S-Bahn Rostock

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S-Bahn Deutschland
S-Bahn Rostock
S-Bahn Rostock 2013.png
Staat Deutschland
Verkehrsverbund
Tarifverbund
Verkehrsverbund Warnow (VVW)
Linien 3
Streckenlänge 90,7 km
Stationen 26
Fernbahnhöfe 2
kleinste Taktfolge 7,5/15 min (S2 und S3 60/120 min)
Bewohner im Einzugsbereich 235.629
Fahrzeuge BR 442 Talent 2
Betreiber DB Regio Nordost

Die S-Bahn Rostock ist eine S-Bahn in der mecklenburgischen Hansestadt Rostock. Sie besteht aus drei Linien mit insgesamt rund 90 km Länge. Die Linie S1 vom Hauptbahnhof nach Warnemünde verkehrt innerhalb des Rostocker Stadtgebiets. Dort wurde bereits in 1970er Jahren der S-Bahn-Betrieb aufgenommen. Später wurden die Linien zum Seehafen und in die südlich gelegene Stadt Güstrow über Schwaan in das S-Bahn-Netz einbezogen. 2012 wurde die Linie zum Seehafen eingestellt, dafür gehört seitdem die Verbindung nach Güstrow über Laage als Linie S3 zur Rostocker S-Bahn. Bis 2013 wurden hauptsächlich Wendezüge mit Doppelstockwagen eingesetzt.

Linien[Bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten]

Westlich der Unterwarnow führt die Linie S1 von Warnemünde über die Neubaugebiete Lichtenhagen, Lütten Klein, Evershagen und durch die Industriegebiete Marienehe und Bramow zwischen der Kröpeliner-Tor-Vorstadt und dem Hansaviertel zum Rostocker Hauptbahnhof, der sich im Süden der Steintor-Vorstadt befindet (Kursbuchstrecke 181).

Die S2 beginnt ebenfalls in Warnemünde, folgt dem Streckenverlauf der Linie S1, fährt aber über den Hauptbahnhof hinaus in das südliche Umland Rostocks. Sie überquert bei Schwaan die Warnow und führt weiter nach Güstrow (Kursbuchstrecke 182).

Die S3 beginnt auch in Warnemünde und folgt dem Streckenverlauf der Lloydbahn in südlicher Richtung über Laage (Meckl) und der Verbindungsbahn Plaaz – Priemerburg in die Stadt Güstrow.

Stationen und Fahrzeiten[Bearbeiten]

Linie Halte Länge in km[1] Fahrzeit in Min. Strecke
Logo S1 Rostock 2013.png 10 13,3 20 Warnemünde – Warnemünde Werft – R.-Lichtenhagen – R.-Lütten Klein – R.-Evershagen – R.-Marienehe – R.-Bramow – R. Holbeinplatz – R. Parkstraße – Rostock Hauptbahnhof (nur Stammstrecke)
Logo S2 Rostock 2013.png 17 47,6 58 Warnemünde – Warnemünde Werft – R.-Lichtenhagen – R.-Lütten Klein – R.-Evershagen – R.-Marienehe – R.-Bramow – R. Holbeinplatz – R. Parkstraße – Rostock Hauptbahnhof – Papendorf – Pölchow – Huckstorf – Schwaan – Mistorf – Lüssow – Güstrow
Logo S3 Rostock 2013.png 18 58,1 74 Warnemünde – Warnemünde Werft – R.-Lichtenhagen – R.-Lütten Klein – R.-Evershagen – R.-Marienehe – R.-Bramow – R. Holbeinplatz – R. Parkstraße – Rostock Hauptbahnhof – Kavelstorf – Scharstorf – Kronskamp – Laage – Subzin-Liessow – Plaaz – Priemerburg – Güstrow

Geschichte[Bearbeiten]

Sonderfahrschein anlässlich der Eröffnung der S-Bahn

Auf der Strecke zwischen dem Rostocker Hauptbahnhof und dem Seebad Warnemünde gab es schon lange einen dichten Vorortverkehr. Tariflich wurde er bereits seit 1923 durch preiswerte Tagesrückfahrkarten begünstigt.

Die vorübergehende Streichung dieser Angebote führte 1953 zu Protesten der Arbeiter der Warnowwerft, so dass wenige Wochen später wieder die alten Tarife in Kraft traten.[2] Mit dem in den 1960er Jahren begonnenen Bau von Neubausiedlungen entlang dieser Strecke wuchs die Bedeutung dieser Relation.

Die bestehende Strecke über Schmarl lag einerseits für das älteste und größte dieser Neubaugebiete, Lütten Klein, zu weit abseits, andererseits waren weitere Neubaugebiete auf der Trasse geplant. In den 1960er Jahren war zunächst eine Trassenführung westlich der Stadtautobahn nach Warnemünde erwogen worden, wegen des hohen Bauaufwandes wurden diese Pläne jedoch nicht weiterverfolgt.[3] Stattdessen begann 1968 der Bau einer Trasse neben der Stadtautobahn auf deren Ostseite. Zunächst wurde am 12. Juli 1970 eine Stichstrecke von Bramow nach Lütten Klein eröffnet, um das Wohngebiet mit der Innenstadt und dem Hafengebiet zu verbinden. Von Bramow bis Evershagen befand sich das Gleis neben dem Streckengleis nach Warnemünde in der Lage des ehemaligen zweiten Gleises. An diesem Tag gingen auch, angelehnt an die Tarife anderer Stadtbahnen, tarifliche Vereinfachungen in Kraft. Eine Fahrt von Rostock nach Warnemünde kostete einheitlich 50 Pfennig, für kürzere Strecken zahlte man den normalen Tarif der Deutschen Reichsbahn.[2]

Die Strecke nach Lütten Klein wurde in den folgenden Jahren nach Norden verlängert und südlich des Haltepunktes Warnemünde Werft wieder in die alte Strecke eingeführt. Mit Fertigstellung dieser Neubaustrecke erfolgte 1974 der offizielle Start als S-Bahn (heutige Linie S1) und der bisher unregelmäßige Verkehr wurde vertaktet. Die alte Strecke über den Bahnhof Schmarl wurde stillgelegt.

Am 14. Dezember 1985 wurde der elektrische Betrieb auf der Rostocker S-Bahn aufgenommen. Im Berufsverkehr verkehrten Wendezüge aus drei vierteiligen Doppelstockeinheiten, die bis zur Elektrifizierung mit der Baureihe 118, danach mit der Baureihe 243 (heute 143) bespannt waren.

Die Strecke zum Rostocker Überseehafen galt damals nicht als S-Bahn, auch wenn alle Fahrten dorthin von und nach Warnemünde durchgebunden waren. Erst 1987 wurde der S-Bahn-Tarif zum Überseehafen eingeführt.[2] Die offizielle Bezeichnung „S-Bahn“ für die Züge zum Seehafen wurde erst 1988 eingeführt.[4]

Von 1982 an verkehrten mehrere S-Bahn-Züge aus Warnemünde nach Rostock weiter zum Düngemittelwerk in Poppendorf. Diese Züge galten als reine Berufsverkehrszüge und standen für den Abschnitt östlich von Rostock nicht in den öffentlichen Fahrplänen. 1992 wurden diese Züge eingestellt.

Nach der Wende in der DDR ging in den 1990er Jahren das Verkehrsaufkommen im Berufsverkehr zurück, da einerseits die meisten großen Betriebe Personal abbauten oder ganz geschlossen wurden als auch dass die Wohngebiete entlang der S-Bahn-Strecken Einwohner verloren. Die Zuglängen wurden nach und nach bis auf Garnituren aus drei Doppelstockwagen verkürzt. Im Jahr 2002 wurde der 7,5-Minuten-Takt im Berufsverkehr auf einen 10-Minuten-Takt ausgedünnt.

Ebenfalls seit den 1990er Jahren werden die Nahverkehrszüge von Güstrow nach Rostock als S-Bahn bezeichnet und durchgehend nach Warnemünde geführt.

Planungen mit dem Ziel, das S-Bahn-System Rostock mit der Straßenbahn der Stadt zu einem Stadtbahnsystem zu verknüpfen, wurden im Jahre 2007 aufgegeben.

Im Jahre 2009 schrieb das Land Mecklenburg-Vorpommern den Betrieb auf dem Teilnetz „Warnow“ aus, zu dem neben der Rostocker S-Bahn auch die Linien Wismar – Rostock – Tessin, (Bad Doberan) – Rostock – Graal-Müritz und Wismar – Ludwigslust gehören. DB Regio Nordost gewann die Ausschreibung und bleibt Betreiber der Rostocker S-Bahn und wird auch die Linie Rostock – Laage – Güstrow übernehmen.[5][6] Ab Fahrplanwechsel 2012 wurde diese Linie zum S-Bahn-Netz ergänzt und als S3 geführt. Zwischen Rostock und Warnemünde fahren die Züge in der Hauptverkehrszeit alle 7,5 Minuten und in der Nebenverkehrszeit alle 15 Minuten, auf den übrigen Abschnitten montags bis freitags alle 60 Minuten, an Wochenenden weiterhin nur alle 2 Stunden.

Mitte Mai 2012 teilte das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern mit, dass die zukünftige Linie S4 zum Rostocker Seehafen nicht eingeführt werden soll. Aus der Rostocker Stadtverwaltung kam Widerspruch hierzu, hier sprach man sich für eine Verlängerung der S-Bahn zum Fähranleger im Überseehafen aus.[7] Der Personenverkehr zum Seehafen wurde dennoch zum 9. Dezember 2012 komplett abbestellt. Ebenfalls nicht mehr bedient wird der Halt in Mierendorf (bei Güstrow).[8]

Ab Dezember 2012 sollten alle Linien mit fabrikneuen, fünfteiligen Elektrotriebwagen Bombardier Talent 2[9] gefahren werden, die die alten Doppelstock-Wendezüge (S1 und S2) und Dieseltriebwagen (S3) ersetzen sollten. Zum Fahrplanwechsel 2012 waren diese Züge noch nicht verfügbar. Auf den Linien S1 und S2 verkehrten weiterhin die alten Garnituren, die Linie S3 wurde in Rostock in zwei Teile geteilt (Warnemünde – Rostock Hbf. und Rostock Hbf. – Laage – Güstrow), zwischen Rostock und Güstrow verkehrten lokbespannte Züge mit neueren Doppelstockwagen.

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten]

Seit langem verkehrten zwischen Rostock und Warnemünde Doppelstock-Wendezüge. Lange Zeit kamen Züge aus zwei vierteiligen Doppelstockgliederzügen zum Einsatz, im Berufsverkehr seit Mitte der 1970er Jahre sogar teilweise aus drei Teilen mit insgesamt zwölf Wagen. In den 1980er Jahren wurden die Gliederzüge durch Doppelstock-Einzelwagen ersetzt, die nach einer Modernisierung in den 1990er Jahren auch 2013 noch im Einsatz waren.

Auf allen Linien (Stand April 2013) verkehren lokbespannte Züge mit der Baureihe 143, zwei modernisierten Doppelstockwagen der Reichsbahnbauart und einem Neubau-Doppelstock-Steuerwagen. Zu besonderen Anlässen können die Züge auf eine maximale Länge von fünf Wagen (Steuerwagen, vier Mittelwagen) verlängert werden. Alle Züge verfügen über erste und zweite Wagenklasse. Bis auf die Neubau-Bombardier-Doppelstockwagen auf der S3 waren die Wagen mit dem Schriftzug „S-Bahn Rostock DB“ gekennzeichnet.

Seit dem 9. Oktober 2013, beginnend auf der Linie S3, werden nach und nach alle 23 bestellten Talent 2-Triebwagen die alten Doppelstockgarnituren ersetzen. Bis April 2014 soll die Umstellung abgeschlossen sein.[10][11]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Lothar Schultz, Josef Temmen: Die S-Bahn Rostock–Warnemünde. Kenning, Nordhorn 2004, ISBN 3-933-61369-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: S-Bahn Rostock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans Schweers, Heninng Wall, Thomas Würdig: Eisenbahnatlas Deutschland. 8. Auflage. Schweers + Wall, 2011, ISBN 978-3-89494-140-6.
  2. a b c Lothar Schultz, Josef Temmen: Die S-Bahn Rostock – Warnemünde, Verlag Kenning 2004, ISBN 3-933613-69-8, S. 28/29
  3. Lothar Schultz, Josef Temmen: Die S-Bahn Rostock – Warnemünde, Verlag Kenning 2004, ISBN 3-933613-69-8, S. 13
  4. Deutsche Reichsbahn, Kursbuch 1987/88 und Kursbuch 1988/89
  5. Aktuelle Pressemitteilungen - Mecklenburg-Vorpommern: Das Regierungsportal
  6. Aktuelle Pressemitteilungen - Mecklenburg-Vorpommern: Das Regierungsportal
  7. Schlotmann streicht auch in Rostock, Warnow Kurier, 5. April 2012
  8. [1], VVW Fahrplanheft 2012/2013, Seite 3
  9. DB-Konzern - 104/2010
  10. http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/sbahn239.html
  11. http://www.rostock.de/wohnen-arbeit-verkehr/db-regio.html