Pottendorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pottendorf
Wappen von Pottendorf
Pottendorf (Österreich)
Pottendorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Baden
Kfz-Kennzeichen: BN
Fläche: 39,76 km²
Koordinaten: 47° 54′ N, 16° 23′ O47.90638888888916.390833333333218Koordinaten: 47° 54′ 23″ N, 16° 23′ 27″ O
Höhe: 218 m ü. A.
Einwohner: 6.469 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 163 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2485, 2486
Vorwahl: 02623
Gemeindekennziffer: 3 06 26
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 11
2486 Pottendorf
Website: www.pottendorf.gv.at
Politik
Bürgermeister: Thomas Sabbata-Valteiner (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(29 Mitglieder)
19 SPÖ, 7 ÖVP, 3 FPÖ
Lage der Marktgemeinde Pottendorf im Bezirk Baden
Alland Altenmarkt an der Triesting Bad Vöslau Baden Berndorf Blumau-Neurißhof Ebreichsdorf Enzesfeld-Lindabrunn Furth an der Triesting Günselsdorf Heiligenkreuz Hernstein Hirtenberg Klausen-Leopoldsdorf Kottingbrunn Leobersdorf Mitterndorf an der Fischa Oberwaltersdorf Pfaffstätten Pottendorf Pottenstein Reisenberg Schönau an der Triesting Seibersdorf Sooß Tattendorf Teesdorf Traiskirchen Trumau Weissenbach an der Triesting NiederösterreichLage der Gemeinde Pottendorf im Bezirk Baden (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Pottendorf, Henneberplatz 4-11, ehem. Arbeiterwohnhaus Graues Haus, errichtet 1860/61 (Aufnahme: um 1980) [1]

Pottendorf ist eine Marktgemeinde mit 6469 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Baden in Niederösterreich. Katastralgemeinden (sowie darin befindliche gleichnamige Ortschaften) sind Landegg, Pottendorf, Siegersdorf und Wampersdorf.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Pottendorf liegt im Industrieviertel in Niederösterreich, sein Gemeindegebiet grenzt im Osten an das Burgenland. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 39,81 Quadratkilometer. 7,87 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst seit 1. Jänner 1972 folgende vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[3]):

  • Landegg (1037)
  • Pottendorf (3946)
  • Siegersdorf (534)
  • Wampersdorf (870)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Landegg, Pottendorf, Siegersdorf und Wampersdorf.

Angrenzende Gemeinden sind:

Tattendorf

Blumau-Neurißhof

Oberwaltersdorf

Ebreichsdorf

Seibersdorf
Ebenfurth Nachbargemeinden Wimpassing an der Leitha (Burgenland)
Neufeld an der Leitha (Burgenland) Hornstein (Burgenland)

Geschichte[Bearbeiten]

Seinen Ortsnamen verdankt Pottendorf wahrscheinlich einem seiner ersten Siedler, dem im 11. Jahrhundert lebenden, aus dem Geschlecht der Aribonen stammenden Potho (Botho). Er gab vermutlich dem Ort, der um die Burg entstand, seinen Namen „Potodorf“ (später Pottendorf). An anderer Stelle wird einem Rudolf von Pottendorf als Erbauer der Burg um 1090 genannt.

Die Burg und ihre Besitzer bildeten für lange Zeit das Kernstück des Ortes. Nach mehrmaligem Wechsel der Besitzer und dem Umbau der Burg in ein Wohnschloss erlangte 1665 Ferenc Graf Nádasdy die Herrschaft über das Schloss. Unter ihm gingen aus der Pottendorfer Schlossdruckerei mit Hilfe des Antwerpener Buchdruckers Hieronymus Verdussen die sogenannten „Pottendorfer Drucke“ hervor. Doch Nádasdy war auch in die Magnatenverschwörung gegen Kaiser Leopold I. verwickelt und wurde deshalb in der Pottendorfer Burg verhaftet und am 30. April 1671 in Wien hingerichtet. Sein Vermögen wurde beschlagnahmt.

Dank eines Schutzbriefes kam Pottendorf beim Türkeneinfall 1683 relativ glimpflich davon. In der Burg bezog lediglich eine türkische Abordnung Quartier, die jedoch mit Ende der Belagerung Wiens wieder abzog. Wampersdorf und Landegg hingegen wurden niedergebrannt. 1702 erwarb Gundaker Thomas Graf Starhemberg die Herrschaft und ließ 1714 bis 1717 nach den Plänen von Lucas von Hildebrandt die barocke Pfarrkirche erbauen.

Bis 1800 war Pottendorf eine kleine Bauern- und Handwerkergemeinde um die Burg.

Spinnerei[Bearbeiten]

Hauptartikel: Pottendorfer Spinnerei

1801 plante die k.k. priv. octr. Wiener Leih- und Wechselbank, angeregt durch den Aufschwung der englischen Baumwollspinnerei und die dabei erzielten Gewinne, ein ähnliches Unternehmen auch in Österreich ins Leben zu rufen. Die zahlreichen Kottonfabriken und -manufakturen im Viertel unter dem Wienerwald versprachen einen gesicherten Absatzmarkt. [4].

Auf der Suche nach einem Mann, der dies auch in Österreich verwirklichen konnte, wurde in Hamburg John Thornton, ein Mechaniker aus Manchester, ausfindig gemacht. Da in England die Ausfuhr von Maschinen oder Plänen für die Spinnerei bei Todesstrafe verboten war, hatte sich Thornton infolge seiner mit Diebstahl von Konstruktionsplänen begründeten In-absentia-Verurteilung nach Hamburg abgesetzt.

Thornton entschied sich in seiner Letztauswahl für Pottendorf als Standort des zu gründenden Werks. Dafür waren mehrere Gegebenheiten maßgeblich: erstens die Nutzung der Wasserkraft der Leitha zum Antrieb der Spinnmaschinen, zweitens bestand im Ort Pottendorf eine im Textilgewerbe bereits ausgebildete Bevölkerung, drittens wies das Unternehmen eine günstige Absatz- und Verkehrslage nahe der Wiener Neustädter Pforte auf und viertens konnte man aus dem nahen Ungarn billige Arbeitskräfte gewinnen. [5]

1802 wurde mit dem Bau begonnen, der dann 1804 vollendet wurde. Da es als vorteilhaft erachtet wurde, erwarb Fürst Nikolaus Esterhazy, Gesellschafter der projektfinanzierenden k.k. priv. Garnmanufakturgesellschaft, Wien, die Herrschaft Pottendorf und überließ bis zur Fertigstellung der Fabriksbauten das herrschaftliche Schloss als Produktionsstätte. [6]

Thornton ging mit bemerkenswerter Energie ans Werk. Er bezog viele Handwerker des Ortes in die Arbeit ein: Schuhmacher und Sattler zur Fertigung der Antriebsriemen, Tischler für Einrichtung sowie Maschinengestelle, Drechsler zur Erzeugung von Garnspulen, und Bürstenbinder mussten nun große Bürsten zum „Aufkrempeln“ der Baumwolle erzeugen. Alois Senefelder gelang hier in Zusammenarbeit mit John Thornton bereits 1802 Baumwollstoffe kostengünstig mit der damals neuen Technik der Lithographie zu bedrucken.

Thornton ließ ein eigenes Gusswerk bauen, Werkstätten, in denen Feilen nach englischer Art erzeugt wurden und eine Ziegelfabrik um die nötigen Bauwerke, 5 und 6 stöckige „Faktoreien“ zu errichten. Die ersten Spinnmaschinen wurden im Schloss gebaut. Thornton wohnte im gegenüberliegenden „Gaupmannhaus“, der Antrieb der ersten Maschinen erfolgte durch Muskelkraft, erst als der Versuch positiv verlief begann der Bau des Werkskanales mit den drei großen Wasserrädern.

Als Thornton 1813 wegen seiner Verdienste um die österreichische Industrie in den erbländischen Ritterstand erhoben wurde, trat an seine Stelle sein Bruder Jonathan Thornton, der aus England nachgekommen war. [6]

Die Spinnfabrik brachte Bewegung in die kleine Ortschaft, die um 1800 etwa 100 Häuser und höchstens 600 Einwohner zählte. Zuwanderer aus vielen Ländern kamen und suchten Arbeit in der neuen Industrie, die Fabriksgesellschaft baute neue Wohnungen und Betriebsstätten. Innerhalb von dreißig Jahren wuchs die Bevölkerung auf über 3000 Einwohner. 1835 besaß Pottendorf die größte Baumwollgarnspinnmanufaktur der Monarchie (1600 Beschäftigte, 240 Mules mit 43.200 Spindeln, 60 Water-Maschinen mit 4.560 Spindeln, 733 Hilfsmaschinen)[7].

In der Zwischenkriegszeit gehörte das Unternehmen zum böhmischen Textilkonzern Mautner.

1976 schloss die „Pottendorfer Spinnerei und Felixdorfer Weberei“, wie der Betrieb sich nun nannte, seine Pforten. Mit der Errichtung der Pottendorfer Spinnerei hatte eine neue Epoche der industriellen Entwicklung begonnen – die einfache Maschine begann die manuelle Arbeitskraft zu ersetzen.

Heute ist Pottendorf eine Wohngemeinde mit kleinstädtischem Charakter.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Pottendorf (Mitte) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Volkszählung Einwohner
2011 6.354
2001 5.930
1991 5.482
1981 5.328
1971 5.127

Quelle: Bevölkerungsentwicklung der Statistik Austria

Im Juni 2006 waren 6.678 Personen in Pottendorf gemeldet, davon 647 Zweitwohnsitzer.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Graf Gundaker Thomas Starhemberg, Besitzer der Herrschaft Pottendorf, beschließt 1710 eine neue große Pfarrkirche zu erbauen. Architekt ist Johann Lucas von Hildebrandt, sein ausführender Maurermeister Franz Jänggl. Die Kaisersteinbrucher Steinmetzmeister Hans Georg Haresleben, Simon Sasslaber und Franz Trumler lieferten dazu Werksteine aus Kaiserstein, sie arbeiten „auf gleichen Gewinn“.
Das Schloss, das den Krieg trotz eines kleineren Bombentreffers weitgehend unversehrt überstanden hatte, ist nach 1945 durch Vernachlässigung und Devastierung zu einer Ruine geworden. Am 4. September 2006 wurde das Schlossparkareal über Initiative von Bürgermeister Thomas Sabbata-Valteiner durch die Marktgemeinde Pottendorf angekauft. Im Frühjahr 2008 wurde mit der Revitalisierung des Schlossparks begonnen.
Durch das Engagegement einer Vereinigung aktiver Bürger konnte der Rothe-Hof, das - von der Gemeinde erworbene - traditionelle Esterhazy'sche Verwaltungsgebäude in den letzten Jahren zum Großteil saniert und zum Heimatmuseum umgestaltet werden.
Der Bau geht auf eine Stiftungsurkunde von Frau Regina Katharina Berchtoldin aus dem Jahr 1650 zurück und fiel zweimal Verwüstungen – erstmals durch die Türken und dann den Wirren des Zweiten Weltkriegs – zum Opfer.

Politik[Bearbeiten]

Seit den Gemeinderatswahlen 2005 ist Ing.[2] Thomas Sabbata-Valteiner (SPÖ) Bürgermeister der Marktgemeinde.

Die Gemeinderatswahlergebnisse ab 1972:

  • 1972: SPÖ 16 Mandate, ÖVP 9 Mandate, KLS 2 Mandate; Bürgermeister: Karl Pallinger (SPÖ), Vizebürgermeister: Ing. Karl Denk (SPÖ) (1972-1973), Wilhelm Sailer (SPÖ) (1973-1974), Anton Fetty (SPÖ) (1974-1975)
  • 1975: SPÖ 16 Mandate, ÖVP 11 Mandate, KLS 2 Mandate; Bürgermeister: Karl Pallinger (SPÖ), Vizebürgermeister: Anton Fetty (SPÖ)
  • 1980: SPÖ 18 Mandate, ÖVP 10 Mandate, KLS 1 Mandat; Bürgermeister: Karl Pallinger (SPÖ), Vizebürgermeister: Anton Fetty (SPÖ)
  • 1985 April: SPÖ 14 Mandate, ÖVP 14 Mandate, KLS 1 Mandat; Auflösung des Gemeinderates infolge Mandatsrücklegung der ÖVP-Mandatare
  • 1985 Oktober: ÖVP 15 Mandate, SPÖ 13 Mandate, KLS 1 Mandat; Bürgermeister: Helmut Doppler (ÖVP), Vizebürgermeister: ÖKR Alfred Weber (ÖVP)
  • 1990: ÖVP 19 Mandate, SPÖ 10 Mandate; Bürgermeister: Helmut Doppler (ÖVP), Vizebürgermeister: ÖKR Alfred Weber (ÖVP)
  • 1995: ÖVP 15 Mandate, SPÖ 10 Mandate, AFP 3 Mandate, UBL 1 Mandat; Bürgermeister: Helmut Doppler (ÖVP), Vizebürgermeister: ÖKR Alfred Weber (ÖVP)
  • 2000: ÖVP 16 Mandate, SPÖ 11 Mandate, AFP 1 Mandat, FPÖ 1 Mandat; Bürgermeister: Helmut Doppler (ÖVP), Vizebürgermeister: DI Karl Schwarz (ÖVP)
  • 2005: SPÖ 15 Mandate, ÖVP 14 Mandate; Bürgermeister: Ing. Thomas Sabbata-Valteiner (SPÖ), Vizebürgermeister: Johann Kitzinger (SPÖ)
  • 2010: SPÖ 19 Mandate, ÖVP 7 Mandate, FPÖ 3 Mandate; Bürgermeister: Ing. Thomas Sabbata-Valteiner (SPÖ), Vizebürgermeister: Johann Kitzinger (SPÖ)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 207, nach der Erhebung 1999 gab es 72 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Erwerbstätige am Wohnort waren nach der Volkszählung 2001 2529 Personen. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 43,86 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2003 gab es am Ort 77 Arbeitslose.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stift Heiligenkreuzer Archiv, Kaisersteinbruch, Hans Georg Haresleben … wegen seiner Excellenc Graf Starhembergischen Pottendorfer Arbeith …, Rubrik 51/VII/2b.
  • Herbert Matis: Die Manufaktur und frühe Fabrik im Viertel unter dem Wiener Wald. Eine Untersuchung der großbetrieblichen Anfänge vom Zeitalter des Merkantilismus bis 1848. Teil 3: Die Manufakturen und Fabriken nach den einzelnen Produktionszweigen. Wien, Univ., Diss. 1965.
  • Leopoldine Hokr: Pottendorf – historische Studien zur Arbeit, Kultur und Lebensweise einer Industriearbeitsgemeinde im 19. Jahrhundert. Wien, Univ., Diss. 1984.
  • Rudolf Hertzka: Die Chronik der Großgemeinde Pottendorf. Eigenverlag, Pottendorf 1990.
  • Helmuth Furch, Hans Georg Haresleben: Heiligenkreuzer Untertan und Steinmetzmeister in Steinbruch. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereins Kaisersteinbruch, Nr. 1995/36. Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch, Kaisersteinbruch, S. 10–40.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pottendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gegenüber: Reste eines der beiden Fabriksparks aus selber Bauperiode; am rechten Bildrand im Anschnitt: ehemaliges Hortensien-Wohnhaus für Fabriksbeamte und Meister, errichtet 1811. — Siehe: Hokr, Pottendorf, S. 75.
  2. a b 367. Pottendorf. In: Österreichischer Amtskalender online. Verlag Österreich, Wien 2002–, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  3. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  4. Matis: Manufaktur, 3. T., S. 297.
  5. Matis: Manufaktur, 3. T., S. 299.
  6. a b Matis: Manufaktur, 3. T., S. 298.
  7. Gustav Otruba: Industrietopographie Niederösterreichs vom Zeitalter des Merkantilismus bis zum ersten Weltkrieg. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Niederösterreichs von der industriellen Revolution bis zur Gegenwart, Band 3. Wien 1956, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund, S. 124.