S-Bahn Rostock
| Staat | Deutschland |
| Verkehrsverbund Tarifverbund |
VVW |
| Linien | 3 |
| Streckenlänge | 90,7 km |
| Stationen | 26 |
| Fernbahnhöfe | 2 |
| kleinste Taktfolge | 7,5/15 (S2 und S3 60/120) |
| Bewohner im Einzugsbereich | 235.629 |
| Fahrzeuge | BR 143 + Doppelstockwagen |
| Betreiber | DB Regio Nordost |
Die S-Bahn Rostock ist eine S-Bahn in der mecklenburgischen Hansestadt Rostock. Sie besitzt drei Linien mit insgesamt rund 90 km Länge. Die Linie S1 vom Hauptbahnhof nach Warnemünde verkehrt innerhalb des Rostocker Stadtgebiets. Dort wurde bereits in 1970er Jahren der S-Bahn-Betrieb aufgenommen. Später wurden die Linien zum Seehafen und in die südlich gelegene Stadt Güstrow über Schwaan in das S-Bahn-Netz einbezogen. 2012 wurde die Linie zum Seehafen eingestellt, dafür gehört seitdem die Verbindung nach Güstrow über Laage als Linie S3 zur Rostocker S-Bahn. Es werden Wendezüge mit Doppelstockwagen eingesetzt.
Inhaltsverzeichnis |
Linien[Bearbeiten]
Verlauf[Bearbeiten]
Westlich der Unterwarnow führt die Linie S1 von Warnemünde über die Neubaugebiete Lichtenhagen, Lütten Klein, Evershagen und durch die Industriegebiete Marienehe und Bramow zwischen der Kröpeliner-Tor-Vorstadt und dem Hansaviertel zum Rostocker Hauptbahnhof, der sich im Süden der Steintor-Vorstadt befindet (Kursbuchstrecke 181).
Die S2 beginnt ebenfalls in Warnemünde, folgt dem Streckenverlauf der Linie S1, fährt aber über den Hauptbahnhof hinaus in das südliche Umland Rostocks. Sie überquert bei Schwaan die Warnow und führt weiter nach Güstrow (Kursbuchstrecke 182).
Die S3 beginnt zur Zeit noch am Rostocker Hauptbahnhof und folgt dem Streckenverlauf der Lloydbahn in südlicher Richtung über Laage (Meckl) und der Verbindungsbahn Plaaz – Priemerburg in die Stadt Güstrow. Ab dem Fahrplanwechsel 2013/2014 und bei ausreichender Verfügbarkeit von Talent-2-Zügen, soll auch diese Linie bis Warnemünde verkehren.
Stationen und Fahrzeiten[Bearbeiten]
| Linie | Halte | Länge in km[1] | Fahrzeit in Min. | Strecke |
|---|---|---|---|---|
| 10 | 13,3 | 20 | Warnemünde – Warnemünde Werft – R.-Lichtenhagen – R.-Lütten Klein – R.-Evershagen – R.-Marienehe – R.-Bramow – R. Holbeinplatz – R. Parkstraße – Rostock Hauptbahnhof | |
| 17 | 47,6 | 58 | Warnemünde – Warnemünde Werft – R.-Lichtenhagen – R.-Lütten Klein – R.-Evershagen – R.-Marienehe – R.-Bramow – R. Holbeinplatz – R. Parkstraße – Rostock Hauptbahnhof – Papendorf – Pölchow – Huckstorf – Schwaan – Mistorf – Lüssow – Güstrow | |
| 9 | 45,6 | 43 | Rostock Hauptbahnhof – Kavelstorf – Scharstorf – Kronskamp – Laage – Subzin-Liessow – Plaaz – Priemerburg – Güstrow |
Geschichte[Bearbeiten]
Auf der Strecke zwischen dem Rostocker Hauptbahnhof und dem Seebad Warnemünde gab es schon lange einen dichten Vorortverkehr. Tariflich wurde er bereits seit 1923 durch preiswerte Tagesrückfahrkarten begünstigt.
Die vorübergehende Streichung dieser Angebote führte 1953 zu Protesten der Arbeiter der Warnowwerft, so dass wenige Wochen später wieder die alten Tarife in Kraft traten.[2] Mit dem in den 1960er Jahren begonnenen Bau von Neubausiedlungen entlang dieser Strecke wuchs die Bedeutung dieser Relation.
Die bestehende Strecke über Schmarl lag einerseits für das älteste und größte dieser Neubaugebiete, Lütten Klein, zu weit abseits, andererseits waren weitere Neubaugebiete auf der Trasse geplant. In den 1960er Jahren war zunächst eine Trassenführung westlich der Stadtautobahn nach Warnemünde erwogen worden, wegen des hohen Bauaufwandes wurden diese Pläne jedoch nicht weiterverfolgt.[3] Stattdessen begann 1968 der Bau einer Trasse neben der Stadtautobahn auf deren Ostseite. Zunächst wurde am 12. Juli 1970 eine Stichstrecke von Bramow nach Lütten Klein eröffnet, um das Wohngebiet mit der Innenstadt und dem Hafengebiet zu verbinden. Von Bramow bis Evershagen befand sich das Gleis neben dem Streckengleis nach Warnemünde in der Lage des ehemaligen zweiten Gleises. An diesem Tag gingen auch, angelehnt an die Tarife anderer Stadtbahnen, tarifliche Vereinfachungen in Kraft. Eine Fahrt von Rostock nach Warnemünde kostete einheitlich 50 Pfennig, für kürzere Strecken zahlte man den normalen Tarif der Deutschen Reichsbahn.[2]
Die Strecke nach Lütten Klein wurde in den folgenden Jahren nach Norden verlängert und südlich des Haltepunktes Warnemünde Werft wieder in die alte Strecke eingeführt. Mit Fertigstellung dieser Neubaustrecke erfolgte 1974 der offizielle Start als S-Bahn (heutige Linie S1) und der bisher unregelmäßige Verkehr wurde vertaktet. Die alte Strecke über den Bahnhof Schmarl wurde stillgelegt.
Am 14. Dezember 1985 wurde der elektrische Betrieb auf der Rostocker S-Bahn aufgenommen. Im Berufsverkehr verkehrten Wendezüge aus drei vierteiligen Doppelstockeinheiten, die bis zur Elektrifizierung mit der Baureihe 118, danach mit der Baureihe 243 (heute 143) bespannt waren.
Die Strecke zum Rostocker Überseehafen galt damals nicht als S-Bahn, auch wenn alle Fahrten dorthin von und nach Warnemünde durchgebunden waren. Erst 1987 wurde der S-Bahn-Tarif zum Überseehafen eingeführt[2] Die offizielle Bezeichnung "S-Bahn" für die Züge zum Seehafen wurde erst nach 1990 eingeführt.
Von 1982 an verkehrten mehrere S-Bahn-Züge aus Warnemünde nach Rostock weiter zum Düngemittelwerk in Poppendorf. Diese Züge galten als reine Berufsverkehrszüge und standen für den Abschnitt östlich von Rostock nicht in den öffentlichen Fahrplänen. 1992 wurden diese Züge eingestellt.
In den 1990er Jahren ging das Verkehrsaufkommen im Berufsverkehr zurück, da die meisten großen Betriebe Personal abbauten oder ganz geschlossen wurden und die Wohngebiete entlang der S-Bahn-Strecken Einwohner verloren. Der 7,5-Minuten-Takt im Berufsverkehr wurde auf einen 10-Minuten-Takt ausgedünnt und die Zuglängen nach und nach bis auf Garnituren aus drei Doppelstockwagen verkürzt.
Ebenfalls seit den 1990er Jahren werden die Nahverkehrszüge von Güstrow nach Rostock als S-Bahn bezeichnet und durchgehend nach Warnemünde geführt.
Planungen mit dem Ziel, das S-Bahn-System Rostock mit der Straßenbahn der Stadt zu einem Stadtbahnsystem zu verknüpfen, wurden im Jahre 2007 aufgegeben.
Im Jahre 2009 schrieb das Land Mecklenburg-Vorpommern den Betrieb auf dem Teilnetz „Warnow“ aus, zu dem neben der Rostocker S-Bahn auch die Linien Wismar – Rostock – Tessin, (Bad Doberan) – Rostock – Graal-Müritz und Wismar – Ludwigslust gehören. DB Regio Nordost gewann die Ausschreibung und bleibt Betreiber der Rostocker S-Bahn und wird auch die Linie Rostock – Laage – Güstrow übernehmen.[4][5] Ab Fahrplanwechsel 2012 wurde diese Linie zum S-Bahn-Netz ergänzt und als S3 geführt. Zwischen Rostock und Warnemünde fahren die Züge in der Hauptverkehrszeit alle 7,5 Minuten und in der Nebenverkehrszeit alle 15 Minuten, auf den übrigen Abschnitten Mo-Fr alle 60 Minuten, an Wochenenden weiterhin nur alle 120 Minuten.
Ab Dezember 2012 sollten alle Linien mit fabrikneuen, fünfteiligen Elektrotriebwagen Bombardier Talent 2[6] gefahren werden, welche die alten Doppelstockwendezüge (S1 und S2) und Dieseltriebwagen (S3) ersetzen werden. Nach Information der Deutschen Bahn wird vorübergehend die neue Linie S3 in Rostock Hbf aus betrieblichen Gründen gebrochen. Zum Fahrplanwechsel 2012 sind noch nicht genügend Talent-2-Züge verfügbar, stattdessen wird auf neuwertige Doppelstockwagen zugegriffen. Diese Linie wird in zwei Teilen verkehren (Warnemünde – Rostock Hbf. und Rostock Hbf. – Laage – Güstrow. Ab voraussichtlich Dezember 2013 soll die Linie wie vom Besteller gewünscht durchgehend zwischen Warnemünde und Güstrow mit Talent-2 Zügen verkehren.
Mitte Mai 2012 bestätigte das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, dass die zukünftige Linie S4 zum Rostocker Seehafen nicht eingeführt werden soll, sondern der Personenverkehr zum Seehafen zum 9. Dezember 2012 komplett abbestellt wird. Aus der Rostocker Stadtverwaltung kam Widerspruch hierzu, hier spricht man sich für eine Verlängerung der S-Bahn zum Fähranleger im Überseehafen aus.[7] Ebenfalls nicht mehr bedient wird der Halt in Mierendorf (bei Güstrow).[8]
Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten]
Seit langem verkehrten zwischen Rostock und Warnemünde Doppelstock-Wendezüge. Lange Zeit kamen Züge aus zwei vierteiligen Doppelstockgliederzügen zum Einsatz, im Berufsverkehr seit Mitte der 1970er Jahre sogar teilweise aus drei Teilen mit insgesamt zwölf Wagen. In den 1980ern wurden die Gliederzüge durch Doppelstockeinzelwagen ersetzt, die nach einer Modernisierung in den 1990er Jahren auch 2012 noch im Einsatz sind.
Auf allen Linien (Stand April 2013) verkehren lokbespannte Züge mit der Baureihe 143, zwei modernisierten Doppelstockwagen der Reichsbahnbauart und einem Neubau-Doppelstock-Steuerwagen. Zu besonderen Anlässen können die Züge auf eine maximale Länge von fünf Wagen (Steuerwagen, vier Mittelwagen) verlängert werden. Alle Züge verfügen über erste und zweite Wagenklasse. Bis auf die Neubau-Bombardier-Doppelstockwagen auf der S3, sind die Wagen mit dem Schriftzug „S-Bahn Rostock DB“ gekennzeichnet.
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Triebzug der Baureihe 642 auf der ehemaligen S3
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Wagen der S-Bahn Rostock in Aushilfe im Bahnhof Berlin Alexanderplatz
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Steuerwagen der S-Bahn Rostock auf der S2 in Mistorf
Literatur[Bearbeiten]
- Lothar Schultz & Josef Temmen: Die S-Bahn Rostock–Warnemünde. Kenning, 1. Auflage 2004, ISBN 3-933-61369-8.
Weblinks[Bearbeiten]
- Verkehrsverbund Warnow
- Rostocker Straßenbahn AG
- www.Stadtbahn-Rostock.de - Erläuterungen und Konzepte
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Hans Schweers, Heninng Wall, Thomas Würdig: Eisenbahnatlas Deutschland. 8. Auflage. Schweers + Wall, 2011, ISBN 978-3-89494-140-6.
- ↑ a b c Lothar Schultz, Josef Temmen, Die S-Bahn Rostock – Warnemünde, Verlag Kenning 2004, ISBN 3-933613-69-8, S. 28/29
- ↑ Lothar Schultz, Josef Temmen, Die S-Bahn Rostock – Warnemünde, Verlag Kenning 2004, ISBN 3-933613-69-8, S. 13
- ↑ Aktuelle Pressemitteilungen - Mecklenburg-Vorpommern: Das Regierungsportal
- ↑ Aktuelle Pressemitteilungen - Mecklenburg-Vorpommern: Das Regierungsportal
- ↑ DB-Konzern - 104/2010
- ↑ Schlotmann streicht auch in Rostock, Warnow Kurier, 5. April 2012
- ↑ [1], VVW Fahrplanheft 2012/2013, Seite 3
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