Roudnice nad Labem

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Roudnice nad Labem
Wappen von Roudnice nad Labem
Roudnice nad Labem (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Litoměřice
Fläche: 1667,4019[1] ha
Geographische Lage: 50° 25′ N, 14° 15′ O50.42361111111114.253888888889195Koordinaten: 50° 25′ 25″ N, 14° 15′ 14″ O
Höhe: 195 m n.m.
Einwohner: 13.005 (1. Jan. 2013) [2]
Postleitzahl: 413 01
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: PragDresden
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Vladimír Urban (Stand: 2013)
Adresse: Karlovo náměstí 21
413 01 Roudnice nad Labem
Gemeindenummer: 565555
Website: www.roudnicenl.cz
Schloss Raudnitz, erbaut im 17. Jh.

Roudnice nad Labem (deutsch Raudnitz an der Elbe) ist eine Stadt in der nordböhmischen Region Ústecký kraj in Tschechien. Sie liegt am linken Ufer der Elbe in der Nähe des 456 m hohen Říp (Sankt Georgsberg), um den sich die Legende vom Urvater Čech rankt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Siedlung Roudnice wurde erstmals 1167 erwähnt. Sie gehörte damals den Prager Bischöfen und erhielt unter Bischof Heinrich Břetislav III. eine romanische Burg nach französischem Vorbild. 1237 erteilte König Wenzel I. Raudnitz das Stadtrecht nach Leitmeritzer Recht. Im 14. Jahrhundert erlebte es eine Blütezeit: Unter Bischof Johann IV. von Dražice wurde mit dem Bau der Wenzelskirche begonnen, ein Kloster der Augustinerchorherren gegründet und eine Steinbrücke über die Elbe errichtet. Erzbischof Ernst von Pardubitz ließ die Stadt befestigen und Erzbischof Johann Očko von Wlašim veranlasste Umbaumaßnahmen an der bischöflichen Burg. Zudem übertrug er kurz vor seinem Tod 1378 die bisherigen Stadtrechte auf die „Neustadt“.

Während der Hussitenkriege wurde Raudnitz 1421 und 1425 niedergebrannt. Nach dem Tod des Erzbischofs Konrad von Vechta, der 1425 seiner Ämter enthoben wurde und 1431 auf der bischöflichen Burg Raudnitz verstarb, wurde das Erzbistum Prag von 1434 bis 1561 von Administratoren verwaltet. Dadurch verlor die bischöfliche Burg an Bedeutung und Raudnitz gelangte während dieser Zeit an häufig wechselnde weltliche Herren.

Im Jahre 1575 verkaufte das Erzbistum Prag Raudnitz an den Oberstburggrafen von Böhmen Wilhelm von Rosenberg, unter dem die verfallene Burg und die Steinbrücke erneuert wurden. Nach seinem Tod 1592 erbte Raudnitz dessen Witwe Polyxena von Pernstein. Sie vermählte sich 1603 mit dem Oberstkanzler von Böhmen Zdeněk Vojtěch Popel von Lobkowitz, der 1615/28 ein Kapuzinerkloster errichten und die Wenzelskirche erneuern ließ. Raudnitz diente nun als Hauptsitz der Herren von Lobkowitz, unter denen es sich zu einem Zentrum der Gegenreformation entwickelte. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurden die Schäden unter Wenzel Eusebius von Lobkowicz behoben. Zudem begann er ab 1652 mit dem Bau des Schlosses Raudnitz, das nach Entwurf der Baumeister Antonio della Porta und Francesco Caratti auf den Fundamenten der ehemaligen Bischofsburg errichtet wurde und von kunsthistorischer Bedeutung über die Grenze Böhmens hinaus bis nach Franken wurde. Unter Ferdinand August von Lobkowitz (1655–1715) im Jahre 1684 vollendet, wurde es mit einer Gemäldegalerie und anderen Kunstschätzen ausgestattet. Zudem erhielt es eine reiche Bibliothek, in der sich u. a. auch ein Evangeliar aus dem 10. Jahrhundert befand.

1804 wurde in Schloss Raudnitz auf Betreiben Franz Joseph Maximilian Lobkowitz' Beethovens Eroica uraufgeführt.

Von wirtschaftlicher Bedeutung waren neben der Lobkowitzer Gutswirtschaft seit dem 19. Jahrhundert u. a. chemische und metallverarbeitende Betriebe. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstarkte in dem überwiegend tschechisch besiedelten Raudnitz eine tschechisch-nationale Bewegung, wobei das Nationaldenkmal des fünf Kilometer südöstlich von Raudnitz gelegenen Říp (Georgsberg) eine Rolle spielte. Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 verloren die Lobkowitz durch die Bodenreform von 1920 einen Teil ihrer Besitzungen, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie ganz enteignet. Die deutschsprachigen Bewohner wurden 1945 auf Grund der Beneš-Dekrete vertrieben. Das Schloss, dessen wertvolle Innenausstattung verloren ging bzw. zum Teil in andere Schlösser oder Museen verbracht wurde, diente ab 1957 als Militär-Akademie. Nach der Samtenen Revolution erfolgte 1991 eine Restitution durch die damalige Tschechoslowakei an die Familie von Lobkowitz.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Roudnice nad Labem besteht aus den Ortsteilen Podlusky (Podlusk) und Roudnice nad Labem (Raudnitz an der Elbe)[3], die zugleich auch Katastralbezirke bilden[4]. Grundsiedlungseinheiten sind Bezděkov, Bezděkov-průmyslový obvod, Hracholusky, Ke Chvalínu, Nad skalami, Nemocnice, Ostrov, Podlusky, Průmyslový obvod, Rejdiště, Roudnice nad Labem-střed, Sídliště Hracholusky-jih, Sídliště Hracholusky-sever, Slavín, U Jirchářské kaple, U Podlusků, U stadionu, Uličky, Urbanka, Za rozhlednou und Zahrady[5].

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das Wahrzeichen der Stadt ist das im 17. Jahrhundert nach Entwurf von Antonio della Porta und Francesco Caratti erbaute Schloss Roudnice. Es entstand auf den Fundamenten der ehemaligen bischöflichen Burg.
  • Denkmalgeschützte Innenstadt mit Baudenkmälern aus dem Mittelalter
  • Das Augustinerkloster mit frei stehendem Glockenturm wurde 1333 gegründet. Im Kreuzgang befinden sich gotische Wandmalereien. 1725-1734 wurde es von Octavio Broggio barockisiert.
  • Die Wilhelmskapelle wurde 1726 nach Entwurf von Octavio Broggio errichtet. Das Altarbild schuf Wenzel Lorenz Reiner.
  • Jüdischer Friedhof im Nordwesten der Stadt mit Grabstätten wohlhabender Handelsleute
  • Die aus Stein errichtete Elbbrücke wurde 1333–1336 erbaut und später mehrmals restauriert. Sie führt nach Vědomice und verbindet das benachbarten Kloster Doksany und die Festungsanlage und Garnisonstadt Terezín mit dem Nordufer der Elbe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt

mit Roudnice nad Labem verbunden

  • Cola di Rienzo (1313–1353) wurde 1350 auf Befehl des Kaisers Karl IV. auf der Raudnitzer Burg gefangengehalten
  • Martin Húska († 1421 in Raudnitz), Prediger und radikaler Kirchenreformator
  • Antonio Casimir Cartellieri (1772–1807), Hofkomponist und Musikdirektor auf Schloss Raudnitz
  • Paul Cartellieri (1807–1881), Kurarzt und Ehrenbürger von Franzensbad, verbrachte seine Jugend in Raudnitz.
  • Jan Karafiát (1846–1929), Pfarrer der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, Vikar der reformierten Kirche in Raudnitz und Schriftsteller

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Bahlcke u. a.: Handbuch der historischen Stätten Böhmen und Mähren, Kröner-Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 511–513
  • Erhard Gorys: Tschechische Republik, Kultur, Landschaft und Geschichte, DuMont Buchverlag GmbH. Köln, 1994, ISBN 3-7701-2844-3, S. 274–276.
  • Hans-Ulrich Engel: Burgen und Schlösser in Böhmen - Nach alten Vorlagen, Wolfgang Weidlich Verlag Frankfurt am Main, 2. Auflage 1978,ISBN 3 8035 8013 7 (Raudnitz S. 87; Abb. S. 212)
  • Lillian Schacherl: Böhmen - Kulturbild einer Landschaft, Prestel Verlag München 1966 (Raudnitz S. 340–342),
  • Karl M. Swoboda: Barock in Böhmen, Prestel Verlag München 1964, Raudnitz (Roudnice) Seite 283; Schloß Seite 14, 15, 284, 285; Schloß Raudnitz, Ansicht von der Elbseite nach einem Kupferdruck von Jeremias Wolff, um das Jahr 1730, Reproduktion der Darstellung auf Seite 15; Klosterkirche Seite 41

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roudnice nad Labem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/565555/Roudnice-nad-Labem
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2013 (PDF; 543 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/565555/Obec-Roudnice-nad-Labem
  4. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/565555/Obec-Roudnice-nad-Labem
  5. http://www.uir.cz/zsj-obec/565555/Obec-Roudnice-nad-Labem