Otto von Lossow

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Otto Hermann von Lossow

Otto Hermann von Lossow (* 15. Januar 1868 in Hof (Saale); † 25. November 1938 in München) war ein deutscher Generalleutnant.

Leben[Bearbeiten]

Er war der Sohn des Landrats Oskar von Lossow.

Lossow trat nach dem Besuch des Kadettenkorps 1886 als Portepeefähnrich in das Infanterie-Leib-Regiment der Bayerischen Armee ein. Dort wurde er 1888 zum Sekondeleutnant befördert und 1892 als Adjutant des Bezirkskommandos nach Rosenheim versetzt. Von 1895 bis 1898 absolvierte Lossow die Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für den Generalstab und das Lehrfach aussprach.[1] 1899 folgte seine Kommandierung zum Generalstab, und 1900 trat er als Adjutant zur 2. Ostasiatischen-Infanterie-Brigade über, um an der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China teilzunehmen.

1901 kehrte Lossow nach Bayern zurück, wurde im Jahr darauf Hauptmann und bis 1904 im Generalstab des I. Armee-Korps verwendet. Anschließend war er für zwei Jahre Kompaniechef in seinem Stammregiment, bevor er wieder in den Generalstabsdienst wechselte. Als Major wurde er 1908 zum Großen Generalstab nach Berlin kommandiert und war auch militärisches Mitglied des bayerischen Senats beim Reichsmilitärgericht.

Ab 1911 war Lossow in der Türkei als Militärinstruktor (Oberstleutnant im osmanischen Generalstab) und nahm an den Balkankriegen teil. Die Schlacht von Lüleburgaz war die größte Schlacht in Europa zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg. Als Kommandeur einer osmanischen Infanterie-Division sammelte Lossow nach der Niederlage der osmanischen Armee bei Lüleburgaz in Ost-Thrakien am 31. Oktober 1912 die sich in Unordnung zurückziehende Armee in der letzten Verteidigungslinie, 25 km westlich der Hauptstadt Konstantinopel bei Çatalca. Erst dort konnte der Vormarsch der bulgarischen Armee aufgehalten werden.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg war er erst Generalstabschef im I. Reserve-Korps an der Westfront, danach in der verbündeten Türkei als Militärattaché. Als solcher protestierte er, wenn auch erfolglos, gegen die Völkermordpolitik des Jungtürkenregimes gegenüber den Armeniern, „eine neue Form des Massenmordes, d. h. die ganze armenische Nation durch völlige Abschließung verhungern zu lassen.“

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach Kriegsende erfolgte seine Übernahme in die Reichswehr; dort war er zunächst Kommandant der Infanterie-Schule in München. 1921 wurde Lossow Befehlshaber des Wehrkreises VII. Durch seine engen Verbindungen zum Generalstaatskommissar Gustav Ritter von Kahr und durch offen zur Schau getragene Sympathien für Hitlers NSDAP war er aus Sicht der Militärführung in Berlin in bedenkliche Nähe der rechtsradikalen Kreise Münchens gerückt.[2]

Aufgrund der Hetzkampagnen des Völkischen Beobachters verbot die Reichsregierung die Zeitung der NSDAP und beauftragte Lossow mit der Durchsetzung. Lossow kam diesem Befehl jedoch nicht nach, was Hans von Seeckt veranlasste, ihm wegen Gehorsamsverweigerung den Abschied nahezulegen.[3] Lossow ließ sich trotz verschiedener Vermittlungsversuche nicht bewegen, seinen Abschied zu nehmen.[4] Daraufhin wurde er am 19. Oktober 1923 von Ebert und Seeckt seiner Ämter enthoben und General Kreß von Kressenstein mit der Führung der 7. Division und den Aufgaben des Befehlshabers im Wehrkreis VII betraut.

Das Bayerische Gesamtstaatsministerium beschloss am 20. Oktober die 7. (Bayerische) Division in die Pflicht zu nehmen und berief Lossow zum Divisionsführer. Sie beging damit einen offenen Bruch der Reichsverfassung.[5] Nach einem Kompromiss der bayerischen Regierung und der Reichsregierung war das Einvernehmen zwischen München und Berlin wiederhergestellt, und die Inpflichtnahme der 7. Division entfiel damit. Daraufhin trat Lossow am 18. Februar 1924 zurück.[6]

Lossow ging nach seiner Pensionierung 1924 in die Türkei und kam später zurück nach München.

1935 gestaltete der Bildhauer Arno Breker eine Porträtbüste des Generals.

Lossows Rolle beim Hitler-Putsch[Bearbeiten]

Am Abend des 8. November 1923 wurde Lossow im Bürgerbräukeller von Hitler gekidnappt, zusammen mit dem Generalstaatskommissar Gustav von Kahr und dem Befehlshaber der Landespolizei Bayern, Hans von Seißer. Hitler hatte die Rede des Generalstaatskommissars Kahr durch einen Pistolenschuss an die Decke unterbrochen. Lossow hatte zuvor von einer solchen Absicht erfahren und daher den Geheimbefehl erlassen, dass die Garnison nur dem Befehl des Stadtkommandanten, des Generals Jakob von Danner, gehorchen dürfe. Infolge einer Panne auf dem Polizeipräsidium glückte das Kidnapping. Als aber Hitler im angeblichen Auftrag Lossows die Max-II-Kaserne in seine Gewalt bringen wollte, öffnete der Offizier vom Kasernentagesdienst den Geheimbefehl, und die Sache war zu Ende. So kam es am nächsten Tag, dem 9. November 1923, nur noch zu dem bekannten Zug zur Feldherrnhalle.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Othmar Hackl: Die Bayerische Kriegsakademie (1867–1914). C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung. München 1989. ISBN 3-406-10490-8. S. 514.
  2. Kai Uwe Tapken: Die Reichswehr in Bayern von 1919 bis 1924. Verlag Dr. Kovac. Hamburg 2002. ISBN 3-8300-0646-2. S. 373.
  3. Kai Uwe Tapken: Die Reichswehr in Bayern von 1919 bis 1924. Verlag Dr. Kovac. Hamburg 2002. ISBN 3-8300-0646-2. S. 381.
  4. Kai Uwe Tapken: Die Reichswehr in Bayern von 1919 bis 1924. Verlag Dr. Kovac. Hamburg 2002. ISBN 3-8300-0646-2. S. 381.
  5. Kai Uwe Tapken: Die Reichswehr in Bayern von 1919 bis 1924. Verlag Dr. Kovac. Hamburg 2002. ISBN 3-8300-0646-2. S. 382-383.
  6. Kai Uwe Tapken: Die Reichswehr in Bayern von 1919 bis 1924. Verlag Dr. Kovac. Hamburg 2002. ISBN 3-8300-0646-2. S. 404.
  7. Hellmuth Mayer: Erlebte Rechtsgeschichte, Abschiedsvorlesung PDF in der Christian-Albrechts-Universität Kiel am 20. Juli 1965, S. 11-12.