichtes Plus von 54,73 Millionen im Vergleich zu 2012 (17/10815, 17/10814, 17/10823).[3]

Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten]

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) hatte bereits 1971 ein eigenes Umweltministerium gebildet, 15 Jahre vor der Bundesrepublik. Dabei wurde das Amt für fast die gesamte Dauer seiner Existenz von demselben Minister (Hans Reichelt) ausgefüllt. Lange vor dem Mauerfall hatte sich im Land darüber hinaus eine starke Umweltbewegung herausgebildet. Deren Aktivisten waren Mitglieder des Kulturbundes, Kirchenmitglieder und engagierte Bürger.[4][5]

Aufbau[Bearbeiten]

Das Bundesumwelt- und ‑bauministerium kümmert sich federführend um die Umweltpolitik bzw. die Belange des Umwelt- und Naturschutzes sowie das Bauwesen und die Stadtentwicklung. Geleitet wird das Ministerium vom Bundesminister für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, dem ein beamteter Staatssekretär untersteht. Die vom Minister berufenen beiden Parlamentarischen Staatssekretäre haben keinen Durchgriff auf die Verwaltung. Derzeit werden im Ministerium bei 746 Planstellen 980 Mitarbeiter beschäftigt.[6] 1993 hatte die Zahl der festen Stellen noch 802 betragen, bis 2013 soll der Stellenabbau diese Zahl auf 692 reduzieren.[6]

Organisatorisch ist das Ministerium in neun Abteilungen gegliedert:

Weiterhin gehören das Umweltbundesamt (UBA), das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zum Geschäftsbereich des BMUB. Außerdem kann es auf die Expertisen und Stellungnahmen verschiedener sachverständiger Gremien zurückgreifen, namentlich auf den Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU), den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), die Reaktorsicherheitskommission (RSK), die Strahlenschutzkommission (SSK), die Kommission für Anlagensicherheit (KAS) und den Umweltgutachterausschuss (UGA).

1 seit Bildung des Kabinetts Merkel III in der Zuständigkeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
2 vor Bildung des Kabinetts Merkel III in der Zuständigkeit des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Bundesminister seit 1949[Bearbeiten]

Peter Ramsauer Wolfgang Tiefensee Manfred Stolpe Kurt Bodewig Reinhard Klimmt Franz Müntefering Lauritz Lauritzen Eduard Oswald Klaus Töpfer Irmgard Schwaetzer Gerda Hasselfeldt Oscar Schneider Dieter Haack Karl Ravens Hans-Jochen Vogel Lauritz Lauritzen Bruno Heck Ewald Bucher Paul Lücke Victor-Emanuel Preusker Fritz Neumeyer Eberhard Wildermuth Barbara Hendricks (Politikerin) Peter Altmaier Norbert Röttgen Sigmar Gabriel Jürgen Trittin Angela Merkel Klaus Töpfer Walter Wallmann

Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Bundesminister für Wohnungsbau
1 Eberhard Wildermuth 1890–1952 FDP 20. September 1949 9. März 1952
2 Fritz Neumayer 1884–1973 FDP 19. Juli 1952 20. Oktober 1953
3 Victor-Emanuel Preusker 1913–1991 FDP (bis 1956)
FVP (ab 1956)
20. Oktober 1953 29. Oktober 1957
4 Paul Lücke 1914–1976 CDU 29. Oktober 1957 14. November 1961
Bundesminister für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung
4 Paul Lücke 1914–1976 CDU 14. November 1961 26. Oktober 1965
Bundesminister für Wohnungswesen und Städtebau
5 Ewald Bucher 1914–1991 FDP 26. Oktober 1965 28. Oktober 1966
6 Bruno Heck 1917–1989 CDU 8. November 1966 30. November 1966
7 Lauritz Lauritzen 1910–1980 SPD 1. Dezember 1966 21. Oktober 1969
Bundesminister für Städtebau und Wohnungswesen
7 Lauritz Lauritzen 1910–1980 SPD 22. Oktober 1969 15. Dezember 1972
Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
8 Hans-Jochen Vogel * 1926 SPD 15. Dezember 1972 16. Mai 1974
9 Karl Ravens * 1927 SPD 16. Mai 1974 16. Februar 1978
10 Dieter Haack * 1934 SPD 16. Februar 1978 1. Oktober 1982
11 Oscar Schneider * 1927 CSU 4. Oktober 1982 21. April 1989
12 Gerda Hasselfeldt * 1950 CSU 21. April 1989 18. Januar 1991
13 Irmgard Schwaetzer * 1942 FDP 18. Januar 1991 17. November 1994
14 Klaus Töpfer * 1938 CDU 17. November 1994 14. Januar 1998
15 Eduard Oswald * 1947 CSU 14. Januar 1998 26. Oktober 1998
Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
16 Franz Müntefering * 1940 SPD 27. Oktober 1998 29. September 1999
17 Reinhard Klimmt * 1942 SPD 29. September 1999 16. November 2000
18 Kurt Bodewig * 1955 SPD 20. November 2000 22. Oktober 2002
19 Manfred Stolpe * 1936 SPD 22. Oktober 2002 22. November 2005
Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
20 Wolfgang Tiefensee * 1955 SPD 22. November 2005 28. Oktober 2009
21 Peter Ramsauer * 1954 CSU 28. Oktober 2009 17. Dezember 2013
Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
1 Walter Wallmann 1932–2013 CDU 6. Juni 1986 22. April 1987
2 Klaus Töpfer * 1938 CDU 7. Mai 1987 17. November 1994
3 Angela Merkel * 1954 CDU 17. November 1994 27. Oktober 1998
4 Jürgen Trittin * 1954 Grüne 27. Oktober 1998 22. November 2005
5 Sigmar Gabriel * 1959 SPD 22. November 2005 28. Oktober 2009
6 Norbert Röttgen * 1965 CDU 28. Oktober 2009 22. Mai 2012
7 Peter Altmaier * 1958 CDU 22. Mai 2012 17. Dezember 2013
Bundesminister für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
22/8 Barbara Hendricks * 1952 SPD 17. Dezember 2013 im Amt

DDR-Umweltminister 1971–1990[Bearbeiten]

Peter Diederich Hans Reichelt Werner Titel


Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Minister für Umweltschutz und Wasserwirtschaft
1 Werner Titel 1931–1971 DBD 29. November 1971 25. Dezember 1971
2 Hans Reichelt * 1925 DBD 25. Dezember 1971 11. Januar 1990
3 Peter Diederich * 1938 DBD 11. Januar 1990 12. April 1990
Minister für Umwelt- und Naturschutz,

Reaktorsicherheit und Energie

4 Karl-Hermann Steinberg * 1941 CDU 12. April 1990 2. Oktober 1990

Parlamentarische Staatssekretäre[Bearbeiten]

Bauministerium[Bearbeiten]

Verkehrs- und Bauministerium[Bearbeiten]

Umweltministerium[Bearbeiten]

Umwelt- und Bauministerium[Bearbeiten]

Beamtete Staatssekretäre[Bearbeiten]

Bauministerium[Bearbeiten]

Verkehrs- und Bauministerium[Bearbeiten]

Umweltministerium[Bearbeiten]

Umwelt- und Bauministerium[Bearbeiten]

Die Dienstsitze des BMUB[Bearbeiten]

Sitz des Bundesministeriums für Umwelt in Bonn

Bonn[Bearbeiten]

Hier besitzt das BMUB einen Verwaltungstrakt am Robert-Schuman-Platz 3.[11]

 Commons: BMUB in Bonn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Berlin[Bearbeiten]

In Berlin bezog das Ministerium, nachdem es nach dem Bonn/Berlin-Gesetz hier eine Dienststelle einzurichten hatte, mehrere Etagen im Haus der Elektroindustrie am Alexanderplatz. Jedoch wurde in der Stresemannstraße 130, mehr zu den übrigen Ministerien hin, ein Neubau vorgesehen. Dessen Planungen und die Ausführung stammen von den Geier Maass Pleuser Architekten, das Richtfest konnte bereits am 25. September 2008 gefeiert werden.[12] Am 6. Juni 2011 erfolgte der offizielle Umzug in die Liegenschaften Stresemannstraße 128–130 in Berlin-Mitte und Köthener Straße 2–3 (Park Kolonnaden) in Berlin-Kreuzberg. In der Nachbarschaft des modernen Gebäudes sind dauerhaft einige Elemente der Berliner Mauer erhalten.[11][13] Das benachbarte, bereits früher für Verwaltungen genutzte Gebäude wurde saniert und in den BMUB-Komplex einbezogen.

 Commons: Stresemannstraße 128 (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Publikationen[Bearbeiten]

Das BMUB publiziert unter anderem eine monatlich erscheinende Zeitschrift mit dem Titel Umwelt.[14] Des Weiteren gibt es zu besonderen Ereignissen unregelmäßig kostenlose Broschüren, die auch im Internet zur Verfügung stehen.[15] Auch für die Bildung werden Hefte aufgelegt, sogar häufig in mehreren Sprachen.[16]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wie Merkel Röttgen abschaltete. Spiegel Online. Abgerufen am 16. Mai 2012
  2. a b Angabe auf der Webseite des Ministeriums, abgerufen am 12. November 2009
  3. bundestag.de: Haushalt 2013, Fiskalvertrag, Beschneidung. Abgerufen am 5. Januar 2013
  4. DDR-Umweltbewegung im Rahmen einer Gesprächsreihe im Haus der Natur in Potsdam; im ersten Halbjahr 2009
  5. Faltblatt zur Umweltsituation in der DDR 1989 (PDF-Dokument; 1,5 MB)
  6. a b Angabe auf der Webseite des Ministeriums, abgerufen am 12. November 2009
  7. BMU - Ministerium - Leitung des Hauses - Lebenslauf der Parlamentarischen Staatssekretärin Katherina Reiche. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Archiviert vom Original am 3. Januar 2013. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  8. BMU - Ministerium - Leitung des Hauses - Lebenslauf der Parlamentarischen Staatssekretärin Ursula Heinen. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Archiviert vom Original am 31. Dezember 2012. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  9. Timon Heinrici: Michael Odenwald neuer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. In: Deutsche Verkehrszeitung. 22. Oktober 2012.
  10. BMU - Ministerium - Leitung des Hauses - Lebenslauf Staatssekretär Jürgen Becker. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Archiviert vom Original am 3. Januar 2013. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  11. a b Anschriften des BMU, abgerufen am 14. Juni 2013
  12. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Neubau für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; abgerufen am 1. Januar 2011
  13. Bauvorhaben am Dienstsitz Berlin, abgerufen am 14. Juni 2012
  14. BMU-Homepage mit der Angabe Zeitschrift
  15. BMU-Website mit einer Übersicht der Themen-Broschüren; Stand Juni 2013
  16. BMU-Homepage mit der Übersicht Bildungsmaterialien

50.706967.13858Koordinaten: 50° 42′ 25″ N, 7° 8′ 19″ O