Santa Maria del Popolo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Basisdaten
Patronat: Maria
Weihetag: 1099
Kardinalpriester: Stanisław Kardinal Dziwisz
Anschrift: Piazza del Popolo 12
00187 Roma

Santa Maria del Popolo (lat.: Sanctae Mariae de Populo), vollständig Basilica Santa Maria del Popolo, ist eine römisch-katholische Kirche in Rom. Sie befindet sich an der Piazza del Popolo im Stadtteil Campo Marzio, direkt an der Porta del Popolo.

Die Basilica minor ist seit dem 13. April 1587 eine der römischen Titelkirchen der römisch-katholischen Kirche und seit dem 24. März 2006 dem ehemaligen Sekretär von Papst Johannes Paul II., dem jetzigen Erzbischof von Krakau, Stanisław Kardinal Dziwisz, zugeordnet.

S Maria d Popolo 06.jpg

Baugeschichte[Bearbeiten]

Plan der Kirche
Innenansicht
Capella Chigi Kuppel
Santa Maria del Popolo Chigi Kapelle
Kreuzigung des Heiligen Petrus von Caravaggio

Anlässlich der Eroberung Jerusalems während des Ersten Kreuzzugs ließ Papst Paschalis II. eine erste Kapelle errichten, die der Jungfrau Maria geweiht wurde. Da der Bau durch Spendengelder der Bevölkerung Roms finanziert worden sein soll, bekam er den Beinamen „del Popolo“ (des Volkes), der auch auf den angrenzenden Platz überging. Zuvor wurde der Platz einem Exorzismus unterzogen, da nach einer Legende an derselben Stelle der Kaiser Nero begraben worden sein soll und sein Geist dort noch spuken sollte.

1213 bis 1227 wurde die Kapelle von Gregor IX. in den Rang einer Kirche erhoben und ausgebaut. 1250 kam die Kirche an die Augustiner aus Tuszien und 1472 schließlich an die Augustiner der Lombardischen Kongregation. Diese ließen die Kirche in den Jahren 1472 bis 1480 nach den Entwürfen der Architekten Baccio Pontelli und Andrea Bregno im lombardischen Stil, in der Form einer Basilika mit drei Schiffen umbauen. In den Jahren 1655 bis 1660 wurde sie nach den Entwürfen von Gian Lorenzo Bernini umgestaltet. Insbesondere die Fassade geht auf seinen Entwurf zurück. Ab 1479 wurden Kapellen angefügt, die zahlreiche Kunstwerke von Rang bergen.

Die südliche Seitenfassade wurde 1811 bis 1822 von Giuseppe Valadier neu gestaltet um die Kirche in die symmetrische Nordseite der Piazza del Popolo einzupassen.

Die Kapellen der Kirche[Bearbeiten]

1. Die Kapelle della Rovere wurde ab 1488 für Kardinal Domenico della Rovere eingerichtet. Das Grabmal für Domenico und seinen Bruder Cristoforo della Rovere, Neffen von Francesco della Rovere, wurde von Andrea Bregno 1501 entworfen. Ihm gegenüber errichtete Francesco da Sangallo das Grabmal für Giovanni da Castro 1506. Das Altarbild und die Ausmalung des Gewölbes mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen Hieronymus stammen von Pinturicchio (1488–1490).[1]

2. Die Cybo-Kapelle, ursprünglich ebenfalls von Pinturicchio ausgemalt, wurde in den Jahren 1682 bis 1687 von Carlo Fontana für die Familie Cybo neu gestaltet.

3. Die Kapelle Basso della Rovere wurde 1484 von Kardinal Girolamo Basso della Rovere gestiftet und dem Heiligen Augustinus geweiht. Die Ausmalung stammt von Schülern des Pinturicchio (1489–1491).

4. Die Costa-Kapelle mit den Fresken Pinturicchios aus dem Jahr 1489 gehörte ebenfalls ursprünglich der Familie della Rovere, wurde aber 1488 vom portugiesischen Kardinal Giorgio Costa erworben. Sein Grabmal schuf 1508 ein Schüler Bregnos.

5. Die Kapelle Montemirabile, ursprünglich für den Bischof Giovanni Montemirabile 1479 erbaut, wurde 1561 zur Taufkapelle umgewidmet.

6. Die Chigi-Kapelle: Agostino Chigi der Bankier dreier Päpste[2], einer der reichsten Geschäftsmänner seiner Zeit erhielt 1507 von Papst Julius II. die Patronatsrechte für die Kapelle (Cappella della Madonna di Loreto) im linken Seitenschiff. 1512 beauftragte er Raffael mit dem architektonischen Entwurf. Bramantes Plan für den Grundriss der neuen Peterskirche stand Pate für diesen Entwurf: Ein Zentralbau mit griechischem Kreuz im Grundriss, einer von vier abgeschrägten, das gesamte Gewicht tragenden Eckpfeilern gestützten und mit Fenstern belichteten Tambour getragenen Kuppel. Die Kapelle ist eines der architektonischen Hauptwerke Raffaels. Der Bau selbst wurde 1513 – 1514 von Lorenzetto, einem Schüler Raffaels begonnen – Teile der Dekoration waren bis 1516 fertiggestellt. Weitere Teile der Ausstattung entstanden noch bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kapelle erst in der Mitte des 17. Jhd. Der harmonische, weite Raum wird durch die beiden Pyramiden aus farbigem Marmor, rechts die Grablege von Agostino Chigi (gest. 1520) und links die seines Bruders Sigismondo Chigi (gest.1526), bestimmt. Sie sind Teil des von Raffael konzipierten Bildprogramms, das die christliche Tradition mit den Vorstellungen von Platons “Timaios“ verbindet[3]. Die Ausstattung der Kapelle einschließlich der pyramidenförmigen Gräber und der Mosaike an der Kuppel gehen ebenfalls auf die Entwürfe von Raffael zurück. Lorenzetto, führte im Auftrag von Raffael, auch nach dessen Tod (1520), Arbeiten aus. Von ihm stammen die Skulpturen „Jonas, vom Fisch ausgespien“(1519) und der „Elias“ (1523) sowie das Bronzerelief an der Vorderseite des Altars „Jesus und die Samariterin“. Das Kuppel-Mosaik mit „Gott als Schöpfer des Firmaments“ im Zentrum, darunter allegorische Darstellungen der Sonne und der damals bekannten sieben Planeten wurden von dem Venezianer Luigi de Pace im Jahre 1516 ausgeführt. Die Wandelemente des Tambour sind mit Szenen aus der Genesis geschmückt, die von Francesco Salviati in Freskotechnik geschaffen wurden. Das Altarbild „Die Geburt der Gottesmutter“ (Öl auf Stein) stammt von 1526 Sebastiano del Piombo. Auf Veranlassung Fabio Chigis, 1655 zum Papst Alexander VII. gewählt, nimmt Gian Lorenzo Bernini 1652 -1656 eine Umgestaltung der Kapelle im Zeitgeschmack des Barock vor und vollendet die Ausstattung. Unter anderem schuf er die beiden Skulpturen „Habakuk und der Engel“ und „Daniel in der Löwengrube“, sowie die Marmorreliefs an den beiden Pyramiden. .

7. Die Mellini-Kapelle ist dem Heiligen Nikolaus von Tolentino geweiht. Das Altarbild stammt von Agostino Masucci. Die Kuppel wurde 1623–1624 von Giovanni Mannozzi ausgemalt.

8. In der Kapelle des Heiligen Kruzifix hängt ein Kruzifix des 14. Jahrhunderts. Die Ausmalung der Kapelle erfolgte durch den flämischen Künstler Pieter van Lind im Auftrag der Familie Cybo.

9. Die Theodoli-Kapelle wurde von Giulio Mazzoni ausgestattet.

10. In der Cerasi-Kapelle befinden sich die Bilder Caravaggios Kreuzigung des Petrus (Crocefissione di San Pietro) und Bekehrung des Paulus (Conversione di San Paolo) aus den Jahren 1601 und 1602.

11. Die Capella Maggiore enthält das Grabmal des Kardinals Ascanio Maria Sforza. Es ist das erste dreiachsige Triumphbogengrabmal, das in Rom errichtet wurde und stellte alle bisherigen Monumente in den Schatten. Errichtet wurde es von dem Bildhauer Andrea Sansovino im Auftrag von Papst Julius II.. Das Grabmal ist der Stein gewordene Ausdruck der Realpolitik von Julius II. Obwohl er sich in Gegnerschaft zu dem Kardinal aus der Sforza-Familie befand, benötigte er die Sforza-Familie jedoch als wichtige Bündnispartner in seinem Kampf gegen die französischen Truppen in Norditalien. Mit der großzügigen Geste, mit der er dem Kardinal das Grab stiftete, dokumentierte er, dass er die Familie Sforza als Herrscher über Mailand anerkannte und wollte sich auf diese Weise ihre Bündnistreue sichern. Im Gewölbe der Kapelle das Fresko Mariä Krönung von Pinturicchio.

Santa Maria del Popolo – Stifterkirche der Päpste[Bearbeiten]

Santa Maria del Popolo ist eine ungewöhnlich reich ausgestattete Kirche. Die Augustinerkirche gewann für die Päpste seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung als Zentrum geistlicher und weltlicher Repräsentation. Zu den Päpsten, die diese Kirche besonders förderten, zählen Sixtus IV., Innozenz VIII. und Alexander VI.. Der Kunsthistoriker Philipp Zitzlsperger hat in seinem Aufsatz über Kardinal Ascanio Maria Sforza auch beschrieben, dass das Stiftungswesen in Zusammenhang mit Santa Maria del Popolo während ihrer Herrschaft nicht nur ein Gradmesser für das Verhältnis zwischen Stifter und dem Augustinerkonvent war, sondern auch ein Gradmesser für das Verhältnis zwischen Stifter und Papst. Neben päpstlichen Zuwendungen erfuhr das Augustinerkloster von Santa Maria del Popolo auch Stiftungen aus den Kassen anderer römischer Eliten. Nach den Untersuchungen von Zitzlsperger war jedoch das klienteläre Verhältnis zur Papstfraktion entscheidend für ein Engagement in Santa Maria del Popolo. Schenkungen an die Kirche waren Zukunftsinvestitionen, die nur dann getätigt wurden, wenn davon eine Rendite wie beispielsweise ein päpstliches Wohlwollen zu erwarten war. Das lässt sich auch den Spendeverhalten von Vannozza de'Catanei belegen, die die Mätresse von Alexander VI. und die Mutter von Cesare und Lucrezia Borgia war. Während des Pontifikats von Alexander VI. zählte sie zu den großzügigen Stifterinnen dieser Kirche. Ihr Grab, das ebenfalls in der Kirche war, ist heute verschwunden. Mit der Wahl von Julius II., der der italienischen della Rovere-Familie angehörte, endete dies abrupt. Die Wahl des Papstes dominierte den Förderkreis dieser Kirche. Für Historiker kann daher heute aus dem Spendeverhalten und den Kreisen, aus denen die Spenden flossen, auf klienteläre Bindung zum Papst geschlossen werden.

Orgel[Bearbeiten]

In der Kirche befindet sich eine Orgel der Firma Spevi. Das rein elektrische Instrument besitzt 18 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Disposition ist wie folgt:[4]

I Hauptwerk C–c3

1. Principale 1 8'
2. Principale 2 8'
3. Dulciana 8'
4. Unda Maris 8'
5. Ottava 4'
6. Ottavino 2'
7. Ripieno IV
8. Tromba 8'
II Manual C–c3
9. Bordone 8'
10. Viola Gamba 8'
11. Concerto Viole
12. Ottava 4'
13. Flauto Armonico 4'
14. Decimaquinta 2'
15. Ripieno III
Tremolo
Pedal C–g1
16. Subbasso 16'
17. Basso Forte 8'
18. Bordone 8'
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, I/I, II/II,
    • Superoktavkoppeln: II/I, I/I, II/II, I/P,II/P
  • Spielhilfen: Annulatore Tromba, Combinatione Libre, PP, P, MF, F, FF

Siehe auch[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Joachim Fischer, „Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt“, DuMont Buchverlag, Köln 2001, ISBN 3-7701-5607-2, S. 261–263
  • Anton Henze, „Kunstführer Rom“, Philipp Reclam GmbH, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010402-5, S. 231–234
  • Claudio Rendina, „Le Chiese di Roma“, Newton Compton Editori, Rom 2007, ISBN 978-88-541-0931-5
  • Zitzlsperger, Philipp: „Deus dedit, Deus abstulit. Kardinal Ascanio Maria Sforza kämpft ums Überleben seiner Familie“ in: „Die Jagd nach dem roten Hut“, hrsg. von Arne Karsten. Göttingen 2004, S. 13–28, ISBN 3-525-36277-3.
Zitzlsperger schildert in seinem Aufsatz nicht nur, wie es zu dem Grabmal des Kardinals Ascanio Maria Sforza kam, sondern geht auch darauf ein, welche Rolle Santa Maria del Popolo für die Päpste spielte.
  • Christoph L. Frommel: Die Architektur der Renaissance in Italien, C.H.Beck Verlag, München 2009, ISBN 978 3 406 58142 7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Bartels, Roms sprechende Steine, Kap. 6.10, Zabern, Mainz 2004, 4. Auflage, ISBN 3-8053-2690-4
  2. Alexander VI., Julius II. und Leo X.
  3. C.L. Frommel: Die Architektur der Renaissance in Italien, S. 139
  4. Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santa Maria del Popolo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

41.91138888888912.476388888889Koordinaten: 41° 54′ 41″ N, 12° 28′ 35″ O