Tønder

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Dieser Artikel behandelt eine Kleinstadt in Dänemark mit dem deutschen Namen Tondern. Zum deutschen Jugendbuchautor und Übersetzer gleichen Namens, siehe Harald Tondern

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Dänemark Tønder
(dt: Tondern)
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Tønder (Dänemark)
Tønder
Tønder
Basisdaten
Staat: Dänemark
Verwaltungsbezirk: Syddanmark
Kommune (seit 2007): Tønder
Koordinaten: 54° 57′ N, 8° 52′ O54.9427777777788.8638888888889Koordinaten: 54° 57′ N, 8° 52′ O
Einwohner: (2013[1]) 7.572
Postleitzahl: 6270
Partnerstädte: FinnlandFinnland Närpes

IslandIsland Akranes
NorwegenNorwegen Bamble
SchwedenSchweden Västervik

Marktplatz
Marktplatz
„Grundtriß der Stadt und des Schloßes Tonderen. Anno 1651“
In der Innenstadt
Fußgängerzone
Rathaus (2007)
Die Christkirche zu Tønder
Wasserturm
Traditionelle Klöppelarbeit aus Tønder (Tønderknipling)

Tønder (deutsch: Tondern; südjütisch: Tynne; friesisch: Tuner) ist eine Kleinstadt in der Region Syddanmark.

Die Stadt hieß vor 1800 Thundern (= umzäunter Strand), im 13. Jahrhundert Tunder, Tundær[2]. Die Stadt gehört zum gleichnamigen Kirchspiel (dän.: Sogn) Tønder Sogn, das bis 1970 zur Harde Tønder, Højer og Lø Herred im damaligen Tønder Amt gehörte, danach zur Tønder Kommune im damaligen Sønderjyllands Amt, die im Zuge der Kommunalreform zum 1. Januar 2007 in der „neuen“ Tønder Kommune in der Region Syddanmark aufgegangen ist. Tønder hatte am 1. Januar 2013 7572 Einwohner.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Tønder liegt an der Vidå (deutsch: Wiedau) in der Nähe der deutsch-dänischen Grenze.

Geschichte[Bearbeiten]

Tønder gehört zu den ältesten Städten auf der Landbrücke zwischen Nord- und Ostsee. Schon 1017 war es in Flensburg als Hafenort bekannt. Im Jahr 1227 waren die Dominikaner und 1238 die Franziskaner nach Tønder gekommen und hatten Klöster gegründet. 1243 erhielt der Ort Lübisches Stadtrecht und ist damit heute Dänemarks älteste Stadt. Es war im Mittelalter einer der wenigen Hafenplätze der schleswigschen Westküste. Davon zeugt noch heute das Schiff im Stadtwappen. Wegen der niedrigen Lage wurde die Stadt immer wieder von Sturmfluten heimgesucht, unter anderem 1532 und 1593. Im Jahr 1615 reichte das Wasser bis an die Fenster des Schlosses, 1634 stand es drei Fuß hoch in der Kirche. Es gab in Tønder zahlreiche Brandkatastrophen. Im 16. und 17. Jahrhundert wütete die Pest fünfmal in der Stadt.

Von großer Bedeutung war bis ins 20. Jahrhundert der Viehhandel, da die Stadt am westlichen Ochsenweg lag. Das am Rand der Handelsstadt gelegene Schloss entwickelte sich zum Verwaltungszentrum eines großen Amtes. Bei der Landesteilung von 1544 wurde Johann II., auch genannt Johann (Hans) der Ältere, Landesherr, nach dessen Tod 1581 der Herzog von Gottorf, bis die Teilung 1713/21 aufgehoben wurde.

Durch Landgewinnungen an der Westküste verlor die Stadt ihren Zugang zum Meer und damit einen erheblichen Teil ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Im 17. Jahrhundert blühte das Spitzenklöppeln als wichtiger Wirtschaftszweig auf. 1788 wurde die Stadt Standort des ersten Lehrerseminars im Lande.

Im 19. Jahrhundert geriet die Stadt in den Sog des deutsch-dänischen Konflikts. Die Bürgerschaft war mehrheitlich deutsch gesinnt und schloss sich im Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851) der schleswig-holsteinischen Seite an. Nach Wiederherstellung des Gesamtstaates unter der dänischen Krone behielt Tønder seine administrativen Funktionen. Die Sprachreskripte, welche die dänische Sprache trotz offizieller Gleichberechtigung gegenüber der deutschen bevorzugten, heizten den Konflikt weiter an.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 gehörte die Stadt bis 1920 zu Preußen bzw. ab 1871 zum Deutschen Reich. Sie war Sitz eines Landkreises, verlor aber wirtschaftlich an Bedeutung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Tønder Stützpunkt für Militärluftschiffe und Zeppeline. Seit 1868 war es mit der Hauptbahn HamburgFredericia über eine Nebenbahn nach Tinglev verbunden. 1887 wurde es Knotenpunkt an der Marschbahn von Hamburg zur dänischen Grenze und nach Esbjerg und wurde über die bald darauf errichtete Nebenbahn nach Højer Sluse Umsteigeort für Reisende nach Sylt.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Tønder wegen der En-Bloc-Regel für die I. Zone bei der Volksabstimmung an Dänemark, obwohl 77 Prozent der Stimmberechtigten für einen Verbleib beim Deutschen Reich gestimmt hatten (Details im Artikel Nordschleswig). Auch in den Folgejahren hatten die deutschen Parteien die Mehrheit im Stadtrat. Bis 1945 war die Stadt zweisprachig beschildert. Kurz nach der Etablierung der dänischen Verwaltung wurde Tønder Standort einer Garnison.

Nach Ende der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg schwand die politische Bedeutung des deutschen Bevölkerungsteils erheblich. Die Grenzlage behinderte die Entwicklung der Stadt. Dennoch siedelten sich einige Unternehmen an. Auch die Bedeutung des Tourismus nahm zu. Trotz der Verbesserung des grenzüberschreitenden Verkehrs wurde die Lage Tønders gegen Ende des 20. Jahrhunderts zusehends schwieriger. 1989 schloss das Lehrerseminar seine Pforten, 2002 auch die Kaserne und im Folgejahr das Krankenhaus, das jedoch inzwischen als Privatklinik wieder ausgebaut wird.

Gebietsreformen[Bearbeiten]

1970 wurden die Umlandgemeinden Møgeltønder, Abild, Hostrup und das Landkirchspiel Tønder, das aus den Orten Lille Emmerske (dt. Klein Emmerschede), Store Emmerske (dt. Groß Emmerschede) und Tved (dt. Twedt) bestand, eingemeindet.

Seit 2007 ist Tønder Verwaltungszentrum der Kommune Tønder Kommune, die den westlichen Teil Nordschleswigs enthält und über 40.000 Einwohner zählt. Die Großkommune entstand aus der Fusion der Kommunen Tønder, Højer, Bredebro, Skærbæk, Nørre-Rangstrup und Løgumkloster.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Altstadt: mit zahlreichen gut erhaltenen Patrizierhäusern vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert
  • Christkirche: erbaut 1592, spätgotisch, zahlreiche Epitaphien
  • Museum: sowohl stadtgeschichtliche Sammlung als auch ein bedeutendes Kunstmuseum
  • Wasserturm: zum Museum gehörig, Ausstellung über Stuhl-Design (Wegner)
  • Zeppelinmuseum: an der Luftschiffbasis des Ersten Weltkriegs
  • Klöppelmuseum: in der Westerstraße (Fußgängerzone)
  • Kaakmann auf dem Marktplatz: („Kaakmann“ wurde früher in dieser Gegend der städtische Büttel genannt und Kaak war der Schandpfahl)

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Kommune Tønder sind in den Artikeln Abild, Hostrup, Møgeltønder und Ubjerg beschrieben.

Bildung[Bearbeiten]

In Tønder gibt es ein Gymnasium mit einer dänisch-deutschen „Europaklasse“, die auch von Schülern der nahe gelegenden Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll besucht wird, die deutsche Ludwig-Andresen-Schule, einen deutschen Kindergarten, eine Kommunalbücherei und eine deutsche Bibliothek. Für den deutschen Teil der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde arbeitet ein deutscher Pastor.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Tønder Festival: Ein kultureller Höhepunkt der Stadt ist das alljährlich am letzten Wochenende im August stattfindende internationale Folk- und Rootsmusik-Festival – das Tønder Festival. Es ist eines der größten Festivals dieser Art in Europa.

Verkehr[Bearbeiten]

An der Grenze südlich von Tønder endet die Bundesstraße B 5, die in Dänemark als Primærrute 11 weitergeführt wird. Weitere wichtige Fernstraßen sind die A 8 nach Sønderborg mit Anschluss nach Flensburg in Kruså sowie die Straßen nach Kolding und Aabenraa. Die Busverbindungen in Ost-West-Richtung sind ziemlich spärlich.

Die 1981 stillgelegte und 2001 wiedereröffnete Eisenbahnlinie nach Niebüll wurde von der Nord-Ostsee-Bahn betrieben, bis im Dezember 2010 Arriva den Verkehr übernahm. Die Bahn in Richtung Ribe und Esbjerg wird nicht mehr von der DSB, sondern bereits seit 2002 von der Arriva befahren.

Die 1868 eröffnete Querverbindung zur Ostbahn HamburgFredericia nach Tinglev wurde 1974 eingestellt und diente seither fast nur noch als Museumsbahn. Ab dem Bahnhof Tønder Øst ist die Strecke gesperrt. Von der Bahnstrecke Tønder–Højer Sluse, die bis zum Bau des Hindenburgdamms die Hauptverbindung vom Festland nach Sylt darstellte, sieht man heute nur noch Dämme.

Heiratsparadies[Bearbeiten]

Ähnlich dem schottischen Gretna Green gilt das grenznahe Tønder seit Mitte der 1960er Jahre als Heiratsparadies,[3] in dem jährlich 2500–3000 Ehen (Stand 2008) geschlossen werden, darunter auch Homo-Ehen.[4] Die Eheschließung auch mit ausländischen Partnern ist hier mit weniger Formalia als in Deutschland möglich und wird EU-weit anerkannt. Im Jahr 2007 standen den 2366 ausländischen Hochzeitspaaren[5] lediglich rund 150 Paare aus der Region[6] gegenüber. Gefordert werden neben diversen Unterlagen und einer Anmeldegebühr von 500 dänischen Kronen (etwa 70 Euro; Stand 2012) ein mindestens dreitägiger Aufenthalt des Brautpaares in der Tønder Kommune.[7][8] Die geschätzten 8000 zusätzlichen Übernachtungsgäste im Jahr bescherten der einheimischen Wirtschaft 2007 Mehreinnahmen in Höhe von mehr als 17 Mio. DKK .[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Carsten Erich Carstens: Die Stadt Tondern. Eine historisch-statistische Monographie. F. Dröhse, Tondern 1861
  • Ludwig Andresen: Geschichte der Stadt Tondern bis zum dreißigjährigen Krieg. Heimat und Erbe, Flensburg 1939
  • Ludwig Andresen: Beiträge zur neuen Geschichte der Stadt Tondern. Heimat und Erbe, Flensburg 1943
  • Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig: 750 Jahre Stadt Tondern 1243-1993. HAG, Apenrade 1993, ISBN 87-87301-00-8
  • Britta Bargfeldt: Die deutsche Volksgruppe und der Nationalsozialismus – am Beispiel der Stadt Tondern in den dreißiger Jahren. In: Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig. Heft 78, S. 9–109. HAG, Apenrade 2003, ISBN 87-87301-03-2
  • Hans Bock: Die Marschbahn von Altona nach Westerland. Boyens, Heide 1989, ISBN 3-8042-0458-9.
  • Hågen Kiil: Die Christkirche Tondern. Tønder Menighedsråd/Lokalhistorisk Arkiv, Tondern 1992
  • Günter Weitling: Deutsches Kirchenleben in Nordschleswig seit der Volksabstimmung 1920. Hrsg. vom Bund Deutscher Nordschleswiger und Archiv/Historische Forschungsstelle der deutschen Volksgruppe, Apenrade 2007, ISBN 978-87-991948-0-3
  • Claus Eskildsen: Tønder 1243-1943. Guldhorn, Tondern 1943
  • W. Christiansen, Ingolf Haase: Nystaden. Billeder fra det gamle Tønder. Forlaget Neffen, Tondern 1986, ISBN 87-88995-04-6
  • Henrik Becker-Christensen: Byen ved grænsen. Tønder 1920-1970. Institut for Grænseregionsforskning, Apenrade 1993, ISBN 87-87637-85-5 (dänisch)
  • Ingolf Haase, Tønder Menighedsråd: Kristkirken 1592-1992. Christo Salvatori Sacrum. Tondern 1992, ISBN 87-982957-8-3 (formal falsche ISBN) (dänisch)
  • Hans Christian Christensen, Magnus Lorentzen: Dengang i Tønder. Sorgenfri Tryk, Tondern 1997, ISBN 87-90476-03-8 (formal falsche ISBN) (dänisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tønder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Tønder – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistikbanken -> Befolkning og valg -> BEF44: Folketal pr. 1. januar fordelt på byer (dänisch)
  2. Nudansk Ordbog, 13. Ausgabe, Politikens Forlag
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIn Tondern wird das Heiraten leicht gemacht. Hundert Paare aus Deutschland wurden hier schon getraut. Hamburger Abendblatt, 19. Juli 1966, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKnut Diers: Mit der Prinzenhochzeit kommt Leben ins Dorf. Hamburger Abendblatt, 17. Mai 2008, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  5. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSara Zankel: Udlændinge strømmer til Tønder for at blive gift. Avisen.dk, 22. April 2008, abgerufen am 23. Dezember 2012 (dänisch).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSara Zankel: Tønder er Europas Las Vegas. Avisen.dk, 22. April 2008, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  7. Standesamt. Tønder Kommune, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNeuer Pächter im Schlosskrug. AHGZ-Druckausgabe Nr. 2001/42, 20. Oktober 2001, abgerufen am 23. Dezember 2012.