Rømø

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Rømø
Karte von Rømø mit eingezeichneten Orten
Karte von Rømø mit eingezeichneten Orten
Gewässer Deutsche Bucht, Nordsee
Inselgruppe Dänische Wattenmeerinseln
Geographische Lage 55° 8′ N, 8° 31′ O55.1405555555568.5108333333333Koordinaten: 55° 8′ N, 8° 31′ O
Lage von Rømø
Fläche 128,86 km²
Einwohner 618 (1. Januar 2013[1])
4,8 Einw./km²
Hauptort Havneby
St.-Clemens-Kirche in Kirkeby
St.-Clemens-Kirche in Kirkeby

Rømø (deutsch Röm, friesisch Rem, andere Schreibweise Römö) ist heute die südlichste dänische Nordseeinsel, nachdem Jordsand untergegangen ist. Sie liegt etwa sechs Kilometer nördlich von Sylt und gehört zu den Dänischen Wattenmeerinseln.

Rømø ist mit seinem kilometerbreiten befahrbaren Sandstrand eine beliebte Ferieninsel.

Geografie[Bearbeiten]

Satellitenbild von Rømø

Die 128,86 km² große Insel[2] hat 618 Einwohner (Stand: 1. Januar 2013[1]) und ist über den Rømødæmningen (dt.: Rømø-Damm) mit dem Festland verbunden.

Rømø bildet eine eigene Kirchspielsgemeinde (dän.: Sogn) Rømø Sogn, die bis zur dänischen Kommunalreform 1970 zur Harde Tønder, Højer og Lø Herred im Tønder Amt gehörte. 1905, als die Insel zum deutschen Kreis Tondern gehörte, war sie in drei Landgemeinden untergliedert:

  • Juvre
  • Kongsmark
  • Kirkeby.

Von 1970 bis Ende 2006 gehörte Rømø zur Skærbæk Kommune im Sønderjyllands Amt, seit der Kommunalreform zum 1. Januar 2007 zur Tønder Kommune in der Region Syddanmark. Der größte Ort auf der Insel ist Havneby im Süden der Insel, Unterzentrum und gleichzeitig Fährhafen der Rømø-Sylt-Linie, die für den Kraftfahrzeugtransport von und nach Sylt die einzige Alternative zur Autoverladung über den Hindenburgdamm darstellt. Die übrigen Orte der Insel sind weitgehend touristisch geprägt und weisen neben Ferienunterkünften einige Geschäfte zur Deckung des täglichen Bedarfs auf. Das Klima auf Rømø ist ein mild-gemäßigtes Seeklima.

Die Orte der Insel sind (von Nord nach Süd): Juvre, Toftum, Bolilmark, Lakolk, Kongsmark, Kirkeby, Vråby, Østerby, Mølby, Sønderby und Havneby.

Geschichte[Bearbeiten]

Dünenlandschaft im Westen der Insel

Rømø wird 1190 das erste Mal schriftlich erwähnt. Die Insel gehörte dem Sankt-Knud-Kloster in Odense. 1229 wird die jütische Insel im Erdbuch König Waldemars als Krongut geführt. Der Insel übergeordnet war der Ellumssyssel. Nach 1290 erwarb das Kloster in Ribe Land auf Rømø und gewann nachfolgend an Einfluss. Bis 1864 war der Südteil der Insel (Sønderlandet) eine Königliche Enklave und gehörte zum Königreich Dänemark. Der Nordteil der Insel (Nørrelandet) unterstand dem Schleswigschen Herzog.

In Østerby sind noch Reste des sogenannten Borrebjergs zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Burganlage aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, deren genaue Funktion noch nicht geklärt ist. Historiker vermuten, dass sie im Zusammenhang mit einer Verteidigungsanlage errichtet worden ist.

Im 16. Jahrhundert erlangte die Seefahrt große Bedeutung auf der Insel; sie übernahm dabei zeitweise die Funktion des Hochseehafens für das nahe Ribe, dessen Hafen für große Schiffe nicht mehr zu passieren war.

Ein Einschnitt in der Geschichte der Insel war der Dreißigjährige Krieg, in dessen Verlauf auch Jütland und Rømø von kaiserlichen Heeren besetzt wurde. Auch die große Burchardiflut 1634 sucht die Insel heim.

Im 17. und 18. Jahrhundert brachte der Walfang erstmals großen Reichtum auf die karge Insel. In der Blütezeit des Walfangs stellte Rømø bis zu 40 Kommandeure. Ähnlich wie auf den friesisch besiedelten Inseln wurde zum Abschied der Walfängerschiffe jedes Jahr am 21. Februar am Strand ein großes Feuer angezündet. Dieses Pers Awten (deutsch: „Vorabend des Petertages“) ist im südlich der Insel gelegenen Nordfriesland auch als Biikebrennen bekannt.

Zwischen dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und der Volksabstimmung in Schleswig 1920 gehörte Rømø als Teil des Kreises Tondern zu Schleswig-Holstein. Bis Ende 2006 gehörte die Insel zum Sønderjyllands Amt, heute gehört sie wie das übrige Nordschleswig zur Region Syddanmark (Region Süddänemark).

Die Muttersprache der meisten Inselbewohner ist der regionale südjütische Dialekt (Rømømål). Die Bewohner beherrschen auch Reichsdänisch sowie meistens Hochdeutsch.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es auf Rømø keinen nennenswerten Baumbestand. Steine mussten vom Festland teuer eingekauft und per Schiff auf die Insel gebracht werden. Darum wurde im 18. Jahrhundert teilweise mit ganz anderen und ungewöhnlichen Rohstoffen gebaut: In Juvre im Norden der Insel kann man noch heute den Rest eines Zaunes aus Walunterkieferknochen aus dem Jahr 1772 sehen. Der Walknochenzaun wurde 1977 unter Denkmalschutz gestellt und ist der einzige erhaltene Fischbeinzaun auf den dänischen und nordfriesischen Wattenmeerinseln.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Toftum Skole, die kleinste und älteste Schule Dänemarks
Der Walknochenzaun in Juvre
Walschädelknochen in Kongsmark

Rømø hat einige Sehenswürdigkeiten von überregionaler Bedeutung:

Der Kommandørgården („Kommandeurshof“) ist einer der alten, reichen Erbhöfe Rømøs und wurde lange Zeit vom Amtsvorsteher der Insel bewohnt. Der Kommandeurshof ist heute einer der Standorte des dänischen Nationalmuseums. Südlich davon befindet sich als Teil des Standortes die Toftum Skole, die kleinste und älteste Schule Dänemarks.

Die Rømø Kirke, aus dem Jahr 1200, ausgebaut im 17. und 18. Jahrhundert, ist dem Schutzheiligen der Seefahrer Sankt Clemens geweiht. In ihrem Inneren gibt es mehrere kostbare Votivschiffe. Umgeben ist die Kirche von einem Friedhof mit Grabsteinen reicher Walfangkapitäne, so genannter Kommandeursteine.

Das Rømø-Sommerland ist ein vielseitiges Freizeitzentrum für die ganze Familie. Es wurde Ende der 1980er Jahre gebaut.

Der große Fischereihafen in Havneby ist Heimathafen vieler Krabbenfischer.

Erwähnenswert ist Nordeuropas breitester Sandstrand (Havsand im Süden und Juvre Sand im Norden), der bei Niedrigwasser rund 2,5 km breit ist; ein Großteil dieser Sandmassen wird von der Nachbarinsel Sylt abgetragen und auf Rømø angespült. Er ist breiter als der Kniepsand bei Amrum.

Der oben angeführte Walknochenzaun befindet sich im Dorf Juvre.

Ein Walschädelknochen ist auf einer Freifläche im Ort Kongsmark aufgestellt.

Im Naturcenter Tønnisgård wird das ganze Jahr über eine Ausstellung über das Wattenmeer und Rømøs Natur und Kultur gezeigt: Es gibt unter anderem ausgestopfte Seehunde und Vögel, eine vier Meter lange Barte eines Bartenwales, Knochen von einem der gestrandeten Pottwale, einen 2,2 Kilogramm schweren Bernsteinklumpen und anderes. Das Naturcenter veranstaltet unter anderem Wattwanderungen und Bunkerführungen.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Für Rømø typischer sommerlicher Badebetrieb, bei dem zahlreiche Kraftfahrzeuge auf dem Strand parken

Die Insel war im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht besetzt, die von dort aus mit einem „Seeelefant“-Radargerät die gesamte Deutsche Bucht überwachte. Da britische Angriffe auf Rømø befürchtet wurden, entstanden große Bunkeranlagen, wovon Teile im Rahmen einer Führung zu besichtigen sind. Im Norden ist ein Übungsgebiet der dänischen Luftstreitkräfte, wo man nördlich von Juvre die Jagdbomber von einer Aussichtsplattform beobachten kann.

Die meisten großen staatlichen Freiflächen der Insel können frei betreten werden. Einige Gebiete stehen unter Naturschutz. Eine Besonderheit ist, dass ein Teil der Strände auf der Süd- und Westseite der Insel mit dem Privat-Pkw frei befahren werden darf.

Rømø Havn ist 2009 Drehort für den Kinofilm von Roman Polański Der Ghostwriter gewesen.

Verkehr[Bearbeiten]

Individualverkehr[Bearbeiten]

Die Insel kann über den 1948 fertiggestellten, mautfreien Rømødæmningen (dt.: Rømo-Damm; Länge: 9170 m) vom jütischen Festland nördlich Skærbæk erreicht werden.

Bus/Bahn[Bearbeiten]

Die Insel Rømø ist mit der Buslinie 185 (Skærbæk–Rømø) der Firma Sydbus an das öffentliche Nahverkehrsnetz Südjütlands angebunden. Nächstgelegener Bahnhof ist Skærbæk am dänischen Teil der Marschbahn. Dort verkehren nach einem Taktfahrplan Regionalzüge der Firma Arriva in Richtung Norden (Esbjerg über Ribe und Bramming) und Süden (Tønder). Bis 1940 verkehrte die Inselbahn Rømø auf der Insel, eine 750mm-Spur-Pferdebahn, die den Hafen und Schiffsanlager Kongsmark an der Ostseite mit den Hotels und dem Badestrand in Lakolk an der Westseite verband. Nach 1940 wurden die Schienen abgebaut und verkauft. Relikte des Inselbahnverkehrs sind heute nicht mehr zu finden.

Schiff[Bearbeiten]

Mit der Auto- und Personenfähre SyltExpress der Rømø-Sylt-Linie kann man von Havneby nach List im Norden der Insel Sylt übersetzen. Die Fahrt dauert rund 40 Minuten. Die Fährverbindung wird von der Förde Reederei Seetouristik mit Sitz in Flensburg (FRS) betrieben.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Flora[Bearbeiten]

Die Insel hat eine reichhaltige Flora, die rund 270 Pflanzenarten umfasst. Auf der Seeseite, dem Binnenland mit der Heide und auf der Wattseite gibt es unterschiedliche Pflanzengesellschaften.

Fauna[Bearbeiten]

Die Insel ist Lebensraum vieler Tiere. Neben Kaninchen, Hasen und Rehwild ist die Insel Heimat vieler Vogelarten. Bis zu 95 Vogelarten wurden im Jahr 2002 gezählt. Auch Amphibien wie Gelbbauchunken und Salamander finden sich auf der Insel. 1998 wurden am Strand 87 Muschel- und Schneckenarten gezählt.

„Luftballett“ vor Rømø

Im Frühjahr und im Herbst lassen sich sehr große Schwärme von Staren beobachten, die auf ihrem Vogelzug in den Marschen Station machen. Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang versammeln sich diese Schwärme meist an einem Ort und verdunkeln mit ihrem „Luftballett“ teilweise die untergehende Sonne. Dieses „Luftballett“ wird von den Dänen „Schwarze Sonne“ (Sort Sol) genannt. Das Phänomen ist in der gesamten Tondernmarsch (Tøndermarsk) bekannt und zieht jedes Jahr viele Touristen an.

Kultur[Bearbeiten]

Rømø Jazz[Bearbeiten]

Das Jazz-Festival Rømø Jazz findet jährlich am ersten Wochenende im Juni statt.

Drachenfestival Rømø[Bearbeiten]

Drachenfestival

Jedes Jahr findet am ersten Wochenende im September ein internationales Drachenfestivial statt, bei dem mehr als 1.000 Drachen steigen. Da der Strand von Rømø mit dem Auto befahrbar ist, können die Drachen am Auto befestigt werden.

Motorradtreffen[Bearbeiten]

Zu Pfingsten findet regelmäßig ein großes Motorradtreffen statt.

Regionale Küche[Bearbeiten]

Die regionale Küche ist geprägt von Fisch und Meeresfrüchten, die von den dänischen und norwegischen Meeren nach Havneby gelangen. Eine Spezialität der Insel ist ferner Lammfleisch von am Deich grasenden Lämmern. Typisch für die Insel ist ferner die dänische und regionale südjütische Küche.

Sport[Bearbeiten]

Kitesurfer im Sturm

Rømø bietet am südlichen Strandabschnitt eines der bekanntesten Reviere zum Strandsegeln und Buggykiting in Europa. Die Benutzung ist gebührenfrei.

Weiterhin kann man auch Nordic Walking und andere Laufsportarten ausführen. Auf der ganzen Insel kann man fahrradfahren. Außerdem gibt es Reitmöglichkeiten.

Im Süden der Insel gibt es einen Golfplatz.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Thilo Christophersen, Margarete Kragh: Die Nordseeinsel Röm. Natur, Geschichte, Gegenwart. Tinglev 2008.
  •  Bert Kelm, Historisk Samfund for Sønderjylland (Hrsg.): Rømø - et vesterhavspræget samfund. bind 1-6, Aabenraa 1999-2008,.
  •  Bert Kelm, Nordfriisk Instituut (Hrsg.): Rømø - von der Nordsee geprägt. Bredstedt/Braist 2008, ISBN 978-3-88007-344-9 (deutsche Ausgabe).
  •  Gunnar Solvang: Vadehavsbønder på Rømø. BYGD, Esbjerg 1986, ISBN 87-87293-33-1.
  •  Hanns Christian Jessen: Röm - Memoiren einer Insel. Husum 1980, ISBN 3-88042-100-5.
  •  Thade Petersen, Historisk Samfund for Sønderjylland (Hrsg.): Rømø - et bidrag til øens historie og beskrivelse. Aabenraa 1979, ISBN 87-7406-026-0.
  •  H. Meesenburg: Rømø - Natur, Mensch und Landschaft. BYGD, Esbjerg 1978, ISBN 87-87293-38-2.
  •  H.E. Sørensen: Rømøs historie. Forlaget Melbyhus, Skærbæk 1977, ISBN 87-87481-07-3.
  •  Nis-Edwin List-Petersen: Röm - Geschichten und Sagen. Grammark-Verlag, Kellinghusen 1976, ISBN 3-921637-00-7.
  •  Nis-Edwin List-Petersen: Sagn og historier fra Rømø. Forlaget Melbyhus, Skærbæk 1976, ISBN 87-87481-40-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistikbanken -> Befolkning og valg -> BEF4: Folketal pr. 1. januar fordelt på øer (dänisch)
  2. Danmarks Statistik: Statistical Yearbook 2009 - Geography and climate, Table 3 Area and population. Regions and inhabited islands (englisch; PDF-Datei; 38 kB)